Schrottpresse
Feature
9
18.11.2019

So kommt dein Song auf eine Streaming-Playlist

„Digital ist besser“ sang Dirk von Lowtzow schon 1995. Ob er damals auch die Art des Musikhörens im Kopf hatte? Letztes Jahr, knapp 23 Jahre nach von Lowtzows Claim, überholte der Marktanteil der Streams in Deutschland erstmals den der CD. Was früher ein Auftritt bei MTV Unplugged war, ist heute die Platzierung in einer Streaming-Playlist. Aber wie schafft man es als Künstler, die eigenen Songs in den begehrten Playlists unterzubringen? Wir zeigen dir, welche Wege es gibt und haben außerdem noch ein paar Exklusiv-Tipps von Simone Schiborr (Manager Editorial & Label Relations bei Deezer) für euch. 

Wieso der ganze Rummel um die Platzierung in Playlists? Neben den erhöhten Streamingeinnahmen sorgt eine solche Platzierung auch dafür, dass du von einem riesigen Publikum gehört wirst und somit einfach deine Fangemeinde erweitern kannst. Teil dieses Publikums können neben den vielen Musikliebhaber auch Vertreter der Musikbranche sein, die immer ihre Fühler nach dem nächsten vielversprechenden Act ausgestreckt halten. 

Um zu wissen, wie man selbst den meisten Gewinn aus diesen Playlists zieht, muss man erst einmal verstehen, wie sie funktionieren - denn Playlist ist nicht gleich Playlist. Ein großer Teil aller Playlists wird von Algorithmen erstellt und basiert somit auf großen Datenmengen. Andere Playlists werden wiederum kuratiert, also von Menschen ausgewählt. Wiederum andere Playlists sind ein Mix der beiden Varianten: Was vom Algorithmus vorgefiltert wird, wird noch einmal von Menschenhand verfeinert.

Banal aber wichtig: dass deine Fangemeinde deine Songs streamen kann, musst du sie natürlich erst einmal auf den Plattformen teilen. Bei Spotify for Artists und Apple Music for Artists kannst du deine Musik selbst hochladen. Bei Deezers Backstage Programm benötigst du dazu ein Label oder, falls du ohne Label unterwegs bist, lässt dir von einem der von Deezer empfohlenen Drittanbietern helfen. 

Algorithmus

Dein Mix der Woche oder der Release Radar, beides personalisierte Playlists von Spotify, sind zwei der bekanntesten Beispiele für von Algorithmen zusammengestellte Playlists. Wie du es schaffst, deine Songs in solch automatisch entworfene Playlists zu befördern? Möchtest du den Algorithmus überzeugen, stehen für dich deine Follower und deren Interaktionen an erster Stelle - noch vor der Gesamtzahl deiner Streams.

Dein Profil wird für den Algorithmus relevanter, wenn deine Fans dir auf dem Streamingportal Aufmerksamkeit schenken. Also setzt du am Besten alles daran, dass sie das auch tun. Nutze alle Möglichkeiten bei Konzerten, auf Social Media oder über andere Wege, deinen Streamingauftritt zu bewerben. Um mehr Fans zu bekommen, brauchst du die Unterstützung deiner bisherigen Fans. Dein Ziel ist es, dass deine Follower deine Songs nicht nur komplett, ohne Spulen und Skippen, hören, sondern auch, dass sie die Songs speichern, auf eigene Playlists schieben oder sogar über die App hinaus mit anderen Leuten teilen. 

Dabei kann es dir auch helfen, eine eigene Playlist zu erstellen. Auf die packst du idealerweise zwischen ein bis drei Stunden Musik, darunter ein bis zwei Titel von dir. Auch diese Playlist soll fleißig gestreamt und geteilt werden, so dass der Algorithmus auf dich aufmerksam wird. 

Streamingdienste

Streamingdienste lassen ihre Plattform jedoch nicht von den Algorithmen alleine bestimmen. Immer gibt es noch hauseigene Redaktionen, die eine Vielzahl an folllowerstarken Playlists eigens bestücken. Sei es Apple Musics The Plug, Deezers Goldener Morgen oder Spotifys Modus Mio - wessen Musik für eine solche Playlist ausgewählt wurde, der darf sich auf vielversprechende Streamingzahlen freuen. Doch wie wird die Redaktion deiner Lieblingsstreamingdienste auf dich aufmerksam? Simone Schiborr verrät dir, auf was du achten solltest: 

1) Pitchen – Je früher, desto besser 

Täglich kommen bei Deezer ca. 30.000-40.000 Titel neu auf die Plattform. Daher ist eine frühzeitige Ankündigung sowie Auslieferung neuer Releases super wichtig. Mindestens eine Woche vor Veröffentlichung pitchen, gerne auch schon früher, damit wir den Release in der Redaktion rechtzeitig auf dem Schirm haben. 

2) Newsletter der Digitalvertriebe nutzen

Sorge dafür, dass dein Digitalvertrieb deine Veröffentlichung in seinen Newsletter aufnimmt und dass sie dabei auch alle wichtigen Informationen mitliefern wie Artist, Titel, Genre, UPC und Listening Link.

3) Metadaten, Metadaten, Metadaten! 

Wichtig für die Auffindbarkeit der Songs sind vernünftige Metadaten, d.h. passende Genres hinterlegen, korrekte Angaben machen und auf Rechtschreibfehler achten. Denn sonst kann es Probleme bei der Einspeisung geben oder schlimmer, deine Musik wird einem falschen Artist-Profil zugeordnet.

4) Halte dein Profil aktuell

Du kannst in deinem Profil ein Foto von dir und eine Biografie hinterlegen sowie deine Social-Media-Kanäle verknüpfen und eigene Playlists mit passendem Cover anlegen. Achte darauf, dass dein Name auf der Profilseite richtig geschrieben ist und die Releases auf der Seite stimmen. Mache es deinen Fans also leicht, dich zu finden und deine Musik zu hören.

5) Promote deine Musik über Social Media

Baue dir eine Fanbase auf, aktiviere deine Follower, indem du z.B. einen Listening Link zu deinen Songs auf Deezer postest. Fordere deine Fans auf, deinen neusten Song zu hören, zu teilen und zu ihren persönlichen Playlists hinzuzufügen. Gebe ihnen einen Anreiz, warum sie das tun sollen. Erzähle ihnen die Background-Story zur Entstehung deines Albums oder nenne die musikalische Inspiration hinter deinem Song. Fans wollen mehr über dich und deine Musik erfahren. Sie können dich auch als Lieblings-Artist auf Deezer hinzufügen oder dein bevorstehendes Album „pre-saven”. Dann werden sie entweder automatisch informiert, wenn du einen neuen Release hast oder haben dein Album direkt in ihren Favoriten, sobald es draußen ist. Das beeinflusst den Algorithmus positiv für dich.

6) Data rules – Lass dich von Daten inspirieren

Daten können dir bei der Planung deiner Releases helfen. Veröffentliche z.B. einen neuen Song, wenn der alte langsam weniger gestreamt wird. Das Deezer Analyse-Tool “Backstage” zeigt dir dabei welcher deiner Albumsongs viel gestreamt wird und sich u.U. für eine Social-Media-Kampagne lohnen könnte. Aber auch Tools wie Chartmetrics analysieren Millionen von frei zugänglichen Musikdaten und können dir interessante Insights für deine Promo liefern.

7) Playlist-Platzierungen sind nicht käuflich

Ganz wichtig: Kunstschaffende und Labels bezahlen nicht für eine Playlist-Platzierung! Services, die versprechen euren Song gegen Geld auf eine Deezer Editorial Playlist zu bringen sind ein Scam.

8) Veröffentliche großartige Musik

Keine Frage, Promo ist wichtig, damit Musikredakteure und Musikredakteurinnen überhaupt erstmal Wind von deinem Song bekommen. Aber auch eine perfekte Promo kann nicht über einen mittelmäßigen Song hinwegtäuschen. Am wichtigsten ist also, dass das Ausgangsprodukt großartig ist und die Fähigkeit hat, das Publikum zu begeistern.

Unabhängig kuratierte Playlists

Während die Redaktionen der Streaminganbieter trotzdem noch die Big Data im Hinterkopf haben, gibt es auch eine Gruppe, welche völlig nach Bauch und Nase entscheidet: die unabhängigen Kuratoren. Um deinen Song auf eine dieser von Privatpersonen, Labels oder Journalisten gepflegte Playlists zu bekommen, kannst du wiederum zwei Wege wählen. 

Bei Weg Nummer eins ist ein wenig Recherchearbeit nötig. Durchforste die Streamingplattformen nach Playlists, in die dein Song gut passen könnte. Anschließend versuchst du herauszufinden, wer für diese Playlist verantwortlich ist und wie du diese Person kontaktieren kannst. Oftmals ist eine Kontaktmöglichkeit bereits in der Playlistbeschreibung angegeben. 

Option Nummer zwei ist die Verwendung von Online-Diensten wie submithub.com. Dies ist eine Plattform, die Musizierende und Kuratoren zusammenführen möchte und dir dabei hilft, deine Musik an die richtigen Tastemaker zu senden. 

Wie geht es weiter?

Wenn es dein Song einmal auf eine Playlist geschafft hat, hört die Arbeit nicht auf. Denn nur wenn der Song auf der Playlist auch gut performt, bleibt er auch dort. Wenn alle Hörer den Song überspringen, spricht das gegen den Song. Je mehr Interaktionen jedoch geschehen, desto mehr werden sowohl dein Song als auch du als Künstler von der Plattform gepusht. Je öfter dein Song gespeichert, dein Künstlerprofil besucht oder dir gefolgt wird, desto mehr nimmt dich der Algorithmus wahr. Denn dem kannst du nicht ausweichen - egal, welchen Weg du wählst, um auf einer Playlist zu erscheinen.

Sind Musikstreaming-Anbieter überhaupt fair für Künstler? Mach dich hier schlau!

Verwandte Artikel

User Kommentare