Test
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21.07.2018

Praxis

Wegen gleicher Kapsel wie das Sontronics Solo? Nein, besser!

Das Sontronics Corona verwendet die gleiche Kapsel wie das Sontronics Solo – diese Information hat mich nur mäßig begeistert, denn vom Solo war ich nicht sehr begeistert. Besonders die Höhen wirkten auf mich etwas gekünstelt. Umso überraschender ist es, dass ich das beim Corona nicht in diesem Maße feststellen kann. Ein möglicher Grund für den positiven Unterschied ist sicher, dass die Kapselkonstruktion im Sontronics Corona in einem gänzlich anderen Gehäuse zum Einsatz kommt. Und das ist nicht nur die Bauweise des Grills, sondern tatsächlich die Form des gesamten Mikros. Sicher tragen die sehr gleichmäßig geformten Schlitze kurz vor der Kapsel nicht nur zum Retro-Look bei, sondern erzeugen auch Resonanzen, die durchaus etwas zum Klangcharakter erzeugen. Wer im Vergleich mit den satter, voller und „kompletter“ klingenden Mikrofonen, wie dem M88 aus den Soundbeispielen, ein wirklich extrem „vintage“ klingendes Mikrofon nutzt, der wird mir beipflichten: Das Corona klingt modern.

Im absoluten Nahbereich zeigt sich, dass das Mikrofon auch dort sehr klar und fokussiert klingt – zum Schwimmen neigt es nie. Äußerst nahe Besprechung, wie sie schon beim Philipp-Reiss-Kohlewandler nicht unüblich war, um einen halbwegs vertretbaren Störspannungsabstand zumindest im ersten Glied der Kette zu erzeugen, ist damit also absolut gut möglich. Schaltet man, falls die Option vorhanden ist, die Impedanz am Preamp, ergeben sich zwar leichte Klangänderungen in den Höhen, doch halten sich diese stärker in Grenzen, als man nach Durchsicht der technischen Daten des Corona vielleicht vermuten könnte. Und generell zeigt sich das Mikrofon recht unprätentiös im Umgang mit verschiedenen Preamp-Designs. Auch der einfache Pult-Preamp ist kein No-Go.

Barbershop? Ja, aber mit Abstrichen

Ich sehe zwar vor dem inneren Auge Barbershop-Vocals oder stylische Backgroundsänger- oder -sängerinnen vor dem Sontronics Corona, da kann allerdings die Richtcharakteristik querschießen, denn schon bei geringem Verlassen des eher kleinen Sweet Spots nehmen die Höhen ab und die Nonlinearitäten zu. Die Supernierenkapsel verhält sich natürlich nicht so mustergültig wie beispielsweise eine Schoeps MK41, sondern zeigt durchaus ihre Eigenheiten bei Besprechung abseits der Achse. Das geschieht in einem Maße, welches man als Vokalist schön unter Kontrolle halten kann und welches man sogar bewusst einsetzen kann: „Weniger frontal, mehr vintage!“ Trotzdem bleibt das Mikro immer schön detailliert.

Off Axis Rejection

Wer das Corona live einzusetzen gedenkt, sollte die „Shure Beta“-Monitoranordnung aus zwei Wedges verwenden, wenngleich die maximale Rejection bei diesem Retromikrofon nicht so hoch ist, wie man es sich wünschen könnte. Allerdings ist es nur wenig anfälliger für Feedback als beispielsweise ein Sennheiser MD441. Fein: Die Trittschall- und interessanterweise sogar Poppanfälligkeit des Sontronics Corona ist verhältnismäßig gering. Kleiner Nebengewinn beim Liveeinsatz: Dem Mikrofon kann man nicht die rückwärtigen Schalleinlässe zuhalten, wie es bei SM58 und Co. möglich ist, was dann zu extremer Sound- und Polar-Pattern-Veränderung führt und die Feedback-Anfälligkeit enorm erhöht. 

Corona nur für Vocals? Nö.

Zwar ist das Halo das ausgewiesene Cabinet-Mikro von Sontronics, das Corona macht dort aber auch einen tadellosen Job, scheint dabei aber etwas braver zu agieren. Eher schrengelige Stahlsaitengitarren, Holz- und Blechbläser funktionierten im Test genauso wie sogar ein altes Klavier, welches ich für ein Recording mikrofoniert hatte.

Preislich in Ordnung

So richtig preiswert ist das Sontronics Corona nicht – wenn man übliche Preise für Studiomikrofone heranzieht, die für Gesangsaufnahmen verwendet werden. Das Sontronics Solo, immerhin mit der gleichen Kapsel, kostet etwas mehr als ein Drittel des Corona. Mit unter 300 Euro liegt der Preis für das Corona in einem Bereich, in dem auch andere dynamische Mikrofone erreichbar sind. Diese haben dann höhere Allrounderqualitäten und lassen sich beispielsweise auch an verschiedenen Schlaginstrumenten gut positionieren. Ich denke an das Beyerdynamic M88, auch das Sennheiser MD-421 oder natürlich das Shure SM7B, diese sind nicht um ganze Größenordnungen teurer. Wer allerdings wirklich den Retro-Look sucht, ist mit dem Corona gut beraten und muss auch nicht das Gefühl haben, zu viel Geld auf den Tisch legen zu müssen. 

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