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Test
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02.09.2015

Yamaha reface DX Test

FM Synthesizer

FM Synth fürs Handgepäck

Mit dem reface DX hat Yamaha einen ultra-kompakten FM-Synthesizer vorgestellt. Wie bei allen anderen Modellen der reface-Serie ist auch hier die Namensgebung natürlich nicht willkürlich gewählt, sondern bezieht sich auf den DX7, mit dem Yamaha in den Achtziger-Jahren Synthesizer-Geschichte schrieb. Noch enger verwandt ist der Yamaha reface DX allerdings mit dem 1986 erschienenen DX100, der mit abgespecktem Funktionsumfang, Minitasten und Batteriebetrieb schon sehr viele Parallelen zu unserem Testgerät aufweist.

Während Korg den MS-20 als Miniaturausgabe wiederaufleben lässt und Roland seine Museumsstücke nach und nach als "Plug-Out"-Software veröffentlicht, besinnt sich Yamaha auf seine einstige Marktführerschaft im Bereich der FM-Synthese und interpretiert den Klassiker aus dem Jahr 1983 mit dem reface DX neu. Rückbesinnung auf firmeneigene Legenden ist also en vogue, ebenso wie der Trend zur Miniaturisierung. Denn wie alle Geräte aus der reface-Serie richtet sich auch der DX an den mobilen Musiker, der die Merkmale klein, leicht und günstig ganz oben auf die Liste setzt. Ob das Konzept beim reface DX funktioniert, werden wir in diesem Test herausfinden.

Details

Gehäuse und Anschlüsse

Bereits beim Auspacken fällt mir auf, dass der reface DX trotz seiner Größe ein richtiges Instrument zu sein scheint. Das schlichte, schwarzbraun schimmernde Gehäuse wirkt hochwertiger und solider, als ich erwartet hatte, ist allerdings recht anfällig für Fingerabdrücke. An der Verarbeitung des 1,9 kg schweren Gerätes gibt es rein gar nichts auszusetzen. Optisch greift der DX die Ästhetik seines Urahnen auf und transportiert sie in die Neuzeit, wobei das schlichte und übersichtliche Design einen weitaus edleren Eindruck als das Pendant DX100 aus den Achtzigern vermittelt.

Auffällig ist neben dem ungewöhnlichen Pitch-Bend-Hebel das Touch-Panel mit den roten Pfeilen. Als einziges Instrument der reface-Serie verfügt der DX über ein Display, das mit 128x64 Pixeln grafikfähig ist. Ferner gibt es einen Volume-Fader und den reface-typischen Oktavbereichs-Schiebeschalter. Rechts vom Display finden sich 18 gummierte Buttons, die einen angenehmen Druckpunkt haben und am linken Rand gelbgrün hintergrundbeleuchtet sind. Sie dienen in Verbindung mit dem Touch Panel zur Soundprogrammierung sowie zum Speichern und Verwalten.

Am rechten und linken Rand des Panels verbergen sich hinter Plastik-Lochblenden zwei kleine Lautsprecher mit 3 cm großen Membranen, die über eine Leistung von 2x 2 Watt verfügen. Mehr als von Laptop-Speakern sollte man von ihnen nicht erwarten, sie dienen eher zur akustischen Kontrolle als zur adäquaten Verstärkung. Der Anschluss eines Kopfhörers schaltet die internen Speaker stumm, der Line-Out allerdings nicht. Unabhängig davon kann man die Lautsprecher im Menü deaktivieren.

Rückseitig sind die Anschlüsse für den Kopfhörer (6,3 mm), Line-In (Miniklinke) und Line-Out ( 2x 6,3 mm unsymmetrisch), eine siebenpolige Buchse für die beiliegende Kabelpeitsche, die auf MIDI In und Out adaptiert, sowie Anschlüsse für ein Sustain-Pedal und USB zu finden. Strom bekommt der reface DX über das mitgelieferte 12V-Netzteil oder von sechs Mignon-Zellen, die man auf der Unterseite einsetzt. Diese benötigt man auch für den mobilen Betrieb am Laptop, weil der USB-Port das Gerät leider nicht mit Strom versorgt.

Für Musiker, die das Instrument in dunklen Ecken unbeaufsichtigt lassen müssen, gibt es die Vorrichtung für eine Diebstahlsicherung in Form eines Secu-Locks.

Tastatur und Bedienelemente

Die Idee mit den Minitasten ist nicht neu. Casio und Yamaha verwendeten diese Tastaturen bereits in den Achtzigern, beispielsweise beim oben erwähnten DX100. Neu ist allerdings die Renaissance, die diesen Mini-Keys derzeit bei Herstellern wie Korg, ARP oder eben Yamaha widerfährt. Klar, als reisender Musiker freue ich mich über jedes eingesparte Kilogramm Gewicht und kann mobilem Equipment eine Menge abgewinnen. Ich freue mich aber ebenso über Tastaturen, die gut bespielbar und praxistauglich sind. Im Fall des reface DX finde ich die Minitasten als Kompromiss zwischen Roadtauglichkeit und Bespielbarkeit vertretbar, aber nicht optimal. Immerhin vermittelt das straff gefederte Drei-Oktaven-Keyboard ein ordentliches Spielgefühl und lässt ein gewisses Maß an Dynamik zu. Für das ernsthafte, kontrollierbare Spiel empfehle ich jedoch den Anschluss eines externen MIDI-Keyboards mit Full-Size-Tasten.

Das übersichtliche Bedienpanel ist klar strukturiert und bietet einen schnellen Zugriff auf die wichtigsten Parameter sowie die jeweils acht Speicherplätze der vier Bänke, die Effekte und den Looper. Das Display als zentrales Element liefert dabei stets hilfreiche Informationen über die einzelnen Editierschritte der Soundbearbeitung. War der DX7 berüchtigt für seine etwas umständliche Programmierbarkeit, so hat Yamaha beim reface DX vieles vereinfacht. Das mag auch daran liegen, dass man den Funktionsumfang des reface DX auf das Wesentliche reduziert hat. Zudem ist das grafikfähige Display in der Lage, komplexe Parameterveränderungen logisch darzustellen, ohne dass man sich in Untermenüs verheddert. 

Das mit „Data Entry“ überschriebene Touch-Panel ist ebenfalls eine große Hilfe, da es in den meisten Fällen direkten Zugriff auf die angewählten Parameter ermöglicht und sich kontinuierlich dem Workflow anpasst. Die Bedienung der Data-Entry-Einheit orientiert sich dabei an Smartphones, denn sie versteht verschiedene Gesten wie Tippen und Wischen, letzteres sogar schnell und langsam, aber lediglich horizontal. Gibt die Hintergrundbeleuchtung rote Pfeile an, verhält sich das Eingabefeld wie ein Fader, wird ein roter Punkt angezeigt, fungiert der jeweilige Bereich als Schalter. Das ist eine zeitgemäße und Platz sparende Lösung, die in den meisten Fällen super funktioniert. Nur selten habe ich mir bei großen Werte-Sprüngen einen Encoder oder eine numerische Tastatur gewünscht, um schneller zum Ziel zu kommen. Hat man die Veränderungen mit dem Eingabefeld vorgenommen, kommt man zurück zur Programmanzeige, indem man entweder die ursprüngliche Programmnummer oder zweimal Edit drückt.

In der Mitte des Panels führen vier Buttons direkt zu den Grundfunktionen der Frequenz-Modulation: Frequenz, Level, Algorithmus und Feedback. Daneben sind zehn Taster für die Auswahl der Speicherplätze und Bänke zu finden, die mittels des Edit-Buttons eine Doppelbelegung haben. Ein Druck auf die Edit-Taste ermöglicht die Auswahl der einzelnen Operatoren und deren Hüllkurven, Pitch und LFO. Auch das ist sehr unkompliziert und beschleunigt die Programmierung enorm. Die vier Taster am rechten Rand des Panels sind für globale Einstellungen sowie die Auswahl der Effekte, zum Speichern und zum Aufrufen der Loop-Funktion vorgesehen.

Gut gelöst finde ich im Fall des reface DX den Octave-Fader, der den Tastaturbereich jeweils um ein oder zwei Oktaven nach oben oder unten verschiebt. Auch der Pitch-Stick funktioniert tadellos. Was mir allerdings fehlt, ist ein Modulationsrad oder irgendeine Form von Controller, dem man ein beliebiges Modulationsziel zuweisen kann. In Ermangelung eines Expression-Pedal-Anschlusses sieht es mit der Echtzeitkontrolle von Sounds sehr dürftig aus.

Synthese und Architektur

Analogen Synthesizern liegt für gewöhnlich die subtraktive Synthese zugrunde. Dabei werden – kurz gesagt – die Schwingungsformen eines oder mehrerer Oszillatoren von Filtern begrenzt, woraus sich auch der Begriff subtraktiv ableitet. Im Gegensatz dazu folgt die FM-Synthese einem anderen Prinzip, das im Kern nicht subtraktiv, sondern additiv ist. Sie basiert im simpelsten Fall auf einem Oszillator mit einer Sinusschwingung, dessen Frequenz von einem weiteren Oszillator (dem sogenannten Modulator) beeinflusst wird. Dadurch entstehen Obertonspektren abhängig von der Frequenz des Modulators im Verhältnis zum Oszillator. Der DX7 ist der wohl populärste Vertreter dieser Syntheseform, obwohl er streng genommen gar nicht die Frequenzmodulation, sondern die Phasenmodulation nutzt. Dennoch hat Yamaha die FM-Synthese mit den DX-Modellen entscheidend geprägt und vor allem vielen Musikern zugänglich gemacht. Keine Pop-Produktion kam in den Achtzigern an den unverwechselbaren FM-Piano-Sounds vorbei. Der DX7 war nicht nur ein weiterer Schritt auf dem Weg, Natursounds authentisch nachzuempfinden, sondern er beeindruckte auch mit einer 16-stimmigen Polyphonie und einer Vielzahl von Controllern (Anschlagdynamik, Aftertouch, Breath Control, Räder, Pedale), die den Klang in Echtzeit modulieren konnten. In Verbindung mit der MIDI-Schnittstelle und externen Speicherkarten machte das den DX7 zu einem vielseitigen und damals ultramodernen Klangerzeuger.

Ein großes Problem des DX7 war (und ist noch heute) die mitunter kryptische Programmierung. Das liegt unter anderem an der Komplexität der FM-Synthese, die nicht für jeden auf den ersten Blick logisch nachvollziehbar ist. Yamaha hat nicht zuletzt aus diesem Grund versucht, die Terminologie ein wenig zu vereinfachen. So werden jeweils ein Oszillator, eine Hüllkurve und ein Level-Regler unter der Bezeichnung Operator zusammengefasst. Diese Operatoren können als Modulator oder sogenannte Carrier fungieren, also Modulationsquelle oder Modulationsziel sein. Der reface DX verfügt über vier dieser Operatoren, die man in 12 verschiedenen Algorithmen miteinander verschalten kann. Der Feedback-Prozessor gibt dem Anwender die Möglichkeit, das Signal als Sägezahn, Sinus oder Rechteck wieder zurück in diesen Kreislauf zu schicken. Die sich daraus ergebenden Klangmuster unterscheiden sich durchaus sehr deutlich voneinander. Anhand des folgenden Soundbeispiels kann man sich einen Eindruck von der Vielfalt der Algorithmen machen, ich schalte taktweise weiter durch die zwölf verschiedenen Kombinationen:

Jedem dieser vier Operatoren liegen 32 sogenannte Voices zugrunde, die den Grundcharakter des jeweiligen Sounds bilden. Die Operatoren lassen sich gegeneinander verstimmen, in ihrer Schwingungsform von Sägezahn über Sinus bis Rechteck verändern und deren Frequenz und Level anpassen. Dazu kann man Attack, Decay, Release und Sustain für jeden Operator festlegen und das Ergebnis mit LFO und Pitch-Hüllkurve modifizieren. Anschließend steht noch ein Effektprozessor zur Verfügung, der zwei Slots für Distortion, Touch Wah, Chorus, Flanger, Phaser, Delay und Hall bietet. Damit kann man schon eine beträchtliche Soundpalette abdecken.

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