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07.11.2019

Wichtig: Was du als DJ vor dem DJ-Gig geklärt haben solltest

Konkrete Tipps: Organisatorisches, soziale Medien und Musik im Blick

Das Wochenende naht, die nächsten DJ-Gigs stehen an. Vorfreude kommt auf, viele neue Tracks warten darauf, von dir gespielt zu werden. Und womöglich wolltest du schon immer mal auf jenem Festival auflegen oder hast noch sehr gute Erinnerungen an deinen letzten Gig in diesem Club. Egal, ob du den neuesten Techno, House oder Hip Hop im Club auflegst, in einer Bar einen anregenden Soundtrack für das Afterwork-Publikum hinzauberst oder als mobiler Hochzeits-DJ einem Brautpaar den schönsten Tag des Lebens mit der perfekten Liederauswahl versüßt: Jeder Gig ist eine neue Herausforderung, ein neuer Ort und neue Leute.

Für die weltweit tourenden Star-DJs regelt zumeist die Bookingagentur sämtliche Details Wochen oder Monate im Voraus und schickt dem Artist zeitnah einen Rider mit allen notwendigen Infos zu: Reiseverbindungen, Adressen und Telefonnummern von Hotel, Location, Shuttlefahrern und Veranstaltern. Machst du deine Bookings selber, lohnt es sich, die notwendigen Dinge rechtzeitig geklärt zu haben, damit du dich nur auf das Wesentliche konzentrieren kannst: die Musik und die Gäste. Denn nur, wenn du dich rundum gut fühlst, kannst du auch dein Bestes geben.

1. Kommunikation & Organisation

Auftrittsanfragen erreichen DJs auf allen Kanälen: beim Gig, per Telefon, per Whatsapp, Facebook, Twitter oder E-Mail. Damit du bei den vielen Anfragen, Rückfragen und Abmachungen nicht den Überblick verlierst, macht es Sinn, die wichtigsten Punkte zu notieren. Auf welchem Kanal hat wer was wann angeboten? Ich benutze dafür die Organisations-App Trello, die gibt’s für macOS, Windows, iOS, Android und auch rein webbrowserbasiert.

Hier kann ich JPGs und PDFs einbinden, chronologisch Kommentare festhalten, die Texte für Social-Media-Posts vorplanen und sogar andere Personen wie z. B. meine Bookerin mitarbeiten lassen und habe auf alles Zugriff vom Laptop sowie vom Smartphone.   Achtung: Da Trello wie viele andere Orga-Apps nur online funktioniert, macht es großen Sinn, die finalen Punkte so im Smartphone zu notieren, dass sie auch offline einsehbar sind, z. B. im Kalender oder in den Notizen. Und zur Sicherheit auch gern noch mal ausdrucken: Wenn du unabgeholt am Flughafen stehst, der Akku leer ist und du nicht mehr die 13-stellige Telefonnummer des Veranstalters im Kopf hast, weißt du warum.

2. Gage

Falls du nicht aus reinem Spaß an der Freud’ auflegst, hast du sicher schon vorab deine Gage geklärt. Mit guten Freunden kann man natürlich immer Shake-Hand-Deals machen, aber grundsätzlich sollten die wichtigsten Details in einem von beiden Partnern unterzeichneten Vertrag oder zumindest einem kurzen Agreement festgehalten werden. Das gibt nicht nur dir die Sicherheit, dass du am Ende deinen Lohn erhältst, sondern auch dem Veranstalter, dass du tatsächlich wie abgesprochen zum Gig erscheinst.

Sehr oft ist es üblich, dass DJ sich sechs Wochen vorher die Hälfte der Gage aufs Konto überweisen lässt und die zweite Hälfte bar vor Ort gezahlt wird. Prüfe, ob 50 % des Geldes auf deinem Konto eingegangen sind und mach dir dazu einen Vermerk, damit du nicht durcheinanderkommst, welcher Veranstalter bereits wie viel überwiesen hat und welcher nicht. Auch eventuelle Kostenübernahmen für das Hotel und die An-und Abreise sollten im Vertrag geklärt sein.

3. An-und Abreise planen

Wenn du dich selbst um die Reise kümmerst, macht es Sinn, bereits bei den Verhandlungen zu prüfen, wie teuer die Fahrt ungefähr werden wird. Vereinbare eine Kostenübernahme oder biete an, das Ticket zu einem realistischen Pauschalbetrag selbst zu buchen. Möchte der Veranstalter dein Ticket buchen, solltest du klare Zeitfenster für deine An-und-Abreisewünsche mitteilen. Kläre auch, ob du vom Flughafen oder Bahnhof abgeholt wirst, wie dein Fahrer heißt und wie du sie oder ihn telefonisch erreichen kannst. Es macht Sinn, dem Veranstalter mitzuteilen, mit wie viel Gepäck und Personen du unterwegs bist, damit im Auto des Fahrers genug Platz ist.

Übrigens

Es gibt DJs, in deren Rider ausdrücklich steht, dass sie nur von ausgebildeten, nüchternen Chauffeuren in sauberen Limousinen ohne weitere Beifahrer abgeholt zu werden wünschen und der Fahrer nur dann mit dem Künstler reden darf, wenn er dazu aufgefordert wurde. Wenn man schon öfters von vier druffen Ravern mit Laberflash im zugemüllten Opel Corsa abgeholt wurde, dessen spärlicher Kofferraum mit Flyern und Energydrinkpaletten vollgestopft war, dann weiß man auch warum.

Fährst du mit dem eigenen Auto zum Gig, kann oft eine Benzinkostenübernahme vereinbart werden. In diesem Fall unbedingt vorher den Wagen volltanken, am Zielort erneut volltanken und diesen Kassenzettel dem Veranstalter überreichen. Wenn so abgemacht, erhält man dann den doppelten Betrag der Benzinrechnung, tankt nach der Heimfahrt noch mal voll und schickt dann den Kassenzettel an den Veranstalter. Getränke und Schokoriegel gehören nicht auf die Benzinrechnung.

Auf jeden Fall solltest du bei Anreise im eigenen Auto genug Zeit einplanen. Schau dir die zu fahrende Route vorher genau an und vertraue nicht blind aufs Navi. Wenn du noch im Feierabendstau steckst, aber eigentlich schon an den Decks stehen solltest, betrachten das die meisten Veranstalter als No-Show und deine Gage und auch ein möglicher Folge-Gig rücken in weite Ferne.

4. Déjà-vu

Hast du schon mal für den Veranstalter, Club oder in der Region gespielt? Die Karten werden gerne mal neu gemischt und es könnte sein, dass du auf bekannte Gesichter triffst, auch wenn der Club jetzt anders heißt und nun offiziell von der Freundin des früheren Chefs geführt wird. Wann warst du das letzte Mal dort? Lief alles glatt oder gab es Probleme? Auf welche Tracks haben die Leute am heftigsten gefeiert? Ersteres kann ich anhand meiner Notizen nachvollziehen, zweiteres mit einem Blick in die nach dem Gig gespeicherte Playlist.

Ich merke mir auch gern die Namen der Resident-DJs und des Barpersonals in meinem biologischen oder besser noch, meinem digitalen Gedächtnis (aka Smartphone), sodass ich die Leute gleich zuordnen kann, auf die ich treffe.

5. Technical Rider

OK, die Zeiten der DJ Booth Confusion sind vorbei, als noch jeder DJ mit einem anderen Setup aufkreuzte. Zumeist warten Pioneer-CDJs und Technics-Turntables auf euch in der DJ-Kanzel. Aber womöglich bevorzugt ihr auch die neuen Denon-Player oder wollt unbedingt ein Pult von Allen & Heath vorfinden? Viele Clubs bieten auch „kleineren“ DJs einige Auswahlmöglichkeiten an und es ratsam, diese vorher auszuloten. In einem an den Vertrag gekoppelten Technical-Rider solltet ihr mitteilen, mit welchen Medien ihr spielt (USB-Stick mit Pioneer Rekordbox oder Denon Prime, Vinyl, CDs, eigenem Laptop) und welche Geräte ihr dafür vom Club benötigt. Bietet unbedingt Alternativen an: Nicht jeder Club hat drei CDJ-2000nexus2 im Keller stehen und wenn ihr direkt vor dem Headliner spielt, wird der Veranstalter euch womöglich nahelegen, das gleiche Equipment zu nutzen, wie das vom Star-DJ georderte.

Eine kurze Skizze über den gewünschten Aufbau der Geräte macht Sinn, sodass der Techniker weiß, dass z. B. die CDJs links und rechts vom Mixer stehen sollen und die beiden Turntables außen, aber in Horizontal-Stellung, weil ihr Mix-DJ seid, und kein Scratch-DJ.

Bringt ihr euer eigenes Equipment mit, sagt unbedingt Bescheid, wie viel Platz ihr dafür benötigt und ob ihr eventuell ein separates Mischpult braucht – wichtig für Liveacts!

Bringt ihr ein Aufnahmegerät oder ein externes Effektgerät mit, solltet ihr das ebenfalls ansagen und darum bitten, dass bereits entsprechende Kabel an das Mischpult angeschlossen werden. Das ist in jedem Fall besser, als bei laufendem Partybetrieb die entsprechenden Buchsen auf der Mixerrückseite zu suchen.

Auch hier kann eine Skizze mehr sagen als zu viele Worte. Ein vom Veranstalter unterzeichneter Technical-Rider ist auch das beste Argument gegenüber einem genervten Techniker, der behauptet, man hätte ihn überhaupt nicht informiert.

Ansonsten gilt natürlich: Der Techniker im Club ist euer Freund. Behandelt ihn gut, dann wird er euch auch gern helfen, wenn der Turntable brummt oder ein Mischpultkanal ausfällt.

6. Hospitality-Rider

“Every night with my star friends

We eat caviar and drink champagne.”

(Miss Kittin & The Hacker – Champagne)

Wenn ihr in den oberen Etagen der DJ-Gilde angekommen seid, wird euch der Veranstalter womöglich neben dem Technical-Rider auch nach eurem „Hospitaliy-Rider“ fragen. Da kommt alles rauf, was es Wissenswertes zu eurer optimalen Bewirtung gibt, z. B. wie viele Sterne das Hotel haben soll, in dem ihr zu nächtigen gedenkt, welche Speisen vor dem Auftritt gereicht werden dürfen und welche Getränke im Backstage verfügbar sein sollen. Ich habe Superstar-DJs erlebt, deren Getränke-Rider schon locker 500 Euro schwer war und das Management das Auftreten ihres Künstlers von der Anwesenheit von Kristall-Champagner und einer ganz bestimmten Wodka-Marke abhängig machte.

Für uns normalsterbliche DJs gilt: Ein Hinweis auf eure Essgewohnheiten (und speziell „Nicht-Ess-Gewohnheiten“ wie z. B. kein Fisch, kein Fleisch, kein Gluten) machen es jedem Veranstalter einfacher. Es kann auch hilfreich sein, bereits vorher eine bestimmte Menge von Freigetränken auszuhandeln. Ich habe schon befreundete DJs gesehen, die für den ganzen Abend zwei Getränkemarken erhielten und weitere Drinks mit ihrer eh schon schmalen Gage gegenrechnen mussten.

7. Gästeliste

Ihr kennt das vielleicht auch: Am Abend des Auftritts kommen die SMS und PMs mit der Bitte um Gästeliste. Gut, wenn ihr schon vorher mit dem Veranstalter geklärt habt, wie viele Gästelistenplätze ihr vergeben dürft. Manche Veranstalter führen neben einer Guestlist gern auch eine Half-Price-List, über die eure Gäste für 50 % des Eintrittspreises reinkommen. Auch die sind durchaus beliebt, denn eure Freunde müssen nicht so lange Schlange stehen.

Gebt eure Gästeliste unbedingt rechtzeitig ab, der Veranstalter wird es euch danken, denn oft muss er die Namen noch ins System einpflegen. Wenn der Abgabetermin naht und ich noch auf Rückmeldungen warte, komplettiere ich die Liste mit Phantasienamen, die ich dann den Nachzüglern per Textmessage mitteile. Wer hat schon Lust, während der Veranstaltung noch zum Eingang rennen zu müssen, um Namen von Freunden auf die Gästeliste nachzutragen?

8. Social Media

Segen für den einen, Fluch für den anderen, aber Social Media ist ein integraler Bestandteil des DJ-Biz. Das es Veranstalter gibt, die beim Booking nur noch auf die Follower-Zahlen der gebuchten DJs schauen, ist eine Unsitte, aber andererseits geben uns Instagram, Facebook, Twitter & Co. auch die unschätzbare Möglichkeit, direkt mit unserem Publikum zu kommunizieren und eine Bindung aufzubauen. Gönn dir das! Frage den Veranstalter nach den Links für die Events auf Facebook und gegebenenfalls auch Resident Advisor. Letzteres ist eine gute Informationsquelle für alle, die nicht auf Facebook gemeldet sind.

Teile den Link und füge ein paar kurze, persönliche Gedanken dazu. Zwar bewerten die einzelnen Plattformen originäre Posts höher als Weiterleitungen, dennoch nutze ich z. B. IFTTT (If This Than That) als Tool, um meine Posts auf Instagram auch automatisch auf meiner Facebook-Artistpage und Twitter zu teilen. Die gewonnene Zeit nutze ich lieber, um den Veranstalter und die anderen DJs des Events zu taggen, sodass mein Post auch von den anderen gesehen und womöglich weiterverbreitet wird. Share the love!

Übrigens: Da Instagram als bilderbasierter Social-Media-Kanal keine Beitragsbilder von URLs anzeigt, mache ich gern einen Screenshot des FB-oder RA-Events und garniere diesen mit wenigen persönlichen Worten, passenden Hashtags und – ganz wichtig: der URL des Events, über die interessierte Menschen dann doch direkt von Instagram auf die Partyinformationsseite gelangen. Auch ganz wichtig: Postet nach der Party ein Dankeschön an eure Fans. Respekt ist keine Einbahnstrasse!  

9. Musik (endlich!)

Aber eigentlich geht es ja um Musik, oder? Bist du als Club-DJ für deinen eigenen Sound bekannt, kümmerst du dich sicherlich stets um neue Musik, hörst Promos und kaufst regelmäßig neue Platten oder Audiofiles in den Shops deines Vertrauens. Die Playlisten auf deinem USB-Stick sind gut sortiert, sodass du flott genau den Track findest, den du als nächstes droppen wirst. Ich erstelle mir vor den meisten Gigs noch eine Preparation-List, in die ich alle neuen Tracks lege, die ich beim nächsten Gig gern spielen möchte. Und das kann von Mal zu Mal verschieden sein: Spielst du zur Primetime oder machst du das Opening? Closing-Set oder Afterhour? Technohalle oder Housefloor? Ich habe einfach gern ein paar mögliche Intros und aktuelle Tracks in einer dedizierten Playlist sofort parat, bevor ich mich dann durch die unendlichen Weiten meines USB-Sticks oder meiner Plattentasche treiben lasse. Schließlich bleibt beim Übergang von vorherigen DJ meist nicht viel mehr Zeit, als der letzte Track, den sie oder er gerade spielt.

Rekordbox/Prime-DJs können natürlich ihre Playlisten auch noch im Zug oder Flug pflegen, Cues und Loops programmieren und das Eregbnis auf den USB-Stick überspielen. Aber Vorsicht: Das Synchronisieren von Rekordbox-USB-Sticks braucht seine Zeit. Und das Neubespielen kann je nach Größe der Library Stunden dauern. Und wenn der Flieger im Landeanflug ist, der Zug in den Zielbahnhof einfährt, aber die Rekordbox-Synchronisation erst bei 50 % ist, war die Mühe oft umsonst. Also überspielt möglichst alle Tracks bereits vor der Abreise. Das Nachreichen der Cues und Playlistreihenfolgen geht dann in der Regel schnell.

10. Nochmal Musik (mobile Dj Edition)

Bist du als mobiler Event-DJ unterwegs, musst du dich sehr viel früher um die Musik kümmern. Brautpaare, Jubilare und Firmen haben oft sehr klare Vorstellungen, was für Musik auf der Hochzeit, dem Geburtstag oder der Weihnachtsfeier gespielt werden soll. Oft noch genauer, welche Musik NICHT gespielt werden soll. Hier empfiehlt es sich, sehr schnell mit den verantwortlichen Personen zielführende Gespräche zu suchen, in denen ein kleines Koordinatensystem von Genres, Liedern und Künstlern abgeklopft wird. Überfordere deine Auftraggeber nicht, DU bist schließlich der Musik-Profi und nicht die Personalchefin.

Trotzdem hat fast jeder Mensch ein paar Lieblingslieder und wenn du die kennst, solltest du diese auch in deine extra für dieses Event erstellte Playlist packen und mit passender weiterer Musik anreichern. Auf dem Konzert welcher Band hat sich das Brautpaar kennengelernt? Zu welchem Lied der erste Kuss? Gehe davon aus: Ist das Eis erst mal gebrochen, bringst du die Party auch mit deinen Lieblingstiteln zum Kochen.Firmen wünschen sich bei offizielleren Veranstaltungen gern auch sogenannte „Walk-Ins“, also eine kurze, aber prägnante Musik, zu der die Chefin für ihre Rede auf die Bühne kommt. Meine mobilen DJ-Freunde haben für solche Zwecke immer eine eigene Playlist mit entsprechenden Hotcues parat, damit Tina Turner auch wirklich sofort auf Knopfdruck „You’re Simply The Best“ singt.

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