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Test
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21.03.2018

SPL GoldMike Model 9844 Test

Zweikkanaliger Halbleiter-/Röhren-Mikrofonvorverstärker

Der Preamp-Klassiker aus dem renommierten „Made in Germany“-Hause SPL

Der SPL GoldMike gilt als einer der besten Mikrofon-Preamps zum Preis und erfreut sich, obwohl längst eine Version 2 auf dem Markt ist, auch als Version 1 noch immer großer Beliebtheit. Was es mit dem Klassiker auf sich hat, und ob der Vorverstärker zur Studio-Legende taugen könnte? Im bonedo-Test wird das Schätzchen genauer unter das Stethoskop genommen.

Seit mittlerweile über 30 Jahren baut die deutsche Firma SPL hochwertige und technisch raffinierte Audiogeräte für Musik, Film, Multimedia, Hi-Fi und Rundfunk. Mit schlauen Technik-Ideen sorgte der niederrheinische Hersteller bei Geräten wie dem Vitalizer, dem Transient Designer 500er oder dem innovativen De-Esser 500er mit S-Laut-Reduzierung mittels Phasenauslöschung immer wieder für Begeisterung in der Audiobranche.

Anfang der 2000-er Jahre kam das erste Modell eines 2-kanaligen Mikrofonverstärkers names GoldMike auf den Markt. Bis heute ist das Interesse an dem 19-Zoll-Preamp so groß, dass auch nach mehr als 15 Jahren seit Erscheinen jährlich eine beachtliche Zahl produziert wird. Doch was macht den GoldMike so beliebt? Werfen wir einen Blick unter die Haube.

Details

SPLs Goldstück

Der SPL GoldMike I (vollständige Bezeichnung: "SPL GoldMike Model 9844") ist ein 2-kanaliger, dual-powered Mikrofon-Vorverstärker der IC- und Röhrenschaltung in der Verstärkerkette kombiniert. Das goldfarbene Gehäuse belegt 2 Höheneinheiten im 19-Zoll-Rack und ist nicht nur dank seiner inneren Werte ein Goldstück, sondern auch optisch ein echter Hingucker.

Gain-Regler verleiten

Den beiden Kanälen wurde frontseitig jeweils eine komplett eigenständige Bedienung spendiert. Auffällig sind besonders die drei mittigen Elemente. Die großen, schwarzen Gain-Regler mit ihrer Skalierung könnten glatt aus dem alten Filmklassiker Metropolis stammen und verführen zum daran Herumfummeln. Direkt darüber befinden sich zur Findung des optimalen Arbeitspegels zwei heimelig anmutende, warm beleuchtete VU-Meter. Und in der Mitte der Front sitzen die beiden Bauteile, die sich seit vielen Jahren wieder größerer Beliebtheit in den Signalketten vieler Produktionen erfreuen: die Röhren. Aus Sicherheitsgründen stecken die beiden "Sovtek-E 83 CC"-Röhren hinter Gitter und wecken beim Betrachter die Frage, ob man ein Glühen der Röhren ausmachen kann und ob dies dann tatsächlich für die Wärme im Klang verantwortlich sein mag. Wo man früher mit Erscheinen der ersten rauscharmen Halbleiter-Verstärkerschaltungen noch froh war, die stark rauschenden Röhrenverstärker endlich los gewesen zu sein, sucht man seit vielen Jahren wieder diesen legendären, warmen Sound von früher, um ihn in der cleanen, digitalen Welt einzuhauchen. Dass Röhrenwärme nicht nur Aberglaube ist, sondern deutlich hörbare Unterschiede liefert, wird später noch mit ein paar Beispielen hörbar.

Doch zunächst weiter zur Technik: Die aufsehenerregende Dreifaltigkeit aus Gainregler, VU-Meter und Röhre wird mit vier Preamp-typischen Bedienelementen vervollständigt. Von links nach rechts gibt es pro Kanal einzeln schaltbar ganz links beginnend die Phantomspeisung. Danach folgen ein Phasenumkehrer, ein Pad-Schalter für die Vordämpfung, ein Low-Cut und als Besonderheit der einzigartige Flair-Schalter, den es nur bei SPL gibt. Dies ist eine SPL-eigene Entwicklung, die es so an keinen Preamps anderer Hersteller gibt. Hier haben die Entwickler mit Hilfe umfangreicher Hörvergleiche experimentell eine Klangoptimierungsfunktion entwickelt. Sie soll der Verbesserung der Präsenz und des Durchsetzungsvermögens von Stimmen und akustischen Instrumenten dienen. Dahinter steckt ein Röhren-Spulen-Kondensator-Netzwerk, das mit einem Bandpass rund um 6 Kilohertz beschreibbar ist. Der Höhenanteil, der durch diese Schaltung manipuliert wird, wird in der Röhre wieder dem Originalsignal zugemischt. Da auch die zeitliche Komponente etwas versetzt wird, kann man diesen Höhenanteil ein wenig deutlicher wahrnehmen und es entsteht der Eindruck eines Dynamik-toleranten Höhen-EQs.

Warm up

Beim roten Powerschalter fällt links daneben eine kleine LED auf, die mit "Warm up" beschriftet ist. Hier wird die Anoden-und Heizspannung der Röhre gemessen und schaltet bei Erreichen des Arbeitspunkts das Signal frei. Das Aufheizen dauert insgesamt acht Sekunden. So lange die Warm-up-LED rot aufleuchtet, ist kein Ausgangssignal verfügbar. Nach den acht Sekunden erlischt die LED und der Preamp ist bereit.

Die Geräterückseite ist weniger aufregend. Unterhalb des obligatorischen Stromanschlusses befindet sich ein Groundlift-Schalter. Hat man sich durch ungeschickte Verkabelung oder minderwertiges Material eine Brummschleife eingebrockt, kann man hierüber versuchen, den Teufelskreis zu durchbrechen indem die Masse der angeschlossenen Audiokabel getrennt wird. Außer den beiden XLR-Eingängen gibt es pro Kanal einen symmetrischen XLR-Ausgang und einen unsymmetrischen Klinken-Ausgang.

Stromversorgung und Verstärker erster Klasse

Mit viel Know-how und Liebe fürs Gerät wurde das Innenleben des SPL GoldMike konzipiert. Die beiden Mono-Vorverstärkerblöcke wurden mit einer zentralen Sternpunkt-Masseführung um die Stromversorgung aufgebaut. Die Vorteile dieses Aufbaus liegen laut Hersteller in einer extrem hohen Kanaltrennung beziehungsweise einem sehr geringen Übersprechen. Die Vorteile eines geringen Crosstalks zwischen den beiden Kanälen bestehen zum einen darin, dass man zwei komplett voneinander verschiedene Signale vorverstärken kann, ohne dass sich diese gegenseitig in die Quere kommen, und zum anderen, dass eine sehr hohe Räumlichkeit und Tiefe bei einer Stereomikrofonierung erzielbar ist.

Neben der Sternpunkt-Masseführung ist auch die einzigartige Kombination aus Halbleiter- und Röhrenverstärker maßgeblich für den guten Klang des GoldMike verantwortlich. Als erste Verstärkung setzte man seitens SPL auf die rauscharme Halbleiterverstärker und packte danach eine fixe 6dB-Röhrenverstärkung oben drauf. Unabhängig vom eingestellten Gain wird also bei jedweder Vorverstärkung die gleiche Röhrenverstärkung hinzuaddiert, sodass man bei egal welchen Lautstärken immer in den Genuss des gleichen Röhrensoundanteils kommt. Mit dem Gold-Mike-Vorverstärker sind übrigens beachtliche 72 Dezibel Gain möglich, also ein Wert, den man mit einer reinen Röhrenschaltung nicht erreichen könnte ohne sich das Rauschen der Niagara-Wasserfälle ins Boot zu holen.

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