Eurorack-Module
Test
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28.02.2019

Twisted Electrons hapiNES Test

Monophone Chiptune-Workstation

Gameboy für DIY-Soundtracks

hapiNES is easy: Schon der Name des neuen Zwergs von Twisted Electrons deutet auf das NES hin, das Nintendo Entertainment System, mit dem viele Kids meiner Generation ihre ersten Pixel-Play-Erfahrungen gesammelt haben. Und die Super Mario-Sounds des damals verwendeten RP2A07-Soundchip sind immer noch voll angesagt. Für die eigenen Game-Playbacks kommt hapiNES mit Vierspur-Sequenzer gerade recht.

Details

Erster Eindruck

Seit der Elektron SID Station sind Nintendo-Sounds stets wieder ein Thema und auch in modernen Produktionen immer noch gewinnbringend einsetzbar. Wie bei Elektron stammen auch die kleinen Platinen-Grooveboxen von Teenage Engineering aus Schweden, deren Erfolg wiederum Twisted Electrons aus Nizza nicht verborgen geblieben ist. Mit hapiNES und dem ebenfalls neuen 8-bit-Synthesizer µacid8 schickt die französische Hardware-Manufaktur nun gleich zwei winzige Platineninstrumente ins Rennen.

Dieses Konzept erinnert an die erfolgreichen Pocket Operators von Teenage Engineering, mit denen sich der hapiNES auch formidabel verbinden lässt: Man nehme ein PO 32 und einen Pokketmixer, und fertig ist das Micro-Live-Setup. Die vier monophonen Spuren für Drums, Pulswelle und zwei Rechteckwellen-Generatoren wollen auf 16 eintaktigen Patterns zu markanten Chiptune-Sequenzen kombiniert werden. Die 60 Drumsounds und drei Wellenformen sind keine Samples, sondern werden vom Soundchip des hapiNES generiert.

 

Erscheinung: Nintendo light

Der hapiNES kommt in Form einer abgerundeten Platine, dessen bloße Leiterbahnen nur sehr spärlich abgedeckt sind, unspektakulär verpackt im Polsterplastiktütchen samt Beipackzettel. Mehr ist nicht im rot-weißen Karton, in dem man eher ein Game-Konsolen-Hardware-Upgrade erwartet, als ein Musikinstrument. Die englischsprachige Bedienungsanleitung ist kurz und knapp formuliert und in 10 Minuten hat man das Gerät in den Grundzügen begriffen. Trotzdem macht es Sinn, die Anleitung gut aufzubewahren, denn die vielen Doppelfunktionen können schon mal durcheinandergebracht werden.

Auf der eierschalenfarbenen Platine selbst sitzen 18 Druckschalter, 32 helle weiße LEDs und sechs leicht geriffelte schwarze Mini-Potis, die dank ihrer roten Kappen mehr nach richtigen Reglern als nach Potentiometer-Schäften aussehen. Eine kleine kreisförmige Mulde markiert die Position des Potis, ist aber leicht zu übersehen. Wer’s genau wissen will setzt mit einem dünnen schwarzen Edding einen Tupfer in die Mulde.

Zwölf der Druckschalter simulieren eine Tastatur mit einer Oktave. Die Oktavschalter ermöglichen einen Tastaturumfang von fünf Oktaven. Fast alle Schalter haben zudem Doppelfunktionen, die mit gleichzeitigem Halten von „Run“ oder „Shift“ ausgelöst werden. Die Potentiometerfunktionen von links nach rechts: Lautstärke, Arpeggiator-Typ, Arpeggiator-Geschwindigkeit, Pulseweite, Decay und Vibrato. Diese Parameter stehen allerdings nur den beiden Rechteckwellenformen zur Verfügung, die Drums und die Pulswelle müssen ohne weitere Modulationsmöglichkeiten auskommen.

Der winzige Ein-/Ausschalter ist oben rückseitig zwischen den Reglern für Resonanz und Hüllkurve angebracht und dient auch als Wahlschalter zwischen Batterie-und USB-Betrieb. Obwohl der USB-Betrieb natürlich umweltfreundlicher ist, erfüllen die AAA-Batterien doch einen nicht unwichtigen Zweck: Sie heben die kleine Konsolenplatine leicht pultförmig an. Ohne eingesetzte Batterien lagert der hapiNES nur auf den Batterieklammern und diese könnten durchaus verbogen werden, wenn zu grob auf der Klangkonsole gezockt wird. So fragil das kleine Platinchen mit seinen nackten Schalterchen auch wirkt: Während des Tests hieß es niemals „Game Over“.

Anschlüsse

Links auf der Unterseite des Geräts befindet sich die Micro USB-Buchse, die nicht nur zur Stromversorgung, sondern auch zur Verbindung mit dem Rechner dient. links und rechts auf der Unterseite sind zwei Miniklinken-Buchsen für Eingangs-und-Ausgangssignale für Audio und Sync-Signale angebracht, die je nach „Sync Mode“ andere Funktionen erfüllen: Input Stereo und Output Stereo, Mono-Audioeingang kombiniert mit Sync-Eingang und Stereo-Ausgang, Stereo-Eingang und Ausgänge für Audio in Mono und das Sync-Signal sowie alle denkbaren Mischformen.

Sync und Stereo-Audio gemeinsam über eine Buchse ist nicht möglich, aber bei einem LoFi-Produkt wie dem hapiNES verschmerzbar. Entsprechende Splitterkabel liegen leider nicht bei und müssen separat erworben werden. Beim Audioeingang konnte ich übrigens keinen Effekt des Filters oder der anderen klangbildenden Elemente des µAcid8 auf das Eingangssignal erkennen. Der dient wohl nur zum Durchschleifen der Audiosignale weiterer, dort angeschlossener Geräte.

Formfaktor

Das kleine Platinchen wirkt ziemlich zerbrechlich und auch den nackten Schaltern stehe ich immer mit etwas Skepsis gegenüber und traue ihnen im Gegensatz zu Schaltern in Gehäusen weniger Robustheit zu. Natürlich ist das haptische Erlebnis solch eines Knöpfchens nicht mit dem Druck auf einen großen satten Taster vergleichbar. 

Die Schalter aber bieten einen angenehm klaren Druckpunkt und lassen sich einwandfrei bedienen. Ähnlich ist das mit den Schaftreglern, die wir so ja auch von anderen Synthesizern wie denen der Korg Volca-Serie her kennen. Diese funktionieren präzise und wackeln nicht.Außerdem praktisch: Die kleine Twisted Electrons hapiNES Platine kann sowohl mit Batterien als auch per Micro-USB-Kabel mit Strom betrieben werden. Also: Let’s jump and run in den Praxisteil!

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