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Keith McMillen K-Mix Test

Praxis

Anschluss an die DAW

Ich schließe den K-Mix mit dem Micro-USB-Kabel an mein MacBook Pro an, drücke die Powertaste und nach wenigen Sekunden steht das Gerät als Soundkarte zur Verfügung. In Ableton wird die Soundkarte sofort erkannt. Sie unterstützt Sampling-Rates von 44100 bis 96000 Hz. Als nächstes ist die DAW-Steuerung dran. Für alle K-Mix Inputs in Ableton muss „Track“ und „Fernsteuerung“ aktiviert sein.
Per Shift und Druck auf den Record-Button des sogenannten „Transport-Diamanten“ versetzte ich K-Mix in einen von insgesamt drei DAW-Kontroll-Modi. Hier senden alle Buttons und Slider mit Ausnahme des Power- und Shift-Buttons MIDI-Messages an die DAW.
Leider gibt es für den K-Mix bislang noch keine Ableton Control Surface Unterstützung, sodass alle Funktionen per MIDI-Learn manuell pro Projekt zugewiesen werden müssen. Ein Workaround kann hier die Software Remotify sein, mit der man sich seine eigenen Ableton Controller Oberflächen erstellen kann. Für Bitwig gibt es bereits eine K-Mix-Unterstützung.
Einmal zugewiesen gibt K-Mix sofort auch optisches Feedback über den Mixzustand in de DAW, z.B. stellen die acht Kanal-Touchstrips die Position der Lautstärkeregler in Live dar. Bei Tageslicht fällt die Beleuchtung allerdings recht zart aus, für den nächsten Open-Air-Gig mit Sonneneinstrahlung also nur bedingt empfehlenswert.
In dunklen Umgebungen ist die Beleuchtung aber sinnvoll. Der Bonbon-Look ist nicht jedermanns Sache, aber die Beleuchtung ist weniger grell als befürchtet. Geräte wie die Roland AIRA TR-8 oder NIs Maschine sind deutlich bunter und heller.

Fotostrecke: 2 Bilder Der K-Mix bietet in der DAW acht Ins und 10 Outs an.
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Aufnahme läuft

Das Aufnehmen von Line- und Mikrofonsignalen geht sehr einfach von der Hand. Der Workflow ist fast wie bei einem DAW-Controller, nur dass das Signal am K-Mix noch per Touchstrip oder Editor eingepegelt wird. Leider ist die Einsatzfrequenz des Trittschallfilters (40 bis 400 Hz) nur per Editor veränderbar.
Will man den K-Mix standalone einsetzen, lohnt es sich, das gewünschte Setup als Preset zu speichern und in der jeweiligen Situation abzurufen. Gleiches gilt für Settings der Phantomspannung, die Eckfrequenzen der Höhen und Bässe des Dreiband-EQs und die Flankensteilheit des Mittelbandes. Hier muss man wieder Zugeständnisse an das kompakte Design machen. Aber über den Editor sind ja alle Parameter bedienbar und als Presets im Gerät selbst speicherbar. Obwohl der K-Mix nur mit USB-Saft läuft, funktionieren auch Kondensatormikrophone einwandfrei. So hat man ganz ohne Steckdose ein mächtiges mobiles Aufnahmesystem, solange der Laptop-Akku reicht.

Touchstrips

Leider haben die Touchstrips auch ihre Macken. Muten gelingt oft erst nach mehreren erfolglosen Versuchen. Auch das komplette Herunterziehen des Faders klappt nicht immer auf Anhieb. Zum präzisen und intuitiven Mixen sind diese Regler leider ungeeignet. Und trotz Fine-Button sind auch sehr präzise Einstellungen mit den Touchstrips nicht möglich. Besser geht das mit dem angeschlossenen K-Mix-Editor. Diese Schwachstelle ist meines Erachtens nach jedoch dem Konzept geschuldet.
Der Trick des K-Mix ist, dass hier die Bedienlogik eines iPads in Hardware gegossen wurde. Statt einer kalten Glasscheibe gibt es ertastbare Bedienelemente, die trotz fehlender Beweglichkeit der Elemente eine befriedigende Haptik und brauchbares Touch-Feedback liefern. Es ist ein neuartiger und guter Kompromiss zwischen virtuellen Touchscreen-Oberflächen und „echten“ Potis und Fadern. Ein K-Mix mit Motorfadern wäre ungleich teurer, wahrscheinlich größer und vor allem nicht so unempfindlich. Welcher vollwertige Digital-Mixer passt schon in eine iPad-Hülle rein?

Schreibtischtäter

Im Laufe des Tests stand der K-Mix eigentlich die meiste Zeit auf meinem Schreibtisch neben dem Laptop und diente dort als Audio-Hub für alle möglichen Aufgaben, wie z.B. Abhören und Aufnehmen von Testgeräten, für die man nicht gleich den großen Studiorechner anschmeißen will. Sehr unkompliziert, der K-Mix braucht ja nicht mal ein Netzteil, wenn er via USB am Rechner hängt. Zum Abspielen von Laptop, iPhone & Co. Und wenn der USB-Output für die ersten beiden Kanäle im Editor auf „PRE“ geschaltet ist, kann auch die Lautstärke mit den Volume-Fadern geregelt werden. Hey, es ist ein Mixer!

Save the vinyl

Auch toll zum Digitalisieren von Vinylschallplatten, direkt vom Turntable per Cinch-auf-Klinke-Adapter in den K-Mix, Phono-Impedanz für die beiden entsprechenden Kanäle in den Preferences einstellen und Aufnahme drücken. Bei sehr ausgenudelten Platten kann man auch noch ne Prise EQ und Kompression aus dem K-Mix selbst hinzufügen und sich bei unproblematischem Material eine eventuelle Nachbearbeitung mit Plug-ins in der DAW sparen.

Unterwegs

Manchmal habe ich ihn aber auch in der freien Wildbahn ausgeführt. Bei der LSB-TV Analog-Jam-Session machte K-Mix eine gute Figur als Standalone-Mixer für TR-8, TB-3, TR-303 und Acid8 und wirkte trotz der vielen LEDs neben den flashy AIRA-Geräten schön dezent illuminiert. Allerdings müssen im Dunkeln die Handgriffe sitzen: Die einzelnen Mode-Buttons sind zwar hintergrundbeleuchet, aber sehr klein beschriftet.
Die einzelnen Parameterbezeichnungen der vier runden Touchpads sind nur klein auf dem Gehäuse aufgedruckt und im Dunkeln schlicht unlesbar. Man sollte seinen K-Mix also kennen, wenn man ihn auf dunkle Bühnen stellt. Auch als Keyboard-Sub-Mixer macht er eine gute Figur: Mit EQ und Kompressor wird leicht abgeschmeckt und das Gate sorgt für Ruhe bei Synths mit leichtem Grundrauschen.

Fotostrecke: 3 Bilder Nicht zu bunt: Anders als in der Werbung gibt sich der K-Mix im echten Leben angenehm dezent.
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Open Air

Beim Open Air Festival Gig sollte K-Mix den Stereoout vom FOH-Mixer abgreifen und in den Laptop spielen. Der Tontechniker freute sich über die symmetrischen Eingänge. Ich vermisste allerdings einen Pad-Schalter zur Abminderung der Eingangslautstärke auf den ersten beiden Kanälen. Bei wirklich „heißen“ Signalen reicht die niedrigste Gain-Einstellung von +1,5 dB nicht immer aus. Leider sind die blassen Farben der neun Faderstrips bei direkter Sonneneinstrahlung nur sehr schwer ablesbar. Bring on the night!

Fotostrecke: 2 Bilder Tagsüber sind die blassen Farben des K-Mix kaum zu erkennen.
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iOS

Ja, auch iOS-Devices werden unterstützt. Keith McMillen zeigt in einem Video, wie der K-Mix als mobiles Fieldrecorder-Interface für ein iPad fungiert. Dies kann den K-Mix allerdings nicht mit Strom versorgen, hier muss der Mixer per Mini-USB-Kabel Energie erhalten, was aber unterwegs auch mit einer starken Powerbank problemlos möglich ist. Ein digitaler achtkanaliger Fieldrecording-Mixer mit zweifacher Phantomspannungsversorgung für Kondensator-Mikrophone für unterwegs: eine weitere von vielen Möglichkeiten, die dieser kleine Tausendsassa bietet.
Natürlich muss die App auch mehrkanalige Audiointerfaces unterstützen. Tun sie das nicht, dann sollte das aufzunehmende Signal über die ersten beiden Eingänge zugeführt werden. Eine Einschränkung im iOS-Betrieb habe ich jedoch festgestellt.
Zum Routen der Audioströme in Apps wie z.B. iRig auf dem iPhone kann der Zugriff auf die Pre/Post-Schalter in der USB-Page des K-Mix Editors zwingend notwendig. Allerdings gibt es noch keinen Editor für iOS. Solange Keith McMillen den nicht nachliefert, muss man sein Setup vor dem Gebrauch mit iOS-Geräten sorgfältig testen und abspeichern. Unterwegs kann man nämlich vieles nicht mehr umstellen.

Surround Sound

Als wäre es des Guten nicht schon genug: Der kleine K-Mix kann auch Surround-Sound. Möglich, dass Surround-Sound-Panning erst nach dem finalen Gehäusedesign Einzug in die Architektur des K-Mix hielt, denn merkwürdigerweise gibt es hierfür keinen dedizierten Button, auf dem groß „Killer Feature“ blinkt. Der Surround-Modus wird ganz unprätentiös per Shift + Pan oder im Editor aktiviert. Die Modi Quad, Octo, 5.1 und 7.1 können im Editor angewählt werden, als Preset abgespeichert stehen dann verschiedene Surround-Modi auch standalone ohne Computer-Anbindung zur Verfügung.
Ebenfalls im Editor können die acht Input-Kanäle den vier runden Rotary-Touchpads zugeordnet werden. Mit den Rotary-Touchpads sind dann nicht nur 360-Grad-Panorama-Bewegungen des Klangs im Raum möglich, sie geben dabei auch visuelles Feedback über dessen Position. Im Surround-Modus stehen die Routing-Option und auch das Reverb nicht zur Verfügung. Der Surround-Sound-Modus ist nicht nur ein großartiges Add-On (und für manchen womöglich DAS Kaufargument schlechthin), es lässt auch hoffen, dass Keith McMillen dem K-Mix bei weiteren Firmware-Updates auch noch weitere aufregende Funktionen verpasst, die per SHIFT + X den Nutzwert dieses Geräts weiter erhöhen. Über derartige „Doppelbelegungen“ würde ich mich sehr freuen.

Fotostrecke: 2 Bilder Im Surround-Modus leuchten die vier runden Touchpads besonders schön.
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Mögliche Anwendungen

Durch die durchdachte und flexible Bedienoberfläche und die Möglichkeit, computerunabhängig zu mischen, repräsentiert der K-Mix eine neue Gerätegattung, bei der man sich unwillkürlich fragt, warum da nicht schon früher jemand darauf gekommen ist. Sehr viele Szenarien sind denkbar. Für kleine Projektstudios, die eigentlich alles in der DAW machen, aber gern mal ein paar analoge Synths oder Drummachines einbinden möchten und darüber hinaus eine unkomplizierte Remote-Control für den Monitor-Mix bekommen mit integriertem EQ, Compressor, Gate und Wohlfühl-Reverb für den Gesang:
Als DSP-Unit mit vier Stereo-Kompressoren an einem analogen 8-Bus-Mixer.
Für Klang-Installateure, denn als Surround-Sound-Mixer ist der kleine K-Mix ganz groß!
Für elektronische Live-Acts, die ihr Equipment so minimal wie möglich halten wollen, damit alles ins Flugzeug-Handgepäck passt.
Für Songwriter, die im Hotelzimmer mit Gitarre, Gesang und DAW schnell eine Songidee in möglichst hochwertiger Qualität festhalten wollen.
Für iPad-Musiker, die eine Schnittstelle zwischen iOS-Software und realer Hardware suchen.
Für Fieldrecorder-Fans, die Bachstelzen und Rohrdommeln mit bis zu 8 Mikrophonen aufnehmen wollen.
Für Vinyl-Fans, die ihre Schallplatten unkompliziert in den Rechner spielen und womöglich noch mit etwas EQ und Kompression aufhübschen wollen.
Für DJs, die ihre Sets auf ihrem iPad aufnehmen wollen, inkl. Publikumsgejohle von den angeschlossenen Mikrofonen.

Fotostrecke: 2 Bilder Kleiner großer Mixer: der K-Mix mit seinen neuen Freunden.
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Für jede dieser völlig verschiedenen Anwendungen gibt es natürlich irgendwo auf dem Markt ein besseres, komfortableres oder kleineres Gerät. Aber alles in einem, da fällt mir nur der K-Mix ein. Gerade für Musiker, die viel reisen und eine superkompakte und sehr flexible Audiolösung suchen, ist der K-Mix ideal geeignet. Und man ertappt sich tatsächlich dabei, sich immer neue Nutzungsformen für den K-Mix auszudenken. Soviel flexibles Kreativpotential habe ich selten in einem Hardwaregerät vorgefunden. Für Anfänger könnte es der „erste professionelle Mixer“ sein, für Fortgeschrittene eine flexible Lösung für alle möglichen Audioaufgaben, für reisende Profis der „Hotel-Produktionsmixer“: Mir fällt keine Zielgruppe ein, die dies Gerät nicht brauchen könnte. Und das zum Mitnehmen, überallhin, multifunktional und stromnetzunabhängig. Also: Seid bereit für die Zukunft! 

Gut, wenn er dabei ist: K-Mix mixt alles. (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Bendeg)
Gut, wenn er dabei ist: K-Mix mixt alles. (Foto: mit freundlicher Genehmigung von Bendeg)
Audio Samples
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K-Mix EQ K-Mix Compressor/Limiter und Gate K-Mix Reverb
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felix sagt:

#1 - 20.04.2017 um 20:08 Uhr

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Wie schaut es mittlerweile mit Windows-Integration aus?

Kommentare vorhanden
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