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Feature
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14.07.2017

Vintage Drum Machine: Korg KR-55 / Rhythm 55

Analoge Drum Machine

Charmanter Preset-Player mit gutem Sound

In ihrem unscheinbaren grauen Gehäuse mit zwei Reihen schwarzen Tastern und drei bunten Knöpfen sieht die Korg KR-55 bzw. Rhythm 55 fast wie eine alte Registrierkasse aus. Die 1979 erschienene Drum Machine ist unter anderem auf Klassikern wie dem ersten Depeche Mode Album Speak & Spell oder Jean Michel Jarres Equinoxe zu hören. Den Sound hat man also definitiv noch im Ohr.

Die Maschine wartet mit 12 analogen Sounds und 48 Preset-Rhythmen auf – genau: richtig gelesen! Programmieren wie bei einer Roland CR-78 oder CR-8000 kann man hier nichts. Man ist den Presets sozusagen „ausgeliefert“. Da mag es beruhigend sein, dass 21 Rhythmen aus der Pop-, Rock- und Disco-Welt stammen. Walzer, Foxtrott und Samba gibt es natürlich auch – aber gut die Hälfte sind „moderne“ Rhythmen. Und der Sound? Die Einbindungsmöglichkeiten? Beginnen wir mit einer Übersicht:

DETAILS

Im oberen Bereich gibt es eine Mischersektion mit 6 Kanälen, wie man sie auch von Rolands CR-8000 oder TR-606 kennt: Bass Drum, Snare Drum, Cymbal und Hihat sind getrennt regelbar. Auf Kanal 5 werden Toms und Conga zusammengefasst, auf Kanal 6 Rimshot, Cowbell und Claves. Claps gibt es leider nicht. In der Sektion darunter sind in drei Reihen, zu jedem bunten Taster farblich passend, die Preset-Rhythmen aufgedruckt. Die Auswahl einer Reihe erfolgt über die schwarzen Taster, die des Presets über den jeweiligen bunten Taster.

Rechts daneben liegen Swing-Regler und -Schalter: Hier lässt sich stufenlos die Stärke des Swings regeln und umschalten, ob er sich auf alle Rhythmen oder nur die Swing-Presets auswirkt. Außerdem gibt es noch Tempo- und Volumeregelung. Intro/Fill In sowie Start/Stop vervollständigen die Bedienelemente, sie sind auch per Fußschalter zu steuern.

Auf der Rückseite finden sich ein Mono-Audioausgang in High– und Low–Ausführung sowie besagte Fußschalteranschlüsse für Start/Stop und Intro/Fill In. Dazu gibt es noch einen Triggerausgang, der erfreulicherweise umschaltbar ist (von ganzen Noten auf Viertel-, Achtel- oder Sechzehntelnoten – und sogar auf die Bass-Drum-Figur des jeweiligen Patterns). Das war's – mehr Parameter gibt es nicht. 

PRAXIS

Bedienung und Sound

Die Bedienung der Korg KR-55 ist denkbar einfach, man könnte es zusammenfassen mit „what-you-press-is-what-you-hear“. Rhythmus wählen, Start drücken, grooven – und bei Bedarf die Intro/Fill In Taste betätigen. Dann kommt ein Break, der je nach Position im Takt ganz oder entsprechend anteilig gespielt wird. Startet man ein Pattern über die Intro/Fill In Taste, wird anstelle des Fills ein Intro gespielt, danach geht es automatisch mit dem gewählten Rhythmus weiter. Dabei teilen sich die drei Rhythmen einer Gruppe jeweils dasselbe Intro oder Fill.

Man kann während der Wiedergabe auch auf ein anderes Pattern umschalten. Zu den meisten Rhythmen gibt es mehrere Varianten, bei Rock gleich zwölf verschiedene. So lassen sich durch manuelles Umschalten ganze Tracks bauen – programmieren lässt sich diese Abfolge natürlich nicht. Alles schön in Echtzeit.

Kommen wir zu den Sounds: Die sind für meine Ohren rundum gelungen – vor allem Kick und Snare setzen sich gut durch. Sie klingen ganz anders als die typischen Roland-Analogsounds, was eine nette Abwechslung in der Analog-Drum-Sammlung sein kann. Im Folgenden einmal alle Presetpattern für euch zum Durchhören:

Als kleines Schmankerl habe ich euch ein Groove-Construction Kit mit den Sounds auf Einzelspuren vorbereitet: Die einzelnen Tracks lassen sich frei kombinieren, und einige Instrumente gibt es in mehreren Variationen. Im letzten Beispiel des Main Audioplayers hört ihr einen daraus gebauten kurzen Drum-Track (Downloadlink am Ende des Artikels).

Synchronisation

Synchronisieren lassen sich externe Instrumente vom Trigger Out der KR-55, der wie oben erwähnt auch wahlweise die Bass Drum Figur des gewählten Patterns ausgeben kann. Richtig klasse ist, dass man die Triggerauflösung von halbe auf viertel, achtel und sechzehntel Note umschalten kann – so hat man für verschiedene Triggerziele eigentlich immer den richtigen Puls zur Verfügung. In die andere Richtung geht Synchronisation standardmäßig nicht – ein Eingang fehlt leider. Doch nach ein wenig Recherche fand ich im Web bei cavisynth.com die Beschreibung einer Sync-In Mod.

Sync-Mod für Korg KR-55: Simpel-Synchronisation für ein paar Euro!

Man benötigt nur ein wenig Draht, einen 100Ω Widerstand, eine 3,5mm Buchse, etwas Lötzinn und optional noch zwei 4148 Dioden. Ich habe mir die Teile besorgt und die Modifikation nach der Anleitung bei Cavisynth eingebaut. Nach nicht einmal einer Stunde war meine KR-55 synchronisierbar, am längsten dauerte dabei das Auf- und Zuschrauben. Einfach einen 5V-Triggerpuls einspeisen, die Maschine in Startbereitschaft bringen und sobald ein Triggersignal anliegt, läuft die KR-55 los. Schade ist nur, dass der Swing Beat Regler bei Synchronisation von außen seine Funktion verliert: Der geht nur, wenn man intern synchronisiert, bzw. einen entsprechend „swingenden“ Trigger einspeist. Einige Clock- und Triggermodule für Modulsysteme bieten das, aber ich habe so etwas leider nicht im Arsenal. Somit ist dies erstmal nur eine Lösung für gerade Beats... Da werde ich mich demnächst noch einmal dranmachen und eine aufwändigere Lösung einbauen. Der Trigger-Out funktioniert übrigens auch bei externer Synchronisation – mein daran angeschlossener Korg SQ-1 Sequenzer lief anstandslos bei Clock von außen mit.

Fazit

Wer eine Drum Maschine mit guten analogen Sounds sucht, wird bei der Korg KR-55 fündig. Kick und Snare sind dabei meine persönlichen Highlights. Es gibt zwar ausschließlich Presets, aber die sind überraschend brauchbar – vielleicht auch weil sie viele eher „moderne“ Stilistiken bedienen. Viel Schnickschnack gibt es nicht und programmieren kann man nichts, aber die Maschine bringt im wahrsten Sinne des Wortes einfach Spaß. Denn kompliziert ist höchstens das taktgenaue Umschalten eines Patterns. Mit der einfachen Mod von Cavisynth lässt sie sich problemlos extern synchronisieren, was sie noch interessanter macht. Die KR-55 ist im Vergleich zu analogen Roland Preset-Maschinen wie der CR-5000 oder der größeren CR-8000 noch relativ günstig zu bekommen: Sie liegt mit zurzeit gut 300 EUR bei etwa dem halben Preis einer Roland TR-606. Korg-typisch ist sie solide gebaut, auch nach über 30 Jahren wackelt an meiner nix, nur das Plastik ist etwas vergilbt.

  • PRO
  • Sound
  • stufenloser Shuffle
  • Mixer für die Sounds
  • flexibler 5V Triggerausgang (schaltbare Auflösung)
  • CONTRA
  • nur Presetpattern, keine Progammierung
  • keine Synchronisation (über einfache Mod zu beheben, siehe oben)
  • keine Einzelausgänge
  • Snarekanal rauscht hörbar

Korg KR-55 Samples zum Download

Hier könnt ihr euch die Sounds der Korg KR-55 und ein Groove Construction Kit herunterladen.

  • FEATURES
  • Produktionszeitraum: KR-55: 1979 – 82, KR-55B: 1982 - 85
  • 12 Sounds: Bass Drum, Snare, Hi-Hat 1, Hi-Hat 2, Cymbal, Rim, Low Conga, High Conga, Claves, Tom 1, Tom 2, Cow Bell)
  • 48 Preset-Rhythmen, 16 Intros, 16 Fill-Ins (KR-55B: 96 Rhythmen, 32 Intros, 32 Fill-Ins)
  • Tempo: 38 – 380 BPM
  • Swing-Funktion
  • Wählbarer Triggerausgang (16tel, 8tel, 4tel, Ganze Note, Bass Drum)
  • Interne Mischfunktion mit 6 Reglern (Bass Drum, Snare, Cymbal, Hi-Hat, Tom/Conga, Rim/CowBell/Claves)
  • Audio Out: 2x 6,3 mm Klinke, Mono High Out (6 VS-s) / Low Out (O,6 Vs-s)
  • 2x Fußschalteranschluss für Start/Stopp und Fill-In

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