Vergleichstest_Fussmaschinen
Test
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11.12.2020

Vergleichstest und Kaufberatung Fußmaschinen (2021)

Das optimale Bassdrum-Pedal für Schlagzeuger finden

Alle Marken, Preisklassen und Features auf einen Blick

Ob Einzel- oder Doppelpedal – die Fußmaschine gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Zubehörteilen am Drumset. Als „verlängerter Fuß“ ist sie Impulsüberträger und soll die reibungslose Weiterleitung der Fußbewegung ins Bassdrum-Fell umsetzen. Doch wie viel Pedal braucht der Trommler? Genügt vielleicht schon eine ganz schlichte Einsteiger-Kettenmaschine? Oder sucht man besser gleich in der Mittelklasse oder im Hochpreissektor nach Bandzug- oder Direct-Drive-Antrieb?

Die Wahrheit ist: In allen Preisklassen gibt es herausragende Produkte zu entdecken, von denen aber, aufgrund ganz unterschiedlicher technischer Features, nicht jedes für jedermanns Fuß geeignet ist. Damit ihr den Überblick für eure Fußarbeit behaltet, haben wir diese Seite zusammengestellt und dabei die Pedale ganz klassisch nach Preiskategorien unterteilt.

Welches sind die besten Einsteiger-Fußmaschinen?

Einfache und preisgünstige Einzel- und Doppelpedale 

Hier folgen die besten Fußmaschinen bis 100 Euro (Einzelpedal) bzw. 200 Euro (Doppelpedal) Ladenpreis für den Einstieg am Instrument oder die ersten Doublebass-Erfahrungen.

Die Tama HP200P bzw. HP200PTW ist die günstigste Variante der Iron Cobra Familie. 65 Euro kostet das Einzelpedal, knapp 190 Euro das Doppelpedal. Wie die großen Brüder verfügen schon die kleinen Cobras über Bodenplatten und Two-Way-Beater. Die Einstellmöglichkeiten beschränken sich auf die Basics, aber das dürfte die Mehrheit der Käuferschaft angesichts der hervorragenden Laufeigenschaften kaum stören. 

Eine echte Überraschung war die Millenium PD-223 Doppelfußmaschine. Ein Bassdrum-Doppelpedal mit Direktantrieb für 130 Euro – das erschien unserem Tester zu schön, um wahr zu sein, aber am Ende konnte die Maschine tatsächlich aufgrund ihrer gleichmäßigen Laufeigenschaften, der guten Verarbeitung und nicht zuletzt der anpassbaren Antrittscharakteristik vollends überzeugen.

Das Tama HP50 Classic Pedal zum Preis von knapp unter 100 Euro vereint Elemente verschiedener klassischer Fußmaschinen miteinander und bietet mit der höhenverstellbaren Einsäulenkonstruktion eine Besonderheit, die man ansonsten in dieser Preisklasse nicht findet. Dass die Maschine trotz der Retro-Elemente technisch absolut up to date ist, brachte ihr im Test viereinhalb Sterne ein.

DW verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Herstellung von Fußmaschinen und hat mit dem 5000er Modell einen echten Klassiker geschaffen. Elemente des großen Bruders finden sich auch am DW 4002 Doppelpedal, welches für knapp unter 150 Euro exklusiv beim Musikhaus Thomann erhältlich ist. Das kettenbetriebene Pedal überzeugt durch eine schnörkellose, robuste Konstruktion, gepaart mit hervorragenden Laufeigenschaften. 

Pro & Contra

  • sehr gute Laufeigenschaften
  • gute Verarbeitung
  • mit Cobra Coils aufrüstbar
  • ...

  • umständliche Befestigung am Bassdrum-Spannreifen
  • keine Gummierung an den Halteklauen

Pro & Contra

  • sehr gute Laufeigenschaften
  • saubere Verarbeitung
  • vielfältige Justiermöglichkeiten
  • ...

  • keins

Pro & Contra

  • gute Laufeigenschaften
  • bequeme Federjustierung von oben
  • Höhenverstellung sorgt – in gewissem Rahmen – für einen mittiger auftreffenden Beater
  • ...

  • keinerlei Spannreifenschutz

Pro & Contra

  • gute Laufeigenschaften
  • ausgereifte, einfache Konstruktion
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

  • Beater-Winkel lässt sich nicht regulieren
  • die Beater lassen nur wenig klangliche Variation zu
  • ...

Hier findet ihr weitere emfehlenswerte Pedale der unteren Preisklasse...

Pearl Demonator Drumpedale Test

Pearl Demonator P-930 und P-932 sind zwei Bassdrum-Fußmaschinen mit Allrounder-Anspruch. Wir haben uns die Einzel- und die Doppel-Version für einen Test kommen lassen.

Tama Speed Cobra Junior 310L / 310LW Test

Tama erweitert seine Speed Cobra Fußmaschinen Serie um zwei Pedale der Junior Ausführung. Ob trotz des kleinen Preises die Qualität stimmt, erfahrt ihr in unserem bonedo Test.

Millenium PD-111 Pro Bass Drum Pedal Test

Thomann bietet mit dem PD-111 Pro Einzelpedal von Millenium eine interessante Alternative im untersten Preissegment. Ob das beliebte Modell überzeugen kann, erfahrt ihr im bonedo Test.

Welches sind die besten Mittelklasse-Fußmaschinen?

Umfangreicher ausgestattete Pedale mit ausgefeilten technischen Features

Solide, funktionale Maschinen bis 250 Euro für das Single Pedal bzw. 500 Euro Ladenpreis für das Doppelpedal, die teilweise sogar über so manches leicht abgespecktes Feature der Profiklasse verfügen.

Einige Jahre haben sie schon auf dem Buckel, aber immer noch sind sie in der Mittelklasse das Maß der Dinge: die Pearl Eliminator Redline Pedale, erhältlich mit zwei verschiedenen Antriebsarten. Das Single-Pedal kostet knapp 200 Euro, das Doppelpedal etwas mehr als das Doppelte. Die Einstellmöglichkeiten sind enorm, hinzu kommen spitzenmäßige Laufeigenschaften und eine exzellente Verarbeitung.

Ernsthafte Konkurrenz bekommen die Elis von den Tama Speed Cobra HP910 Pedalen, erhältlich für ca. 200 Euro als Single- und 435 Euro als Double-Ausführung. Freunde härterer und vor allem schnellerer Gangarten wissen bei diesen elegant designten Pedalen neben den tollen Laufeigenschaften auch die Beschaffenheit der Trittplatten zu schätzen, die verschiedenste Spieltechniken ermöglicht.

Ein Exot unter den Mittelklasse-Pedalen, aber nichtsdestotrotz in jeder Hinsicht überzeugend, ist das Sonor Jojo Mayer Perfect Balance Pedal. Preislich kratzt es mit 250 Euro schon an der Oberklasse, aber der innovative Klappmechanismus, gepaart mit perfekt kontrollierbarem Lauf, der ein hohes Spieltempo ermöglicht, sind schon Gründe genug, eine heiße Empfehlung für diese Maschie auszusprechen. 

Die DW 5000 ist ein absoluter Klassiker unter den Fußmaschinen, und nach verschiedenen Überarbeitungen gibt es sie als DW 5000 AH4 und 5002 AH4 zum Preis von 230 bzw. 460 Euro nun wieder mit Einzelkette. Die Testkandidaten sind mechanisch hervorragend gefertigt und bieten die bekannte, unmittelbare Ansprache und den sehr schnellen Lauf der alten Modelle. Dennoch muss man auf moderne Features nicht verzichten.

Pro & Contra

  • tolle Laufeigenschaften
  • sehr gute Verarbeitung
  • sehr flexible, praktikabel umsetzbare Justiermöglichkeiten
  • ...

  • keins

Pro & Contra

  • tolle Laufeigenschaften
  • große Trittplatten reagieren optimal auf vielfältige Fußtechniken
  • durch breitere Konstruktion sehr verwindungssteif und stabil
  • ...

  • Der Wirkungsgrad der Cobra Coil fällt eher gering aus

Pro & Contra

  • top Verarbeitet
  • praktische Features
  • klappbar
  • ...

  • „klebt“ am Fell (Fußgewicht)
  • Anschaffungspreis

Pro & Contra

  • sehr direktes, organisches Spielgefühl
  • leichtfüßiger als die regulären 5000er
  • sehr stabile Konstruktion
  • ...

  • beim Single-Pedal keine Tasche im Lieferumfang
  • begrenzte Einstellmöglichkeiten

Hier findet ihr weitere empfehlenswerte Pedale der mittleren Preisklasse...

Rogers Dyno-Matic Bass Drum Pedal Test

Mit der Dyno-Matic bringt die amerikanische Traditionsfirma Rogers eine modernisierte Neuauflage ihres berühmten Swiv-o-matic Pedals heraus. Wir haben drauf getreten.

Welches sind die besten Profi-Fußmaschinen?

Kompromisslose Fußmaschinen der Oberklasse

Workhorse-Maschinen und hochpreisige High End-Materialien aus der Raumfahrt geben sich ein Stelldichein.

Die DW MDD Direct Drive Maschinen, erhältlich als Single Pedal für 570 Euro und Double Pedal für rund 1070 Euro Ladenpreis, sind definitiv das Exklusivste, was man seinen Trommlerfüßen antun kann. Hier gibt es einfach nichts, was man nicht einstellen kann. Die exquisite Verarbeitung wirkt sich natürlich auch auf die Laufeigenschaften der Pedale aus, die selbst die extremsten Speedmetal-Drummer restlos überzeugen dürften. Alternativ sind die Maschinen unter der Bezeichnung DW MCD Machined Chain Drive Pedals auch mit Kettenantrieb erhältlich.

Ebenfalls alles andere als preisgünstig, aber dennoch etwas erschwinglicher als die DWs sind die Trick Pro 1-V Fußmaschinen, je nach Ausstattung erhältlich für 380 bis 430 Euro als Einzelpedal und 900 bis 1000 Euro als Doppelfußmaschine. Die direktgetriebenen, mit zahlreichen Einstellmöglichkeiten versehenen Maschinen eignen sich hervorragend für Spieler, die hohe Tempi umsetzen wollen und verfügen, im Gegensatz zu herkömmlichen Maschinen, über Druckfedern anstelle von Zugfedern. Lobenswert ist auch die Möglichkeit, das Doppelpedal in zwei vollwertige Einzelpedale zu zerlegen.

Pro & Contra

  • extrem flüssige und präzise Laufeigenschaften
  • umfangreiche und komfortable Justierungsmöglichkeiten
  • relativ geringes Gewicht
  • ...

  • hoher Preis

Pro & Contra

  • präzise Laufeigenschaften
  • umfangreiche Justiermöglichkeiten
  • Doppelfußmaschine lässt sich problemlos in zwei Single-Maschinen umbauen
  • ...

  • Schrauben zur Beater-Fixierung sind teilweise schwer zu erreichen
  • das unbehandelte Aluminium ist kratzempfindlich

Hier findet ihr weitere empfehlenswerte Pedale der oberen Preisklasse...

Trick Dominator Double Pedal Test

Unterhalb der kostspieligen Pro1-V Modelle bietet der amerikanische Hersteller Trick seine Dominator-Reihe an. Ob und wo gespart wurde, erfahrt ihr im Test.

Trick Dominator Double Pedal Silver Test

Das Musikhaus Thomann bietet eine exklusive Version der beliebten Trick Dominator Doppelfußmaschine an. Sie heißt Silver Edition und was sie kann, haben wir getestet.

Das kleine Fußmaschinen-Wiki

Die Antriebskonzepte

1. Kettenantrieb

Bis zum Ende der Siebzigerjahre verwendeten die meisten Schlagzeughersteller für ihre Fußmaschinen entweder Lederriemen oder Direktverbindungen aus Metall. Kettenzüge wurden erst ab 1981 offiziell angeboten. Aus damaliger Sicht war dies eine kleine Revolution, verband der Kettenantrieb doch die Vorteile der anderen Konzepte, ohne ihre Nachteile zu übernehmen. Leierten Lederriemen bei schlechter Pflege und starker Beanspruchung aus und lieferten oft nur eine diffuse Rückmeldung, neigten die metallenen Direktzüge in Form von Stangen oder Blechstreifen zur Geräuschentwicklung. Legendär sind die Quietschgeräusche von John Bonham's Ludwig Speedking Fußmaschine, welche es sogar auf Aufnahmen schafften. Der von Tama und DW fast zeitgleich vorgestellte Antrieb mit einer auf einem Zahnkranz laufenden Kette war dagegen leise, präzise und haltbar. Heute kann der Kettenantrieb als das mit Abstand am weitesten verbreitete Antriebskonzept bezeichnet werden, obwohl moderne Direkt- und Bandzüge ihm technisch ebenbürtig sind. 

Beim Kettenantrieb gibt es unterschiedliche Bauweisen

Am weitesten verbreitet sind Modelle mit einer Doppelkette, welche auf einer mit Filz beklebten Umlenkrolle/Cam läuft. Diese Konstruktionsweise gewährleistet gute Stabilität und minimiert Seitwärtsbewegungen der Trittplatte. Einige Hersteller bieten aber auch Fußmaschinen mit Einzelketten an, die entweder auf einem Zahnkranz laufen (Tama Camco, DW 6000AX) oder ebenfalls auf einer gepolsterten Umlenkrolle (Yamaha FP 7210A). Hier steht – aufgrund geringerer Masse – ein etwas leichteres Pedalgefühl einer geringfügig schlechteren seitlichen Trittplattenführung gegenüber. Für welche Variante ihr euch entscheidet, ist allein von eurem Geschmack abhängig. Generell kann das Spielgefühl kettengetriebener Fußmaschinen als direkt und zuverlässig, aber gutmütig bezeichnet werden.

2. Bandzug, Riemenantrieb

Unter dem Oberbegriff Bandzug werden heute alle Pedaltypen zusammengefasst, die sich beim Antrieb einer mehr oder weniger elastischen Verbindung aus Nylon- oder Kevlar-Gewebe bedienen. Ihre historischen Vorbilder arbeiteten mit Lederstreifen, entsprechende Modelle kamen in den Fünfzigerjahren auf den Markt und wurden bis in die Achtzigerjahre gebaut. Heute bieten viele Hersteller Bandzug-Versionen an, und das Antriebskonzept erfreut sich wachsender Beliebtheit. Die Gründe dafür sind sicherlich der leise Lauf und ein tendenziell leichtes und direktes Spielgefühl, welches aber – im Gegensatz zum Direktantrieb – eine gutmütigere und organischere Rückwärtsbewegung der Trittplatte vermittelt.

3. Direktantrieb, Direct Drive

Obwohl Pedale mit Direktantrieb heutzutage als modern und manchmal sogar futuristisch wahrgenommen werden, sind ihre Vorfahren deutlich älter als jene der Ketten- und Bandzug-Kollegen. Die ersten Pedale zur Bedienung der Basstrommel mit dem Fuß arbeiteten mit Metall-  oder gar Holzverbindungen zwischen Trittplatte und Schlägel. Dass man bei diesen frühen Modellen, welche ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kamen, noch meilenweit von der geradezu digitalen Präzision heutiger Direct Drive Modelle entfernt war, versteht sich dabei fast von selbst. 

Moderne Exemplare von Firmen wie Axis, Trick und DW zeichnen sich durch eine sehr direkte Ansprache aus, ihr wichtigstes Feature ist jedoch die unmittelbare Koppelung der Pedalbewegung an die Schlägelposition. Die Antriebsgeometrie einiger Direktzug-Modelle vermittelt zudem ein ausgeprägtes Beschleunigungserlebnis, welches ich gerne als „An/Aus-Gefühl“ bezeichne. Hier rate ich definitiv zum ausgiebigen persönlichen Test. Was dem einen Trommler als Offenbarung vorkommt, sagt dem anderen womöglich gar nicht zu. Als Antriebsstangen kommen heute ausschließlich Aluminium-Versionen zum Einsatz, trotzdem unterscheiden sich die Laufeigenschaften der einzelnen Modelle teilweise deutlich voneinander. Das liegt – neben Faktoren wie der Trittplattengröße – in erster Linie an unterschiedlichen Design-Entscheidungen der Hersteller bezüglich der Geometrie von Umlenkrollen (Cams) und Antriebsstangen.

Maximale Beschleunigung – die Form der Umlenkrolle/Cam oder des Zahnkranzes

Einen wesentlichen Einfluß auf die Kraftübertragung und damit das Spielgefühl hat die Form der Umlenkrolle, im Englischen Cam genannt. Hierbei handelt es sich um jenes – meist halbkreisförmige – Stück Metall, welches die Antriebsachse umschließt und die Verbindung zwischen Kette/Bandzug/Direct Link und Beater herstellt. Grundsätzlich kann man zwischen zwei Versionen unterscheiden.

1. Der Klassiker – die mittig befestigte, runde Umlenkrollenform

Fast alle Bassdrum-Pedale, welche ab den Achtzigerjahren in Serie gefertigt wurden, bedienten sich der klassischen, runden Cam-Form. Hierbei ist das Trittgefühl über den gesamten Weg sehr gleichmäßig, weil sich die Distanz des Antriebsmediums (Kette oder Bandzug) zur Achse nicht verändert. Die bekanntesten Vertreter sind das Camco Pedal und die originale DW 5000 Maschine, fast alle anderen großen Hersteller brachten ähnliche Designs auf den Markt.

2. Für Beschleunigungsfreaks – exzentrisch befestigte, runde Umlenkrollen

Wie die Bezeichnung bereits vermuten lässt, läuft die Antriebsachse bei dieser Spezies nicht mittig durch den Zahnkranz oder die Cam, sondern leicht versetzt. Durch die Veränderung des Abstands zwischen Antriebsmedium und Achse während der Trittbewegung kommt es zu einem Beschleunigungseffekt. Diesen trägt die bekannte DW 5000 Accelerator Maschine sogar im Namen, fast alle anderen großen Hersteller bieten dieses Übersetzungskonzept allerdings ebenfalls an.

3. Für Spezialisten – asymmetrisch geformte Umlenkrollen

Wer sich intensiver mit Fußmaschinen beschäftigt, stößt schnell auf Modelle, deren Umlenkrollen keine runde Form besitzen, sondern eckig oder sogar schnabelförmig aussehen. Nicht wenige Hardware-Firmen bieten sogar austauschbare oder drehbare Systeme mit unterschiedlichen Formen an. Entscheidet man sich beispielsweise für eine Pearl Eliminator Maschine, kann aus bis zu sechs Cams die Traumübersetzung gewählt werden. Preislich deutlich darunter angesiedelt, bietet die Thomann-Hausmarke Millenium mit den PD-122 und PD-222 Pedalen sogar Modelle mit stufenlos verstellbarer Cam-Geometrie, Freunde von Highend-Pedalen finden ein entsprechendes System bei der DW 9000er Reihe. All diesen Konzepten ist gemein, dass der Trommler das für ihn passende Übersetzungsverhältnis – in bestimmtem Rahmen – selbst wählen kann.

Welche Cam passt zu meinem Spiel?

Hier gilt die grobe Faustregel, dass eine stark eckige und exzentrische Cam-Form auch einen eher unrunden Lauf besitzt, eine runde Umlenkrolle dagegen das berechenbarere und gleichmäßigere Spielgefühl erzeugt. Beides hat Vor- und Nachteile, „schneller“ oder „langsamer“ ist – bei vergleichbarer Qualität des Pedals – keine der Varianten. Es geht eher um die Frage, wie ein Pedal eure Kraft über den Trittweg verteilt. Bei einer Maschine mit rundem, mittig montierten Kettenblatt gibt es weder Beschleunigungs- noch Abbremseffekte. Eine Tama Flexi Glide hingegen, welche über eine schnabelförmige Cam verfügt, braucht im Antritt etwas mehr Kraft, „kippt“ danach aber zügig nach vorn. Ähnlich fühlt sich eine Pearl Eliminator mit der roten „Nocke“ an. Derartige Formen kommen Spielern entgegen, die gerne schnell unterwegs sind und daher im letzten Wegdrittel der Pedalbewegung möglichst wenig Widerstand spüren wollen. Wer hingegen etwas mehr Druck und eine berechenbarere Bewegung über den gesamten Pedalweg schätzt und gleichzeitig auf den Effekt der Beschleunigung verzichten kann, der findet in Modellen wie dem Sonor Jojo Mayer Pedal möglicherweise den richtigen Begleiter.

Beat it – die Wirkung unterschiedlicher Schlägel (Beater)

Drei Faktoren bestimmen die Funktion des Beaters: sein Gewicht, seine Form sowie das Material der Schlagfläche(n). Damit gehört er – ähnlich wie der Snare-Teppich – zu den preislich überschaubaren, von der Wirkung her jedoch essentiellen Teilen am Drumset. Sound und Spielgefühl einer Fußmaschine hängen ziemlich stark von seiner Beschaffenheit ab, beginnend beim Gewicht. Je schwerer der Beater ist, desto größer ist sein Trägheitsmoment. Seine Beschleunigung erfordert damit etwas mehr Kraft, ist er aber erst einmal in Fahrt, erzeugt er deutlich mehr Punch als ein leichtes Modell. Eine größere Auflagefläche trägt zu einem bassigeren Sound bei, eine kleine erhöht den Attack, also die höheren Frequenzen. Beim Material gibt es grundlegend vier Standardvarianten: Filz, Gummi, Holz und sehr weiche, fellartige Bezüge. 

Die meisten Pedale werden heutzutage mit so genannten Two-Way-Beatern ausgeliefert, welche über eine Filz- und eine Gummiseite verfügen. 95 Prozent aller musikalischen Aufgaben lassen sich problemlos mit einem Filz-Beater bewerkstelligen, manchmal liefert die gummierte Seite aber das entscheidende Plus bezüglich Anschlag und Definition, beispielsweise bei schnelleren Spielweisen. Holz-Beater sieht man dagegen eher selten, sie erzeugen einen attackbetonten, noch präziseren Sound als die Gummi-Versionen. Eine interessante Klangalternative erhaltet ihr auch mit den dicken, weichen Schlägeln aus Lammfell-Imitat. Nicht nur Jazzer freuen sich über den fast attacklosen, soften Klang. Kräftig gespielt passt der warme und unaufdringliche Anschlag auch in viele andere musikalische Umgebungen. Für Metal und harten Rock würde ich Beater dieser Art aber nicht empfehlen, weil damit der Bassdrum-Sound vermutlich gnadenlos untergehen oder für akustischen Matsch sorgen würde. Ich rate allen ambitionierten Drummern, ein bisschen mit Beatern zu experimentieren, manchmal erübrigt sich dadurch sogar den Kauf einer neuen Fußmaschine.

Welches Pedal passt am besten zu meiner Musikrichtung und meinem Einsatzzweck?

Als Metal-Spieler seid ihr sicherlich mit einem Doppelpedal (oder zwei Bassdrums) besser ausgerüstet als mit einer Einzelfußmaschine. Bei den Features jedoch muss mehr nicht gleich besser sein. Der legendäre Metal-Trommler und Pearl Endorser Gene Hoglan spielt seit Jahrzehnten aberwitzig schnell und druckvoll auf einfachen Tama Camco Maschinen mit Einzelketten und ohne Bodenplatten, ein gutes Beispiel dafür, dass im Zweifel das persönliche Gefühl entscheiden sollte. Ihr solltet aber auch im Auge behalten, wie ihr die Maschinen einzusetzen gedenkt. Stehen viele Shows an, bei denen der Hardware nur wenig Fürsorge zuteil wird, könnte ein Modell mit stabiler Bodenplatte und Doppelkette von Vorteil sein. Auch ein stabiles Hardcase schützt eure Maschinen natürlich besser als ein Nylon-Täschchen oder gar der schutzlose Transport zusammen mit der anderen Hardware. Als Freunde kleiner Clubgigs oder spontaner Sessions ist euch vielleicht ein einfaches Design mit Metallbügel lieber, welches ihr schnell zusammenlegen könnt und das entsprechend leicht ist.

Sind teure Pedale tatsächlich so viel besser?

Die Antwort auf die Frage in der Überschrift lautet: mechanisch sind teure Pedale tatsächlich meistens besser als das günstige Modell für 49 Euro. Das beginnt bei qualitativ hochwertigeren Lagern und endet bei dauerhaft spielfreien Wellen und Achsen. Trotzdem entscheiden sich gerade erfahrenere Drummer nicht unbedingt generell für die teuersten Modelle, sondern eher für solche, die besonders gut auf den Einsatzzweck und die persönlichen, durch lange Gewöhnung entstandenen Vorlieben zugeschnitten sind. Als prominentes Beispiel habe ich weiter oben schon Gene Hoglan mit seinen schlichten Camco-Maschinen genannt, die Liste ließe sich aber beliebig erweitern.

Unfairerweise werden Trommler, die beispielsweise auf eine extrem leichte und direkte Performance stehen, in aller Regel deutlich stärker zur Kasse gebeten als solche, denen ein eher organisches, weiches Spielgefühl mehr liegt. Dies ist kein Wunder, erfordert eine besonders widerstandsfreie Laufkultur doch sehr geringe Toleranzen und hochwertige Lager und Laufbuchsen. Diese kosten Geld, gepaart mit allerlei Einstelloptionen werden bei Doppelpedalen so leicht mehr als 500 Euro fällig. DW durchbricht mit seinen – extrem hochwertig gefertigten - MDD Modellen sogar die 1000 Euro Schallmauer. Wer dagegen das softere und gutmütigere Bandzuggefühl mag, einer exzentrisch arbeitenden Umlenkrolle aber genauso wenig abgewinnen kann wie dem Vorhandensein einer Bodenplatte, ist mit Einzelpedalen zwischen 70 bis 120 Euro sehr gut ausgerüstet. Finanziell im Vorteil sind generell auch die genügsamen Drummer, die höchstens mal die Federspannung ein bisschen verändern möchten, auf variable Cams, verschiebbare Trittplatten, Gewichte in den Beatern und weitere Features aber dankend verzichten können.

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