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Pone: Der paralysierte Musiker der mit seinen Augen produziert

Die französische Hip-Hop Legende Pone ist durch einen Nervenerkrankung komplett bewegungsunfähig geworden. Seine Leidenschaft zur Musik konnte er aber nicht aufgeben. Er hat einen Weg gefunden, nur mit seinen Augen ein Album zu komponieren. 

Pone mit seinem Arbeitsgerät samt Augen-Tracking © Screenshots aus Youtube Video
Pone mit seinem Arbeitsgerät samt Augen-Tracking © Screenshots aus Youtube Video


Pone, bürgerlich Guilhem Gallart, war in den 1990er in der Hip-Hop Szene Frankreichs, vor allem in Marseille, ein gefragter Mann. Zusammen mit der Gruppe Fonky Family veröffentlichten er Hits wie ‘Art De Rue’, ‘Sans Rémission’ und ‘Mystère et Suspense’. Dabei war er als Produzent auch für andere Hip-Hop-Gruppen wie ‘113‘ und ‘KDD‘ am Start. Drei Alben veröffentlichte er mit Fonky Family, zusammen tourten sie in den 90ern durch ausverkaufte Hallen in ganz Frankreich. Nachdem sich Fonky Family 2007 auflöste, startete Pone eine Solo-Karriere. Hier konnte er einzelne Erfolge aufweisen, sein Fokus galt aber seiner Familie.
(Pone steht rechts in der Telefonzelle) 

Ice Bucket Challenge geht viral

Zusammen mit seiner Frau Wahiba und den zwei gemeinsamen Töchtern zog die Familie weg aus Marseille nach Gaillac im Süden Frankreichs. Als dann 2014 die Ice Bucket-Challenge auf Social Media viral ging, ahnte Pone noch nicht, dass er bald selber betroffen sein wird. Bei der Ice Bucket-Challenge haben sich Personen einen Kübel voller Eiswürfel über dem Kopf schmeißen lassen, um auf die Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) aufmerksam zu machen.
Bei der seltenen Erkrankung verlieren die motorischen Nervenzellen, die für die Steuerung der Muskulatur verantwortlich sind, mit der Zeit ihre Funktion. Am Anfangs fällt einem das Gehen schwerer, mit der Zeit lässt der ganze Körper nach und man ist nicht mehr in der Lage Muskeln zu aktivieren. Man spürt dabei seinen Körper wie zuvor und nimmt Sinneseindrücke weiter auf, kann sich aber nicht bewegen.

Bei Pone wird ALS diagnostiziert

Als Pone 2014 auf einmal Schwierigkeiten mit dem Gehen bekommen hat, ließ er sich untersuchen. Die Diagnose ALS im Jahr 2015 war ein riesiger Schock. Eine Heilung gibt es bis heute nicht. Als Pone mit der Zeit nicht mehr sprechen konnte, machte ihm eine Doku über Stephen Hawking, der selber ALS hatte, Hoffnung. Dieser nutze ein Computersystem, bei dem er mit Augenbewegungen einen Computer zum Sprechen bringen konnte. Auch wenn seine Stimme weg war, konnte Pone wieder seine Gedanken mit der Welt teilen. 
Nachdem Pone sich an sein neues Leben gewöhnt hatte, kam das Verlangen zum Musik machen wieder zurück. 2019 installierte er Ableton Live und nutzte ein Augen-Tracking-Tool um die Maus zu steuern. Dadurch konnte er wieder Musik produzieren, auch wenn der Prozess deutlich langsamer von Statten ging. Im September 2019 veröffentlichte er mit ‘Kate and Me’ sein ersten Album seit seiner Diagnose. Die Lieder sind ruhig, die Stimmung mal melancholisch, mal fröhlich. In einem Song sampelte er sein Beatmungsgerät und mischte es mit Samples von ‘Breathing’ von Kate Bush. Pone nahm sich Zeit für seine Lieder, der letzte Track des Albums dauert eine halbe Stunde.
Die Party zum Album-Release gibt es in diesem Video:

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Neues Album soll Erkrankten helfen

In einemInterview mit “The Guardian” redet Pone über den Prozess. Demnach meint er, dass er bei der Produktion “nicht eingeschränkt” gewesen sei. “Eher im Gegenteil. Ich war in der Lage, neue Techniken auszuprobieren. Früher war es viel unmittelbarer; jetzt ist der Prozess wirklich langsam, aber ich nutze diese Zeit, um richtig über die Musik nachzudenken.”
Ein ganz persönlich wertvolles Projekt hat Pone mit ‘Listen and Donate’. Mit dem Album nimmt Pone spenden ein, um Pflegepersonal für Nervenkrankheiten zu schulen. Da die Pflege sehr kompliziert ist und es verhältnismäßig wenig Erkrankte gibt, fehlt es an vielen Orten an geschultem Personal.
In der Doku von Arte TRACKS wird Pone von einem Reporter besucht. Dabei erzählt der Franzose über sein Leben und seine Musik. Die inspirierende und zugleich erschütternde Geschichte gibt es hier:

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Sein Album ‘Kate and Me’ am Spotify:

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von Mathias Walter

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