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Test
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13.06.2020

Spitfire Zimmer Professionell Test

Kontakt Library

Drei Zimmer mit Aussicht


Spitfire Audio, Sampleschmiede für Filmmusiker, kollaboriert immer wieder mit Charakterköpfen des Genres, darunter auch Hans Zimmer. Natürlich geht es darum, in maßgeschneiderten Libraries den Signature-Sound des jeweiligen Komponisten darzustellen – was in Hans‘ Fall Streicher und Percussion zwingend erforderlich macht.

Es gibt aber auch noch Drums und ein Piano, das Spitfire unter seinem Namen veröffentlicht hat. Drei dieser Libraries – Streicher, Percussion und Klavier – werden nun als Kollektion mit dem Namen „Zimmer Professional“ angeboten. Was diese Collection kann, soll im folgenden Test unter die Lupe genommen werden.

Details & Praxis

Download und Installation

Das Herunterladen erfolgt über die hauseigene Spitfire-App. Da die Libraries teilweise recht groß und Spitfires Server nicht die schnellsten sind – die Streicher liegen z. B. bei über 200 GB – dauert es etwas, bis die insgesamt 594 GB im Kasten sind. Ist der Download aber einmal abgeschlossen, muss man sich nur noch per Native Access registrieren und schon kann es losgehen.

Die Libraries: Hans Zimmer Percussion Professional

Kümmern wir uns zuerst um die Library mit den Instrumenten, die Hans Zimmers Sound maßgeblich prägen: Percussions. Die Library kommt als reguläre Kontakt-Library und man darf natürlich gespannt sein, was sie zu bieten hat. Zuallererst einmal: ein erfreulich großes und übersichtliches GUI – links: drei Mikrosignale und die üblichen Einstellungen für RR, Dynamics und Expression, in der Mitte, groß und prominent: die Instrumente.

Alle Instrumente werden gleichzeitig geladen, unten auf dem Keyboard ist das Mapping farblich dargestellt. Klickt man auf eines der Instrumente, so erscheinen auf der rechten Seite Informationen über seine Artikulationen; etwa welche geladen und auf welchen Tasten sie gemappt sind. Die Instrumente selber reichen dabei von den üblichen Verdächtigen (Bass Drum, Gong, Snare, Tamtam) zu unüblicheren Vertretern ihrer Art (z. B. Paper Djuns, Bombos, Surdos, Boobams). Ich habe nicht von allem eine genaue Ahnung, um was es sich im Einzelnen dreht, aber ich kann euch versichern: Es knallt alles ganz gut!

Wichtig an dieser Stelle ist auch zu erwähnen: Es handelt sich um „echte“ Percussions. Sie sind nicht zu Tode prozessiert, wie man es in sogenannten „Cinematic Percussion“ Libraries so oft findet. Wenn ihr hier einen Low Boom abfeuert, fällt nebenan nicht notwendigerweise der Wandschrank um. Aber klingen tut alles fantastisch. Nur eben lebensnah und erdig, statt auf Hochglanz poliert. Bleibt zu erwähnen, dass es auch Artist-Elements-Presets von Alan Meyerson, Geoff Foster, Junkie XL und natürlich Hans Zimmer selber gibt. Dabei handelt es sich um individuelle Abmischungen der gebotenen Instrumente, nicht um neues Material.

Die Pauken (Timpani) kommen als eigenes Patch mit sechs Artikulationen. Für sie gilt ebenfalls alles bisher Gesagte.

Hans Zimmer Piano

Das Klavier wird ebenfalls als Kontakt-Library geliefert. Es handelt sich um einen gesampleten Steinway D, den größten aller Steinways. Und abgesehen davon, dass das GUI wie so oft bei Spitfire viel zu klein geraten ist, bleibt der Inhalt angenehm übersichtlich. Es gibt vier reguläre Piano Presets, die sich durch ihre Mikrofonierung unterscheiden: full & bright, low & weighted, warm & rounded und supersoft. Außerdem wären da noch die Presets Various FX und Percussive FX.

Darüber hinaus kommen noch etliche Presets für verschiedene Mikropositionen hinzu, denn der Flügel wurde mit insgesamt 16 Mikrofonen aufgenommen. Anders als bei neueren Spitfire-Libraries werden aber nur vier statt der sechzehn Signale innerhalb des Players zur Verfügung gestellt. Man kann also nicht mal so eben alles mit allem mischen. Muss man aber auch nicht. Wenn man sich für einen klanglichen Grundcharakter entschieden hat, lässt sich der Rest locker mit den vier Signalen im Player hindrehen.

Abgesehen davon lässt sich noch am RR-Verhalten sowie an Expression und Dynamics rumspielen. Das war es dann aber auch. Das Schöne ist: Mehr braucht es auch gar nicht, denn dieser Flügel klingt so verdammt gut, dass man in der Regel nur ein Preset laden und gar nichts drehen muss. Der Klang ist spektakulär, sowohl was die Mischung als auch die klangliche Tiefe angeht. Hiermit kann man von Pop bis Klassik alles realisieren und bekommt noch ein paar schöne FX obendrauf. Wenn es um reguläre Klaviere geht, ist diese Library ganz klar meine Nummer eins.

Eine Klasse für sich: die Hans Zimmer Strings

Im Gegensatz zu den beiden anderen Kandidaten sind die Streicher keine Library, sondern ein eigenständiges Instrument. Das bedeutet in erster Linie: ein riesiges GUI und eine extrem gut sortierte grafische Oberfläche. Passend dazu ist das Instrument funktional nicht überladen, es bleibt ziemlich aufs Wesentliche begrenzt. Alle Besonderheiten sind inhaltlicher Natur. Zum einen wäre da das Konzept der Masse. Bis zu 60 Violinen und Celli wurden gleichzeitig aufgenommen, außerdem bis zu 20 Violas und 24 Bässe. Das sorgt für einen massigen Klang, der so nirgendwo anders zu haben ist. Groß, weich und mächtig klingt alles, was aus den Boxen kommt. Für mich stellt sich hier zum ersten Mal sofort das Hans-Zimmer-Gefühl ein – dieser Klang kommt mir bekannt vor.

Die zweite Besonderheit ist die Anzahl der Mikrofonsignale: Bis zu 26 Signale stehen pro Instrument zur Verfügung. Das ist für die meisten von uns mehr, als sie jemals zur Soundgestaltung brauchen werden, ich jedenfalls habe keine Verwendung für 26 Signale. Aber gut – so kann man sich definitiv Sounds für alle Gelegenheiten basteln.

Zu guter Letzt verdienen noch die Artikulationen Erwähnung. Vieles ist Standard, aber es sind auch ein paar schöne Sachen dabei, die man sonst eher selten findet, zum Beispiel super sul Ponticello, Flautando, Waves und insbesondere das Col Legno Tratto. Beim Col Legno Tratto wird mit der hölzernen Seite des Bogens über die Saite gestrichen, eine Technik, die einen extrem leisen Klang zwischen Ton und Geräusch produziert. So etwas von 60 Violinen spielen zu lassen, ist natürlich interessant.

Ansonsten bietet das Instrument alle Standards, die man kennt: Regler für Tune, Pan, Dynamics und Expression, außerdem Einstellungsmöglichkeiten für Reverb, Tightness, Vibrato und Release. Die Hans Zimmer Strings sind eine mächtige Waffe für den großen, satten, warmen Streicherklang und ein Instrument, das aufgrund seines Konzepts konkurrenzlos dasteht.

Fazit

Spitfires „Zimmer Professional“ ist ein schmales, aber extrem hochwertiges Bundle. Percussion und Strings kreieren eine eigene Welt und sind nicht übermäßig wandelbar, aber deshalb heißt es ja auch „Zimmer Collection“. Das Klavier bildet eine Ausnahme, im Sinne eines sehr gut abgebildeten Flügels für jede Gelegenheit. Um dem Zimmer-Sound näherzukommen, insbesondere was die Streicher angeht, ist dieses Bundle ein maßgeschneidertes Angebot. Von billig kann zwar keine Rede sein, von preiswert im Sinne des Wortes jedoch durchaus. Und wer ganz sicher ist, dass er/sie dauerhaft kein Interesse an der kompletten Collection haben wird, kann sich das gewünschte VST ebenso gut einzeln anschaffen.

  • PRO
  • hochwertige Samples
  • exzellenter Klang
  • funktional-schlanke Libraries
  • teilweise einzigartiger Content
  • CONTRA
  • kein Contra
  • FEATURES
  • 547479 Samples; 594 GB Content
  • Streicher
  • Percussions
  • Klavier
  • ungewöhnliche Percussions
  • einzigartig große Streicherbesetzung
  • hervorragend gesampleter Steinway-D-Flügel
  • teils ungewöhnliche Artikulationen
  • teils interessante FX-Patches
  • simple GUIs
  • Systemanforderungen Mac: OS X 10.10, 10.11, 10.12, 10.13 (letztes Update) , Minimum: 2.8 GHz i5 (dual core), 8 GB RAM, 184 GB freier Festplattenspeicher (7200 rpm) , Empfohlen: 2.5 GHz i7 (quad-core), 16GB RAM, 184 GB freier SSD Speicher
  • PC: Windows 7, Windows 8, oder Windows 10 (letztes Service Pack, 32/64-bit), Minimum: 2.8 GHz i5 (dual core), 8 GB RAM, 184 GB freier Festplattenspeicher (7200 rpm), Empfohlen: 2.5 GHz i7 (quad-core), 16 GB RAM, 184 GB freier SSD Speicher
  • Preise
  • Collection: 1399,- Euro
  • Preis HZ Piano Library: 399,- Euro
  • Preis HZ Percussion Professional Library: 599,- Euro
  • Preis HZ Strings Professional: 799,- Euro

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