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Test
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19.05.2017

RME OctaMic XTC Test

Achtfach-Preamp mit Multi-Format-I/O

Digitaler Alleskönner

Der deutsche Hersteller RME ist für äußerst hochwertige und klangneutrale Mikrofonvorverstärker bekannt, die in ihrer Preisklasse zur Referenz gehören. Mit dem RME OctaMic XTC bekommt man nicht nur acht solcher Preamps mit interner Wandlung, sondern ein äußerst vielseitiges Gerät, das ganz nebenbei als Übersetzer zwischen digitalen Schnittstellen und als eigenständiges Audiointerface arbeiten kann.

Es handelt sich hier sozusagen um den großen Bruder des RME OctaMic II, der ebenfalls acht Vorverstärker an Bord hat. Vor allem auf der digitalen Seite bietet die hier getestete XTC-Variante aber mehr Möglichkeiten. Es ist durchaus etwas ungewöhnlich dass ein Preamp-Modul sowohl ein- als auch ausgangsseitig mit ADAT-, AES/EBU- und MADI-Schnittstellen kommt. Was der OctaMic XTC mit dieser umfangreichen Ausstattung alles anstellen kann, sehen wir im Review.

Details

Typisch RME

Schon bemerkt, dass der Hersteller RME bei einem großen Teil seiner Produkte darauf verzichtet, sein Logo auf die Frontseite zu drucken? Bei dem typischen RME-Blau des Panels und dem allgemein nüchtern-zweckdienlichen Design ist der Wiedererkennungswert so hoch, dass weitere Hinweise auf die Herkunft offenbar einfach nicht nötig sind. Dass man sich den Schriftzug nicht nur hin und wieder aus Platzmangel spart, beweist der OctaMic XTC, denn die Vorderseite des 19"-Gehäuses ist nicht gerade dicht besiedelt. Zwei Encoder mit Push-Funktion sitzen neben einem kleinen LCD, das standardmäßig ein Level-Meter für die Eingangskanäle anzeigt. Etwas weiter links gibt es zwei Kopfhörerausgänge und ansonsten finden sich hier nur acht unscheinbare Taster, einige Gruppen von Status-LEDs und natürlich der Netzschalter.

Schon auf der Frontseite zeigt der OctaMic XTC also, dass er ein durch und durch digitales Gerät ist. Hier wird nicht einfach nur auf Knöpfe gedrückt oder an Potis geschraubt - hier wird durch Menüs und Untermenüs navigiert, um beispielsweise den beiden Encodern unterschiedliche Funktionen zu verpassen. Standardmäßig regeln sie die Kopfhörerlautstärke, bei einem Druck auf einen der Kanaltaster auf der linken Seite steuern sie das Gain des entsprechenden Kanalpaars. Bis zu dieser Stelle läuft alles recht intuitiv. Wenn es darum geht, die Phantomspeisung, das Pad oder den Hi-Z-Modus für einzelne Kanäle zu aktivieren, muss man aber in der Tat ein wenig auf den Kanal- und Menütastern herumtippen, um ans Ziel zu gelangen. Anwender der alten Schule werden die Direktheit von separaten Gain-Potis pro Kanal und von Bedienelementen, die jeweils nur eine einzige Funktion haben, vermutlich vermissen. So komplexe Einstellungen zum Routing, wie sie beim OctaMic XTC möglich sind, erfordern aber natürlich eine komplexe Bedienphilosophie, und dass man bis zu sechs eigene Presets mit allen Einstellungen abspeichern kann, ist da natürlich hilfreich. Zudem sei bereits an dieser Stelle gesagt, dass sich das Gerät auch komfortabel über einen Rechner steuern lässt.

Wenn es um das Anpassen des Eingangspegels geht, gibt es beim OctaMic XTC zwei erwähnenswerte Besonderheiten: das AutoSet-Gain-Feature und die Gain-Gruppen. Ersteres passt den Eingangspegel automatisch so an, dass ein Headroom von etwa 6 dB erhalten bleibt, Letzteres ermöglicht es, die einzelnen Kanäle in bis zu vier Gruppen einzuordnen, die sich gemeinsam regeln lassen. Dies kann beispielsweise hilfreich sein, wenn man bei einer Aufnahme mit mehreren Raummikrofonen arbeitet, die in Hinblick auf das Gain gemeinsam behandelt werden sollen. Eine feine Sache!

Keine analogen Line-Outs, dafür vielfältige digitale Schnittstellen

Bei den beiden Kopfhörerausgängen auf der Vorderseite handelt es sich um die einzigen analogen Ausgänge des OctaMic XTC. Beide verfügen intern über ihre eigenen Kanäle, was neben dem direkten Abhören unterschiedlicher Eingänge prinzipiell auch das Ausspielen verschiedener Monitor-Mischungen erlaubt. Alle Signale aus den Vorverstärkern einzeln und auf analogem Weg aus dem OctaMic XTC zu leiten, ist dagegen nicht vorgesehen. RME setzt in diesem Fall vollständig auf digitale Verbindungen und ich persönlich empfinde das als durchaus praxisnah. Wer analoge Verbindungen zwischen Preamps und einem Audiointerface oder externen Wandlern herstellen will, der kann das mit dem OctaMic II tun. Der OctaMic XTC ist dagegen ein Spezialist für die digitale Domäne.

Nebenfunktion als Audiointerface

Betrachten wir die Rückseite etwas genauer. Gleich neben dem Anschluss für einen Kaltgerätestecker sitzt eine MIDI-Schnittstelle. Diese ist einerseits dazu vorgesehen, die Einstellungen des OctaMic XTC zu steuern, andererseits kann sie aber auch als herkömmlicher MIDI-Port für eine DAW verwendet werden, wenn das Gerät als Audiointerface betrieben wird. In letzterem Fall kommt natürlich der benachbarte USB-Port (USB 2.0) ins Spiel.

Als Audiointerface kann der OctaMic XTC alle seine analogen und digitalen Schnittstellen zur Verfügung stellen, ist aber auf maximal je 24 Kanäle rein und raus beschränkt. Damit kann man sicher leben, für einen vollständig autarken Betrieb würden mir persönlich aber noch weitere analoge Ausgänge fehlen. Zum Anbinden von Monitorboxen ist es zwar prinzipiell möglich, einen der frontseitigen Kopfhörerausgänge mit einem Adapterkabel nutzen, es gibt aber viele Anwendungsszenarien, in denen man zusätzliche Line-Outs vermissen würde. Auch die Steuerung über RMEs virtuellen Mischer TotalMix fällt bei Anschluss über USB leider weg und natürlich gibt es auch keinen internen DSP für Echtzeit-Effekte. Der Einsatz als Audiointerface bleibt also eine (durchaus wertvolle) Nebenfunktion.

ADAT, AES/EBU und MADI

Aber zurück zur Rückseite und ihren Schnittstellen. Zur digitalen Verbindung des OctaMic XTC mit einem Audiointerface gibt es drei Möglichkeiten. Eine 25-polige D-Sub-Buchse erlaubt den Anschluss einer Kabelpeitsche, über die bis zu je acht AES/EBU-Kanäle ausgespielt und empfangen werden können. Auch bei höheren Abtastraten bis 192 kHz unterliegt diese Anzahl keinen Einschränkungen. Bei der ADAT-Schnittstelle kommt dagegen Sample-Multiplexing zum Einsatz. Wenn eine Samplingrate von bis zu 48 kHz gewählt wird, können folglich jeweils acht Kanäle über die beiden optischen Ausgänge nach draußen geleitet werden. Bei doppelter oder vierfacher Abtastrate wird die Anzahl dagegen halbiert oder geviertelt. Der einzelne ADAT-Eingang verhält sich in dieser Hinsicht entsprechend.

Sein volles Potenzial kann der OctaMic XTC unter Verwendung der optischen MADI-Schnittstelle entfalten. Hier ist es bei Abtastraten bis 48 kHz möglich, gleichzeitig bis zu 64 Kanäle simultan auszuspielen und zu empfangen. So kann man über das breitbandige Format nicht nur die Signale aus den acht internen Preamps an ein Interface senden, sondern ganz nebenbei die volle Anzahl der digitalen Eingänge miteinbeziehen und sozusagen in das MADI-Format übersetzen. Wer den OctaMic XTC beispielsweise in Verbindung mit dem MADI-fähigen RME Fireface UFX+ oder mit einem MADIface verwendet, der erweitert die Möglichkeiten seiner Produktionsumgebung also wirklich enorm. Auch bei 96 kHz sind bei der Verwendung von MADI stattliche 32 Kanäle möglich, bei vollen 192 kHz bleiben immerhin noch 16 Kanäle übrig. Die Clock-Synchronisation kann nebenbei sowohl über MADI als auch über AES/EBU oder ADAT laufen. Alternativ ist aber natürlich auch die Verwendung eines Wordclock-Kabels am zugehörigen Port möglich.

Potente Preamps

Die restliche Rückseite des OctaMic XTC wird von den analogen Eingängen eingenommen, wobei hier XLR/Klinke-Combobuchsen zum Einsatz kommen. Die ersten vier Eingänge sind neben ihrer Funktion als Mic Ins auch als symmetrische Line Ins nutzbar. Die Eingänge fünf bis acht können dagegen in einen hochohmigen Instrumenten-Modus geschaltet werden und sind bei Verwendung eines Klinkensteckers unsymmetrisch.

In Hinblick auf die technischen Werte machen sich die Mikrofonvorverstärker wirklich hervorragend. Mit 65 dB Gain sollten sie allen Herausforderungen des Studioalltags gewachsen sein. Der THD+N liegt bei mittlerem Gain von 30 dB unterhalb von 0,001 %, und auch um das Grundrauschen muss man sich bei einem hohem Rauschabstand von 117 dB(A) keinerlei Sorgen machen. Die Eingangsimpedanz liegt für Mikrofone bei 2,3 kOhm, für Line-Quellen bei 6,6 kOhm und für angeschlossene Instrumente bei 800 kOhm.

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