Hersteller_Yamaha EK_Mittelkl_Keyboard
Test
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04.08.2015

Praxis

Bedienung 

Das Yamaha PSR-S670 befindet sich permanent im Standby-Modus, sobald das (leider externe) Netzgerät angeschlossen ist. Ein Druck auf den Power-Taster und nach nur 9 Sekunden ist das Keyboard spielbereit. Ein erneuter langer Druck auf den Power-Taster bewirkt die Rückkehr in den Standby-Modus. Sobald das Hauptfenster erscheint, kann man loslegen.

Die Bedienung geht schnell von der Hand, man muss sich allerdings an das kleine Display erst gewöhnen. Dadurch, dass keine Auswahl-Tasten rechts und links vom Display angeordnet sind, wie es bei den größeren Modellen der PSR-Serie der Fall ist, muss man sich mit den Cursor-Tasten, dem Data Wheel und den Tasten unterhalb des Displays durch die Parameter-Flut der Menüs kämpfen. Will man beispielsweise eine Voice für einen Live-Part ändern, so erscheinen nach der Anwahl der Voice-Kategorie (z.B. PIANO&E.PIANO) zehn verschiedene Sound-Namen auf dem Display. Bei den größeren Yamaha-Modellen wählt man den gewünschten Sound dann einfach mit einem der seitlichen Taster aus, beim PSR-S670 hingegen muss man mit den Cursor-Tasten über den Bildschirm wandern und anschließend mit der ENTER-Taste die Auswahl bestätigen. Diese Prozedur zieht sich durch die gesamte Menü-Struktur des PSR-S670 und bildet zusammen mit dem sehr kleinen Display einen erwähnenswerten ergonomischen Nachteil, den man aber beim Blick auf den günstigen Preis gerne bereit ist zu ertragen. 

Tastatur und Lautsprecher

Die Klaviatur mit fünf Oktaven ist gut spielbar. Dadurch, dass die schwarzen Tasten eine leicht angeraute Oberfläche haben, hat man einen guten „Grip“ und bewältigt auch schnelle Passagen ohne abzurutschen.

Die eingebauten 12cm-Lautsprecher mit jeweils 15W erzeugen ein druckvolles, ausgewogenes Klangbild. Die Bassreflex-Öffnungen tragen ihren Teil dazu bei. Für sehr kleine Beschallungs-Situationen reicht das aus, sobald ein Raum beschallt werden soll sollte das Keyboard allerdings an eine Verstärker-Anlage angeschlossen werden.

Sounds (Voices)

Mit seiner 128-stimmigen Tonerzeugung ist das PSR-S670 doppelt so leistungsfähig wie das Vorgänger-Modell. Das Angebot umfasst 416 Voices, 34 Drum- und SFX-Kits und 480 XG-Voices (für die Verwendung in MIDI-Files). Unter den Klängen sind 11 Mega-Voices, 19 Sweet!-Voices, 28 Cool!-Voices und 19 Live!-Voices – das sind qualitativ besonders hochwertige Klänge, bei denen detailreiche Samples eingesetzt werden. Das Keyboard verfügt über drei Live-Parts: einen Lower Part für die linke Hand und zwei Upper Parts für die rechte Hand, die auch übereinander gelegt werden können. Zur Klangveredelung stehen 44 verschiedene Effekte im Reverb-Block, 71 im Chorus-Block und 283 im DSP-Block (4 separate DSPs) zur Verfügung.

Die Qualität der Sounds ist ausgezeichnet. Mit Blick auf die Preisklasse des Keyboards konnte ich in keiner Klangkategorie erwähnenswerte Schwächen feststellen. Sehr gut: die Synths waren im Vorgänger-Modell etwas altbacken geraten und sind nun im PSR-S670 auf den aktuellen Stand gebracht worden. Damit ist man nun auch für Dance-Stile gut gerüstet. Jede Voice kann mit der VOICE SET- Funktion weitreichend editiert und im User-Bereich abgespeichert werden. Im Folgenden hört ihr einige Klangbeispiele der verschiedenen Kategorien.

Pianos, Orgeln, Gitarren und Bässe lassen keine Wünsche offen: 

Auch an den Bereichen Streicher, Bläser und Synths gibt es nichts auszusetzen. Die Blechbläser setzen sich gut durch. Es gibt auch viele Orchester-Voices, die aus geschmackvoll übereinandergelegten Einzelklängen bestehen. 

Das letzte Beispiel zeigt anschaulich die Möglichkeiten der neuen Echtzeit-Controller. Mit dem Modulationsrad konnte ich das Filter der beiden übereinander gelayerten Upper-Voices beeinflussen, mit dem Live-Control-Regler unabhängig davon das Style-Filter des Dance-Styles. Diese Effekte sind sehr trendy, inspirierend und machen Spaß!

Styles und Songs

Die Begleitautomatik kommt mit 230 Styles daher, jeweils mit drei Intros, vier Variationen, einem Break und drei Endings. Ein Style besteht aus acht Spuren, während ein Sequencer-Song bis zu 16 MIDI-Spuren umfassen kann. Zu den „normalen“ Styles, die den gespielten Akkorden der linken Hand folgen, gibt es jetzt neue DJ-Styles mit fester Progression, bei denen man nur die Tonart wählen kann und die dann selbständig feste Akkordfolgen abspielen. Der Sinn dahinter: Wie bei einem DJ soll das Playback Loop-mäßig durchlaufen und mit Sounds und Audio-Effekten verfremdet werden. Mit den neuen LIVE CONTROL Reglern lässt sich das Ton-Material dabei verbiegen und dynamisch gestalten.

Das interessanteste Feature ist sicherlich die Retrigger-Funktion, bei der ein Style je nach Stellung des Potis auf der Halben, der Viertel, der Achtel, der 16tel oder der 32tel neu angetriggert wird. Das gibt’s noch nicht mal beim Tyros 5! Diese Retrigger-Funktion wie auch der Cutoff-Frequency-Effekt sind nicht den DJ-Styles vorbehalten, sondern können auf jeden Style angewendet werden. 

Die übrigen Styles des PSR-S670 sind Yamaha-typisch sehr geschmackvoll programmiert und decken die gesamte Bandbreite ab. Falls doch einmal nichts Passendes dabei ist, erlaubt es der STYLE CREATOR, eigene Styles zu erstellen oder vorhandene abzuändern.

Hier hört ihr einige Beispiele für die Begleitrhythmen des PSR-S670. Meistens habe ich zu den Styles mit der rechten Hand Sounds gespielt, die mir die OTS-Funktion vorgeschlagen hat. Mit diesem “One Touch Setting” muss man nicht lange nach passenden Klängen suchen und kann sofort loslegen. 

Mit dem eingebauten MIDI-Sequencer kann man das eigene Spiel aufnehmen und speichern und MIDI-Files abspielen. Songtexte und Noten können dargestellt werden. Beim PSR-S670 hat man jetzt auch die Möglichkeit, Audio aufzunehmen und wiederzugeben, allerdings muss dazu ein USB-Speichermedium angeschlossen sein. Die hier gezeigten Klangbeispiele wurden alle mit dem Audio-Recorder auf einen angeschlossenen USB-Stick aufgenommen. Es wird nur das WAV-Format unterstützt. MP3-Dateien können leider nicht abgespielt werden.

Weitere Funktionen

Mit der MIXING CONSOLE werden alle Parameter bearbeitet, die ähnlich wie bei einem Mischpult das Zusammenspiel der einzelnen Parts betreffen. Lautstärke, Tuning, Oktavlage, Effekte usw. können für alle Live- und Arranger-Parts eingestellt werden. Es ist sogar möglich Effekte zu editieren und im User-Bereich abzulegen. Der Gesamtsound des PSR-S670 kann mit dem eingebauten 5-Band Master-EQ und dem Master-Kompressor weitreichend optimiert werden.

Mit den vier Multi-Pads kann man eine Reihe von kurzen, vorher aufgezeichneten rhythmischen und melodischen Sequenzen abspielen. Werkseitig stehen 179 Multi-Pad-Bänke zur Verfügung. So können z.B. Percussion-Loops synchron zum Arranger eingeflogen werden oder es kann eine Akustikgitarren-Begleitung mitlaufen, die sich harmonisch an die gespielten Akkorde der linken Hand anpasst. Mit der AUDIO LINK Funktion für Multi-Pads hat es ein Feature des Tyros 5 ins PSR-S670 geschafft. Damit können auch WAV-Dateien mit einem Multi-Pad-Taster verknüpft und so während des Live-Spiels per Knopfdruck abgefeuert werden. Die Audio-Datei muss dabei auf einem angeschlossenen USB-Drive liegen. Leider kann ein Audio-File nur einmalig abgespielt werden und nicht im Loop.

Ebenfalls neu und in dieser Form noch nicht einmal im Tyros vorhanden ist die Arpeggiator-Funktion, die im gleichen Menü zu finden ist wie die Harmony-Funktion. Hier wird einer Voice ein Arpeggio zugeordnet, das dann synchron zum Style läuft. Mir ist diese interessante Funktion bei Yamaha nur von der Motif-Synthesizer-Reihe bekannt. Sie ermöglicht sehr komplexe, sich rhythmisch bewegende Klänge, vor allem, wenn man sie mit anderen Sounds mischt. Die Bandbreite der Arpeggio-Phrasen ist groß: vom typischen Klavier-Muster bis zum Synth-Up-And-Down ist alles dabei. Hier im Audiobeispiel habe ich beim Spiel zwischen einigen Arpeggio-Mustern umgeschaltet:

Registrierungen, Music Finder und Erweiterungen

Eine komplette Einstellung des PSR-S670 speichert man in einer Registration ab. Acht davon bilden eine Bank, der man einen passenden Namen geben kann. Der Music Finder ist eine noch elegantere Möglichkeit, eine komplette Einstellung des Keyboards in einer komfortablen Datenbank unter dem Namen des Songs zu speichern und so auch schnell wiederzufinden. Viele werkseitige Einträge zeigen dem Benutzer, wie es geht und machen Lust, eigene Datensätze zu erstellen.

Das PSR-S670 kann optional mit Yamaha Expansion Packs mit neuen Styles und Voices erweitert werden. Yamaha bietet mittlerweile eine Vielzahl solcher Packs unterschiedlichster Musikrichtungen zum Kauf an. Es gibt auch die Möglichkeit, ein iPad oder iPhone über einen WLAN USB Adapter mit dem PSR-S670 in einem WLAN Netzwerk zu verbinden und verschiedene unterstützende Apps zu nutzen.

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