Gitarre Bass
Test
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04.11.2010

Praxis:

Jetzt geht es ans Eingemachte, zuerst muss der Silencer in der Recording-Disziplin zeigen, was er kann. Oft ist es einfach nicht möglich, einen Amp im Aufnahmeraum voll aufzudrehen, weil vielleicht keine vollständige Isolation möglich ist oder beim Rest der Mannschaft eine dreistündige Recording-Session mit brüllendem Marshall nicht unbedingt zu den unverzichtbaren Highlights gehört.

Power Soak
Folgendes Equipment ist in dieser Signalfolge für den Test am Start:

Gitarre Amp Silencer Speaker Mikrofon Rec. Preamp
Gibson SG Marshall SLP 100 Marshall 4x12 mit Greenbacks CAD E-100 Neve 8801

Ich habe für diesen Test die übliche Aufnahmesituation gewählt, bei der sich Gitarrist und Topteil im Regieraum befinden und die Box gut isoliert im Aufnahmeraum steht, damit man über die Lautsprecher der Regie ausschließlich den Recording-Sound hört. Der Marshall besitzt kein Master Volume und liefert satte 100 Watt, das bedeutet, dass ein normal verzerrter Sound erst dann erreicht wird, wenn die Lautstärke schon sehr hoch ist. Ich habe den Volume-Regler des Amps auf 15 Uhr eingestellt und im Aufnahmeraum in einem Meter Abstand von der Box einen Schallpegel von 100 dB gemessen. Geht man etwas zurück, wird es unwesentlich leiser. Hier ist natürlich ein Power Soak wie der Silencer vonnöten. Zu allererst hören wir genau hin, ob allein der Anschluss des Silencers einen wesentlichen Klangunterschied bewirkt, zumal dabei ja schon in der Full-Einstellung das Signal umgeleitet wird - mal schauen, ob es auch tatsächlich so ist. Das Ergebnis, zuerst ohne, dann mit Silencer im Full-Modus.

Den Klangunterschied kann man als verschwindend gering bezeichnen. Was sich jetzt aber schon stark bemerkbar macht, ist das Geräusch des Lüfters, der immer dann aktiv wird, wenn man spielt. Bei einer etwas höheren Abhörlautstärke, die man ja als Gitarrist beim Einspielen benötigt (ich zumindest), fällt das weniger ins Gewicht. Auf der Bühne wird das im Bandgefüge überhaupt nicht wahrgenommen.

Wichtig ist natürlich, dass sich der Klang beim Reduzieren der Lautstärke nicht grundlegend verändert, und das wollen wir uns jetzt etwas genauer anschauen. Ich habe dasselbe Riff immer mit unterschiedlichen Einstellungen am Silencer aufgenommen. Der Amp blieb unverändert und den fehlenden Pegel habe ich mit Nachregeln am Gainregler des Recording-Preamps ausgeglichen. Hier ist das Ergebnis aller möglichen Absenkungsstufen.

Je höher die Reduktion, desto stärker ist ein Soundunterschied hörbar. Dieser hält sich jedoch meiner Meinung nach in einem absolut erträglichen Rahmen und sollte auf keinen Fall negativ bewertet werden.

Man kann aber beim Silencer den Sound auch noch etwas aufpeppen. Gerade  bei den hohen Reduktionseinstellungen gehen etwas Höhen verloren und er verliert durch die reduzierte Lautstärke auch an Druck. Dem kann man entgegenwirken, indem man die Höhen, Mitten und Bässe mit den Punch- und Bite-Schaltern bearbeitet.

Zum Vergleich hört ihr zuerst das Originalsignal mit einer Dämpfung von -12dB, dann einmal den Bite Regler in Low-, dann in High-Position.

Hier lässt sich schon der Sound etwas spitzer gestalten, mir persönlich gefällt die Variante High am besten, weil da auch noch ein Schuss obere Mitten hinzukommt. Der Klang ist homogener und durchsetzungsfähiger.

Wenn man jetzt noch etwas Druck von unten benötigt, kann man den Punch-Regler auf Low einstellen. Jetzt werden die tiefen Bässe geboostet, der Klang erhält mehr Macht. Hier die Kombination Bite-High und Punch-Low.

Der -16 Modus lässt sich zusätzlich mit dem Fine Regler nachjustieren und den großen Krawallkasten aus England auf Radioweckerlautstärke reduzieren. Und so klingt es, wenn der Fine-Regler auf 9 Uhr steht.

Klar, im Vergleich zum voll aufgedrehten Amp hat man hier Klangeinbußen, aber ohne den Silencer wäre ein solcher Sound bei dieser geringen Lautstärke nicht machbar – der Soundunterschied bleibt absolut im Rahmen. Ein solcher Klang ist im Mix immer noch besser zu bearbeiten als mancher mit Speaker Simulator.

Speaker Simulator
Wo wir gerade dabei sind, ein Speaker Simulator mit dem wunderbaren Namen F.A.N.T.A. ist auch an Bord. Auch der wird selbstverständlich unter die Lupe genommen. Der Lautsprecher-Box (und den Nachbarn) habe ich für diesen Vorgang mal eine Ruhepause gegönnt, es geht vom Silencer direkt in den Recording-Preamp und dann auf die Festplatte. So sieht der Signalweg jetzt aus:

Gitarre Amp Silencer Rec. Preamp
Gibson SG Marshall SLP 100 über F.A.N.T.A. Out Neve 8801

Das Signal am Speakersimulator-Ausgang kann nicht mehr im Klang beeinflusst werden, Bite und Punch reagieren hier nicht. Ihr hört zum direkten  Vergleich zuerst das Signal mit dem Mikrofon abgenommen und dann das Gleiche über den Speakersimulator-Ausgang.

Der frequenzkorrigierte Klang ist etwas dumpfer, die Höhen werden ab 4 kHz recht linear abgeschnitten. Allerdings muss man dazu sagen, dass ja auch jedes Mikrofon anders klingt, daher sollte man den Vergleich auch nicht absolut sehen. Auf jeden Fall ist der Sound für Aufnahmen und Bühne brauchbar, mit einem zusätzlichen EQ kann das Ganze dann noch etwas aufgewertet werden.

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