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20.09.2018

Workshop: 13 Cowbell-Songs, die jeder Drummer kennen sollte

Cowbell-Songs aus vielen Dekaden Musikgeschichte

„It needs more Cowbell“

Kaum ein Percussion-Instrument klingt so prägnant wie die Cowbell. Wird sie gespielt, zieht sie alle Aufmerksamkeit auf sich und verleiht dem Groove eine interessante klangliche Facette. Damit hat die Cowbell über die Jahre mit einigen außergewöhnliche Patterns Songs bereichert, die zu Klassikern wurden. Die zur Grundausstattung eines Percussion-Sets gehörende Glocke findet immer wieder ihren Weg in Drum-Setups und treibt so mit einem Viertelpuls den Song an oder liefert eine Melodie für den Groove sowie ein perkussives Feel. Seit einem im Jahr 2000 ausgestrahlten Sketch der amerikanischen Comedy-Show „Saturday Night Live“ hat die Phrase „More Cowbell!“ die Runde gemacht. In dem gut fünfminütigen Einspieler im dokumentarischen Stil wird die fiktive Aufnahme-Session des Blue Öyster Cult Klassikers „(Don't Fear) The Reaper“ gezeigt. Christopher Walken, der darin den Hitproduzenten spielt, verlangt von Take zu Take mehr Cowbell, was zu einer übereifrigen Performance von Will Ferrell führt. „Ich habe Fieber und die einzige Heilung ist mehr Cowbell“, sagt Christopher Walken, und nach diesem Motto wollen wir euch Songs mit interessanten Cowbell-Grooves vorstellen, die ihr euch nicht entgehen lassen dürft.

Mittlerweile ist der Sketch so berühmt, dass sich die Firma Latin Percussion sogar dazu hinreißen ließ, ein Modell mit dem Aufdruck „More Cowbell!“ zu entwickeln. Ebenso animalisch wie Will Ferrells Spiel ist die Herkunft der Kuhglocke. Noch heute bringen Bauern und Hirten ihren frei herumlaufenden Tieren Glocken an, um sie zu orten. Obwohl die Glocken bei verschiedenen Tierarten verwendet wurden, werden sie aufgrund ihrer vielfachen Verwendung bei Rindern seit jeher als Kuhglocken bezeichnet. In den Percussion-Sortimenten der verschiedenen Hersteller finden sich heute unzählige Varianten der Glocken aus Stahlblech unterschiedlicher Stärke. Die traditionellen Modelle werden in der Hand gehalten und können durch Dämpfung und unterschiedliche Anschläge im Klang moduliert werden. 

Seit der Verwendung in Percussion-Setups und am Schlagzeug sind die meisten Cowbells heute mit einer montierbaren Halterung versehen. Die Modelle mit den Bezeichnungen Salsa, Cha-Cha, Timbale, Songo oder Mambo, um nur einige zu nennen, liefern den authentischen Sound für die jeweiligen Musikstile. Grundsätzlich bleibt festzuhalten: Je kleiner die Cowbell, desto heller der Ton. Die Dicke des Materials ist dabei maßgeblich für die Lautstärke und die Obertonstruktur der Glocke verantwortlich. Eine dünne, große Glocke, wie beispielsweise eine Timbale Cowbell, liefert demnach also einen tiefen Ton bei mittlerer Lautstärke, der, auf der Oberfläche gespielt, komplexe Obertöne bereithält. Für die Auswahl am Drumset stehen also alle Möglichkeiten offen, und es geht eigentlich nur um die Frage, ob man ein komplexer klingendes, dünnes Modell bevorzugt oder sich doch eine klar und durchdringende, dickere Cowbell wünscht. Für Hartgesottene gibt es mit Modellen wie dem Ridge Rider von LP auch Kuhglocken, die durch den Plastikschutz auf der Oberseite selbst die brutalste Anwendung ohne Dellen überstehen.

Der „More Cowbell“ Sketch aus der Saturday Night Live Show ist mittlerweile zum Klassiker avanciert.

 

 

1. Blue Öyster Cult - „(Don’t Fear) The Reaper“

Natürlich starten wir direkt mit dem Klassiker aus dem Sketch. Der Song erschien 1976 auf dem Album „Agents of Fortune“ und handelt von der Unvermeidbarkeit des Todes und der unendlichen Liebe. Unendlich scheint auch die Liebe zum Viertelpuls zu sein, der mit der Cowbell gnadenlos über nahezu den kompletten Song durchgezogen wird. Albert Bouchard, ein Gründungsmitglied der Band, trommelte den Song ein. Die Cowbell ist jedoch explizit in den Credits beim Produzenten David Lucas aufgelistet. Der Song war Blue Öyster Cults erfolgreichste Single und wurde später vom Rolling Stone Magazin in die Top 500 Songs aller Zeiten gewählt.

2. Robin Thicke & Pharell Williams – „Blurred Lines“

„Blurred Lines“ mit seinem eingängig-treibenden Groove darf auf keiner Party fehlen. Zu diesem Song muss man sich einfach bewegen, wofür der mit Cowbell und Percussion gemischte Groove verantwortlich ist. Die relativ komplexe Cowbell-Melodie lässt sich am einfachsten Hand-to-Hand spielen und bekommt mit der durchgetretenen Hi-Hat eine weitere, treibende Ebene. Der 2013 veröffentlichte Song sorgte für Schlagzeilen, als Nona Gaye, die Tochter des 1984 verstorbenen Marvin Gaye, Robin Thicke und Pharell Williams auf 7,4 Millionen Dollar Schadenersatz verklagte, da der Song dem 1977 erschienen Marvin Gaye Song „Got to give it up“ zu sehr ähnelte. Der Prozess basierte jedoch nicht, wie bei vielen Urheberrechtsstreitigkeiten, auf verwendeten Samples oder Melodien, sondern befasste sich einzig und allein mit dem Feel des Songs. Am Ende gewann Nona Gaye den Prozess, obwohl der eine Song in Dur, der andere in Moll geschrieben ist und die Gemeinsamkeiten wirklich eher im Vibe des Songs liegen, der bis dato nie zum geistigen Eigentum zählte und damit durch das Urheberrecht geschützt war. Der Mix aus Partygeräuschen im Hintergrund, Soul Drums mit Cowbell und Percussion und weichem Bass ist bei vielen Songs der Siebzigerjahre und natürlich auch bei einigen Retro-Produktionen heutiger Zeit zugegen.

Hört man sich beide Songs im A/B-Vergleich an, ist die Ähnlichkeit natürlich da, aber auch das ist bei einigen Meilensteinen der Pop-Geschichte so. Über den Ausgang der Verhandlung gibt es weiterhin stark schwankende Auslegungen, weshalb es für uns natürlich interessant war, das Drum-Pattern genauer zu beleuchten. Ebenso wie „Blurred Lines“ basiert das Pattern auf einem Four-on-the-Floor Groove, den man im Band-Setting ohne Perkussionisten am besten mit getretener Hi-Hat spielt. Die Cowbell-Melodie ist wesentlich einfacher als bei „Blurred Lines“, lediglich der Akzent mit geöffneter Hi-Hat auf der „Vier und“ ist ein auffälliges Merkmal in beiden Songs. 

3. Rolling Stones - „Honky Tonk Woman“

Als die Rolling Stones den Song im Sommer 1969 veröffentlichten und er in Großbritannien und den Vereinigten Staaten postwendend an die Spitze der Charts schoss, existierten bereits zwei Versionen des Stückes. Die Single-Version ist die bekanntere von beiden und wurde zu einem absoluten Klassiker der Band. Bei genauerem Hinhören fällt auf, dass der Drumgroove und das Cowbell-Pattern nur separat gespielt sein können. Jimmy Miller, der Produzent des Songs, spielte damals das Cowbell-Intro, über das Charlie Watts seinen Groove zimmerte. Die Dämpfung der Cowbell, die Jimmy Miller mit der Hand erzeugte, ist zwar am Drumset kaum zu realisieren, wohl aber ein alternatives Pattern, mit dem man den Song auch ohne einen Perkussionisten spielen kann.

Der Grundgroove am Drumset ist recht einfach, jedoch ist unter Einbezug der Cowbell die Koordination gefordert. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, wie man „Honky Tonk Woman“ am Drumset umsetzen kann. Eine Variante ist es, die Cowbell mit der linken und die Hi-Hat mit der rechten Hand zu spielen. Da Cowbell und Snare auf der vierten Zählzeit zusammen erklingen, bietet es sich hier an, das Pattern auf der Hi-Hat für einen Schlag zu unterbrechen und auf der Cowbell zu spielen, damit die linke Hand wie gewohnt die Backbeats auf der Snare liefern kann. Die zweite Variante erfordert keinen Wechsel der Hände, sondern eine in Achteln durchgetretene Hi-Hat. Dadurch lässt sich die Cowbell-Melodie recht einfach mit der rechten Hand spielen, während die linke Hand ausschließlich für die Backbeats auf der Snare zuständig ist. Klanglich macht eine getretene Hi-Hat natürlich einen Unterschied zum Sound, den ein Stick erzeugt, jedoch ist dies wohl die einfachste Umsetzung des Originalgrooves am Drumset.

4. The Beatles – „Drive My Car“

Das Album „Rubber Soul“ erschien 1965 und markierte den Beginn der experimentellen Phase der Beatles. In der nur vierwöchigen Produktionsphase schlich sich mit „Drive My Car“ auch ein Song mit Cowbell auf die Titelliste des Albums, das vom Rolling Stones Magazin auf Platz 5 der 500 wichtigsten Alben aller Zeiten gewählt wurde. Die Cowbell wurde zusammen mit dem Piano, dem Tamburin und den Background Vocals als Overdub aufgenommen und prügelt im Viertelpuls recht laut durch den Song.

5. Led Zeppelin – „Moby Dick“

Durch Herman Melvilles bekannten Roman inspiriert, veröffentlichten Led Zeppelin 1969 auf ihrem zweiten Album einen Instrumentalsong, der insbesondere durch eines von John Bonhams legendären Schlagzeugsoli heraussticht. Anfangs spielt die Band noch als Trio zusammen, bevor John Bonham dann in einem freien Solo sein einzigartiges Talent unter Beweis stellt. Später stellte sich heraus, dass das Solo auf dem Album eine gekürzte Version einer viel längeren Aufnahme war. Live uferte der Song dann tatsächlich in ein längeres, komplexes Drumsolo aus. Die beste Aufnahme ist im Konzertfilm „The Song Remains The Same“ aus dem New Yorker Madison Square Garden zu bestaunen.

Der Groove zum Riff ist treibend und relativ komplex. Die Hi-Hat, mit einem Tamburin oder Ching-Ring ausgestattet, wird in Achteln getreten gespielt. Dazu kommt ein synkopiertes Pattern von Bass- und Snaredrum mit Ghostnotes. Da man so etwas meist in Verbindung mit der Hi-Hat spielt, sind die getretenen Achtel sicherlich erstmal ungewohnt. Bevor man zum Cowbell-Pattern kommt, sollte man also erstmal den Groove flüssig beherrschen. Die Cowbell spielt ebenfalls Achtel, wird aber auf der ersten Zählzeit durch eine Sechzehntelvariation ergänzt. Im bonedo Workshop über John Bonham könnt ihr mehr über seine Signature-Licks erfahren und die Grooves von Led Zeppelin Klassikern lernen.

6. Wild Cherry - "Play That Funky Music"

Mit ihrem Song „Play That Funky Music“ erreichte die Band Wild Cherry 1976 die Spitze der Billboard Charts. Die Single verkaufte sich 2,5 Millionen mal, und auch das selbstbetitelte Album erlang Platin-Status und wurde mit einem American Music Award ausgezeichnet und für den Grammy nominiert. Danach konnte die Band keinen weiteren Song mehr in den den US-Top 40 Charts platzieren. Als typisches One-Hit-Wonder löste sich Wild Cherry bereits drei Jahre später wieder auf. Der Song entstand, nachdem dem Drummer Ronald Beitle aus dem Publikum „Are you white boys gonna play some funky music?“ zugerufen wurde. Auch hier wurde als Overdub eine Cowbell mit Viertelpuls eingespielt, die den Song antreibt.

7. Nazareth - „Hair of the Dog“

Der Song „Hair of the Dog“ war der Titelsong des 1975 erschienenen, sechsten Studioalbums der schottischen Hardrock-Band Nazareth. Es wurde mit über 2 Millionen verkauften Tonträgern das erfolgreichste Album der Band und ist vom Rolling Stone Magazin auf Platz 98 der 100 besten Metal- und Hardrock-Alben aller Zeiten gewählt worden. Die Cowbell, abermals auf die Viertel gespielt, verzahnt sich mit dem Drum-Pattern und dem Tamburin zu einer treibenden Rhythmussektion.

8. Rage Against The Machine - „Township Rebellion“

Das 1992 veröffentlichte, selbstbetitelte Album ist mit seinem komplexen, genrebrechenden Sound zu einem absoluten Klassiker geworden. Hardrock, Hardcore, Hip Hop und Funk verschmelzen zu einem nie dagewesenen Sound. Schon das Cover des sich aus Protest zum Vietnamkrieg selbst verbrennenden buddhistischen Mönchs zeigt, dass das Album ein politisches Statement ist. Der Sound trifft damals den Nerv der Zeit und wird zum Soundtrack einer Generation politischer Jugendlicher. IRA Kämpfer und Black Panther Politiker werden als Inspirationen genannt und lieferten die Grundlage für ein wütendes Stück Zeitgeschichte.

Brad Wilk bereichert die Band mit seinem innovativen und energiegeladenen Drumming. Ein gutes Beispiel dafür ist der Song „Township Rebellion“. Darin spielt er mit zwei Cowbells einen melodisch synkopierten Groove, der es in sich hat. Auch auf den Songs „Freedom“, „Take the Power back“ und im Intro von „Killing in the Name of“ sind Cowbells zu hören, die jedoch nur als kurze Akzente gespielt werden. Im bonedo Workshop erfahrt ihr mehr zu Brad Wilks großartigem Drumming und auch zum Song „Township Rebellion“. 

9. RUN DMC - „King of Rock“

1985 veröffentlichte die HipHop-Band RUN DMC ihr zweites Studioalbum, das sehr von Gitarrenriffs und Rocksound beeinflusst war. Der Song „King of Rock“, der auch ein Cowbell-Pattern enhält, wurde später von Michael Jackson auf „2 Bad“ gesampled, erschien in mehreren Filmen und Videospielen und ist zu einem Klassiker der Band geworden.

10. Grand Funk Railroad - „We’re an American Band“

Der Titelsong des siebten Studioalbums von Grand Funk Railroad gilt gleichzeitig als die erfolgreichste Single der amerikanischen Hardrock-Band. Der Song, gesungen von Schlagzeuger Don Brewer und produziert von Todd Rundgren, handelt vom wilden Tourleben der Siebzigerjahre und stieg auf Platz 1 der amerikanischen Charts. Die Cowbell wird auch hier auf einen Viertelpuls gespielt, während die Bassdrum das rhythmische Gitarrenriff begleitet.

11. War - „Low Rider“

Die amerikanische Band „War“ machte mit ihrem multiethnischen Line-Up an Musikern im durch Rassismus gespaltenen Amerika der Siebzigerjahre durch ihren facettenreichen Sound auf sich aufmerksam. Auch im 1975 erschienen, erfolgreichsten Song der Band „Low Rider“ verbinden sich die Einflüsse aus Rock, Funk, Jazz, Latin und Reggae. Über die Jahre wurde der Song von einigen Bands gecovert oder gesampled, darunter die Beastie Boys, The Offspring oder Tito & Tarantula. Da bei diesem Song alle sieben Bandmitglieder Percussion spielen, ist es kaum möglich, eine Drumset-Version des Patterns zu spielen. Am ehesten ist es möglich, den Drumgroove mit der Cowbell-Melodie zu spielen.

12. Gloria Estefan - "Conga"

Ein ähnliches Percussion-Inferno ist bei Gloria Estefans „Conga“ zu hören, den sie mit der Band Miami Sound Machine 1985 veröffentlichte. Der Dancepop-Song, der kubanische Musik mit der damaligen Popmusik verband, wurde zum Welthit und kletterte in vielen Ländern in die Charts. Der synkopierte Groove ist am Drumset am besten zu bewältigen, indem man die Cowbell Hand-to-Hand über die Bass- und Snaredrum-Basis spielt.

13. Prince feat. Sheena Easton – „U Got The Look“

Das in vielen Ländern mit Gold- und Platin ausgezeichnete Album „Sign o' the Times“ des viel zu früh verstorbenen musikalischen Genies Prince beinhaltet auch ein Duett mit der britischen Sängerin Sheena Easton, die damals überraschend im Sunset Sound Studio in Los Angeles zu Gast war. Auf dem Song spielt Sheila E. Schlagzeug und Percussion. Am Drumset ist der Groove recht einfach umzusetzen und spannt den musikalischen Bogen zwischen Rock und Dance Pop.

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