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Gibson Les Paul Studio Pro Plus RV Test

PRAXIS

Wer bisher aus Respekt vor dem großen Gewicht die Anschaffung einer Les Paul nicht ins Auge gefasst hatte, für den kann ich bei diesem Modell auf jeden Fall Entwarnung geben. Mit 3,2 Kilo wiegt sie gerade einmal so viel wie eine SG – meine Les Paul Studio bringt satte vier Kilo auf die Waage. Zum Lieferumfang gehört auch ein stabiler Gibson Formkoffer, den man dank des geringeren Gewichts natürlich längere Strecken tragen kann, ohne dass man den Verlust eines Armes befürchten müsste. Allerdings scheiden sich die Geister, wenn es um das Gewicht einer Les Paul geht. Viele behaupten, nur eine schwere Les Paul könne wirklich einen fetten Ton von sich geben. Auch dieser Sache werden wir jetzt ganz neutral auf den Grund gehen und wie gewohnt erst einmal die unterschiedlichen Tonabnehmerkombinationen bei unverzerrtem Sound hören.
Clean
Und tatsächlich, schon beim Halspickup zeigt sich, dass die Gitarre im Vergleich zu den etwas schwergewichtigeren Modellen etwas dünner klingt. Die Bässe kommen eher knackig rüber. Aber soll ich ehrlich sein? Mir gefällts! Vor allem bei den Cleansounds, denn gerade der Bassbereich ist manchmal bei den fetten Les Pauls zu stark, besonders, wenn man mit zwei Gitarristen in der Band spielt. Hier kommt das Ganze recht ausgeglichen rüber, der 490R Humbucker am Hals bringt eine respektable Portion an Höhen mit und der Burstbucker am Steg ist noch eine Ecke schärfer, macht aber auch im Cleansound einen guten Job. Hier sind die drei Standardkombinationen.

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Neck Neck/Bridge Bridge

Indem man den Poti-Knopf des jeweiligen Volume-Reglers hochzieht, splittet man die Pickups. Das erwartete Ergebnis ist ein wesentlich dünnerer Sound, der den Humbuckerton recht gut ergänzt. Die Bässe werden noch etwas mehr reduziert und das Ganze klingt wesentlich crisper. Hier sind die vorherigen Kombinationen im Split-Modus.

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Neck Split Neck/Bridge Split Bridge Split

Damit kann man natürlich schon Einiges an Sounds einstellen, und wer gut mitgerechnet hat, der weiß, dass noch zwei weitere Kombinationen möglich sind, nämlich Hals Pickup und gesplitteter Steg-Tonabnehmer und umgekehrt. Vor allem für unverzerrte Rhythmus-Sounds bieten sich diese möglichen Kombinationen an. Hier ein Funk-Groove, bei dem ich alle vier Möglichkeiten mit beiden Pickups ausgeschöpft habe:  
1.  Beide Humbucker
2.  Neck Split – Steg Humbucker
3.  Neck Humbucker – Steg Split
4.  Beide Split

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GIBSONLPSPPNeck Bridge Kombinationen

Crunch-Mid Gain
Ganz so sauber geht es jetzt nicht mehr weiter, denn der Marshall Plexi lädt zu einem leicht angezerrten Sound ein, der sich bei entsprechender Amp-Einstellung bis zum amtlichen Brett steigern lässt. Der Burstbucker am Steg sorgt dabei für einen guten, präsenten Zerrsound, einsetzbar für alle Rockfacetten. Seine Ansprache kann man zwar nicht unbedingt als filigran bezeichnen, aber das macht der Halspickup wieder wett, der bei mittlerer Verzerrung sehr dynamisch auf die Anschlagsstärke reagiert. Beim Umschalten auf den Burstbucker zückt unsere Kandidatin allerdings die Rock-Keule.

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Dyna-Pick

Entspannte Blues-Sounds erzeugt der Hals-Pickup im Humbucker-Betrieb, und wenn es für Rhythmus-Sounds etwas crisper werden soll, wird er ganz einfach gesplittet. Im Humbucker-Modus liefert er einen angenehm warmen Sound, sehr gut für Leads und einen weichen Rhythmus-Ton, gesplittet kommt er sehr drahtig und mit einem absolut knackigen Bass aus dem Speaker und könnte glatt einer Strat Konkurrenz machen. Die Ansprache ist sehr direkt.
Hier sind beide Möglichkeiten des Hals-Pickups.

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Neck Crunch Neck Split Crunch

HiGain
Bei den Hi Gain Sounds hat mich die Les Paul nicht so hundertprozentig überzeugt. Die Pickups bieten zwar eine hohe Ausgangsleistung und sorgen für gutes Zerrverhalten am Amp, aber der Ton ist doch recht crisp und es fehlt etwas die Fülle. Aber die Tonabnehmer übertragen den Sound recht transparent, sodass man es auch wagen kann, bei höherer Verzerrung Akkorde zu spielen, wie man im nächsten Beispiel hören kann.

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Neck HiGain

Die Werte des Volume-Potis sind so eingestellt, dass sich damit wie üblich der Verzerrungsgrad herunterschrauben lässt. Aber auch in diesem Bereich habe ich mit Les Pauls und anderen Humbucker-Gitarren schon bessere Ergebnisse erzielen können. Bei Volume auf 3 ist der Ton noch leicht verzerrt und bei voll aufgedrehtem Volume gibt es das volle Zerrbrett.

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Dyna Poti

Den scharfen Ton des Burstbuckers kann man natürlich mit dem Tone-Poti an der Gitarre etwas reduzieren, das effektiv ins Geschehen eingreift und den Höhenbereich ab ca. 3kHz entsprechend absenkt. Ihr hört im nächsten Beispiel zuerst das Tone-Poti komplett abgedreht, dann voll aufgedreht.

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Tone

Zu guterletzt gibt es auch noch die übliche Metal-Zerre mit abgesenkten Mitten. Das funktioniert ganz gut, ist aber nicht unbedingt das Spezialgebiet unserer Kandidatin. Die Gitarre spricht sehr gut an, besonders das Tracking auf den tiefen Saiten funktioniert ausgezeichnet – oberstes Gebot bei Metal Riffs – aber dem Ton fehlt es ein wenig an tiefem Pfund, wenn ich ihn mit dem meiner Standard-Studio Les Paul vergleiche.

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Metal
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Profilbild von Anika

Anika sagt:

#1 - 16.05.2012 um 15:45 Uhr

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Ich besitze diese Gitarre und sie ist wirklich sehr schön. Der Test beschreibt das ja auch sehr gut und urteilt durchweg positiv. Was mich nur wundert ist die dann am Ende relativ geringe Bewertung mit 4/5... .

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