Software
Test
10
29.03.2019

Praxis

Übersichtliche Soundauswahl

Die Browser-Sektion ist übersichtlich, genau wie das Auswählen der Sounds. Entweder klickt man auf den Namen des Presets, wodurch alle Presets der gewählten Bank in einem Pop-Up-Menu angezeigt werden, oder man nutzt die Pfeiltasten um zum vorherigen bzw. nächsten Preset der gleichen Bank zu springen. Diese Funktionalität kennt man von Gladiator, einem weiteren Synth aus dem Hause Tone2. Alle Sounds sind in 25 Bänke eingeteilt, von Arp-Sounds über Drums, Keys, Synth-Sounds usw. Auch die Bank wird über einen Klick auf den Banknamen im Pop-Up-Menu ausgewählt. Wer es etwas übersichtlicher möchte, nutzt einfach die Browser-Funktion. Hierüber werden alle Bänke und deren einzelne Presets übersichtlich dargestellt. Zusätzlich wird ein Keyboard eingeblendet, damit man sich die Sounds direkt anhören kann. 

Außerdem werden über dieses Preset-Display auch die Funktionen und Werte aller Drehregler angezeigt. Wenn man sich mit der Maustaste rechts unten im Display aufhält, erscheint die Funktion eines Reglers, links oben wiederum erscheint der momentan eingestellte Wert und alle an ihm vorgenommenen Veränderungen. Zusätzlich wird der jeweilige Wert noch unter dem Regler selbst eingeblendet.

Wie läuft das hier?

Um den Signalweg innerhalb des Plug-ins nachvollziehen zu können, wird dieser durch Pfeile zwischen den einzelnen Modulen gekennzeichnet. Nach den Oszillatoren durchläuft das Signal dann noch mehrere Synthesizer-Module, angefangen mit den beiden Filtern. Es gibt 42 Filtertypen, manche sind nach analogem Vorbild gemodelt worden. Wählt man einen dieser Filtertypen, steuert der Analogdrehregler zwischen den beiden Filtereinheiten die Menge an analogem Touch, der dem Signal hinzugefügt wird. Spannend ist auch das Routing zu den Filtern in der Oszillatorensektion. Der Mix12-Drehregler ermöglicht es, das Signal an beide Filter zu schicken, wenn der Regler genau in der Mitte steht bzw. nur zu Filter 1, wenn der Regler ganz links steht usw. In der Filtersektion selbst kann zusätzlich über den Serial-Drehregler bestimmt werden, ob beide Filter parallel oder in Reihe arbeiten sollen.

Es folgt ein Insert-FX-Modul, das zwar die gleichen 63 Effekte bietet, aber natürlich unabhängig vom Master-FX-Modul arbeitet. Es sei darauf hingewiesen, dass jedes der vier Synth-Module mit anderen Insert-Effekten prozessiert werden kann. 

Im anschließenden Settings-Modul wählt man dann die Polyphonie des Sounds (bis zu 64 Stimmen). Man darf dabei aber nicht vergessen, dass wir uns gerade in nur einem von vier Synth-Modulen befinden, die Einstellungen der anderen drei können demnach völlig unterschiedlich vorgenommen werden. Die Komplexität eines Sounds kann mit Electra komplett auf die Spitze getrieben werden.

Der Arpeggiator ist selbsterklärend, auch hier ist die Möglichkeit zur Änderung der Werte direkt über die Anzeige sehr zeitsparend. Jedes Synth-Layer kann danach über vier Envelopes beeinflusst werden, die im dazugehörigen Display angezeigt werden und so eine grafische Korrespondenz zu den Bewegungen an den Reglern bieten. In der Folge wandert das Signal dann in die Modulationsmatrix, mit deren 10 Slots weitere Routing-Modifikationen vorgenommen werden können. 

Sound

Aber wie klingt ein so durchdachter und aufwendiger Synthesizer? Und was für Sounds kann man mit ihm kreieren?

Wir starten mit einem Sound aus der Trancegate-Bank namens 2x Bright Gate, bei dem nur ein Synth-Layer zum Einsatz kommt. Man hört die beiden verwendeten Oszillatoren, die den verschiedenen Filtern zugewiesen und danach hart links und hart rechts im Stereofeld verteilt wurden. Und man hört die Filter-Distortion, die den Sound griffig macht und ihm Power verleiht.

Als zweites Beispiel gehen wir in die Kategorie SynthModern und werden schnell fündig. Schon das zweite Preset ist die auditive Form eines Hinguckers. Der Detune- und Glide-Effekt, die Distortion und die Präsenz sind spitze. Hier wurden alle Synth-Layer genutzt, was nicht immer heißen muss, dass auch alle Oszillatoren hörbar sind. Manchmal werden damit auch nur andere Klangerzeuger moduliert.  

Auch die Keys-Bank bietet interessante Sounds, hier ist es ein E-Piano aus zwei Synth-Layern und einer ordentlichen Prise-Delay. Wie man hier hören kann, klingen auch die Effekte wirklich gut. Der Sound selbst setzt sich aus drei Oszillatoren zusammen, wovon wieder einer nicht direkt zu hören ist. Übrig bleiben der perkussive Sound und ein Synth-Pad im Hintergrund.

Beispiel 4 könnte auch von Junkie XL stammen, dem Filmkomponisten mit Technovergangenheit. Dieses Preset hat eine unglaubliche Power und entsteht tatsächlich wieder nur in einem Synth-Layer und mit nur einem Oszillator. Die Wellenform aus der Noise-/Fractal-Sektion beruht auf Wissen aus der Chaostheorie. Ich würde sagen, das kann man an diesem Preset deutlich hören. 

Zum Schluss noch zwei Beispiele aus der ArpMultilayer-Bank. Der erste klingt, als käme er direkt von Diplos Sample-Pack. Vier Klangerzeuger reichen, um einen Groove in Electra herzustellen. Das zweite Beispiel könnte auch vom letzten Skrillex-Album stammen. Der Sound ist aggressiv und wobbelt munter vor sich hin. Unglaublich, dass der komplette Groove einem einzigen Preset entstammt, auch wenn hier alle vier Layer und elf der zwölf Oszillatoren zum Einsatz kamen. 

Im folgenden Video zeige ich euch noch, wie leicht es ist, mit Electra Sounds zu layern und somit komplexe Klänge zu erzeugen.

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