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Numark CDN88 MP3 Test

Details

Der erste Eindruck
Bei einem Rack-CD-System stellt der Käufer eigentlich keine allzu hohen Designansprüche. Dennoch ist es Numark gelungen, dem Gerät durch eine Kombination aus mattem schwarzen Kunststoff und gräulichem Metall ein stylishes Finish zu verpassen. Die teilweise abgerundeten Einheiten sind sauber verarbeitet, besitzen keine Schnittkanten oder Grate. Ihre gummierten, halbtransparent milchigen Buttons gefallen besser als die vormals silbernen Knöpfe. Sie lösen auf der vollen Fläche aus und ihr Druckpunkt ist eindeutig. Das gilt auch für die kleineren schwarzen Schaltflächen, nur die Effektbuttons sind etwas schwergängiger. Im Karton befinden sich alle nötigen Anschlusskabel, ein Handbuch und ein Beatport Voucher. Also gut, dann wollen wir den Burschen mal verkabeln und unter Strom setzen. Einen Knopfdruck später leuchten mir Display und Bedienelemente in blau und rot entgegen, das sieht klasse aus. Bedroom-DJs aufgepasst, die Kombination könnte man ebenso gut ins Wohnzimmer, respektive Schlafzimmer stellen, statt sie ins Rack zu schrauben. Das CD-Laufwerk passt gut unter einen Tisch und die Steuerung, dank vier kabelfreundlicher und ausreichend hoher Gummifüße, vor den Mixer. Dieser ist zwingend nötig, denn CDN88MP3 besitzt weder ein internes Mischpult noch einen Kopfhöreranschluss.

Player- und Backpanel
Abgesehen von der schicken Front gestaltet sich der Anblick der Laufwerkseinheit recht unspektakulär. Die Vorderseite besitzt zwei etwas wackelige Laufwerkschubladen nebst Auswurftasten. An den Schlitten möchte ich, ehrlich gesagt nicht im Eifer des Gefechtes hängenbleiben oder gar davorlaufen. Ein Slot-In Mechanismus mit beleuchteter Führung hätte an dieser Stelle sicherlich auch gepasst. Die Abspieleinheiten sind mit einem Drei-Beam-Laser ausgestattet und arbeiten mit 1 Bit linearer Quantisierung bei achtfachem Oversampling. Die Samplefrequenz beträgt 88,2 kHz. Sie lesen die Formate Audio-CD, CD-R, CD-RW und MP3-CD.

Numark empfiehlt, sämtliche Datenträger im niedrigst möglichen Tempo zu brennen. Im Praxistest traten beim 32-fach gebrannten Rohling keine Probleme auf. Vom Einschalten bis zum ersten Sound vergehen zwischen sechs und acht Sekunden. Eine CD benötigt im Schnitt etwa fünf Sekunden, bis sie abspielbereit ist. Der Wechsel zum nachfolgenden Track geschieht innerhalb einer Sekunde, dann benötigt die interne Analysefunktion weitere drei bis fünf um den BPM-Wert zu berechnen. Die angegebenen Zeiten gelten für die getesteten MP3-CDs in gleichem Maße. Eine Disc mit 10 Tracks wurde genauso schnell eingelesen, wie eine ordnerverschachtelte Scheibe mit über 50 Songs.

Fotostrecke: 3 Bilder
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Auch die Rückseite dürfte aufgrund der wenigen und eindeutigen Bezeichnungen keine großen Fragen aufwerfen. Neben dem Kaltgeräte-Anschluss stellt sie für jeden Zuspieler jeweils ein Stereo-Chinch-Buchsen Paar, eine S/PDIF Buchse, einen Controller-Port und einen 3,5 mm-Klinkeneingang für den Remote-Start bereit. Letztgenannter ist sicher nicht die kontaktstärkste und betriebssicherste Wahl. Hier hätte ich lieber eine 6,3 mm große Klinkenbuchse gesehen. Ungeachtet dessen ermöglicht die Faderstart-Technik automatisches Starten und Stoppen eines Decks abhängig von der Crossfaderposition am DJ-Mixer. Wird er von links nach rechts bewegt, startet das rechte Deck. Ganz rechts angelangt stoppt das linke Deck. In den CDN-Voreinstellungen lässt sich zudem festlegen, ob der Song an einer vorhandenen Markierung gecuet, oder ob der Pausenmodus einschaltet und somit ein neuer Cuepunkt angelegt wird. Wer den vollen Körpereinsatz liebt, kann alternativ Pedals anschließen und so mit den Füßen triggern. Ob der DJ die von den Guitar-Amps bekannten ON/OFF Pedals oder des Keyboarders Sustain-Pedals verwendet, kann er selbst entscheiden.

8,4 Kilo Lebendgewicht bringt das Numark-Bundle auf die Waage. Die Haupteinheit ist mit 6,5 kg dabei und belegt im Rack zwei Höheneinheiten. 1 HE entspricht 1,75“ (Zoll), also 44,45 mm. Der Controller wiegt mit 1,9 kg nur knapp ein Viertel und misst 3 HE. Die Leistungsaufnahme gibt der Hersteller mit 36 Watt an. Sollten 15 Minuten ohne Aktivität ins Land ziehen, schalten die Decks in den Ruhe-Modus.

Display
Numark verbaut statt der grün-schwarzen Vorgängermodell-Anzeige nun ein VF-Display mit blauem Hintergrund und weißer Schrift. Gerade in dunklen Umgebungen ist es um einiges besser abzulesen, wenn auch Regler für Kontrast- oder Helligkeitsabstufungen fehlen. Die obere Screen-Hälfte zeigt unter anderem Informationen zu Laufzeiten (ELAPSED, REMAIN, TOTAL REMAIN) und den manchmal unentschlossenen Beatcounter an. Im unteren Teil flankieren Feedbacks für Loops und Hotcues mit der Pitchanzeige eine 2×12 Zeichen darstellende dynamische Punktmatrix. Sie zeigt situationsabhängig Dateinamen, Songfortschritt oder Effektparameter an. Ordnerbezeichnungen liefert das VFD nicht. Stattdessen liegen sämtliche Musikstücke „Root“ vor und zwar in logischer Reihenfolge und nicht alphabetisch.

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Wenn Dateinamen besonders lang sind wird es schon mal etwas unübersichtlich. Zwar nutzt das Display während des Browse-Vorganges die vollen 24 Zeichen der Matrix und scrollt danach, in meinem Fall macht es die Trackauswahl trotzdem nicht wirklich leichter. Zur Verdeutlichung habe ich immer 24 Zeichen des Titels in einer anderen Farbe hinterlegt. Erst im grünen Farbbereich ist eine eindeutige Identifikation des Titels möglich, also nach rund 72 Zeichen. Die Unterstützung von ID3 Tags (zum Beispiel Artist, Track, Label) ist bei vielen Geräten heute schon Standard und wäre auch hier eine durchaus elegante Option.

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CDN besitzt jetzt einen praktischen Encoder-Button. Mit ihm steuert der DJ zügig durch sein musikalisches Repertoire. Gleichzeitiges Pressen und Drehen des Knopfes überspringt gleich zehn Tracks. Die aktuelle Auswahl landet immer sofort im Deck, also aufgepasst. Wird der Encoder nur einmal niedergedrückt gelangt der DJ in den Search-Modus, der beschleunigtes Navigieren im Song (Trackscanning) ermöglicht.

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Links neben dem jeweiligen Encoder befindet sich die Auswurftaste. Sie springt nur dann an, wenn das entsprechende Deck nicht musiziert. Darunter geben TIME und SNG Zugriff auf die Laufzeitanzeige und den Abspielmodus, mit PROGRAM werden Voreinstellungen geändert. Rechts neben dem Display sind Pitchbend-Buttons und Taster für Pitch-Range, Tonhöhe und Keylock verbaut. Damit lässt sich sicherlich ergonomisch Arbeiten, die Bend-Buttons könnten aber prinzipiell größer ausfallen.

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Richtgeschwindigkeit oder Tempolimit?
Der Pitchschieber gleitet sanft und hat eine durchaus praxistaugliche Länge von 60 mm. Wird er nach unten bewegt, steigt die Geschwindigkeit des abgespielten Musikstückes, nach oben verringert sich diese. In der Mitte des Regelweges ist eine einrastende Nullstellung. An diesem Punkt befindet sich ein kleiner Bereich von etwa zwei Millimetern in beide Richtungen, der keine Auswirkungen auf das Tempo hat. Diese sogenannte Deadzone ist auch an den Nord- und Südenden vorhanden. Hier fällt sie mit fast einem Zentimeter allerdings deutlich größer aus. Leider besitzen die Fader für meinen Geschmack etwas zu viel Spiel und ihre Potikappen sind ein wenig wackelig.

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Das Regelintervall des Tempo-Schiebers ist in vier Graden skalierbar (6, 12, 25,100 Prozent). In der niedrigsten Stufe (+/- 6) lässt sich die Geschwindigkeit mit 0,1-prozentiger Exaktheit anpassen, in der höchsten (+/- 100) sind es immer noch sehr respektable 0,2- 0,3 Prozent. Damit der Pitch funktioniert, muss die Prozent-Anzeige aufleuchten. Ansonsten ist Quartzlock aktiviert und schützt den Song vor ungewollter Beschleunigung.

In einigen musikalischen Sparten, vornehmlich elektronischer Musik, ist das holperfreie Beatmatching Pflicht. Hierbei werden die Takte der laufenden Songs bei gleichem Tempo synchron übereinandergelegt. Damit sie nicht aus dem Gleichschritt laufen, hat der DJ an jedem Deck zwei Taster zum kurzeitigen Beschleunigen oder Bremsen an der Hand. Alternativ kann er das Jogdial verwenden, um dem Turntable-Feeling, wenn auch nur im begrenzten Maße, seinen Tribut zu zollen. Je schneller das Jogdial gedreht wird, oder je länger die Bend-Taster gedrückt gehalten werden, umso signifikanter ist auch die Tempoänderung.

Jogwheel
Gerade im Mainstream und Pop, aber auch in technoiden Genres gibt es DJs, die keinen Wert auf Jogdials legen und stattdessen Schaltflächen bevorzugen. Diese Begebenheit trifft aber nicht auf sämtliche Jockeys zu, gerade Ex-Vinylisten können sich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, ganz ohne schubsen und schieben zu mixen. Ich bin der Meinung, dass ein qualitativ hochwertiges Jogdial feinfühliger und präziser in der Steuerung ist als ein Button. CDN88MP3 besitzt zwei Jogs und diese wurden in der Neuauflage einem umfangreichen Facelifting unterzogen. Die vormals glatte und von Fingermulden umrandete Scheibe musste einer Konstruktion mit seitlichen Kerben und geriffelter Oberfläche weichen. Der Durchmesser am Rand beträgt etwa 60 mm, die geriffelte Oberfläche besitzt einen Radius von 25 mm. Man sollte sich allerdings nichts vormachen, denn auch wenn das Dial nun insgesamt etwas griffiger ist, sind die Rädchen aufgrund ihrer geringen Größe nur für den gelegentlichen Scratch-Einsatz zu empfehlen. Sie lassen sich aber gut zum Spulen im Musikstück und zur Steuerung der Effektparameter einsetzen.

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Anstoß
Schön groß und zudem Status-beleuchtet sind die Schaltflächen CUE, PLAY und PAUSE ausgefallen. Sowohl Anlaufgeschwindigkeit als auch Bremszeit und Cuestil der Decks lassen sich vom Anwender festlegen. Skip- und Trackscanning-Tasten sind dem Rotstift zum Opfer gefallen, da diese Aufgaben nun Push-Encoder, bzw. Jogdial umsetzen. Dementsprechend aufgeräumt präsentieren sich die beiden Decksektionen. Neben der Transportsteuerung beheimaten sie Loop- und Effektabteilungen, die wir uns im Praxisteil näher ansehen.

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Start-/ Stopverhalten

Die Aufwärmphase
Nicht dass die Player selbst eine nennenswerte Aufwärmphase für den Betrieb bräuchten, vielmehr ist hier das Warm-up in Club oder der autonome Bar- und Gastronomiebetrieb gemeint. CDN kann diesen dank Relay-Play ganz ohne DJ bestreiten. So können die beiden Laufwerke musikalisches Pingpong spielen, wahlweise Track für Track oder CD nach CD. Dabei kann eine Pause zwischen jedem Song oder ein simultanes Abspielen mit einer Länge von maximal 3 Sekunden eingestellt werden. Der Track kommt allerdings in voller Lautstärke in den Mix.

Effekte
Musste sich der DJ beim Vorgänger noch per Knopfdruck durch eine Liste der verfügbaren Effekte hangeln, kann er sie nun direkt auslösen.CDN88 bringt insgesamt zwölf mit. Sie lassen sich sowohl im Single-Modus als auch gemeinschaftlich im Multiple-Modus abfeuern. Um einen einzelnen Effekt zu aktivieren, reicht es, den entsprechenden Button zu auszulösen. Ein Parameter kann dann über das Jogdial gesteuert werden. Ohne eine weitere Bewegung wird der Wert in gut einer Sekunde schrittweise zurückgesetzt. Das ist zwar recht schnell, hört sich aber deutlich besser an, als ein Hardcut. HOLD friert auf Wunsch den jeweilig aktuellen Zustand bis zur nächsten Reglerbewegung ein.

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Die FX-Tasten Echo, Chop, Isolate und Reverse sind doppelt belegt. Hier schaltet HOLD auf Distorsion, Pan, Kill und Bleep um. Während des Relay-Plays ist eine manuelle Effektsteuerung zwar grundsätzlich möglich, jedoch liefert das Display keine Parameterrückmeldung. Um maximal vier Effekte zeitgleich auf beiden Decks zu betreiben, werden zunächst PROGRAM und HOLD simultan getriggert. Multi-FX lässt sich dann, allerdings nur im Kollektiv für beide Decks aktivieren. Scratch und Reverse sind unabhängig von der momentanen FX-Verteilung auf die Decks zusätzlich verfügbar. Das macht nach Adam Riese maximal acht nebeneinandergeschaltete Effekte. Diese klingen durchaus praxistauglich, die taktgesteuerten Vertreter leiden jedoch unter einer möglichen Fehlanalyse des Beatkeepers.

Phaze
Der Phaser erzeugt den Sound eines startenden Flugzeuges. Das Jogwheel steuert die Intensität des Effektes.

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Phaser

Sonar hinterlässt einen Jogwheel-gesteuerten metallisch-hohlen Sound.

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Sonar

Slide erzeugt abhängig von der Jogwheelrichtung eine Tonhöhenverschiebung. Sobald das Dial zum Stillstand kommt, wird der Wert zurücktransponiert.

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Slide

Echo arbeitet in einem Intervall von 1/1 – 1/64 Beat basierend auf der Beatanalyse des Beatkeepers . 1/1 spielt es für den Zeitraum eines vollen Taktes ab. Gegen den Uhrzeigersinn  wird ein Reverse-Echo ausgelöst, welches das Audiomaterial aus dem Puffer entnimmt und den Widerschall quasi vor dem aktuellen Signal einspielt.

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Echo

A.D.reduziert die Bitrate inklusive zunehmender Verzerrung -> Bitcrusher.

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AD

Pan schickt das Signal zwischen rechtem und linken Kanal in Abhängigkeit vom Beatkeeper hin- und her. In der Grundeinstellung wechselt der Kanal jede Achtelnote, also mit jedem halben Beat. Schnelle Scratchbewegungen zwischen den Werten 100 und  4 sorgen für einen Soundeffekt ähnlich eines Ringmodulators.

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Pan

Chop blendet das Signal nach einem voreingestellten Zeitpunkt ein und aus.
Standardmäßig choppt der Effekt jeden halben Beat.

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Chop

Das ISOLATE-Filter isoliert einen bestimmten Frequenzbereich. Das Jogwheel verschiebt diesen durch das Audiospektrum. CDN88 merkt sich den zuletzt eingestellten Wert.

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Isolate

Im Gegensatz zum Isolator unterdrückt KILL einen spezifischen Frequenzbereich. Das Jogwheel hat die gleiche Funktionalität.

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Kill

Reverse spielt den Track in entgegengesetzter Richtung ab.

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Reverse

Bleep steht ganz im Zeichen der Zensur, denn es ist quasi Forward-Reverse.
Anders als sonst üblich wird der Song nach Loslassen der Taste nicht von der momentanen Position weitergespielt, sondern an der Stelle fortgesetzt, an der er sich ohne BLEEP befunden hätte. Der Zeitraum dazwischen wird übersprungen, also zensiert.

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Bleep

Scratch ermöglicht dem DJ mithilfe den Jogdials Scratcheffekte auszuführen. Wird zusätzlich HOLD eingeschaltet, läuft der Song nach Loslassen des Dials nicht automatisch weiter, sondern emuliert stattdessen das Scratchverhalten bei ausgeschaltetem Turntable-Motor.

Vier unterschiedliche Scratchmodi versüßen dem „Numark-Käufer“ das DJ-Leben.
Scratch 1 spielt den Track automatisch weiter, sobald das Dial zum Stillstand kommt. Scratch 2 stoppt den Track zusammen mit dem Jogwheel und startet ihn erst wieder, wenn das Dial vorwärts geschubst wird. Scratch 3 scratcht den Inhalt des Audiopuffers und springt beim Loslassen an die Stelle, wo der Song gewesen wäre, hätte der DJ nicht gescratcht. Somit bleibt der geneigte Jogdialist von der Idee her immer im Takt. „Bleep“ lässt grüßen. Scratch 4 ist quasi ein Sample-Scratching zwischen aktuellem Cuepunkt und Scratch-Startpunkt.

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