Anzeige
ANZEIGE

EKS Otus Test

Der finnische Hersteller EKS, bekannt durch die DJ-Tools XP5 und XP10 sowie die Bison DJ-Software, stellt mit Otus einen neue Produktlinie vor und wagt sich nach eigenen Angaben in eine neue Klasse von DJ-Controllern. Der Dual-Layer-Controller ist durch Umschalten einer Kontrolleinheit in der Lage, zwei virtuelle Decks zu bedienen. Hochwertige Bauteile und konfigurierbare Bedienelemente gehören mittlerweile zum Standard in diesem Preissegment, und so muss sich der Otus einer Konkurrenz von Controllern aus Häusern wie Vestax, Denon oder Stanton stellen. Letzteres zum Beispiel verfolgt mit dem SCS1-D ein ähnliches Konzept. Noch ist die Anzahl der am Markt befindlichen Dual-Deck-Controller allerdings überschaubar. Ein Novum neben dem futuristischen Design, das sich nicht nur im Club, sondern auch im Studio gut macht, ist die fast vollständig fehlende Beschriftung der Elemente. Hiermit soll  der Zukunftsorientiertheit des Geräts und der Kreativität der Nutzer Rechnung getragen werden.

EKS_Otus_produktfoto


Der Otus kann in Kombination mit einem Laptop als Standalone-Lösung direkt an Verstärker, PA oder an einem externen Mischpult betrieben werden, eignet sich aber auch als reiner MIDI-Controller. EKS wendet sich mit Otus nicht nur an experimentierfreudige DJs und sieht selbst den Schwerpunkt im Effekthandling und Live-Remix. Der Controller kann mit nahezu jeder MIDI-fähigen DJ-Software kommunizieren. Da es bereits ab 300 Euro Lösungen mit integriertem Soundinterface, Kanal-, Klang- und Transportsteuerung gibt, ist das Gerät für Designuninterressierte, Einsteiger und Gelegenheitsanwender höchstens auf den zweiten Blick interessant. Für reiselustige DJs  ist der Otus durch annähernde Plattenspielergröße nur bedingt als portabler Gefährte einsetzbar, erst recht wenn man zwei Geräte nutzen möchte.

Details

Der Otus ist 36×36 Zentimeter groß, hat einen edlen Space-Age-Look und wirkt robust und stabil. Das Chassis und das mittlere Jog-Dial sind aus Aluminium gefertigt. Der Controller steht auf gummierten, schwingungsdämmenden Füßen. Sein frisches, avantgardistische Design und die Anordnung der Bedienelemente zeigen, dass es nicht nötig ist, immer nur nach Schema F zu fertigen. Ein echter Hingucker also. Das Äußere macht neugierig und so wird der Otus schnell aufgestellt und die beiliegenden Audiokabel an den 600-er und an die seltsamerweise nicht beschrifteten Ausgänge gestöpselt. Um dem Controller Leben einzuhauchen, müssen zunächst die USB-Verbindung eingerichtet und der Rechner gestartet werden. Eine externe Stromversorgung ist nicht möglich. Ich suche derweil nach einer Installations-CD – doch leider ohne Erfolg. Neben der hauseigenen Werbung, einem Quickstart-Guide, allen nötigen Anschlusskabeln und einem Reinigungstuch liegt dem Paket  noch ein Coupon für eine LE-Version der DJ-Software Deckadance bei – ein Signal in Richtung Hardware-Hersteller, doch mal die relativ festgefahrene Beigabenpolitik von DJ-Software zu überdenken. Der Quickstart-Guide gibt Aufschluss darüber, die Treiber von der Homepage zu laden. Diese Distributionsart ist mir zu meinem Leidwesen in letzter Zeit häufiger vorgekommen. Nach Registrierung auf der EKS-Website und erfolgreichem Login werden neben den ASIO- und MIDI-Treibern auch die neueste Firmware und ein Update auf Deckadance 1.4.3 zum Download angeboten.

Bittere Wurzel oder süße Frucht – Die Softwareinstallation
Falls nicht schon vorhanden, installiert das EKS-Driver-Pack zunächst Visual C++ mit und produziert unter Windows XP außerdem einen Warnhinweis (Windows-Logo-Test). Danach landet der EKS-MIDI-Agent in der Taskleiste, seine Autoload-Funktion kann in den Voreinstellungen abgeschaltet werden. Ein Rechtsklick auf sein Icon offenbart Presets für Traktor, Deckadance sowie Virtual-DJ und bringt erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten zum Vorschein. Öffnet man eines der Presets oder legt ein neues an, so erlaubt der XMAP-Preset-Editor dem Benutzer, die gesendeten MIDI-Datentypen festzulegen. Die einzelnen Regler kann man bequem per Mausklick auswählen, um dann beispielsweise Event, Kanal, Note oder Control einzustellen. „Modifier“ sind ebenso erlaubt  wie der Wechsel zwischen absolutem und inkrementellem Modus. Der Editor unterstützt Otus, XP5 und XP10 und erweist sich als besonders nützlich, wenn die eigene DJ- Software keine MIDI-LEARN-Funktion besitzt. Auch bei unterschiedlichen Kontrolltypen pro Layer, zum Beispiel orange für Audio- und grün für Videosteuerung, ist der Editor von großem Nutzen. Ein PDF mit Daten zu den mitgelieferten Presets ist nicht vorhanden und auch die Hilfe-Funktion ist momentan noch nicht implementiert.

Die Deckadance-Installation verläuft zunächst reibungslos. Otus wird laut EKS nativ unterstützt, der Anwender muss lediglich sein Icon anwählen und MIDI aktivieren. Auf der EKS-Website befinden sich Informationen zu der Konfiguration sämtlicher Audio- und MIDI-Einstellungen. Dort gibt es auch Traktor MIDI-Files und PDFs der Controllerbelegung für die drei nativ unterstützten Softwares. Bedauerlicherweise ist es mir auf mehreren Rechnersystemen nicht gelungen, dem Otus unter Deckadance auch nur ein Audiosignal zu entlocken. EKS-ASIO brachte die Systeme mehrfach zum Absturz. Auch die hauseigene Bison-Software lief auf den benannten Systemen nicht. Laut EKS-Mitarbeitern handle es sich hierbei um Inkompatibilitäten mit vereinzelten Rechnern, woran man jedoch arbeite.

Die Hardware
Ein 6-Kanal Burr-Brown-Audio-Interface soll dem Otus genügend Druck verleihen, um an PA oder Mischpult das Haus zu rocken. Es besitzt zwei I2S DACs und liefert Auflösungen von 16/24bit bei Samplingraten von 44,1/48kHz. Mit einem angegebenen Frequenzbereich von 4Hz-24kHz bei einem Rauschabstand >115 dB und einem Klirrfaktor von +N 0,0002, hört sich das Interface besser an als das mancher teurerer Geräte. Sämtliche Anschlussmöglichkeiten befinden sich an der Rückseite des Gerätes. EKS verbaut neben vier analogen Chinchausgängen (2* Stereo) auch zwei digitale S/P-DIF-Outs, einen Standard USB-Anschluss und einen Kopfhörerausgang (6,3 mm), der sich auch an der Vorderseite gut gemacht hätte. Die voreingestellte Latenzzeit der Soundkarte beträgt unter Windows XP, Traktor und EKS-ASIO 10 ms.

interface

Der Otus kommt mit unglaublichen fünf Jog-Wheels daher, eines davon im 7,5-Zoll-Format. Die anderen vier Selection-Jogs entsprechen etwa zwei Zoll und besitzen eine integrierte Button-Funktion. Ferner stehen dem DJ insgesamt 17 zuweisbare Shortcuttaster, sechs Touchbuttons, ein Touchpad mit zwei Buttons und ein skalierbarer 80mm-Pitch-Slider zur Verfügung. Auf Beschriftungen hat EKS konsequenterweise zugunsten eines zukunftssicheren Kontroll-Layouts verzichtet. Stattdessen verwendet der Hersteller unterschiedliche Zeichen und Formen (Icons). Ein Fall für Tape-Band und Aufkleber?

Vier unterschiedliche Bereiche flankieren das aluminiumgefasste Center-Jogdial, das praktischerweise von einem programmierbaren LED-Ring umgeben ist. Dieser ermöglicht eine 2-Wege-Kommunikation mit der Software und kann so ein Feedback über Position, Kanalaussteuerung, Phasenmeter oder Ähnliches liefern. Eine vortreffliche Idee. Das hochauflösende 7,5-Zoll-Wheel ist berührungsempfindlich und somit für Pitchbending, Scratching und Trackscanning tauglich. Seine glatte Oberfläche gefällt in der Handhabung und kommt dem Vinyl-Feeling näher als konkurrierende Alu- oder Gummioberflächen. Aufgrund des Eigengewichtes ist es etwas schwergängiger als gewohnt und man muss beim Scratchen schon etwas fester zufassen, was mir persönlich gut gefällt. In der Grundeinstellung reagiert das Jog-Wheel nicht auf sehr langsame Bewegungen. Leider fehlt eine physische Einstellschraube, wie zum  Beispiel bei Vestaxs VCI-Serie. Somit kann man das Gerät ausschließlich softwareseitig justieren. Der physikalische Widerstand, den das Wheel der Hand entgegenbringt, kann nicht eingestellt werden.

In der oberen Zone ist die punktgenaue EQ- und GAIN-Steuerung untergebracht, linksseitig zusätzlich Crossfader-Poti und Cuemix-Regler. Eine Steuerung der Crossfader-Curve sowie der Kopfhörerlautstärke ist nicht vorhanden. Sämtliche Drehregler sind aus gummiertem Kunststoff und angenehm leichtgängig, jedoch etwas zu klein, denn man stößt – je nach Fingerdicke – schon mal an einen angrenzenden Regler. Der simultane Zugriff auf die EQs beider Decks ist jederzeit möglich, ohne zwischen den Playern wechseln zu müssen, was die Arbeit ungemein erleichtert.

Auf der rechten Seite bieten sich sieben Buttons zur Loop- und Cuepoint-Steuerung an. Sie sind etwas klein geraten und zu eng arrangiert. Es empfiehlt sich eventuell, nicht verwendete Taster zu tapen.

Potis zur separaten Steuerung von Equalizern oder Effekten
Potis zur separaten Steuerung von Equalizern oder Effekten

Im unteren Teil des Gerätes  verbaut EKS zwölf Buttons, davon sechs Touchbuttons und ein Touchpad, das wahlweise als Mausersatz oder zur X/Y-Steuerung der Effekte benutzt werden kann, sofern die Software dies unterstützt. Die Möglichkeit, das Touchpad per Button abzuschalten oder zwischen Effektpad und Mauspad zu wechseln, wird laut Mitarbeitern wahrscheinlich ins nächste Firmware-Upgrade integriert. Leider ist das Pad etwas ungenau und verspringt oftmals beim Loslassen. Als Mausersatz ist es daher nur bedingt geeignet.

Darunter sitzt der Dual-Layer-Kontrollbutton zum Umschalten auf die zweite virtuelle Bedienoberfläche. Die Beleuchtung der Steuerelemente wechselt bei Betätigung vom futuristischen Orange in ein nicht minder spaciges Grün und der Controller sendet dann über einen anderen Midi-Kanal. Für eine kurzzeitige Änderung hält man den Button wie eine Shift-Taste gedrückt, wiederholtes Drücken ändert den Kanal dauerhaft. Entgegen der Produktinfo sind nicht alle Steuerelemente LED-beleuchtet. So liefern die Touch-Buttons keine optischen Signale und sind daher in dunkler Umgebung schwer zu erkennen. Auch an den Potis findet man keine LEDs. Die Transportsteuerung des Otus mit zwei gesonderten großen Tastern für Cue und Play orientiert sich am CD-Player Standard, wobei die Druckpunkte sämtlicher Knöpfe durchweg als gut zu bewerten sind. Ein 80 mm berührungsempfindlicher Pitch-Slider rundet das Gesamtbild ab. LEDs visualisieren seinen aktuellen Wert, der beim Umschalten zwischen den Ebenen erhalten bleibt. Der Pitch arbeitet im relativen Modus, die Skalierung kann 3-stufig mittels eines SCALE-Buttons vorgenommen werden. Bei 120 bpm liefert eine voreingestellte volle Länge, je nach Skalierung, Werte von 0,02 bis 2 bpm. Damit kann man arbeiten.

unten

Eine besondere Eigenheit des Otus sind die vier Selection-Jogdials, die direkt auf den Füßen sitzen. Im EKS Traktor Pro Midi-Mapping wird das Steuern der Browser- und Playlistfunktionen, inklusive Deck-Loading über die unteren beiden Jog-Dials realisiert. Das macht nicht nur Spaß, sondern gibt damit auch das Pad optional für die Effektsteuerung frei. Die oberen Wheels werden zur DRY/WET-Steuerung der beiden Effekt-Units genutzt und regeln bis auf einen Prozentpunkt genau. Ob man mit diesen Dials alternativ eine Vier-Deck-Steuerung realisieren kann, erfahren wir im Praxistest.

Jog-Dials sitzen in den Füßen und bringen eine Buttonfunktion mit
Jog-Dials sitzen in den Füßen und bringen eine Buttonfunktion mit
Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.