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Test
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30.04.2019

SSL SiX Test

Analoges Mischpult

Das ist Sechs.

Wir schreiben das Jahr 2019: SSL stellt einen Desktopmixer vor. Und die Community dreht durch: Hammer, echte SSL-Features für so wenig Geld! Ein China-Mixer für 1400 EUR – ihr spinnt doch?! So einfach wollen wir es uns aber nicht machen, nur soviel: Auch SSL befindet sich im Wandel und reagiert auf die sich veränderten Ansprüche des Produktionsalltags, wenn auch recht spät. Kompakt, günstig und dennoch hochwertig, das ist es, was die Leute wirklich brauchen!

Die meisten Lösungen – seien es nun Interfaces, Monitorcontroller, Channelstrips oder Kombinationen davon – sind kompromissbehaftet und in den seltensten Fällen ergonomisch, geschweige denn workfloworientiert. Sicherlich, hochwertige kleine Mischpulte gibt es schon lange und auf den ersten Blick sieht das SSL SiX auch nicht viel anders als ein Behringer Xenyx aus. Die Genialität liegt wie bei vielen anderen SSL-Mischpulten jedoch in der Summe der Details. Und am Ende dieses Tests werdet ihr mir beipflichten müssen: So wie SSL kriegt es einfach niemand anders hin.

Details

Sechs Eingänge plus


Das SSL SiX ist ein Sechs-Kanal-Mischpult mit zwei Mono-Eingängen und zwei Stereo-Eingängen. Darüber hinaus bietet es zwei Stereo-Cues, zwei External-Ins, zwei Busse und zwei Monitor-Outs. Inserts gibt es auch, und zwar in der Summe und in den beiden Mono-Channels – alles symmetrisch, versteht sich. Der Cue/External lässt sich ferner auch für Send/Return-Effekte benutzen, zusätzliche Send/Returns gibt es jedoch nicht.

Die beiden Monokanäle verfügen über je einen Preamp mit bis zu 72 dB Gain, einen One-Knob-Kompressor sowie einen Zwei-Band-EQ und alternative Eingänge. Einen dritten Mic-Eingang für Talkback mit 42 dB Gain und Listen-Mic-Kompressor gibt es außerdem, genau wie einen vereinfachten G-Bus-Compressor. Darüberhinaus zeichnet sich das Pult durch umfangreiche Routing- und Monitoring-Optionen aus.

Hochwertige Verarbeitung, funktionales Layout


Das Gehäuse ist dem Nutzer zugeneigt und macht einen soliden, hochwertig verarbeiteten Eindruck. Es wiegt üppige 3,5 kg und misst 12 x 27 x 31 cm (H x B x T). Die Abstände zwischen den Bedienelementen sind gut und das Layout funktional gestaltet. Hinzu kommen viele Pegel-LEDS sowie reichlich Status-LEDs, weil kaum ein Taster ohne optische Bestätigung auskommt. Alles fasst sich gut an, insbesondere die 100 mm langen Fader, die wirklich gut gleiten und praktisch aufgelöst sind.

Preamps inklusive EQ und Kompressor

Die Preamps der beiden Monokanäle sind „SuperAnalouge“-Designs und damit frei von Kondensatoren im Signalweg. Sie sind denen der großen SSL-Konsolen ähnlich, aber nicht identisch. Mikrofone werden per XLR angeschlossen und mit bis zu 72 dB verstärkt, hinzu kommt eine schaltbare TRS-Buchse für Line- und High-Z-Signale, ebenfalls mit üppigsten Gain. Schön auch, dass sich SSL gegen Combobuchsen entschieden hat, sodass Umstecken obsolet wird. Die Phantomspeisung ist individuell zuschaltbar, genau wie das 75Hz-High-Pass-Filter, der EQ und der Kompressor.

Der EQ bietet zwei Bänder, die zwischen Kuhschwanz und Glockenfilter umgeschaltet werden können. Die Shelvings sind smooth und arbeiten ab 3,5 kHz und 60 Hz mit einer Range von ±15 dB. Die Glockenfilter wiederum arbeiten bei 5 kHz und 200 Hz.

Anschließend geht es in den Kompressor, der nur einen Threshold-Regler bietet. Der Attack ist programmabhängig und zwischen 8 ms und 30 ms angesiedelt, die Releasezeit beträgt wiederum rund 300 ms und die Ratio 2:1. Hinzu kommt Auto-Make-Up und eine 3-LED-Ampel für die erzeugte Gain-Reduction. Simpel, aber effektiv für das Tracking.

Nach dem zuschaltbaren EQ und Kompressor folgt der Insertpunkt, dessen Send in alter SSL-Manier permanent aktiv ist und somit als Direct-Out genutzt werden kann. 

Stereo, stereo, stereo 

Jeder Kanal verfügt über einen großen Fader sowie zwei Stereo-Cue-Sends. Diese können im Panorama geregelt werden und dienen zum Erzeugen und Vorhören individueller Kopfhörermischungen. Man kann aber auch externe Send/Return-Effekte einbinden. Ferner kann der Cue 1 mit einen alternativen Input gespeist und in Pegel und Panorama geregelt werden. Die Monokanäle verfügen außerdem über einen eigenen Pan-Regler.

Bis zu zwölf Kanäle lassen also mit SiX summieren: die zwei Monos (2) und die zwei Stereos (4) ergeben sechs Kanäle, hinzu kommen die beiden External-Ins (4) und der Alternative-In des ersten Stereo-Cue (2). Die Sends sind dabei Channel-Pre-Fade und Post-Insert, können aber mit dem Cue-Post auch Post-Fader geschalten werden. 

Schlaue Infrastruktur

Neben den beiden Cue/Sends man auch einen B-Bus benutzen. Dieser wird über die Mute-Taster der Kanalzüge aktiviert. So kann der Sänger beispielsweise seine Live-Inputs hören, während sich der Producer das bereits am Computer bearbeitete, aber latenzbehaftete Signal anhört. Oder man kann zwei Busse parallel bearbeiten. Man muss sich pro Kanal zwar für Main oder B-Bus entscheiden, in der Monitorsektion kann man diese aber auch wieder zusammenführen. Parallelen zu Sigma und Co. sind also durchaus erkennbar (Mix A into Mix B).

Der Kopfhörerausgang folgt per default dem Monitorausgang, kann aber auch dem Cue 1 oder Cue 2 zugeordnet werden sowie individuell mit Talkback besprochen werden. Der Monitorausgang bietet zwei Stereo-Speaker-Ausgänge auf TRS, sowie einen Cut-, Dim- und Mono-Taster. Jeder Funktionsblock ist dabei schön gruppiert und nach kurzer Eingewöhnung im Blindflug bedienbar.

Anschlüsse auf Rück- und Oberseite

Die Anschlüsse mit dem größten Wechselpotenzial finden sich auf der Oberseite. Dinge, die man eher selten umsteckt, auf der versenkten Rückseite. Clever, so spart man sich unter Umständen die Patchbay. 

Die meisten Anschlüsse erklären sich indes auch von selbst und sie aufzuzählen würde nur verwirren. Ich beschränke mich auf den „mystischen“ D-Sub-25 I/O. Dieser ist nicht nur für die beide Mono-Inserts und den Master-Insert zuständig ist, sondern beherbergt auch noch den Alternativ-Input via Cue 1 sowie darüberhinaus nochmal Main-Out und Monitor-Out in Kopie (unbuffered). 

Das mitgelieferte, externe Netzteil wird via XLR angeschlossen. Es versteht sich mit Spannung zwischen 100 und 240 Volt. Der SSL SiX frisst ordentlich Strom und wird somit auch mollig warm. Die Verpackung ist ebenfalls hübsch und SSL-unytpisch stylisch-bunt.

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