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Harley Benton Electric Guitar Kit LP-Style Test

Eine “Les Paul” von Harley Benton?! Eine Gibson Les Paul ist für die meisten Gitarristen eine Art Heiliger Gral. Dennoch bleibt ihre Anschaffung aber für viele ein Traum, da eine Orginal-Gibson nun mal ihren Preis hat. In der Regel weichen deshalb gerade Einsteiger gerne auf Kopien des Klassikers aus, die in mehr oder weniger guter Qualität die Musikläden und Online-Shops füllen.

...und das wurde daraus!
…und das wurde daraus!

Harley Benton geht hier mit seinem Guitar Kit noch einen Schritt weiter und bietet eine Paula als Bausatz an – und zwar zum Preis eines Tonabnehmers. Ganz im Geiste eines schwedischen Möbelhauses hat man so die Möglichkeit, sich seine Traum-Gitarre selber zusammenzubauen. Dazu benötigt man jedoch nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch ein minimales Grundwissen über den Aufbau von elektrischen Gitarren. Soviel sei aber schon mal verraten: Dank der sehr guten Anleitung hatten wir beim Zusammenbauen keine Probleme und alles funktionierte direkt ohne Probleme. Wir haben für euch den Bau der Gitarre umfangreich dokumentiert, so seid ihr quasi live bei der Geburt der Paula dabei.

DETAILS
Der Lieferumfang und die benötigten Werkzeuge
Im Gegensatz zum„normalen“ Gitarrenkauf wird der Harley Benton Bausatz in einem Karton geliefert, der von seinen Maßen erst einmal nicht auf eine Gitarre schließen lässt, aber alles beinhaltet, woraus unser zukünftiges Saiteninstrument besteht. Zum Lieferumfang gehören jede Menge Kleinteile, wie Schrauben, Pickups, die Mechaniken, Verkabelung, usw. die allesamt in separaten Tüten untergebracht sind. Ich bin ehrlich gesagt leicht ins Schwitzen gekommen, als wir für die Fotos alle Teile gleichzeitig ausgepackt und auf den Tisch gelegt haben – ist doch eine Menge Zeug nötig, um eine Gitarre zu montieren!
Um den Preis so niedrig wie möglich zu halten, sind weder Hals noch Korpus lackiert oder geölt – also Natur pur. Ich würde aber dringend empfehlen, die Hölzer vor dem Zusammenbau in irgendeiner Art zu behandeln, denn unbehandeltes Holz ist sehr empfindlich und nimmt Schmutz und Feuchtigkeit ungehindert auf.
Für den Zusammenbau des Bausatzes benötigt man nur wenige Werkzeuge, die in jedem Haushalt zu finden sein sollten. Dazu gehören ein kleiner und ein großer Kreuzschraubendreher sowie ein mittelgroßer und ein großer Schlitzschraubendreher. Um die flachen Muttern der Potis, der Mechaniken und des Toggleswitch anzudrehen, benötigt man außerdem zwei Maulschlüssel in den Größen 10 und 15. Eine Kombizange bzw. Spitzzange kann auch nicht schaden. Ich empfehle aber die Muttern mit einem Maulschlüssel und nicht mit einer Kombizange anzuziehen, da man mit der Zange schnell abrutscht und auf diese Weise Gefahr läuft, das Holz rund um die Muttern zu demolieren. Um die Gewindehülsen der Bridge und des Tailpiece (Saitenhalterung) in die vorgebohrten Löcher zu bringen, braucht man dann noch einen mittelgroßen Gummihammer – ein normaler Hammer in Verbindung mit einem Kunststoff- oder Holz-Schlagklotz reicht aber auch. In puncto „Löten“ kann ich Entwarnung geben, denn alle elektrischen Komponenten werden hier mittels farbig gekennzeichneter Steckkontakte verbunden. 

Fotostrecke: 9 Bilder Die Paula kommt komplett in Einzelteilen
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Der Zusammenbau
Im Gegensatz zur klassischen Gibson Les Paul ist der Hals der Harley Benton Paula nicht verleimt, sondern wird, wie man es von Fender-Gitarren her kennt, mit vier kräftigen Schrauben und einer Neckplate am Korpus befestigt. Der Hals ist übrigens sehr gut bundiert und abgerichtet, sodass auch nach dem Zusammenbau und Besaiten kein Nachjustieren der Halsstellschraube nötig war. Doch bevor der Hals an den Korpus geschraubt wird, muss erst noch der Body mit den restlichen Bauteilen bestückt werden. Die Bridge und die Saitenbefestigung (Tailpiece) werden nicht direkt in den Body geschraubt, sondern in Gewindehülsen gedreht, die vorher mit einem Gummihammer schonend in die vorgebohrten Löcher gebracht werden müssen. Bitte nehmt hier auf keinen Fall einen Metallhammer ohne Schlagklotz, da so unschöne Kanten in den Hülsen entstehen. Außerdem lassen sich die Hülsen so nicht vollständig in das Holz bringen. 

Fotostrecke: 7 Bilder Die noch nackte Kopfplatte wartet auf Bestückung
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Kommen wir zur Elektronik. Die Installation der Potis, der Pickups und des Toggleswitch ist etwas „tricky“ und benötigt einiges an Fingerspitzengefühl. Zwar werden alle Kontakte gesteckt, aber die Kabelführung erfordert doch einiges an Geschick. Solltet ihr Probleme haben, den Kabelbaum durch die Ausfräsungen im Body zu ziehen, könnt ihr euch mit einem Draht oder einer Gitarrensaite behelfen, indem ihr damit eine Schlaufe bildet und quasi als Ziehdraht für die Kabel benutzt – ihr seht das auch auf den Fotos. Nachdem die Potis verschraubt sind, wird der angelötete Kabelbaum durch den kleinen Kanal, der sich zwischen dem Elektronikfach und dem Raum unterhalb des Stegpickups befindet, gezogen. Knifflig wird die Sache erst dann, wenn man die Kabel der beiden Tonabnehmer anschließend in umgekehrter Richtung durch denselben Kanal in das Elektronikfach zurückführen möchte – spätestens hier ist ein improvisierter Ziehdraht Gold wert. Einmal im Elektronikfach der Potis angekommen, werden die Kabel hier auf die vorgefertigten Gegenstücke gesteckt. 

Fotostrecke: 15 Bilder Im Body sind alle Kabelführungs-Kanäle sauber ausgefräst…
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Nun kommt der Toggleswitch an die Reihe. Er wird erst nach erfolgreicher Verlegung des Kabelbaums verschraubt. In Höhe des Halstonabnehmers begegnen sich die Steckverbindungen von Toggleswitch und Elektrofach und können hier miteinander verbunden werden. Die Steckkontakte sind farblich gekennzeichnet, sodass man hier kaum etwas falsch machen kann. Sollte man nach dem Zusammenbau merken, dass der Pickupwahlschalter (Toggleswitch) verkehrt herum funktioniert, löst man einfach die Mutter und dreht den Schalter eine halbe Umdrehung – fertig. Damit die Verkabelung auch reibungslos verlaufen kann, hat Harley Benton die Kabelbäume sehr lang gehalten, wodurch sich ein gewisser Kabelwust im Elektronikfach nicht verhindern lässt. Nach dem erfolgreichen „Verkabeln“ kommen noch die Abdeckplatten auf die beiden Elektronikfächer und die Pickups werden verschraubt.

Fotostrecke: 10 Bilder Nur nicht die Geduld verlieren, das wird schon!
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Wir haben zwar eben schon die Bridge und die Saitenhalterung erwähnt, doch im Montageplan kommen die beiden eigentlich erst jetzt dran, und zwar zusammen mit dem Erdungskabel vom Poti-Kabelbaum. Unklar…? Klickt die Fotostrecke durch, dann kommt Licht ins Dunkel:

Fotostrecke: 8 Bilder Zuerst das Erdungskabel noch ein bisschen abisolieren…
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Jetzt fehlen nur noch das Schlagbrett und das Anschrauben des Halses. Der Hals passt übrigens anstandslos in die ausgefräste Tasche im Body – einzig das etwas überstehende Griffbrett, das am Ende Richtung Hals-Pickup etwas „in der Luft hängt“, mutet etwas merkwürdig an. Über diesen Makel kann man aber auch durchaus wohlwollend hinweg sehen – hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der Gitarrenbausatz für 89 EUR den Besitzer wechselt…!? Diesen Preis muss man sich mal zu Gemüte führen. Kaum zu glauben, dass man dafür nach ein bisschen Bastelarbeit eine waschechte Gitarre in Händen hält.

Fotostrecke: 18 Bilder Die Potis werden nun mit den entsprechenden Kappen versehen…
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Im Vergleich zum Original
Ich weiß, eigentlich klingt das nach einem Vergleich a la „Äpfel mit Birnen“, aber wir stellen unseren 89EUR-Bausatz trotzdem mal kurz dem Original gegenüber. Gibson verwendet für die klassische Les Paul seit den 50er Jahren einen Mahagonikorpus mit aufgeleimter Ahorndecke (Maple). Bei der Les Paul Custom wurde die gewölbte Decke teilweise ebenfalls aus Mahagoni hergestellt. Mahagoni gibt dem Sound Wärme und einen fetten, aber mittenreichen Unterton, während Ahorn dem Ganzen die nötige Brillanz und Sustain verleiht. Der Korpus der Harley Benton besteht aus mehreren zusammengeleimten Stücken massiver Linde, einem preiswerten Klangholz. Lindenholz ist relativ weich und hat einen ähnlich ambivalenten Ruf wie die Pappel, da es sehr häufig bei absoluten Budget-Instrumenten zum Einsatz kommt. Davon einmal abgesehen ist Linde, wegen ihres eher neutralen, leicht mittigen Grundsounds, aber durchaus auch bei teureren Rock-orientierten Gitarren zu finden. In den Datenblättern solcher Instrumente findet man in der Regel die englische Bezeichnung Bass-Wood – hört sich ja auch irgendwie besser an, oder!?
Der Ton der Harley Benton Paula ist angenehm warm, allerdings fehlt es ihm etwas an Sustain. Die Gitarre hat zwar auch eine Decke, sie besteht jedoch ebenfalls aus vier zusammengefügten Stücken Linde. Die Maße des Korpus entsprechen denen einer Gibson Les Paul, wobei meine Customshop Paula im vorderen Bereich einige Millimeter dicker ist, als der Harley Benton Bausatz. Ansonsten tut sich hier von den Korpusmaßen her nicht viel.
Der Hals wird, wie eben schon erwähnt, mit dem Korpus verschraubt, während man die Hälse bei Gibson traditionell verleimt. Als Klangholz hat Harley Benton hier Ahorn gewählt, das Griffbrett besteht aus Palisander. Das ist zwar eine beliebte Holzkombination für Gitarrenhälse, allerdings nicht bei Gibson, wo man traditionell Mahagoni in Kombination mit einem Palisandergriffbrett verwendet. 

Fotostrecke: 7 Bilder Sieht doch ganz schick aus, oder…? Also nach Bausatz sieht es jetzt jedenfalls nicht mehr aus.
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Die Elektronik
Die Verdrahtung der elektronischen Bauteile entspricht der klassischen Les Paul-Schaltung. Die beiden Humbucker werden mittels Toggleswitch angewählt, sodass in der mittleren Position beide Pickups gemeinsam am Start sind. Beide Tonabnehmer besitzen jeweils einen Volume- und einen Tone-Regler. Als Kondensatoren kommen hier allerdings nicht die begehrten Bumblebees zum Einsatz, sondern Standard-Modelle. An den Potis wurde kräftig gespart – Harley Benton hat anstelle der recht teuren Alpha- oder CTS-Regler sehr kleine NoName-Modelle verbaut. Die Qualität der Pickups ist nicht unbedingt der Traum meiner schlaflosen Nächte, aber sie funktionieren. Überhaupt ist es erstaunlich, was man für den Preis eines mittelgroßen Einkaufs im Lebensmitteldiscounter so alles geboten bekommt.

Die Hardware
Mechaniken sind für die meisten Gitarristen nicht mehr als ein notwendiges Übel. Dabei sind gute Mechaniken für die konstante Stimmung eines Instrumentes von entscheidender Bedeutung. Die verchromten „No Name“-Mechaniken des Harley Benton Bausatzes ähneln den Modellen von Gotoh. Beim Lockern der Saiten hat man aber das Gefühl, dass sie leicht hakeln, bevor sie reagieren – abgesehen davon funktionieren sie aber anstandslos. Die Bridge ist eine Kopie der ABR-1 Modelle, die man bei Gibson verbaut. Sie tut das, was sie soll – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Finish scheint okay zu sein – allerdings fehlen mir für ein endgültiges Urteil natürlich die Langzeit-Erfahrungen. Und noch etwas: Um die Gitarre bundrein zu bekommen, musste ich die drei Böckchen der G-, H- und E-Saite umdrehen. Anschließend war aber alles okay.

Kommentieren
Profilbild von Chris

Chris sagt:

#1 - 24.02.2012 um 12:31 Uhr

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Ich würde da eher zu den Bausätzen von ML-Factory tendieren. Die machen einen besseren Eindruck.

Profilbild von harry

harry sagt:

#2 - 24.02.2012 um 12:36 Uhr

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wow, da habt ihr euch echt mühe gegeben mit dem test. schon erstaunlich was man für 90 euro so alles bekommt. die dokumentation des baus habt ihr echt genial gemacht. und hammer fotos übrigens.

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Matze sagt:

#3 - 25.02.2012 um 21:57 Uhr

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Gut, nun hat man eine unlackierte Gitarre. Dem normalen Heimwerker dürfte es wohl unmöglich sein, eine ansprechende Lackierung aufzutragen. Also, was will man damit ?

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Jay sagt:

#4 - 25.02.2012 um 23:54 Uhr

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Ich würde auch zu einem höherwertigen Bausatz raten, wenn es denn schon eine selfmade Gitarre sein soll.
Mal ehrlich: Eine Paula, die nicht nach Paula klingt und nur aus Billigsmaterialien besteht, ist auch für 89 € viel zu teuer.

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Rolf sagt:

#5 - 26.02.2012 um 00:07 Uhr

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@Chris: Ich habe eine ML-Paula. Preis 189 Euro lackiert. Was aber das Material angeht, sieht es GENAU wie dieses hier aus. Genau der selbe hals, dieselben miesen Potis. Also, die Schalter und Potis sind bei ML auch absolut für den Schrott. Habe alles ausgetauscht. Also hätte ich das vorher gewusst, hätte ich auch diesen Bausatz genommen.

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Constantin sagt:

#6 - 26.02.2012 um 16:27 Uhr

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Ich will ja nicht kleinlich sein, aber bei der Brücke handelt es sich nicht um eine ABR-1 Kopie, sondern eher um eine Gibson-Nashville-Bridge Kopie (die ABR-1 ist direkt ins Holz geschraubt etc...) ;)

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Max sagt:

#7 - 26.02.2012 um 23:37 Uhr

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Zu deiner Frage nach der Lackierung: Ich habe keine schlechte Erfahrung damit gemacht. Ich habe damals meine Ibanez RG abgeschleift und mit Bauhaus-Matt-Schwarz neu lackiert. Im Nachhinein natürlich eine Jugendsünde, aber dafür hat man eine sehr dünne Lackierung - und Matt ist echt mal was anderes. Natürlich Geschmackssache!
Danke für den tollen Test. Ich bin am überlegen das mal zu testen. Ein bischen ordentliche Elektronik und ein paar satte Humbucker und ich stelle mir das als ein echt nettes Projekt vor. Danke!

Profilbild von Anonymous

Anonymous sagt:

#8 - 27.02.2012 um 16:56 Uhr

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Man muss eine Gitarre nicht lackieren. Das wird geölt und gewachst. Meine Rockinger Strat ist seit 25 Jahren so behandelt. Das sieht super aus, schützt das Holz sehr gut und fühlt sich zudem super an. Auch diese Gitarre wird sehr schön aussehen in so einem behandelten Naturholz Finish.

Profilbild von Chris

Chris sagt:

#9 - 27.02.2012 um 18:02 Uhr

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@ Matze:Lackierung sind sehr wohl für den normalen Heimwerker möglich. Je nach Gusto und Holz bieten sich 3 Optionen.1. Wasserlösliche Pulverbeize / Klarlack
2. Öl-Finish/Schellack
3. Deckend lackieren ebenfalls möglich.Einlesen kann man sich da sehr gut im Musiker Board und den speziellen Gitarrenbau-Foren. Etwas Übung erfordert es natürlich schon, ist ja klar.Also? Ausprobieren an Probestücken (Holzreste, zur Not einen Schreiner fragen ;))...Bei ML Factory gibts von den Wettbewerben 2010 und 2011 jeweils ne Galerie mit zig Selbstbauten und teilweise auch Bau- und Lackieranleitungen. Bzw, zumindest was die Leute an ihrem Instrument gemacht haben.

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Stefan sagt:

#10 - 05.03.2012 um 19:17 Uhr

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Stefan sagt:

#11 - 06.03.2012 um 16:36 Uhr

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Den dicken Hals würde ich als "PRO" werten, so kann sich jeder der eine Raspel, Schleifpapier und nicht grad zwei linke Hände hat, seinen persönlichen Traumhals gestalten....

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Bonjek sagt:

#12 - 09.03.2012 um 22:15 Uhr

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Habe den Bausatz heute fertig gestellt. Der Korpus nahm die Beize an einigen Stellen nicht gut an, da war wohl irgendwie Leim oder etwas anderes ins Holz gezogen. Musste also viel nachschleifen. Ebenso ließen sich die Potis und der Toggle-Switch nach diversen Lackschichten nicht ordentlich einschrauben. Da muss man mit´nem Forstner-Bohrer nacharbeiten. Die Potis sind totaler Schrott.
Nun aber zum Positiven: Es macht unwahrscheinlich Spaß, das Ding zu bauen. Und man erhält ein spielbares Instrument. Hals und restliche Hardware sind in Ordnung. PUs klingen auch, wobei sie natürlich nicht den Wahnsinnsklang haben. Aber die kann man ja austauschen. Als solide Gitarren-Grundlage dient der Bausatz auf jeden Fall!! Für den Preis kann man keine Wunder erwarten. Daher stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis zu mehr als 100%.

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Olgalein sagt:

#13 - 20.06.2012 um 00:38 Uhr

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Ich habe mir den Bausatz bei Thomann bestellt und bin wirklich mehr als Zufrieden mit dem was ich bekommen habe. Zunächst einmal zum Klang: Zusammengebaut und richtig eingestellt klingt die Gitarre wirklich sehr gut wie ich finde. Der Hals-Tonabnehmer hat einen richtig fetten und bluesigen Sound, welcher sich gut für Soli eignet. Der Steg-Tonabnehmer mag es gern verzerrt und klingt auch sehr gut. Clean ist das Klangbild etwas schwach, da stimme ich dem Artikel zu. Ich habe noch eine Yamaha RGX 121 Z die irgendwo in der 200 Euro region liegt und deren Tonabnehmer meiner Meinung nach deutlich matschiger und schlechter klingen. Ansonsten spiele ich eine Gibson Studio, doch im Moment gefällt mir die selbstzusammengeschraubte Klampfe so gut, dass ich nur noch auf ihr Spiele.So viel zum Klang… Nun zur Verarbeitung: Die Gitarre kommt in einem recht kompakten Karton an, welcher nicht sehr Gross ist. Leider verpackt Thomann diesen kleinen Karton zusätzlich in einem der ca. 3 mal so gross ist. Ich habe die Gitarre nicht lackiert, weil sie mir so gefällt wie sie ist. Da das Holz vorbehandelt ist denke ich, dass es kein Problem sein sollte wenn ich sie so lasse. Also konnte ich sie direkt zusammenbauen. Nach schätzungsweise 5 Stunden war ich mit dem Zusammenbau und dem Einstellen der Gitarre fertig. Während dem bau sind mir folgenden Dinge aufgefallen: Es fehlte ein Schraube für die Mechaniken, was aber nicht weiter schlimm ist, nimmt man eben eine andere. Die Bohrungen für das Schlagbrett, sowie die Tonabnehmerrahmen fehlten. Einen kleinen Satz Bohrer sollte man also bereit halten. Beim Schlagbrett war ich ganz froh, dass die Bohrungen vergessen wurden, da ich dieses nicht Montiert habe. Wie ich finde sieht das Schlagbrett extrem billig aus und mach die Gitarre keines Wegs besser. Die Fräsung für den Hals ist nicht wirklich passgenau, was sich klanglich allerdings nicht äußert. Nur optisch fällt es später noch auf. Auch bei mir steht das Griffbrett am ende über und liegt nicht plan auf dem Korpus auf (Siehe Artikel). Die Hardware ist absolut brauchbar und besser als erwartet für den Preis. Gut, die Potis sind ziemlich nutzlos, weil sie fast gar nicht reagieren. Der Hals ist super bundiert, keine scharfen Bünde, die Bundreinheit stimmt. Besser könnte der Hals kaum sein. Allerdings passt bei mir im ersten Bund die Intonation nicht, wenn ich ein Capo im ersten Bund aufsetze und die Gitarre dann so stimme (Sozusagen ein künstlicher Nullbund) passt in den nachfolgenden Bünden alles. Ich schätze das Problem liegt an dem unzureichend gefeilten oder besser gesagt gekerbten Sattel. Ich denke wenn ich den Sattel ein wenig zurecht feile löst sich dieses Problem auch. Aber genau deswegen habe ich mir den Bausatz geholt, um daran zu lernen und Dinge ausprobieren zu können.Jedem der sich nicht sicher ist, ob die 90 Euro gut angelegt sind, dem kann ich nur aus meiner Erfahrung sagen: Klanglich ist die Gitarre wirklich gut, wenn man sich ein wenig mit dem Einstellen der Halskrümmung und des Steges beschäftigt. Von der Verarbeitung könnten die Fräsungen etwas passgenauer sein, was aber nur ein optischer Mangel ist. Ich bin im Endeffekt sehr froh, dass ich mir das Kit bestellt habe und dass die Gitarre doch so gut klingt. Die Kits von ML Factory waren mir einfach zu teuer, um daran rumzuschrauben und Dinge auszuprobieren.

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Klaus Silvan sagt:

#14 - 10.10.2012 um 11:49 Uhr

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Man muss die Gitarre nicht unbedingt lackieren. Ich habe meine "tapeziert" mit glänzendem Schwarzmarmor-look möbeltapete. Sieht echt toll aus!

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Friedrich sagt:

#15 - 01.12.2012 um 14:22 Uhr

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Interessanter und vollständiger Test, besonders weil ich das Teil ja bestellt habe und es nun im Karton auf die große Feier wartet...
Was ich mir wünschen würde, wäre etwas bezüglich den Aufrüstmöglichkeiten d.h. welche Teile könnte man durch (z.B.) original-Gibson-Teile austauschen und hätte dadurch welchen Vorteil. Hat da jemand Erfahrung?

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Mellon sagt:

#16 - 17.12.2012 um 03:51 Uhr

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Eine fertige LP mit dem damit möglichen Endprodukt kostet deutlich mehr und muss kein optimales Finish haben. Willsagen dass man hier von der Endbearbeitung weg (also verschleifen, anpassen und Oberfläche) bis zur Endmontage, sorgfältiger vorgehen kann als der "Sklave" in der Fabrik. Eine Lackierung ist für einen echten Heimwerker kein Problem. Nicht bei dieser geringen Fläche. Wer schlampt ist selber schuld.
Geht man hier sorgfältig vor, baut den Lack vernünftig auf (zwischenschliff) und gibt die x-te Schicht Klarlack drauf kann man auch notfalls "Nasen" auspolieren.
Wo ist der Vorteil ? Der Lack kostet auch noch Geld, Schleifpapier und Paste mal außen vor. Zeit muss man sich nehmen und die ist bekanntlich bares Geld.
Nun, der Spaß daran ist wichtig, sonst macht es null Sinn.
Dazu kommt dass man sich farblich verlustieren kann (z.B. Flames,Scalloops,Diamant-Effektlack, etc.pp) weil das Teil ja zerlegt ist.
Wenn man z.B. günstig-gute-splitbare Wilkinsons verbaut..vielleicht in Schwarz/offen dafür aber für wenige € chromefarbene HB-Frames oder die "Zebras" verbaut und das Pickguard vielleicht gar nicht anbaut....
Zu guter Letzt steht dann kein Harley B., H&B, Pasadena oder John Doe, sondern mit ein wenig Geschick "Leopold Paulsen" oder von mir aus "Kevin Hrdliczka" auf der frei zu gestaltenden Kopfplatte -)
Auf jeden Fall ergibt's ein Unikat, wenn man weiß was man tut und wenn man's nicht weiß auch.
Wer also schon beim Jenga-spielen versagt und nicht weiß ob der Hals SO angeschraubt nun passt oder nicht, sollte eine fertige Gitarre kaufen. Wobei man, sowohl bei Epi als auch bei anderen Klampfen, in der Preislage um 200% vom Bausatz, Pech (oder Glück) haben kann.
Die Bausätze von ML-F kann man auch verhuntzen, wie "altewuz" auf Youtube deutlich macht.
Meine Dimavery Reso ist z.B. der Hit am Lagerfeuer, für das Geld !
Außerdem: Ein alter Freund von mir und dem seeligen Rory G. hat mir mal bewiesen dass man mit einer günstigen Gitarre mit einfachstem Eq. immer noch verblüffende Sounds hin bekommt.
Es ist wie am PC.. der User ist der größte Bug.
LG

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Mellon sagt:

#17 - 19.12.2012 um 18:20 Uhr

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Nachtrag..
Ich halte gerade ein neues Kit in Händen und frage mich was an ML-Bausätzen besser sein könnte ? Hervorragend verarbeitet, praktisch ein Allrounder durch die Mischung von Bauart, Bauform, Holzart (geschraubter Hals, LP-Form, Erle Korpus) und mit den Wilkinson Zebra's kann eigentlich nichts mehr falsch sein. Bei einem Preis von 134,-€ (89+45) für DIY-Kit und HB's kann man nicht meckern. ..und wer schon mal ein Hals-Problem bei einer LP hatte weiß den geschraubten Hals zu schätzen ;-( Vom Thomann Service braucht man nicht zu reden: Klasse !

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Mellon sagt:

#18 - 04.01.2013 um 19:36 Uhr

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Noch'n Gedicht.. in Qualität und Ausführung habe ich jetzt den direkten Vergleich vor mir liegen. Abgesehen davon dass es je eine LP (HB) und eine Tele (ML) ist, hat Thomann (HB) qualitativ die Nase vorn ! Die E-Teile sind besser vorbereitet bzw. verarbeitet und der Hals/das Griffbrett ist einfach göttlich. Die ML (Tele) hat einen unschönen Ast in der Mitte des Halses, der auch ertastbar ist. Ebenso sind die Rundungen am Body nicht perfekt. Mehr machen kann man aus der Tele trotzdem, da die völlig roh kommt, einen großzügigen Headstock hat und völlig blond ist. Soll heißen dass auch eine Färbung des Griffbretts mit Beize o.ä. möglich ist. Man muss nur darauf achten dass Ahorn anders reagiert als Erle. Die gewölbte Decke der LP und das Palisander Griffbrett machen es einem schon schwerer, wobei auf der Tele jeder Furnier, Decal oder Paper einfach zu verwirklichen ist. Im Augenblick liebäugle ich mit Swirl für die LP, das geht auc