Hersteller_SPL
Test
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14.10.2014

Praxis

Die Verkabelung könnte kaum einfacher sein. Ich habe mich für XLR entschieden und bin direkt aus meinem RME UFX in den SPL Phonitor Mini. Zuerst habe ich die Matrix auf OFF belassen, um mir einen Eindruck von dem puren Verstärker zu verschaffen. Als Referenz dienten dabei meine mir gut bekannten HP-Outs des RME UFX sowie die Kopfhörerausgänge des Drawmer MTC 2.1, welcher ebenfalls an mein RME UFX angeschlossen ist.

Hierbei fällt ziemlich schnell auf, dass der SPL nuanciert „wärmer“ klingt bzw. besser andersherum formuliert, Drawmer und RME UFX einfach „zu kalt“ klingen. Weiterhin fällt mir auf, dass gerade bei kritischen S-lauten RME und Drawmer im Vergleich zum SPL deutlich dazu neigen, zu „lispeln“ und damit zusätzlich im Höhenbereich verzeichnen. Und das, obwohl ich das Gefühl habe, dass der SPL Phonitor nach oben hin „offener“ ist, auch weil er weniger komprimiert. Diese Gratwanderung zwischen viel High-End und keinen zu scharfen Höhen meistert der SPL also mit Bravour. Natürlich hat der Phonitor Mini aber auch die meisten Leistungsreserven zu bieten, und deshalb hatte ich dessen Volume-Poti auch nie über 50% aufgedreht. Aber selbst bei 100% ist Grundrauschen faktisch nicht hörbar.

Interessant ist übrigens auch, dass ich diese Unterschiede nicht nur auf meinem AKG Tiesto 267 und Beyerdynamic DT-880 hören konnte, sondern auch auf dem „Billigheimer“ Superlux HD-681, welcher am SPL erst richtig aufblühte! Kurz: Die Transienten sind alle wunderbar vorhanden, hier wird nichts abgeschwächt. Aber auch die Panoramaverteilung war erstklassig, sodass ich einzelne Instrumente besonders gut auf der Stereobühne orten konnte. Allerdings ist es etwas mühselig, immer den Output muten zu müssen, wenn man Kopfhörer umstecken will, um sowohl die Kopfhörer als auch den Phonitor selbst nicht zu beschädigen. 

Nun geht es aber der Matrix an den Kragen, wobei ich hier ein erstes, kleines Defizit zu vermelden habe, denn beim Zuschalten der Matrix verliert man leider etwas an Pegel, was ich zumindest insofern störend finde, als dass man den Einfluss der Matrix so nicht ganz unkompliziert isoliert betrachten kann. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Dämpfung im „Matrix Off“-Channel gewünscht. Jetzt widmen wir uns aber den drei Parametern der Lautsprechersimulation, wobei man hier schon ein wenig die Ohren in die Hand nehmen muss, um die Unterschiede wahrnehmen zu können, denn wirklich „deutlich“ sind diese nicht zu hören – sollen sie aber auch nicht, den es geht hier ja nicht um „Effekthascherei“, sondern um subtile Arbeitserleichterung. 

Den Effekt der Lautsprechersimulation an sich hört man aber dennoch sehr gut heraus und dies gefällt mir auf Anhieb gut! Somit fällt zuallererst die unnatürlich harte Trennung bei extremen Pannings weg („Super-Stereo-Effekt“), aber auch leichte Timing- und Tuning-Abweichungen zwischen L/R fallen nicht mehr so sehr ins Gewicht, sodass sich ein natürlich „durchmischtes“ Gesamtklangergebnis, ähnlich einer Lautsprecheranordnung im Raum, einstellt. Vor allem die Im-Kopf-Lokalisaton wird deutlich verbessert und Stimmen sitzen so nun nicht mehr hinter meinen Augen im Kopf, sondern endlich vor den Augen, wie auf einer richtigen Bühne.

Dabei fällt mir auf, dass gerade der Crossfeed-Parameter einen entscheidenden Anteil an diesem Effekt hat, wobei ich anmerken möchte, dass mir zum reinen Musikhören die Einstellung HIGH am besten gefallen hat, da sie das meiste Übersprechen zwischen links und rechts provoziert und damit am natürlichsten und „weichsten“ klingt. Allerdings ist mir dies zum Mischen und Mastern fast zu viel des Guten, sodass ich mich bei MEDIUM einpendelte, währen LOW hingegen kaum eine Daseinsberechtigung in meinem Test hatte.

Beim Angle-Parameter, welcher Laufzeitunterschiede generiert, fand ich es hingegen schwierig, mich auf einen Wert festzulegen, da dies auch deutlich von der angehörten Musik abhing, sodass ich mich häufig beim Umschalten ertappte, schlussendlich aber die goldene Mitte und damit 30° wählte. Das entspricht auch dem bekannten „gleichseitigen Stereo-Dreieck“ dessen Innenwinkel alle 60° groß sind, wobei SPLs Grad-Angaben quasi den „halben Öffnungswinkel“ des Stereodreiecks je Speaker definieren. Wie dem auch sei, SPL selber empfiehlt hier auch 30° und nur bei Kopfhörern, die bereits schräg ins Ohr strahlen, 40° zu wählen, um zu kompensieren.

Durch die Anwendung der pegelbezogenen und zeitbezogenen Übersprechsimulationen kommt es zu einer Abschwächung des Super-Stereo-Effektes und damit auch zu einer subjektiven Verstärkung der Mitte, weshalb SPL hier noch eine weitere Pegelkorrektur zulässt, um so die „Phantom-Mitte“ äquivalent abzuschwächen, damit sie im Mix wiederum nicht zu leise ausfällt. Die Absenkung um 1,2dB erschien mir dabei allerdings als zu heftig, vor allem, weil man so eventuell zu scharfe „S“-Laute leicht überhört, sodass ich mich wiederum bei -0,6dB einpegelte und diese Funktion auch hin und wieder zum „Gegenchecken“ deaktivierte. Andererseits, zum puren Musikhören und Genießen war die -1,2dB-Einstellung wiederum genau richtig. Dabei ist es aber letztlich auch eine Glaubensfrage, wie man seine Abhörgeräte eingestellt wünscht: Ich mag beispielsweise, tendenziell zu scharfe Kopfhörer und harte Abhören, da ich der Meinung bin, dass alles, was auf diesen „ultralinearen“ Abhören weich und warm klingt, es auch überall sonst tut, was mein erklärtes Ziel ist.

Nachdem ich also eine Weile mit den verschiedenen Settings der Matrix herumgespielt habe und intensiv deren Auswirkungen studiert habe, kam ich zu dem Entschluss, alle Matrix-Kippschalter auf Links-Anschlag zu belassen, sprich Crossfeed auf Medium, Angle auf 30° und Center bei -0,6dB, was sich nebenbei auch gut merken lässt. Insgesamt erreicht man damit weniger Stress beim Abhören und ermüdet folglich weniger, wie es beim „normalen“ Kopfhörerhören nun eben schnell passiert, von daher ist der SPL Phonitor Mini eine äußerst lohnende Investition, vor allem für professionelle Produzenten und Engineers. Besonders ambitionierten Bedroom-Producern, die allein auf Grund ihrer Akustik, Nachbarn und Lebenspartner sich nicht die fetteste Nahfeld-Abhöre ins Schlafzimmer stellen wollen und können, trotzdem aber „amtlich“ mischen möchten, möchte ich dieses kleine Kraftpaket aber besonders empfehlen. 

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