Gitarre Hersteller_Taylor
Test
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06.06.2020

Praxis

Wer eine 12-saitige Gitarre spielen will, der muss in der Regel auch zupacken können. Zum Glück setzt die 652ce mit optimaler Saitenlage dem Spieler vergleichsweise wenig Widerstand entgegen. Mehr Dynamik könnte die 652ce aber entfalten, wenn man den Abstand zwischen Saite und Bundkrone geringfügig vergrößerte. Ob die Gitarre dann aber noch so leicht bespielbar bleibt, sei dahingestellt.

Der Natursound ist transparent und ausgewogen. Die 652ce bewegt trotz ihrer zierlichen Erscheinung eine ordentliche Luftsäule und macht erstaunlichen Druck. In den Tiefen hält sie sich aber vornehm zurück. Mit ihrem Natursound ist unsere Probandin am besten in einem Ensemble aufgehoben. Wichtiger ist im Bandkontext die Klangentfaltung im mittleren und vor allem im höheren Frequenzbereich, wo sich die Obertöne erheben. Dort glänzt das Soundbild mit einem seidig schwebenden Ton, der sich richtig gut in den Gesamtsound einfügen kann. Mit dem Tonabnehmersound kann sich die 652ce natürlich auch mehr Tiefe verschaffen, wenn ein Akustikcombo bereitsteht.

Pickings mit dem Plektrum kommen gut an.

Im Zusammenspiel mit dem Expression 2 macht die 652ce auch mehr Druck im unteren Bereich.

Rhythmen bringt die 652ce gut, aber doch ziemlich "plakativ" rüber. Unterm Strich könnte alles dynamischer zugehen.

Der Expression 2 liefert einen relativ natürlichen Ton, der fast frei von Artefakten ist und sich deshalb "stand alone" auch im Studio nicht verstecken braucht.

In der Disziplin Fingerpicking kann die Taylor meines Erachtens nicht so wirklich punkten. Das liegt aber nicht am Sound, sondern an den Doppelchören. Es benötigt Übung und Technik, um beide Saiten ausgewogen zum Klingen zu bringen.
Solo kann sie auch, aber filigrane Angelegenheiten (mit Vibrati und Bendings) liegen ihr naturgemäß nicht. Stellt sich noch die Frage, warum eine 12-saitige Gitarre einen Cutaway braucht, wenn sie sich doch eher an den Strummer und Flatpicker wendet.

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