Hersteller_Tascam
Test
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26.07.2012

PRAXIS

Die rechte Gehäuseseite ist meine Lieblingsseite des Tascam iU2. Warum? Ganz einfach: Es ist die einzige, die keine Bedienelemente oder Buchsen hat. Das Ding ist mit Reglern, Buchsen und Schaltern übersät wie ein Dalmatiner mit Punkten. Was soll das eigentlich? Zum Glück ist das iU2 nur ein Quader und hat keine komplexere geometrische Form – doch selbst bei 48 statt sechs Flächen hätten die Tascam-Ingenieure sicher auf fast jeder etwas zu platzieren gewusst. Ernsthaft: Solange man nur wenige Anschlüsse benutzt, mag es ja noch gehen, aber bei Verwendung von USB, einem Input und MIDI oder einem Kopfhörer hat man schnell das Gefühl, eine Fliege aus einem Spinnennetz zu befreien, wenn man das iU2 hochhebt, um an Schalter der Unterseite zu gelangen. Ich wüsste gerne, ob das technische Gründe (Platinenlayout) oder "ergonomische" hat. MIDI mit nach hinten, Kopfhörerbuchse nach vorne, alle Schalter mit auf die Oberseite – das ist meine Paradiesvorstellung für dieses Gerät, auch wenn man dadurch die Apple-like aufgeräumte Hochglanzoberfläche ihrer Reduziertheit berauben würde.

Der "Mon Mix"-Regler ist etwas schwergängig, was bei einem Leichtgewicht wie dem Tascam schnell dafür sorgt, dass das Gehäuse wandert und man die zweite Hand zum Festhalten hinzuziehen muss. Dass zudem die großen Gains nur minimal über die Oberfläche lugen, mag zwar die Designliebhaber freuen, doch kann man nicht mit zwei Fingern um die Kappe herumgreifen. Zum einfingrigen Scrollen wie bei DJ-CD-Playern fehlt eine Mulde… es hat schon einen Grund, weshalb sich bei Poti-Kappen gewisse Standards durchgesetzt haben. Hier heißt es wohl eher function follows form.

Ergonomie ist die eine Sache, doch ist das iU2 schließlich kein Gerät, das im täglichen Dauereinsatz sein wird. Insofern kann man die genannten Eigenschaften gut verschmerzen. Was wirklich richtig schlau ist und daher an dieser Stelle noch einmal von mir breitgetreten wird, ist die Tatsache, dass das Tascam mit iOS oder Rechnern betrieben werden kann. Auch wenn die Kompatibilität zu einem zukünftigen Apple-Gerät möglicherweise nicht mehr gegeben ist, ist das kleine Ding nicht sofort Elektroschrott: USB 2.0 wird es voraussichtlich noch eine Weile geben. Vielleicht ist man ja irgenwann auch genervt von Apples Politik und dem Image der Produkte, des Unternehmens und seiner "Jünger" – kann ja alles sein.

Die klangliche Schwachstelle ist bei derartigen Geräten üblicherweise der Mikrofonvorverstärker – wirklich gute, energiesparende Preamps zu bauen, die wenig kosten, das ist eben so gut wie unmöglich. Und so merkt man auch dem Tascam iU2 seine Klasse an: In den Höhen wirkt der Sound etwas behäbig und lustlos, er zeigt weniger Sparkle und lässt Löcher erkennen. Das verwundert jedoch einerseits ob des Preises nicht, zudem heißt das noch lange nicht, dass der Preamp unbrauchbar wäre. Im Gegenteil: Qualitativ ist das wesentlich hochwertiger als das, was für deutlich mehr Geld vor zehn Jahren erhältlich war. Außerdem sollte man die Kirche im Dorf und den Dom in Kölle lassen: Die Vergleichsfiles sind mit einem Lavry AD11 entstanden. Für dessen Preis bekommt man ganze zehn iU2. Die Kernaussage könnte ich auch fett drucken: Um mit dynamischen oder mit Kondensator-Mikrofonen ordentliche Aufnahmen zu machen, eignet sich das Tascam absolut. Katastrophen hören sich ganz anders an; hier ist also alles im grünen Bereich.

Mit Line-Signalen bestückt, leistet das schwarze Quadrat ganze Arbeit, auch ausgangsseitig gibt es nichts zu meckern. Wie zu erwarten, macht der S/PDIF-Out keinerlei Zicken – ich habe an keinem Empfangsgerät irgendwelche Probleme feststellen können (das wäre auch äußerst verwunderlich). Ähnlich verhält es sich mit MIDI: Sowohl eingangs- als auch ausgangsseitig ist der iU2 schnell und zuverlässig.

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