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Test
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18.02.2017

Tim Exile SLOW Test

Kostenloser Reverb für NI Reaktor

Experimenteller Hall

Der Erfindergeist Tim Exile, dem wir die Native Instruments Software The Mouth, The Finger und Flesh zu verdanken haben, überrascht dieses Mal in der räumlichen Dimension. Herausgekommen ist dabei SLOW: ein experimenteller Reverb, mit dem das Ausgangsmaterial nahezu eingefroren wird und außergewöhnliche Hall/Delay-Effekte möglich werden. Die Reaktor-Erweiterung ist kostenlos, weshalb wir euch diesen außergewöhnlichen Reverb im Rahmen unseres Freeware-Specials nicht vorenthalten wollen.

Weitere kostenlose Plug-ins und Software-Synths findet ihr in unserem großen Freeware-Special.

Details

Allgemeines

SLOW ist kein eigenständiges Plug-in, sondern eine Effekt-Erweiterung für Native Instruments' Reaktor 6. Wenn ihr die Vollversion nicht haben solltet, keine Sorge. Benötigt wird lediglich der kostenlose Reaktor-Player 6. Dieser läuft unter Windows 7 (oder neuer) als 32- und 64-Bit-Plug-in sowie unter Mac OS ab 10.10 als 64-bit Plug-in.

Reaktor ist kompatibel zu den Plug-in-Formaten VST, AU und AAX, eine Stand-alone-Version ermöglicht den Betrieb auch ohne DAW. Um den Downloadlink zu erhalten, müsst ihr euch zum kostenlosen Newsletter von Tim Exile eintragen. 

SLOW findet ihr hier!

Bedienoberfläche und Konzept

Für gewöhnlich werden Hall-Plug-ins dazu verwendet, authentisch klingende Hallräume zu simulieren, um beispielsweise im Mixdown eines Songs diverse Elemente in der räumlichen Dimension zu platzieren. Auf den ersten Blick lassen die wenigen Parameter zum Teil eher auf ein Delay schließen als auf ein Hall-Plug-in – und selbst dafür fällt die Oberfläche ungewöhnlich aus.

SLOW verfolgt einen anderen Ansatz: Das Ausgangsmaterial wird auf etwa 16 Verzögerungsleitungen verteilt. Dadurch werden extrem lange und diffuse Wiederholungen ermöglicht, die mit nur wenigen Parametern eingestellt werden. Das Tool eignet sich daher für Live-Performances und Musikproduktionen, in denen extrem lange Delays und Hall Fahnen als dramaturgisches Stilmittel dienen. Salopp gesagt: Das Material wird „eingefroren“ und lässt sich nahezu endlos wiedergeben. Wie das funktioniert, seht ihr in folgendem Video.

Mit dem Diffusion-Regler wird das Mischverhältnis zwischen Bandecho (Tape Delay) und Hallfahne justiert. Je weiter der Parameter aufgedreht wird, desto undefinierter wird der Klang des Echos. Dieses wird mit „Leeength“ mehr oder weniger lang wiedergegeben. Das kommt daher, dass SLOW die Abspielgeschwindigkeit des Materials verändert. Als würde man das „Band“ mehr oder weniger festhalten. Durch das Zusammenspiel von Diffusion und Leeength lassen sich je nach Einstellung Delay-ähnliche Pitch-Effekte erzeugen. Ebenso werden auch extrem lange Hall-Wolken möglich.

Am Ende des eigentlichen Effektsignals besitzt SLOW einen Feedback-Regler, der – wie von Delays gewohnt – das Ausgangssignal des Effekts erneut in den Eingang leitet und dadurch eine gewollte Rückkopplungssschleife erzeugt. Je nach Einstellung von Leeength und Feedback entsteht ein durchgehend ertönender Klang, mit dem das Ausgangsmaterial nicht mehr wiederzuerkennen ist. Um den Effekt in den hohen Frequenzen zu entschärfen, verfügt SLOW über einen Damp-Parameter, der je nach Stärke des Delays zu einem wohltuenden Ergebnis führt. Und da Hall- und Delay-Effekte im Grunde immer als Send-Effekt genutzt werden sollten, darf auch bei SLOW ein Mix-Poti nicht fehlen.

Zu den eigentlichen Effekt-Parametern kommt eine weitere Sektion im unteren Bereich der Bedienoberfläche. Hier ermöglicht SLOW den Sample-Import via Drag-and-drop, wodurch sich die Reaktor-Erweiterung auch ohne DAW verwenden lässt - sehr gut. Mit dem Play-Button wird das Sample wiedergegeben und mit Decay die Länge des Samples bestimmt.

Klang

Was aus dem Effekt herauskommt, ist wirklich inspirierend. Aus einem einfachen Drumloop entsteht mit wenigen Handgriffen die Bridge zum nächsten Drop! SLOW überzeugt weniger durch authentisch klingende Hallräume, die bei der Simulation von Nachhall notwendig wären, als durch kreativ-klangverformende Ergebnisse. Der Einsatz des Effekts erweist sich in allen Musikstilen als sinnvoll, deren Arrangement-Abfolge gerne mit extremen Delay- und Hall-Verläufen unterstützt werden, um Dramaturgie zu erzeugen.

Die wenigen Parameter der Bedienoberfläche sind schnell einem Hardware-Controller zugewiesen. Eigentlich nichts Besonderes, doch bei SLOW reichen diese vier Regler aus, um das Material komplett zu verfremden. Daher eignet sich der Effekt auch hervorragend als Tool zur Live-Performance. Was dabei herauskommen kann, hört ihr in den folgenden Klangbeispielen.

Fazit

Tools zur Klangverfremdung gibt es viele, doch nur wenige davon sind einfach zu bedienen. SLOW ist eine dieser Ausnahmen. Mit nur vier Parametern werden Hall- und Delay-Effekte erzeugt, die das Signal im Extremfall so sehr verfremden, dass nur noch ein durchgehender Klang in der Luft stehen bleibt. Durch die einfache, aber effektive Bedienung eignet sich SLOW sehr gut für den Live-Einsatz und verfügt überdies über Sample-Import via Drag-and-drop. Leider gibt es das Tool nicht als eigenständiges Plug-in, sondern ausschließlich als Effekt-Erweiterung für Native Instruments’ Reaktor beziehungsweise den kostenlosen Reaktor-Player. Für ein Kostenlos-Tool ist das aber ganz sicher zu verkraften.

  • Pro
  • einfache Bedienung
  • inspirierende Ergebnisse
  • Klangverfremdung mit wenigen Parametern
  • Sample-Import
  • Contra
  • kein eigenständiges Plug-in
  • Preis
  • kostenlos

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