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Test
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19.11.2018

Universal Audio UAD Software Version 9.7 Test

Neue UAD-2 Plugins

Lexicon 480L Digital Reverb and Effects, Softube Vocoder, AMS Neve DFC Channel Strip, Brainworx bx_masterdesk Classic und Suhr SE100 Amplifier

Wenn es um regelmäßige Updates und Erweiterung des Plugin-Portfolios geht, ist auf Universal Audio stets Verlass! Seit dem Release der UAD Software v9.6 sind gerade einmal drei Monate vergangen und schon lockt Version 9.7 mit neuen Plugins. Dieses Mal sind folgende Effekte mit an Bord:

  • Lexicon 480 Digital Reverb and Effects
  • Softube Vocoder
  • AMS Neve DFC Channel Strip
  • Brainworx bx_masterdesk Classic
  • Suhr SE100 Amplifier

Wie verlockend diese fünf Neulinge, unter denen sich erwartungsgemäß mal wieder legendäre Namen befinden, tatsächlich sind, werden wir in diesem Testbericht herausfinden. Details zu den allgemeinen Bug Fixes und Verbesserungen der UAD Software Version 9.7 findet ihr hier in den Release Notes der Universal Audio Homepage.

Details

AMS Neve DFC Channel Strip

Noch ein Channel Strip? Vom AMS Neve DFC Channel Strip habe ich bisher auch noch nie etwas gehört, was daran liegen mag, dass die digitale Hardware primär zur Vertonung großer Hollywood Blockbuster eingesetzt wird. Doch das ist kein Grund zum Fremdeln, denn dieser bemerkenswert flexible Kanal, der die identischen DSP-Algorithmen der Hardware-Variante nutzt, ist auch für Musikproduktionen der Knaller und ein wahres „Sound-Skalpell“.

Herausragend ist die Möglichkeit das komplette Routing per Maus wie Bausteine neu anzuordnen. Obwohl die Ausstattung und die Flexibilität mir bekannten analogen Channel Strips sowie deren Emulationen teilweise weit überlegen ist, behält man einen bemerkenswerten Überblick und eine gute optische Rückmeldung über die getätigten Eingriffe, was ein zielgerichtetes Arbeiten erleichtert. 

In den folgenden Audiobeispielen habe ich den Channel Strip zum „Auffrischen“ einer Schlagzeugaufnahme verwendet.

Lexicon 480L Digital Reverb and Effects

Ein weiteres Beispiel des digitalen Wohlklangs ist das berühmte Lexicon 480L. Das Hardware-Vorbild ist DIE Ikone algorithmischer Hallerzeugung schlechthin und zählt(e) über Jahrzehnte zum Standard in professionellen Tonstudios. Aufgrund dieses Prominentenstatus ist die neue UAD-Variante nicht die erste Emulation dieses Klassikers und in einschlägigen Foren haben bereits heiße Diskussionen begonnen, welches Plugin denn nun am besten klingt oder ob alle Emulationen gegenüber der Hardware verblassen. Dank der kostenlosen Demo-Phase kann sich jeder UAD-User sein eigenes Urteil bilden. 

Ich selbst habe über zehn Jahre unzählige Mischungen mit dem echten 480L gemacht, bis die Hardware aufgrund von Defekten durch Plugins (TC Powercore) ohne nennenswerte Qualitätseinbußen der folgenden Produktionen ersetzt wurde. So viel zu meiner grundsätzlichen Einschätzung Hardware vs. Software. Für mein Empfinden ist die Umsetzung auf die UAD Plattform absolut gelungen und klingt im direkten Vergleich mit dem 480-inspirierten und deutlich günstigeren Effekt RC48 von Softube/Native Instruments etwas griffiger und konturierter, was ich hier zunächst ohne Wertung protokollieren möchte. Ein Kollege, der bereits erste komplexe Produktionen mit der UAD-Variante fertiggestellt hat, ist vom Sound und der Authentizität des UAD 480ers begeistert. 

Im Folgenden ist das populäre „Hallgerät“, das allerdings noch weitere Facetten auf Lager hat, auf verschiedenen Einzelsignalen zu hören. Die Audiobeispiele mit der Gitarre und der Snare starten jeweils mit dem unbearbeiteten Signal. Da das 480 wie bereits erwähnt nicht nur künstlichen Hall produziert, hört ihr zunächst zwei Modulationseffekte auf einer Gitarrenspur.

Selbstbewusste 349 Euro verlangt Universal Audio für die offiziell lizensierte und (alle Algorithmen der Hardware) umfassende Lexicon Emulation, was man im Vergleich zur Konkurrenz nicht zwingend als Schnäppchen bezeichnen kann. Allerdings schafft die souveräne Einbindung beim Tracking/Monitoring für Apollo User einen Mehrwert, den man bei dieser Betrachtung nicht ausklammern darf. Die DSP-Belastung ist mit 61,3 % (je DSP) deutlich höher als bei anderen UAD Halleffekten, sodass sich die Lexicon 480L Emulation nicht so sorglos und inflationär einsetzen lässt, wie es mit anderen UAD Plugins möglich ist. 

brainworx bx_masterdesk Classic

„Weniger ist manchmal mehr“ hat man sich offenbar im Hause brainworx gedacht und mit dem bx_masterdesk Classic eine abgespeckte Variante des bereits auf der UAD Plattform veröffentlichten bx_masterdesk (ohne „Classic“) herausgebracht, wobei sich „abgespeckt“ ausschließlich auf die Zugriffsmöglichkeiten und nicht den Sound und die Algorithmen unter der Haube bezieht. Ein reduzierter Zugriff auf einzelne Parameter muss nicht immer schlecht sein, lenkt den Blick nicht selten auf das Wesentliche und führt im Idealfall im Handumdrehen zu guten Ergebnissen, was beim bx_masterdesk Classic der Fall ist.

Softube Vocoder

Der Vocoder ist ein seit Jahrzehnten nicht totzukriegender Effekt, der in erster Linie zur kreativen Verfremdung und musikalischen Umgestaltung der menschlichen Stimme verwendet wird. Softubes Interpretation dieses Effekts bietet insofern nichts wirklich Überraschendes, da der Softube Vocoder aus meiner Sicht nicht besser oder schlechter klingt als andere Soft- und Hardware-Lösungen, die mir bekannt sind. Der eigentliche Clou ist die unkomplizierte Performance- und Tracking-Fähigkeit im Zusammenspiel mit UAD Apollo Interfaces! Unabhängig von Latenz- oder Routing-Settings im DAW Hostprogramm kann man mit einem angeschlossenen Mikrofon und MIDI-Keyboard ungehemmt seinen Roboter-Fetisch (falls vorhanden) ausleben.

Suhr SE100 Amplifier

Da neben dem Windsurfing auch das Gitarrenspiel zu meinen Bildungslücken zählt, übernimmt an dieser Stelle mein Kollege Thomas Dill und schildert seine ersten Eindrücke von der neuen Amp Emulation. Außerdem folgt in Kürze ein ausführlicher Testbericht zum Suhr SE100 Amplifier.

Mit dem SE-100 hat Universal Audio nach dem Pete Thorn Signature Modell (PT-100) nun schon den zweiten Amp aus der Edelschmiede von John Suhr im Angebot. Auch diesmal hat Meister Suhr höchstpersönlich zur Seite gestanden und die Endkontrolle des Plugins abgesegnet. Die deutschen Software-Experten von Brainworx sind für die Erstellung des Plugins verantwortlich und als weiterer Experte stand Doug Aldrich (Whitesnake) zur Verfügung, der selbst langjähriger User des SE-100 Amps ist und sich natürlich sehr gut mit dem Sound und der Ansprache des Amps auskennt. 

Der SE-100 ist eines der ersten Amp-Modelle von John Suhr und als Einkanaler konzipiert, ein handverdrahteter und schnörkelloser Amp, der klanglich in der „Modded-Marshall“-Ecke anzusiedeln ist. Britisches Mittenbrett mit satter Verzerrung und ordentlich Gain-Reserven, um auch aus einer Single Coil Gitarre einen fetten Classic Rock Ton herauszudrücken. Das Ganze mit einer recht überschaubaren Anzahl von Reglern – Gain, Volume für Zerrgrad und Lautstärke sowie die Klangregelung mit Bass, Middle, Treble und Presence. Dazu kommt noch ein Depth-Regler für das Low-End, der beim Original auf der Rückseite positioniert ist, beim Plugin wurde der Regler logischerweise auf das Amp-Panel verfrachtet. Im Paket sind insgesamt 120 verschiedene Impulsantworten von diversen Lautsprecherboxen – somit hat man eine Menge Möglichkeiten zum Finetuning des Sounds. Außerdem sind noch ein Noise Gate und ein simples Delay mit an Bord. 

Empfehlenswert ist natürlich, den SE-100 zur Aufnahme in Verbindung mit einem Apollo Interface als Unison Plugin zu benutzen. Die Latenz ist dabei nicht spürbar – verglichen mit einem Amp-Modeler oder digitalen Effektprozessor und durch die ausgezeichnete Anpassung am Hi-Z Eingang reagiert das Plugin sehr feinfühlig auf die Aktionen an der Gitarre. Steuerung des Zerrgrades über die Anschlagstärke oder das „Entzerren“ mit dem Volume-Regler an der Gitarre sind hier problemlos möglich und dadurch klingt eine Aufnahme lebendig und ausdrucksstark. Der Amp ist für Mid- und High Gain Sounds konzipiert, daher sind unverzerrte Sounds nur bei sehr niedrigen Gain-Einstellungen möglich. Die höheren Zerrgrade kommen mit der entsprechenden britischen Klangfärbung und liefern schnörkellose Rocksounds mit sattem Sustain.

Fazit

Die Qualität von UAD Plugins befindet sich seit vielen Jahren auf höchstem Niveau und wird nachweislich von vielen Profis verwendet. Das Update auf UAD v9.7 behält diesen hohen Standard bei und bietet mal wieder eine Handvoll inspirierender Helfer zur Audio- und Musikproduktion (Post-production, Mix und Recording), an denen es nichts Konkretes zu bemängeln gibt. Lediglich der vergleichsweise hohe Ressourcenbedarf des Lexicon 480L erzeugt im Hinblick auf den stets glühenden Quad-Prozessor meines Apollo Interfaces bei komplexen Mixes ein leichtes Stirnrunzeln. Mein persönlicher Favorit dieses Updates ist der AMS Neve DFC Channel Strip, mit dem abseits des allgegenwärtigen Analog-Modellings ein mächtiges und akkurat klingendes All-In-One-Werkzeug bereitgestellt wird, das sich bei überschaubarem Ressourcenbedarf universell einsetzen lässt.   

  • Pro
  • überzeugende Klangqualität
  • inspirierende neue Plugins
  • sinnvoller Mehrwert beim Tracking/Monitoring (Suhr SE100, Lexicon 480L, Softube Vocoder)
  • dynamische Ansprache und Reaktion auf das Volume Poti an der Gitarre (Suhr Unison Plugin)
  • Contra
  • hoher Ressourcenbedarf (Lexikon 480L)
  • Features AMS Neve DFC Channel Strip
  • identische DSP-Algorithmen der Hardware
  • 4 vollparametrische EQ-Bänder
  • 2 Filterbänder (6, 12, 18, 24 dB/oct)
  • Compressor, Limiter, Expander, Gate, Dynamics EQ (Side Chain)
  • flexibles Routing per Maus
  • Stereoverbreiterung
  • Features Lexicon 480L Digital Reverb and Effects
  • lizensierte Emulation aller Algorithmen (Reverb, Random, Effects, Twin Delays, Ambience)
  • erweiterte Nachbildung der „LARC“-Fernbedienung
  • Main Out und AUX Out mit subtilen Klangunterschieden anwählbar
  • aktivierbarer Bug Fix (Random)
  • Original Banks/Programs und mehr als 100 Artist Presets
  • Features Softube Vocoder
  • 12-stimmige Polyphonie
  • variable Bänder (4, 8, 12, 16, 20)
  • Noteneingabe per MIDI oder direkt im GUI
  • vielfältige Klangformungsmöglichkeiten (Freeze, Resynthese, Envelope Follower, diverse Carrier Wellenformen)
  • Features Brainworx bx_masterdesk Classic
  • Modelling einer analogen Mastering-Kette
  • 2 Compressor Modes
  • Foundation („Bass-Höhen-Verhältnis“-EQ)
  • regelbarer THD-Anteil
  • Stereo Enhance
  • 4 Tone Presets
  • Features Suhr SE100 Amplifier
  • Unison Plug-in
  • 120 unterschiedliche Aufnahmeketten (IR) aus mehreren Boxen und klassischen Mikrofone
  • FX Rack
  • Freiband-EQ
  • Preise:
  • Lexicon 480L Digital Reverb and Effects: EUR 349,-
  • AMS Neve DFC Channel Strip: EUR 299,-
  • Softube Vocoder: EUR 199,-
  • Brainworx bx_masterdesk Classic: EUR 99,-
  • Suhr SE100 Amplifier: EUR 149,-

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