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31.03.2016

Zeitfresser im Studio

Die Deadlines drücken wieder mal? Ihr sitzt schon seit einer gefühlten Dekade an ein und demselben Song? Ihr verbringt Stunden im Studio aber bekommt nichts mehr fertig? Dann habt ihr vermutlich ein Problem mit Zeitfressern im Studio.

1. Die Suche nach dem richtigen Preset

Der Beat grooved perfekt, aber die Snare sitzt nicht richtig? Auch der hundertste Synthbrass harmoniert noch nicht richtig mit dem Rest? Bei den ganzen hervorragenden Instrumenten und Effekten hat man tausende Sounds im direkten Zugriff. Schnell ist die Verlockung groß, sich durch die Libraries zu klicken, statt Sound von Grund auf aufzubauen, oder sie mit EQs und Dynamikprozessoren an den Mix anzupassen. Ebenso wie Presets als gute Inspirationsquelle dienen, kann die Vielzahl an Möglichkeiten auch ein echter Zeitfresser sein. Also: Lieber wenige Instrumente und Effekte perfekt beherrschen und die Sounds von Grund auf neu bauen, als sich stundenlang durch den Preset-Dschungel zu klicken.

2. Ständige Informationsbeschaffung

Natürlich sollte man sich fortbilden und seine Fähigkeiten verbessern. Irgendwann ist die Gefahr aber gegeben, sich komplett in der Theorie zu verlieren.

3. Backups

Ultrawichtig, aber definitiv zeitraubend, wenn man sich nicht auf automatische Vorgänge verlassen möchte. Glücklicherweise gibt es mittlerweile zahlreiche Lösungen, die in regelmäßigen Abständen im Hintergrund Sicherheitskopien erstellen.

4. Songs rendern in Echtzeit

Die meisten DAWs bieten mittlerweile die Möglichkeit, komplette Songs offline zu rendern. Sind aber externe Klangerzeuger wie Synthesizer oder Effektgeräte direkt mit eingebunden, geht das logischerweise nicht. Bei mehreren Mix-Down-Vorgängen kann das richtig Zeit kosten. Hier gibt es daher auch nur die Lösung, externe Instrumente soweit möglich zu rendern, um den Feinschliff anschließend am Projekt mit allen vorhandenen Audiospuren vorzunehmen.

5. Spuren beschriften und sortieren

Ohne Ordnung verliert man in größeren Projekten schnell die Übersicht. Einzelne Spuren in einem Track aber jedes mal neu zu beschriften, kann unnötig Zeit kosten. Unsere Empfehlung ist es, ein Template zu erstellen, in dem die wichtigsten Spuren bereits benannt und nach Instrumentenarten geordnet sind. Möglich wären Kick, Snare, Percussion, Vocals, Gitarre, Drum Bus, Pads, Streicher etc., aber am Ende entscheiden natürlich auch das Genre und die Erfahrung, welche Bezeichnungen sinnvoll sind. Eine fixe Ordnung macht Projekte nicht nur übersichtlicher, sie spart euch auch Zeit, da ihr durch die Wiederholung quasi im Blindflug wisst, wo sich die Einzelspuren befinden.

6. PlugIns auf dem aktuellen Stand halten


“Never change a running system” heißt es ja bekanntermaßen. Die Realität gibt oftmals aber einen anderen Rahmen vor. Ein neuer Rechner wird angeschafft oder der längst überfällige Schritt auf ein 64-Bit-System steht an. Den Wechsel von 32-Bit auf 64-Bit vollziehen viele PlugIn-Anbieter erst nach und nach und so bleibt vielen 64-Bit-Anwendern nichts weiter übrig, als sich ständig über Updates zu informieren.

7. Sample Library sortieren / Ordnung in die Verzeichnisse bringen


Auch hier wieder: Ordnung erleichtert einem im Studioalltag das Leben und spart Zeit, sobald man sich eine klare Struktur aufgebaut hat und diese auch akribisch einhält. Wer es eher chaotisch mag, kann sich auf viel Frust bei kurzfristigen Deadlines einstellen.

8. PlugIns und Libraries in die falschen Ordner installieren


Unmittelbar mit Punkt 7 hängt dieser Zeitfresser zusammen. Einige Hersteller empfehlen Installationsverzeichnisse, die man tatsächlich auch nicht unbedingt ändern sollte. Vor allem dann nicht, wenn zugehörige Libraries anschließend separat installiert werden. Auch bei Updates müsste man bei eigenen Vorgaben immer daran denken, in welches Unterverzeichnis die Software damals installiert wurde. Ansonsten stopft man sich schlimmstenfalls die Festplatte mit Dubletten voll.

9. Fehlersuche

Stundenlange Suche im Forum, ein Kundensupport, der nicht antwortet, und immer ist man der erste oder einzige, dem dieser Fehler passiert. Die Fehlersuche kann Stunden beanspruchen. Ein wirkliches Geheimrezept gibt es hier natürlich nicht, außer der Fehlerursache systematisch auf den Grund zu gehen.

10. Bedienungsanleitung lesen und Bedienungsanleitung nicht lesen


Tja. Das Lesen einer Bedienungsanleitung ist sicherlich ein Zeitfresser. Wirklich problematisch wird es aber, wenn man ständig das Netz nach Antworten absucht, obwohl diese direkt in der Schreibtischschublade liegen. Ihr habt keine Zeit, eine Anleitung zu lesen? Legt sie euch auf den Nachttisch, ins Bad oder nehmt sie mit in den nächsten Urlaub. Die ganzen neuentdeckten Funktionen wirken sich erfahrungsgemäß auch positiv auf die Motivation aus.

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