Der chinesische Hersteller Flamma aus Shenzhen ist hierzulande noch nicht ganz so präsent wie die etablierten Platzhirsche, hat sich in den letzten Jahren jedoch ein beachtliches Portfolio an Effektpedalen und digitalen Tools für Musiker aufgebaut. Preislich bewegt sich Flamma klar im Budget-Segment – viele Produkte liegen deutlich unter der 100-Euro-Marke – und genau hier versucht die Marke, mit viel Ausstattung zum kleinen Preis zu punkten. Mit dem FB200 Multi Effect Strip betritt Flamma nun das Terrain der kompakten All-in-one-Lösungen für Bassisten. Amp- und Cab-Simulationen, Effekte, IR-Support, Drum-Machine, Bluetooth-Streaming und ein integrierter Akku – das alles steckt in einem handlichen, pedalboard-tauglichen Gehäuse. Der Anspruch ist klar: ein flexibles Werkzeug für Zuhause, Probe und kleine Gigs, das möglichst viele Aufgaben gleichzeitig übernimmt. Wie sich das Flamma FB200 in der Praxis schlägt, wie überzeugend die Sounds wirklich sind und für wen sich das kompakte Multieffekt lohnt, klären wir heute im Test.

- extrem umfangreiche Ausstattung zum günstigen Budget-Preis
- intuitives haptisches Bedienkonzept mit dedizierten Reglern
- stabile, logisch aufgebaute Flamma-App zum Editieren
- Features zum Üben (Drumcomputer, Bluetooth Audio, USB OTG-Recording)
- integrierter Akku mit ordentlicher Laufzeit
- tadellose Verarbeitung
- einige Module klingen etwas flach (Verzerrer)
- Effektauswahl eingeschränkt (kein Octaver, kein Fuzz)
Flamma FB200 Effect Strip – erster Eindruck
Der Flamma FB200 Effect Strip kommt in einer länglichen, leicht ungewöhnlichen Bauform mit Maßen von 311 x 67,5 x 49,7 mm. Ganz neu ist dieser Formfaktor allerdings nicht – bekannte Konzepte wie die Fly Rigs von Tech 21 oder die Dapper-Pedale von Valeton setzen ebenfalls auf ein ähnliches Layout.
Für die Praxis ist das längliche Layout durchaus sinnvoll: Die Fußschalter sitzen nebeneinander und besitzen ausreichenden Abstand zueinander, was die Bedienung ohne Frage angenehm macht. Gemessen am gebotenen Funktionsumfang fällt das FB200 auf jeden Fall erfreulich kompakt aus und bringt mit 578 g zudem wenig Gewicht auf die Waage. Damit verschwindet es problemlos in der Gigbag und verursacht kaum zusätzlichen Transportaufwand.
Die Bodenplatte besteht aus Metall, während das weiße Gehäuse aus Kunststoff gefertigt ist. Das mag auf dem Papier zunächst weniger vertrauenserweckend klingen, hinterlässt in der Realität jedoch keineswegs einen billigen oder fragilen Eindruck. Im Gegenteil – gemessen am Preis wirkt der Flamma FB200 Effect Strip sauber verarbeitet und insgesamt überraschend hochwertig.
Wie ist das Bedienkonzept des Flamma FB200 Effect Strip?
Wie man an der Vielzahl an Reglern und dem vergleichsweise kleinen Display erkennen kann, setzt Flamma beim FB200 trotz des großen Funktionsumfangs konsequent auf ein haptisches Bedienkonzept statt auf verschachtelte Menüstrukturen – viele Parameter lassen sich direkt über Drehregler einstellen.
Die Reglerreihe beginnt mit dem Master-Regler für die Gesamtlautstärke, gefolgt von den beiden Potis Level und Reverb für die Hall-Sektion. Zur Auswahl mit dem Reverb-Regler stehen fünf Hall-Typen; die jeweils aktive Variante wird über ihre Nummer im Display angezeigt, ändert man mit dem Level-Regler die Lautstärke des Effekts, wechselt das Display zu einer Anzeige mit Werten von 1-100.

- 1. Room: Simuliert den natürlichen Raumklang eines kleineren Raumes
- 2. Hall: Simuliert den Nachhall eines größeren Saals
- 3. Plate: Heller Hall mit dem Charakter einer klassischen Plattenhall-Simulation
- 4. Spring: Federhall im Vintage-Stil
- 5. Modulated Reverb: Hall mit modulierter Klangcharakteristik für schwebende Effekte
An die Hall-Sektion schließt sich die Modulationsabteilung an, die mit den Reglern Mix, Rate und Mod ausgestattet ist. Die Funktionen sind weitgehend selbsterklärend: Über den Mix-Regler wird das Verhältnis zwischen Clean- und Effektsignal bestimmt, der Rate-Regler steuert die Geschwindigkeit der Modulation, und mit dem Mod-Regler wählt man einen der insgesamt zwölf verfügbaren Modulationseffekte aus.
- 1. Phaser: Fließender Phaser-Sound mit typischer Schwebe-Charakteristik
- 2. Step Phaser: Phaser mit stufiger Modulation auf Basis einer Rechteckwelle
- 3. Flanger: „Dreamy“ Flanger-Effekt mit breitem Schwebesound
- 4. Jet Flanger: Intensiver Flanger mit ausgeprägtem „Jet“-Charakter
- 5. Tremolo: Klassisches Tremolo mit zyklischen Lautstärkeschwankungen
- 6. Stutter Tremolo: Tremolo mit stotternden, rhythmisch zerhackten Lautstärkeimpulsen
- 7. Vibrato: Effekt mit zyklischer Tonhöhenmodulation
- 8. Rotary: Simulation eines rotierenden Lautsprechers (Leslie-Effekt)
- 9. Analog Chorus: Klassischer Chorus im analogen Stil
- 10. Multi Chorus: Mehrschichtiger moderner Chorus-Sound
- 11. Ring Modulator: Glockenartige metallische Klangfarben durch Ringmodulation
- 12. Filter: Modulierter Filtereffekt für bewegte Klangverläufe

Mit dem Cab-Regler wählt man eine der zehn integrierten Boxensimulationen oder eine eigene Impulsantwort aus; dafür stehen insgesamt neun Speicherplätze zur Verfügung:
- 1. SV810 U47: Basierend auf einer Ampeg SVT-810E, mikrofoniert mit einem Neumann U47
- 2. SV810 121: Ampeg SVT-810E mit Royer R-121-Mikrofonierung
- 3. SV810 7B: Ampeg SVT-810E mit Shure SM7B-Mikrofonierung
- 4. HK U47: Hartke 45XL mit Neumann U47-Mikrofonierung
- 5. HK 7B: Hartke 45XL mit Shure SM7B-Mikrofonierung
- 6. HK 121: Hartke 45XL mit Royer R-121-Mikrofonierung
- 7. HK 421: Hartke 45XL mit Sennheiser MD421-Mikrofonierung
- 8. Akuila U47: Aguilar DB115 mit Neumann U47-Mikrofonierung
- 9. Akuila 7B: Aguilar DB115 mit Shure SM7B-Mikrofonierung
- 10. Akuila 121: Aguilar DB115 mit Royer R-121-Mikrofonierung
Die Amp-Sektion setzt sich aus insgesamt sechs Reglern Vol, Bass, Mid, Treble, Gain und Amp – die Funktion dahinter sind denke ich mittlerweile selbsterklärend. Auch hier gibt es abermals 10 verschiedene Modelle zur Auswahl:
- 1. Ampog 2OD: Basierend auf einem Overdrive-Pedal in Kombination mit einem Ampeg SVT-Preamp
- 2. Ampog B18 CL: Angelehnt an den Clean-Kanal des Ampeg B18
- 3. Ampog SVT 4: Basierend auf dem Preamp des Ampeg SVT-4 Pro
- 4. Ampog SVT VALVE: Angelehnt an den Preamp des Ampeg SVT-7 Pro
- 5. Mvrkbass 500: Basierend auf dem Preamp des Markbass R500
- 6. Mvrkbass 501: Angelehnt an den Preamp des Markbass TA501
- 7. Akuila 750 CL: Basierend auf dem Low-Gain-Kanal des Aguilar DB751
- 8. Akuila 750 DS: Angelehnt an den High-Gain-Kanal des Aguilar DB751
- 9. Akuila 751: Basierend auf dem Overdrive-Preamp des Aguilar DB751
- 10. BASSER CRUNCH: Angelehnt an den Darkglass B7K
Den Abschluss der Signalkette bildet die Kompressor-Sektion, die auf dem Konzept des Boss CS-3 basiert. Zur Verfügung stehen hier ein Level-Regler zur Anpassung der Ausgangslautstärke sowie ein Threshold-Regler, mit dem die Einsatzschwelle der Kompression bestimmt wird. Ergänzt wird das Ganze durch einen Gate-Regler, über den sich das integrierte Noisegate aktivieren und in seiner Einsatzschwelle einstellen lässt.
Wozu dienen die Fußschalter des Flamma FB200 Effect Strip?
Die vier Fußschalter übernehmen beim kompakten Flamma FB200 Effect Strip eine ganze Reihe von Funktionen: Im Preset-Modus dienen sie in erster Linie zum Anwählen und Abspeichern der Sounds. Insgesamt stehen zehn Bänke mit jeweils vier Presets zur Verfügung, die über die Fußschalter A, B, C und D direkt ausgewählt werden können.
Zwischen den Bänken wird durch gleichzeitiges Drücken zweier Schalter gewechselt: Mit A + B schaltet man eine Bank nach unten, mit C + D entsprechend nach oben. Möchte man einen Sound speichern, wechselt man einfach zum gewünschten Speicherplatz und hält den entsprechenden Fußschalter gedrückt – fertig. Dieses Konzept ist logisch und nach kurzer Eingewöhnung gut zu bedienen.
Neben dem Preset-Modus steht auch ein Live-Modus zur Verfügung, den man durch gleichzeitiges Drücken der Fußschalter B und C aktiviert. In diesem Modus dienen die Fußschalter nicht mehr zum Umschalten zwischen Presets, sondern zum direkten Ein- und Ausschalten der einzelnen Effektmodule. Auch im Live-Modus lassen sich veränderte Sounds abspeichern.
Was für Zusatzfeatures besitzt der Flamma FB200 Effect Strip?
Damit ist aber noch nicht Schluss, denn das FB200 hält noch einige Zusatzfeatures bereit. Durch gleichzeitiges Gedrückthalten der Fußschalter B + C gelangt man in den Drum-Machine-Modus; im Display erscheint zur Bestätigung der Buchstabe „d“. Die insgesamt 40 zur Verfügung stehenden Drum-Patterns werden über die Fußschalter A und B angewählt.
Das Tempo lässt sich per Tap-Funktion einstellen, indem man den Fußschalter C mindestens zweimal im gewünschten Tempo betätigt – die blinkende LED über dem Fußschalter signalisiert dabei die aktuelle BPM. Über Fußschalter D wird die Drum-Machine ein- oder ausgeschaltet. Zum Verlassen des Modus hält man erneut B + C gedrückt.
Auch ein integriertes Stimmgerät ist an Bord. Dieses lässt sich in jedem Betriebsmodus durch gleichzeitiges Gedrückthalten der Fußschalter A + B aktivieren. Im Display erscheint „—“, und das eingehende Signal wird anschließend visuell dargestellt. Zum Verlassen des Tuner-Modus wiederholt man die gleiche Tastenkombination.
Ist der Flamma FB200 Effect Strip schwierig zu bedienen?
Alles in allem empfinde ich das Bedienkonzept als schlüssig und praxisnah, sodass man im Grunde auch ohne ausführliches Studium des Manuals direkt mit dem Flamma FB200 Effect Strip loslegen kann. Die wichtigsten Funktionen sind gut sichtbar auf der Oberseite beschriftet, und zahlreiche LEDs informieren zuverlässig über die jeweiligen Betriebszustände. Selbst die Potiknöpfe sind farbig beleuchtet und beginnen zu blinken, sobald ein Parameter verändert wird.
Noch komfortabler gestaltet sich das Editieren und Erstellen von Sounds mit der kostenlos verfügbaren Flamma-App für Smartphone oder Tablet. Die mobilen Geräte lassen sich per Bluetooth 5 mit dem Flamma FB200 Effect Strip verbinden und bieten anschließend eine übersichtliche Benutzeroberfläche zur Erstellung eigener Sounds oder für den Drumcomputer, das Stimmgerät und sämtliche Systemeinstellungen.
Über die App bekommt man nach Einrichtung eines Acoounts zudem Zugang zur Flamma-Cloud. Auch Audiostreaming über Bluetooth 5 wird vom FB200 unterstützt – es lassen sich also Playbacks zum Jammen von einem Smartphone/Tablet über Bluetooth einspielen.
Wie ist die Rückseite des Flamma FB200 Effect Strip gestaltet?
Sämtliche Anschlüsse des kompakten Multieffekt-Pedals befinden sich auf der Rückseite. Hier sitzen die Input- und Output-Klinkenbuchsen, eine Miniklinke für den Anschluss eines Kopfhörers zum lautlosen Üben sowie ein USB-C-Port (ein entsprechendes USB-C-auf-USB-A-Kabel liegt bei).
Der USB-Anschluss dient in erster Linie zum Laden des integrierten 2000-mAh-Akkus, denn der Flamma FB200 Effect Strip wird ausschließlich über die interne Stromversorgung betrieben. Laut Hersteller beträgt die maximale Betriebszeit bis zu sechs Stunden, vollständig aufgeladen ist der Akku in etwa 2,5 Stunden über ein handelsübliches 5-Volt-USB-Netzteil.
Darüber hinaus unterstützt der USB-Port sogenanntes OTG-Recording (On-The-Go): Der Flamma FB200 Effect Strip kann direkt per USB mit einem Smartphone oder Tablet verbunden werden und fungiert dabei als Audio-Interface, sodass sich das Basssignal ohne zusätzliches Equipment unmittelbar in Recording-Apps aufnehmen lässt.













