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15.03.2019

So sollte man einen Verzerrer niemals einsetzen

Optimaler Sound mit Distortion und Overdrive

Tipps für den richtigen Verzerrer-Einsatz

Wir Gitarristen sind Jäger und Sammler, insbesondere, wenn es um die kleinen bunten Verzerrerpedale vor unseren Füßen geht. Dazu kommt die Tatsache, dass man schon mit einer kleinen Investition seinen kompletten Sound sehr leicht umstellen und variieren kann - ein Segen. Dass viele Spieler trotzdem mit ihrer neusten Investition nicht vorbehaltlos zufrieden sind, muss nicht unbedingt immer mit dem Pedal selbst zusammenhängen, sondern kann auch schlichtweg mit einer, sagen wir einmal, "suboptimalen" Verwendung zu tun haben.

Denn egal, ob Overdrive oder Distortion: Alle Verzerrer reagieren vollkommen unterschiedlich und pauschale Aussagen wie "richtig" oder "falsch" treffen in diesem Zusammenhang nicht den Kern. Dennoch lassen sich ein paar Überlegungen anstellen, wie man Verzerrer problemlos verwenden kann, und wie man sie nicht einsetzen sollte.

Quick Facts:

  • Je nach Verzerrungsgrad des Amps können Distortion- oder Overdrive-Pedale besser oder schlechter klingen.
  • Unterschiedliche Positionen des Verzerrers in der Effektkette führen zu unterschiedlichen Ergebnissen.
  • Manche Pedale vertragen sich nur eingeschränkt mit Amps mit Bright Cap oder aktivem Bright Switch.
  • Je nach Einstellung des Tone-Reglers können sehr harsche Sounds entstehen.
  • In seltenen Fällen sorgen High-Output bzw. aktive Pickups beispielsweise durch Überfahren des Input Buffers für unerwünschten Reaktionen des Pedals.
  • Zu viel Gain kann vor allem bei Distortionpedalen den Sound undifferenziert machen und für Nebengeräusche sorgen.

1. Zerrgrad des Amps beachten

Das Setting des Verzerrers und der daraus resultierende Klang ist immer sehr stark vom voreingestellten Zerrgrad des Amps abhängig. Dieser kann entweder vollkommen clean sein, wie man es häufig bei Transistoramps oder bestimmten Fendermodellen einstellt, oder aber schon leicht im Break-Up liegen, was man gerne bei z.B. britischen Amps oder auch Fender Bassmans hört.

Häufig liest man, dass Hard Clipping Distortion-Pedale der neueren Generation mit cleanen Amps besser harmonieren als mit angezerrten. Wer unzufrieden mit seinem Sound ist, kann hier definitiv ansetzen und seinen Verstärker weitestgehend unverzerrt halten. Allerdings wurden Distortionpedale der frühen Generation wie der Boss DS-1, der MXR Distortion oder die ProCo RAT sehr häufig vor leicht zerrenden Verstärkern eingesetzt. Wer auf diesen Sound steht, muss beachten, dass die Nebengeräusche bei einem solchen Setup merklich angehoben werden.

Bei Overdrive- bzw. Soft-Clipping-Pedalen wird man hingegen sicherlich mit leicht angezerrten Amps die besseren Ergebnisse erzielen. Vor allem Pedale im Stil des Tube Screamers oder des Boss OD-1 lieben es, den Amp durch höhere Level- und niedrigere Gain-Settings am Pedal in andere Crunch-Sphären zu heben.

Feature

Das Boss OD-1 Pedal, ein Overdrive-Pionier

2. Effektkette beachten

Platziert man seine Verzerrer auf dem Pedalboard, so macht es unter Umständen Sinn, die Bodentreter in der Reihenfolge ihres Zerrgrades aufsteigend anzuordnen. Das bedeutet, das Distortionpedal hinter den Overdrive zu setzen, wenn ersteres den Haupt-Rhythmussound generiert, denn so kann man seinen Solosound nach Belieben mit dem vorgeschalteten Pedal im Gain boosten.

Eine grobe Faustregel besagt, dass alle zeitbasierenden Effekte wie Delay und Reverb oder Modulationspedale wie Chorus oder Flanger hinter der Zerrabteilung am besten aufgehoben sind. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Wer auf 70er-Jahre-Sounds steht, darf gerne sein Delay oder Phaser vor dem Distortion platzieren. Der Grund: Damals hatten Amps noch keinen Einschleifweg und die Pedale speisten das Signal in den bereits verzerrten Amp, wie es bei z.B. Van Halens "Ain't talking bout love", '"Unchained" oder auch bei Bands wie den Eagles zu hören ist. Probiert euch hier aus und vertraut eurem Ohr: Erlaubt ist, was gefällt!

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3. Vorsicht mit Bright Cap/Bright Switch

Etwas Vorsicht ist beim Einsatz von Verzerrern in Kombination mit Amps geboten, die entweder ein fest verbautes Bright Cap oder einen Bright Switch besitzen. Hier provozieren sowohl Overdrives als auch Distortions möglicherweise ein unangenehmes hohes Sizzeln, das sich mit dem Tone-Regler am Pedal nur begrenzt herausdrehen lässt. Die Settings am Amp möchte man meist nicht ändern, da diese auch das Cleansignal betreffen würden.

Hier gilt es, auszuprobieren und zu suchen, welcher Verzerrer am Besten mit dem favorisierten Cleansound am Amp harmoniert, oder einen Amp zu suchen, der euch beide Sounds befriedigend bereitstellt.

4. Tone Regler Setting beachten

Erfahrungsgemäß stellt der Tone-Regler an Distortion und Overdrive-Pedalen je nach Einstellung eine große Fehlerquelle dar. Einige Pedale sind bekannt dafür, dass sie gerade bei höheren Treble-Werten sehr unangenehm und giftig werden - man denke nur an den Tubescreamer.

Häufig fährt man zwischen dem Minimal- und dem ca.14-Uhr-Setting sehr gut und sollte sich dort von unten nach oben durcharbeiten, bis man den gewünschten Sound gefunden hat.

5. Vorsicht bei den Pickups

Einige wenige Verzerrer vor allem der frühen Generation können unter Umständen bei Pickups mit zu hohem Output oder bei aktiven Modellen nicht die erwünschten Sound-Resultate erzielen. Man darf nicht vergessen, dass die ersten Distortionpedale aus einer Generation stammen, in der die extrem heißen Tonabnehmermodelle der Metal-Generationen noch Zukunftsmusik waren.

Geht es in den IC, der das Diodenclipping bedient, wird das nicht viel ausmachen, überfährt man jedoch den Input-Buffer, kann das Ergebnis unangenehm ausfallen. Aber bei moderneren Pedalen wird dieses Problem in der Regel nicht auftreten.

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Aufbau, Schaltungen, Pickups einrichten - hier findet ihr alle Basics!

6. Distortionregler nicht zu hoch setzen

Ein Fehler, der häufig vor allem bei Distortion-Pedalen gemacht wird, ist ein zu hoch eingestellter Gain-Regler. Bei manchen Modellen ändert sich jenseits der 15-Uhr-Stellung nämlich nicht mehr viel am Zerrgrad, lediglich die Kompression und die Nebengeräusche gehen drastisch in die Höhe, was zu matschigem und undifferenziertem Sound führen kann. Wer mehr Gain wünscht, fährt deutlich flexibler, wenn er in Kombination mit einem Booster arbeitet und sein Pedal eher auf moderate Gainwerte setzt, denn dann bleibt der Rhythmussound definiert und der Leadsound ist optional schaltbar.

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