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Test
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18.04.2018

Tracktion Waveform 9 Test

Software DAW

Gutes weitergedacht!

Bereits im letzten Jahr sorgte die Tracktion Software Company (TSC) für Aufsehen, indem man die gleichnamige DAW Software Tracktion nach immerhin sieben Reinkarnationen in Waveform umbenannte. Mit frischem, wohlklingendem Namen und einer Reihe gelungener neuer Features bestückt, wusste der neue Sprössling auf Anhieb zu überzeugen und konnte sich im Bonedo Test beinahe die Bestnote sichern.

Nun ist mit Waveform 9 als logischer Nachfolger und erstes Update unter neuem Namen verfügbar. Auch diesmal liest sich die Liste an Neuerungen spannend und ambitioniert. Ob es den Entwicklern auch diesmal gelungen ist, eine uneingeschränkte Update-bzw. Kaufempfehlung einzuheimsen, haben wir getestet.

Details

Mit Tracktion bietet der Entwickler TSC seit jeher eine umfangreiche DAW-Lösung, welche aufgrund des niedrigen Anschaffungspreises von gerade einmal 109 US-Dollar (Waveform 9) besonders für schmalere Budgets interessant ist. Während die Software besonders zu Beginn teilweise deutliche Schwachstellen in Design, Usability und Funktionsumfang aufwies, gelang es über die Zeit immer weiter, zu Platzhirschen wie Cubase, Live und Co. aufzuschließen.

Neuer Multi-Sampler an Bord

Hinsichtlich der Content Updates kann Waveform 9 zunächst mit einem neuen Instrument aufwarten – dem Multi-Sampler. Dieser bietet mit zehn integrierten Filtern sowie zwei ADSR-Hüllkurven viel kreatives Potenzial zur Manipulation eigener Sounds. Über zwei Voice-eigene LFOs sind alle klangformenden Parameter weiterhin beliebig modulierbar. Mit Hilfe der integrierten Record-Funktion können sowohl der Output des Samplers als auch der systemeigene In- und Output aufgenommen werden. Mal eben das Audiosignal eines YouTube-Videos mitzuschneiden wird somit zum Kinderspiel. Über das Plug-in lassen sich auch Audioclips aus dem Sequenzer automatisch slicen und in MIDI-Clips konvertieren, um beispielsweise Drumloops oder rhythmische Patterns neu zu arrangieren. Hierzu genügt ein Klick auf den neuen „Multi-Sampler“ Button im Audio Clip Editor.

Dynamische Sounds dank sechs neuer Modifier

Aufbauend auf den bereits seit Tracktion 7 verfügbaren DAW-internen LFOs zur Modulierung beliebiger Parameter, integriert Waveform 9 nun sechs neu gestaltete Modifier mit noch mehr Funktionalität. Hierzu zählt unter anderem ein üppiger LFO samt neun verschiedener Wellenformen sowie Noise und Random. Weiterhin dabei ist ein Step-basierter Modifier inklusive stufenloser Intensitätsregelung sowie einem Zufallsgenerator für beliebig generierte Abfolgen. Einen Schritt weiter geht der Random-Modifier, bei welchem lediglich grobe Einstellungen für Form, Intensität und Phase gemacht werden können und alles Andere dann dem Zufall überlassen wird.

Wer es gerne etwas kontrollierter mag, kann mit Hilfe des Breakpoint Modifiers eigene Wellenformen generieren. Hierbei können mit bis zu vier verschiedene Punkten – ähnlich einer Automationskurve – detaillierte Verläufe erstellt werden. Über den Envelope Follower lassen sich die Modulationen parallel zur Wellenform des jeweiligen Tracks synchronisieren, was mitunter zu spannenden Ergebnissen führt. Zu guter Letzt können Modulationen auch über die Eingabe von Pitch- und Velocitywerten aus einem einkommenden MIDI-Signal erzeugt werden, falls diese beispielsweise komplett manuell getriggert werden sollen.

Neue Plug-in-Features

Die Verwendung von Makros zur Kombination und Manipulation einzelner oder kombinierter Parameter dürfte besonders Nutzern von Ableton Live oder Bitwig geläufig sein. Nun findet dieses sehr nützliche Feature auch in Waveform Einzug. Die Zuweisung erfolgt über den neuen Makro-Tab innerhalb des Plug-in-Editors und ist sowohl innerhalb eines Effekts oder Instruments als auch für mehrere Effekte innerhalb eines Kanalzuges möglich.

Auch an anderer Stelle bietet Waveform 9 ein beliebtes Feature, welches bereits aus einer anderen DAW bekannt ist. Durch die modulare Racks-Umgebung gehört ein flexibles Effekt-Routing bereits seit Langem zum festen Kern der Software. Mit Racks 2.0 steht nun ab sofort aber das neue Rack Stacks Feature zur Verfügung, mit welchem die digitalen Effekte untereinander in einem virtuellen Rack platziert werden können. Benutzern von Propellerheads Reason dürfte das bekannt vorkommen.

Eine der Schwächen älterer Versionen von Waveform und Tracktion war das Design, welches im Vergleich zu durchgestylten DAWs wie Logic Pro oder Ableton Live immer ein wenig unvorteilhaft daherkam. Mit der Integration des Face Plates Features spielen die Entwickler den Ball nun zurück an die Benutzer, da die Bedienoberflächen der internen Effekt-Plug-ins nun den eigenen Vorstellungen entsprechend gestaltet werden können. Hierbei sind nicht nur die Hintergrundgrafiken austauschbar, sondern auch die Ausführung der Parameter.

Komposition 2.0 mit dem Chord Track

Moderne DAWs bieten heutzutage zahlreiche Hilfsfunktionen, um schnell und intuitiv harmonische Arrangements zu erzeugen. Mit dem Chord Track bietet Waveform nun einen besonders einfachen Weg, um in Echtzeit unterschiedliche tonale Stimmungen und Akkordfolgen in der gesamten Session auszuprobieren. Ähnlich wie bei einem Clicktrack können dabei unterschiedliche Bereiche der Timeline mit einem Akkordmarker versehen werden. Die Software errechnet dann die harmonisch passende Scale und transponiert die betreffenden MIDI-Clips automatisch in die richtige Tonart. Dies macht besonders in Kombination mit dem umfangreichen Pattern Generator Sinn, welcher bereits in Waveform 8 vorgestellt wurde.

Mix and Match mit Track Loops

Der vielseitige Loop- und Sample-Browser stellt in Waveform ein essentielles Feature dar. Besonders hilfreich ist dabei die integrierte Vorschaufunktion, mit welcher die Sounds der eigenen Library temposynchron zur aktuellen Session vorgehört werden können. Mit den neuen Track Loops geht man in Version 9 nun noch einen Schritt weiter, indem ganze Multitrick-Loops zu einem virtuellen File zusammengefasst werden, das sich dann ebenso schnell und einfach durchstöbern lässt wie normale Mono- oder Stereofiles. Sagt einem ein Track Loop zu, kann dieser via Drag & Drop direkt ins Arrangement gezogen werden und steht dann wieder in Form einzelner Spuren zur Verfügung. Natürlich funktioniert das Ganze auch anders herum, indem einzelne Multi-Track Loops aus dem Arranger zu einem Track Loop zusammengefasst und gespeichert werden können.

Abhängig vom eigenen Budget existieren für Waveform 9 mehrere Bundle-Angebote, die die Software um weitere Produkte erweitern. Die Basisausführung schlägt mit 59 US-Dollar für das Update und 109 US-Dollar für einen Neukauf zu Buche. Dafür erhält man neben der eigentlichen DAW ebenfalls den Collective Sampler, das Master Mix Plug-in sowie eine Lizenz für Melodyne Essentials, die normalerweise für 99 Dollar über den virtuellen Ladentisch geht. Im Gesamtpaket Waveform+ mit den Effekten der DAW Essentials Collection sowie einem Drum Loop Pack vom Sample-Lieferanten Imagina werden dann 159 US-Dollar bzw. 109 US-Dollar für das Update fällig. Wer ein weiteres Drum-Loop Pack sowie den BioTek Synth ebenfalls mit dazubekommen möchte, muss im Ultimate Pack schon 259 US-Dollar (189 US-Dollar für das Update) hinlegen.

Eine Besonderheit der Tracktion- bzw. Waveform DAW sind seit jeder die sehr moderaten Systemanforderungen sowie die Unterstützung von Linux Systemen und selbst dem ARM-basierten Raspberry Pi. Mac-User sollten zur Verwendung der Software mindestens MacOS 10.9 sowie einen Intel 2 Core Duo mit 2 GHz und 2 GB RAM installiert haben. Für Windows-Systeme gelten identische Hardwareanforderungen sowie die Notwendigkeit für ein Betriebssystem ab Windows 7. Das Gleiche gilt für die Linux Plattform, wobei hier mindestens Ubuntu 16.04 installiert sein sollte. Auf dem Mini-Computer Raspberry Pi läuft Waveform 9 auf den Hardwareversionen 2 und 3 sowie einem installierten Ubuntu Mate 16.04.

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