Test
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17.09.2013

Praxis

Dass Sonibles erstes Produkt durchdacht ist, fällt nicht erst beim Handling auf, doch da besonders: Es ist ein Segen, alle Anschlüsse auf einer Seite zu finden und alle Schaltfunktionen auf der benachbarten. Keine Kabel müssen um's Eck verlegt werden oder verdecken Schaltfunktionen oder deren Beschriftungen. Da fällt aber mit “Beschriftungen” gerade ein Stichwort, welches ich mir als kleines Haar aus der sonst sehr gelungenen Suppe fischen will. Doch zunächst: Das Design des Geräts ist hervorragend, und diese Aussage erstreckt sich explizit auch auf die Schrift – dies sieht schön und edel aus. Allerdings gibt es etwas zu kritteln: Die Schrift ist recht klein und unter bestimmten Voraussetzungen nicht so gut lesbar, wie es wünschenswert wäre. Bedenkt man, dass sicher viele ml:1 so versteckt installiert werden, dass der Techniker seine LED-Torch bemühen muss, um Kabel zu stecken oder Schalter zu schalten, würde man sich wünschen, dass die Beschriftung groß und deutlich und nicht ausschließlich auf der Oberseite zu finden ist. Blickt man direkt auf die Schalter, erkennt man – nichts. Weder Funktion noch aktueller Schaltzustand sind auszumachen. Zusätzliche Bedruckung kostet zwar, in Anbetracht der sonst nicht kleinlichen Ausgaben für gutes Material wäre das aber wahrscheinlich im Budget für den ml:1 drin gewesen. Zur Not helfen Gaffa und Edding oder ein kleiner Labeldrucker, außerdem gilt das für sehr viele Geräte auf dem Markt… Zudem ist übrigens die Kombination von grüner Schrift und grauem Grund undankbar für diejenigen, die eine schwache Farbwahrnehmung haben – das sind bei Rot/Grün und Grün/Grau nicht wenige! Dass keine LEDs verbaut sind, ist hinsichtlich der geringen optischen Auffälligkeit aber ok, die beiden winzigen Unebenheiten im Pulverlack wird ein Techniker wahrscheinlich ebenfalls ignorieren, schließlich handelt es sich beim Missing Link nicht um eine edle Gitarre.

Ein Testton-Generator alleine ist sicher keine hohe Ingenieursleistung, doch zeigt sich hier, dass man bei Sonible offenbar über einige Erfahrungen verfügt oder zumindest viele Notwendigkeiten aus der Praxis gut recherchiert hat: Das Setup testen, wenn noch kein Laptop angeschlossen ist, weil der Musiker oder auch der Redner noch nicht da sind? Kein Problem mit dem Testton! Wenn der Pegel von -22 dBu bekannt ist, kann sogar schon ordentlich eingepegelt werden. Und selbstverständlich ist es bei der Fehlereingrenzung wundervoll, Geräte in der Kette zu haben, ab welchen dank eines eignenen Signals die Funktion der anschließenden Signalkette überprüft werden kann. Ganz ehrlich: Eigentlich sollte das Pflicht bei allen Geräten sein!

Der Schalter für die Aktivierung des Generators arretiert nicht, das ist zunächst auch sinnvoll. Wenn man allerdings alleine ein System einrichten und überprüfen will, wünscht man sich aber doch zumindest die Option der Feststellung, denn wenn man 20 Meter vom ml:1 am Mischpult steht, müsste man über Inspektor-Gadget-Arme oder telekinetische Fähigkeiten verfügen. Meiner Erfahrung nach sind aber nur äußerst wenige Menschen mit diesen Eigenschaften gesegnet… Der Testton-Generator sorgt zunächst für eine kleine Verwunderung, denn es dauert eine knappe Sekunde, bis nach der Aktivierung auch tatsächlich etwas zu hören ist. Dies und die Tatsache, dass ich stellenweise einen Drift in Tonhöhe und Pegel feststellen konnte, ist sicher dem Umstand geschuldet, dass der ml:1 mit nur geringem Stromverbrauch auskommen und insgesamt bezahlbar sein soll. Unter diesen Umständen ist das ein Kompromiss, mit dem man sich arrangieren kann – mit dem Generator wird man ja sicher nicht Musik machen, messen oder ein Instrument nach ihm stimmen wollen. Schlau ist die Art des Signals, denn hier wird ein großes Spektrum abgedeckt, mit dem auch die Signalqualität eingeschätzt werden kann: Ein Ungleichgewicht im Spektrum durch versehentlich aktivierte Filter oder einen Verbindungsfehler, aber auch Verzerrungen kann man in diesem Signal besser erkennen als nur mit einem 1000Hz-Sinus oder einem Rauschsignal. Ein Blick in die Frequenzanalyse verrät, dass Sinus-Signale mit der Frequenz von 125, 250, 500, 1000 und 2000 Hz ausgegeben werden. Aller Vorraussicht nach wurde hier ein üblicher 1kHz-Generator mit Multipliern (/8, /4, /2, *1, *2) verbaut.

Klanglich gibt sich der ml:1 verhalten, und das ist es sicher auch, was von der kleinen Graubox verlangt wird. Hinsichtlich der Auflösung und Feinheit des Signals musste ich schon den edlen Lavry DA11 als Gegenspieler auftreten lassen, um besser wiedergegebene Transienten und eine klarere Räumlichkeit zu erhalten – dem MotU 896 mkIII war der Sonible ebenbürtig, eher sogar überlegen. Es ist über den D/A-Converter nicht möglich, die Symmetrieschaltung dermaßen zu überfahren, dass sich Verzerrungen bemerkbar machten. Es scheinen ausreichend dimensionierte und hochwertige Übertrager verbaut worden zu sein. Auch im Stand-Alone-Modus, also über die analogen Eingänge genutzt, zeigt sich ein vegleichbares Bild. Sollte es doch zu wild werden, bietet sich die Vordämpfung an, die schließlich mit heftigen 18 dB zupackt und somit auch den übermächtigsten Monsterpegel zu zähmen weiß.

An allen Systemen verläuft die “Installation” problemlos: USB-Kabel verbinden, Ausgang wählen, fertig. Eine zusätzlich Regelung des Ausgangspegels würde die Funktion des ml:1 nur verwässeren, außerdem wäre sie eine weitere Quelle für klangliche Verschlechterungen, versehentliche Fehlbedienungen und zukünftige Defekte. Also alles gut. Ein Vorteil, der auf Anhieb vielleicht gar nicht gesehen wird, ist, dass der Stromverbrauch des Sonible-Geräts mit 40 mA angenehm gering ist – das ist ein Bruchteil von dem, was die meisten externen Festplatten benötigen. Dadurch ist es nicht nur möglich, dass der Laptop eines Musikers oder Präsentators einen Gig oder einen Vortrag auch ohne Netzanschluss überlebt, verringert aber auch Probleme an USB-Anschlüssen durch nicht ausreichende Spannungsversorgung.

Natürlich wird es den einen oder anderen Interessenten geben, der sich beim ml:1 dann doch noch einen Kopfhörer-Verstärker wünschen würde. Doch seien wir mal ehrlich: Der Reiz und der Vorteil der Sonible-Box liegt gerade in der Simplizität. Wer unbedingt weitere Ausstattungen benötigt, muss eben in einer anderen Produktgattung suchen oder aber per Aggregated Device mehrere Audiogeräte gemeinsam verwenden (wenn das möglich ist). Für Verleiher, Festinstallationen, aber auch Laptopmusiker und Präsentatoren ist der Sonible ml:1 aber eine hervorragende Wahl, bei der die positiven Eigenschaften ganz klar den wenigen, wirklich nachrangigen Punkten überwiegen, über die man kritisch nachdenken kann.

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