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Test
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23.04.2017

Superlux S502 Test

Stereomikrofon in fester ORTF-Anordnung

Stereo für Faule

Das ORTF-Stereomikrofon S502 stammt von Superlux. Superlux? Ja, es gibt Firmen, deren Produkte man zwar als Audio-Schaffender immer wieder antrifft, über die man aber wenig bis gar nichts weiß. Im Gegensatz zu klangvollen Namen wie Neumann oder Telefunken, die man mit berühmten Aufnahmen oder Menschen verbindet, denkt man bei Firmen wie Superlux eher daran, dass ein Bekannter ein Messmikrofon hat, welches für knappe 40 Euro wohl einen guten Job macht und auch als Raummikrofon irgendwie funktionieren kann. Ob es daran liegt, dass man im Hause Superlux kein Geld für Marketing ausgeben möchte oder daran, dass allzu billige Mikrofone einfach kein besonderes Image erzeugen, sei dahingestellt. Interessant wird es allerdings, wenn so ein Hersteller etwas auf den Markt bringt, was es in dieser Form und zu diesem Preis nirgendwo anders gibt. Zum Beispiel ein Mikrofon wie das S502 mit fester ORTF-Kapselanordnung.

So ganz stimmt das mit der Einzigartigkeit natürlich nicht, denn auch die deutsche Firma Schoeps bietet ein ganz ähnliches Mikrofon an. Allerdings kostet dieses mehr als zwanzigmal so viel. Aber was heißt ORTF überhaupt und warum sollte man zwei Mikrofone fest verkoppeln, schließlich sind zwei getrennte Stäbchen doch viel flexibler? Die „Office de Radiodiffusion Télévison Française“ hat den Namen dieser weit verbreiteten Stereomikrofonierungstechnik geprägt, deren Vorteil in einem weitgehend phasenkohärenten Stereobild beider Mikrofone liegt. Der Grund dafür ist eine genaue Anordnung der Nierenkapseln zueinander, welche exakt 17 Zentimeter voneinander entfernt sowie in einem Winkel von 110 Grad ausgerichtet sein müssen. Beim Aufbau eines ORTF-Stereosystems aus Einzelmikrofonen muss man also ein bisschen ausmessen, um das optimale Verhältnis beider Mikrofone zueinander zu erhalten. Und genau da liegt einer der Vorteile eines perfekt voreingestellten Komplettsystems. Das nützt natürlich wenig, wenn die Mikrofone dann nicht gut klingen. Ob sich das Superlux S502 im Test bewährt, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Details

Das S502 wirkt stabil und kommt mit guter Ausstattung

Im kompakten Karton finde ich einen schmucklosen Plastikkoffer, dessen Inneres das Mikrofon selbst verbirgt, ein Y-Kabel mit 5-Pin-XLR auf der Mikrofon-, sowie zwei männlichen Standard-XLR-Buchsen auf der anderen Seite. Mit 60 Zentimetern ist dieses natürlich zu kurz für den Anschluss an den Preamp, hier muss also mit handelsüblichen Strippen verlängert werden. Weiter geht es mit einem gummierten Halter, welcher gleichzeitig als Shockabsorber fungieren soll. Zwei Windschutzaufsätze und eine kurze, mit etlichen Schreibfehlern gespickte, aber durchaus informative Anleitung komplettieren die Ausstattung. Das S502 selbst macht einen gut verarbeiteten Eindruck, das schwarz lackierte Gussgehäuse wiegt knapp 250 Gramm und stellt damit nur geringe Ansprüche an die Tragfähigkeit verwendeter Stative. Auf Low-Cut- oder Pad-Funktionen muss der User verzichten. 

Ungewöhnlich in dieser Preisklasse: Echtkondensatorkapseln

Als „ture condenser“ Mikrofon weist die Bedienungsanleitung unseren Testkandidaten aus. Es sollte natürlich „true“ heißen, was wiederum bedeutet, dass es sich beim S502 um ein sogenanntes Echtkondensator-Mikrofon handelt. Statt permanent polarisierter Membranen, wie sie häufig bei günstigeren Modellen anzutreffen sind, hat man sich bei Superlux also für die technisch aufwendigere Lösung entschieden. Die Richtcharakteristik beider Kapseln beschreibt die für ORTF verwendete Nierenform und auch sonst gleichen sich die technischen Daten beider Mikrofon-Hälften. 135 dB können sie verzerrungsfrei aufnehmen, was für die anvisierten Einsatzziele bei der Distanzmikrofonierung absolut ausreichend ist. Ein Frequenzgang von 40 bis 20000 ist ebenso Standard in der Kleinmembraner-Klasse. 15,8 mV/Pa Empfindlichkeit sind ein guter Wert, 76 d Rauschabstand müssen sich in dieser Mikrofonklasse ebenfalls nicht verstecken. Der im Datenblatt abgedruckte Frequenzverlauf weist die typische Anhebung bei zehn Kilohertz auf, ab etwa 5 Kilohertz beginnt der Graph langsam anzusteigen. 

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