ANZEIGE

JoMoX XBase 888 Test

DETAILS

Die JoMoX XBase 888 ist ein Drumsynthesizer mit eingebautem MIDI-Sequenzer und vier voll-analogen Instrumenten (Kick, Snare, Low & High Tom), sowie sechs 8-Bit-Sample-basierten Instrumenten mit analoger VCA-Hüllkurve (Closed Hi-Hat, Open Hi-Hat, Clap, Rimshot, Crash, Ride). Als erste Besonderheit ist der analoge und resonanzfähige 2-Pol Filter der Hi-Hat zu nennen, welcher sich anstatt mit Samples auch mit analogem Noise füttern lässt. Man kann also auch von fünf voll-analogen Instrumenten sprechen. Der Import von eigenen Samples ist nun auch möglich. Aufgrund des begrenzten Speichers von bis zu 6*31 = 186 Samplespeicherplätzen sollte die JoMoX dennoch nicht mit einer MPC verglichen werden.

Das Gehäuse besteht aus grau-lackiertem, rot-weiß-beschriftetem und gefalztem Blech, ist fast 19“ breit und ca. 4 HE hoch. Die Seiten wurden mit schönen Holzseitenteilen verziert. 

Bei Bedarf können diese auch abgeschraubt und durch praktische, optional erhältliche, Rack-Ohren ersetzt werden. In der Tiefe oder Höhe – je nachdem, wie man das nun sieht – misst das 5 kg schwere Gerät mit Gummifüßen und Potis ca. 9 cm. Das ist schon recht imposant.
Doch reichlich Platz ist gut, denn so ist für genügend Freiraum um die 16 in einer 4*4 Matrix angeordneten Push-Encoder gesorgt. Je nach Auswahl steuern sie entweder die verschiedenen Parameter eines Instruments (entsprechend der Beschriftung auf dem rot-lackierten Hintergrund) oder dienen der Steuerung der Volume-Pegel. Alles ohne Sprünge dank Endlos-Regler. Mit Druck auf die Encoder wird das korrespondierende Instrument bzw. die entsprechende Midi-Spur stumm geschalten („Mute“).

Da nicht jedes Instrument über gleich viele Parameter verfügt, muss auch nicht zwingend jeder der 16 Regler mit einer Funktion belegt sein. Auskunft darüber geben die jeweils benachbarten LEDs, die das Vorhandensein eines entsprechend beschrifteten Parameters (Tune, Pitch, Snappy, usw.) mit einem grünen Leuchten visualisieren. Blinken sie orange, zeigt dies den Mute-Status an.
Weiter unten finden sich die 16 Step-Taster mit weiteren 16 zugeordneten LEDs, die wiederum der Lauflicht-Programmierung und der Pattern-Anwahl dienen, sowie den Zugang zu weiteren Features ermöglichen. Die kleinen, runden Taster stehen nicht zu eng und sind auch mit Wurstfingern gut bedienbar. Die Beschriftungen und Abkürzungen mögen einen auf den ersten Blick erschlagen, aber das wird schon mit der Zeit!

Noch weiter unten finden sich die gewölbten, an eine alte Computer-Tastatur erinnernden Instrumenten-Taster, mit denen natürlich auch Noten gespielt werden können. Normalerweise dienen sie aber der Triggerung einzelner Instrumente bzw. im Write-Modus der Auswahl des zu editierenden Instruments und seiner entsprechenden Sequenzer-Spur. Die weiße Beschriftung auf dem roten Streifen ist mehr als eindeutig: Hier gibts auch noch eine LFO-Sektion zur Modulation sämtlicher Parameter sowie vier MIDI-Tracks zur Steuerung weiteren Equipments.
JoMox-XBase888_008_LFO

Etwas weniger übersichtlich bzw. für meinen Geschmack etwas zu kryptisch, ist die Display-Anzeige: Auch hier braucht man anfangs hin und wieder die Hilfe des im allgemeinen sehr gut geschriebenen, deutschsprachigen Handbuchs. Kleine Extras, die sich dem User vielleicht auf den ersten Blick nicht erschließen, werden hier schnell und präzise vorgestellt. Nur ein kleines Beispiel im Bild: die zwei Parameter zur Modifikation des global-benutzten Noise. Wer errät´s?

JoMox-XBase888_009_MetalNoise

Richtig! Metal Noise B und Metal Noise A. Wie, ihr habt das nicht erraten? Handbuch nicht gelesen, oder was? Nein, Spaß beiseite, man muss sich schon mit der Materie beschäftigen, um die Möglichkeiten der 888 optimal ausschöpfen zu können. Im Endeffekt kann hiermit der Klang des analogen Rauschens durch entstehende Kammfiltereffekte mehr zu metallischem Näseln hin modifiziert werden, so wie man Noise von 808 und CR78 her kennt.

Nicht jeder Parameter ist über die 16 Encoder direkt zu erreichen. Das ist aber auch nicht unbedingt nötig: Für solche Edits ist der Data/Tempo Encoder sowie die Cursor-Tasten Left/Right und Down/Up zuständig. So eine Steuerung verlangt natürlich auch nach „Enter“ und „Cancel“, welche sich beide rechts, unter dem 2-Zeilen mal 24-Segment Display befinden.

Direkt unter dem Display wartet die Modus-Wahl Taste ( Perform, Pattern, Song, Write), die wir uns im Praxisteil noch genauer anschauen werden. Mit den vier Bank-Schaltern kann zwischen den vier mal 16 Pattern navigiert werden.

JoMox-XBase888_007_StartStop

Der Scale-Taster relativiert die Abspielgeschwindigkeit. Diese Schalter sollten 808-Jüngern bestens bekannt sein; genau wie der A/B-Pattern Switch, der einen Wechsel zwischen 2*16tel Pattern und 1*32 Pattern zulässt – und zwar direkt und ohne Abwarten des vollständigen Ablaufs einer Patternsequenz.

Bei vier Banks á 16 Pattern und A/B-Verkettung sind so also theoretisch 128 16tel = 64 32tel Pattern speicherbar. Die Sound-Lock-Aufzeichnung des Pattern Modes kann jedoch nur 16tel handeln, sodass man unterm Strich “nur” 64 “Sound”-Pattern speichern kann – diese jedoch mit bis zu 2*16tel = 1*32tel Triggern. Alles klar ?!
Wohlgemerkt: Pro Pattern sind also bis zu 16 unterschiedliche Soundsets speicherbar. Das entspricht je einem unterschiedlichen Parametersatz pro Step, also auch z.B. jeweils einem unterschiedlichen Sample pro Step.
Hinzu kommen die abspeicherbaren Soundsets, Kits genannt, welche 256 Speichervariationen zulassen. Nicht zu vergessen die per kostenlosem MIDI-Tool überschreibaren Samplespeicherplätze: Vier Samples pro Instrument sind fix, die restlichen 31-4 = 27 Speicherplätze pro Instrument (sechs an der Zahl) frei belegbar.
Die fixen Samplespeicher der JoMoX XBase 888 und weiterer Handbuchtext.
Die fixen Samplespeicher der JoMoX XBase 888 und weiterer Handbuchtext.

Begeben wir uns auf die Rückseite zu den Anschlüssen: Los geht’s links mit dem Stereo-Ausgang, gefolgt von den zehn Einzelausgängen, die bei Verwendung das entsprechende Instrument vom Stereo-Out entkoppeln. Alles unsymmetrisch und auf ca. +4dBu gepegelt versteht sich – obwohl die Kick teilweise auch bis zu +22 dBu Headroom in Anspruch nimmt. Billige Wandler überfährt man damit schneller, als man denkt. Um die Kraft der 15V zu bändigen ist es also keine dumme Idee hochwertiges Outboard nach zuschalten!

Neben den Einzelausgängen sitzt das MIDI-Thru/Out/In- Trio, welches nachfolgendes Equipment gerne mit Steuersignalen und MIDI-Clock versorgt. Der Empfang von Clock-Signalen ist natürlich genauso möglich, wie die Steuerung sämtlicher Parameter per MIDI. Denn obwohl die 888 komplett analog aufgebaut ist, ist die Steuerung sämtlicher Parameter digital, was ihren relativ hohen Einstandspreis auch mehr als rechtfertigt.

Beim Netzteilanschluss nebst zugehörigem Power-Schalter endet unsere Detailbetrachtung auf der Rückseite fürs Erste. Die JoMoX operiert übrigens mit Wechselspannung. Also aufgepasst beim Anschluss anderer Netzteile. Sie könnten den Todesstoß bedeuten. Entsprechend ihrer üppigen Energieaufnahme heizt sich die 888 übrigens auch auf, was sich für ein analoges Gerät aber irgendwie auch gehört.

Der Kopfhörerausgang darf natürlich nicht unerwähnt bleiben: Er befindet auf der Vorderseite der JoMoX und besitzt einen, dem digitalen Master-Volume-Regler nachgeschalteten analogen Kopfhörervorverstärker. Nachteil beim 19“ Einbau ist allerdings, dass man nochmals zusätzlich „Luft“ nach unten braucht, um sich diesen Anschluss im Rack nicht zu versperren. Ich persönlich brauche im Studio keinen Kopfhörerausgang.

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.