Test
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19.09.2017

Sabian HHX Legacy Thomann Exclusive Set Test

Becken Set

Ein Vermächtnis im Sparpaket

„Becken im Set kaufen? Das machen doch nur Einsteiger, oder?“ fragte mich neulich ein Schüler. Und vor ein paar Jahren hätte ich dem ohne größere Einschränkungen zugestimmt. Die Zeiten haben sich allerdings geändert, das Vorhören per Internet hat sich als Kaufhilfe etabliert, und warum soll man nicht ein paar Euros sparen, wenn einem der Charakter einer ganzen Serie gut gefällt? Im Falle unseres heutigen Testsets soll dieser Charakter im dunklen, schnell ansprechenden und akustisch sowie optisch unaufdringlichen Bereich liegen, ganz so, wie es sich Ideengeber und Fusion-Masterdrummer Dave Weckl gewünscht hat. Es dreht sich nämlich um Modelle aus der Sabian HHX Legacy Reihe, genauer: um das Thomann Exclusive Set, bestehend aus einer 14er Hi-Hat, einem 20er Ride, sowie Crashes in 17 und 19 Zoll Größe. 

Innerhalb des Sabian Produktprogramms nehmen die HHX Modelle eine Position im oberen Preissegment ein, ein einzelnes, 20 Zoll durchmessendes Ride-Becken schlägt immerhin mit knappen 380 Euro Straßenpreis zu Buche. Würde man die Instrumente unseres Testsatzes einzeln erwerben, wäre man um gut 1500 Euro ärmer, wobei das Exclusive Set noch die Besonderheit des 19 Zoll Crash-Beckens aufweist, welches im aktuellen Sabian Katalog nicht offiziell gelistet ist. Hinzu kommt, dass die Becken im Rahmen des Sabian „Sonically Matched“-Verfahrens zusammengestellt werden, was für eine besonders homogene Abstimmung der einzelnen Instrumente sorgen soll. Das sieht nach vielen Vorteilen aus, aber ob sich der Kauf des um 600 Euro drastisch reduzierten Beckensets tatsächlich lohnt, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Beim Auspacken des Legacy Becken fällt auf, dass erst einmal nichts auffällt. Im Gegensatz zu vielen anderen HHX Modellen gibt es hier nämlich weder das auffällige Hochglanz-Finish noch die kontrastierenden, dunklen Kuppen. Stattdessen verströmt das seidig-schimmernde Erscheinungsbild einen angenehm zurückhaltenden Charme, wozu auch der Umstand der ungefüllten HHX-Logos beiträgt. Alle Modelle verfügen über das relativ feine Abdrehmuster sowie die beidseitige Bearbeitung mit großen Hammern. Dies soll zu einer Sound-Fokussierung bei gleichzeitig gesteigerter klanglicher Komplexität führen. Die Kuppen aller Testmodelle sind zwar abgedreht, aber nicht gehämmert, auf ihren Unterseiten findet sich jeweils die aufgedruckte Signatur von Dave Weckl. Kommen wir nun zur Beschreibung der einzelnen Instrumente.

Das 19er Crash ist stärker bearbeitet als die 17 Zoll Variante

Die eingehende Untersuchung der Crash-Becken offenbart Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. So besitzen beide Modelle dieselbe Kuppenform und -größe, was zu unterschiedlichen Proportionen führt. Während sowohl das 17er als auch das 19er beidseitig komplett abgedreht sind, weichen die Hämmerungen voneinander ab. Zwei Hammergrößen werden verwendet, einmal der große, von Sabian „Jumbo Peen“ genannte, Hammer, welcher wenige, aber dafür deutlich sichtbare Einschläge im Material hinterlässt, sowie ein kleinerer, der offenbar für das Fein-Tuning der Crashes zum Einsatz kommt. Die kleinen Hammermale sind jedoch beim 19er tiefer gesetzt, beim 17er Crash muss man hingegen schon genauer hinsehen, um sie zu lokalisieren. Mit 970 und 1440 Gramm sind die Becken der leichten Gewichtsklasse zuzuordnen.

Auf der Ride-Unterseite gibt es eine Besonderheit

Auf den ersten Blick ist das 20 Zoll Ride-Becken den Crashes sehr ähnlich. Es besitzt das gleiche Abdrehmuster, und auch die großen, eher spärlich gesetzten Hammereinschläge zeigen das gewohnte Bild. Auch hier wurde die Hälfte der Hammermale von der Unterseite her gesetzt. Genau dort fällt auch die Besonderheit des Rides ins Auge, nämlich ein etwa drei Zentimeter breiter Streifen, den der „Lather“ etwa mittig zwischen Rand und Kuppenansatz ausgespart hat. Dieser braun-schwarz gefärbte Ring zeigt das B20 Bronze-Material im Rohzustand und soll dafür sorgen, dass sich das Becken nicht zu sehr aufschaukelt und stets kontrolliert bleibt. Einen weiteren Unterschied zu den Crashes stellen die fehlenden kleineren Hammermale dar, dadurch wirkt das Ride – zumindest von oben betrachtet – optisch weniger komplex. Für Amboss-Fetischisten und Ping-Fans ist es nicht gemacht, 1840 Gramm auf 20 Zoll deuten eher auf den leichten Ride- beziehungsweise Crash-Einsatz hin. 

Klassisches Hi-Hat-Rezept: leichtes Top, schweres Bottom

Die HHX Legacy Hi-Hats weisen keine speziellen Merkmale auf, lässt man die wesentlich kleineren Kuppen mal beiseite. Auf roh belassene Streifen müssen beide Becken ebenso verzichten wie auf die zusätzliche, feine Hämmerung der Crashes. Ganz klassisch fällt auch die Gewichtung aus. Leichtes Top auf schwerem Bottom heißt das bewährte Rezept für eine schnelle Ansprache beim Öffnen, gepaart mit klarer Definition bei geschlossenem sowie getretenem Betrieb. 860 Gramm beim Top und 1110 Gramm beim Bottom fallen insgesamt ebenfalls in die eher leichte Kategorie von Hi-Hat-Becken. 

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