Keyboards Hersteller_Snazzy_FX
Test
3
03.07.2018

Praxis

Obwohl sich die Snazzy FX Pedale auf den ersten Blick an Gitarristen richten, sind sie auch für elektronische Musiker hochinteressant. Für den Praxistest habe ich jedes Pedal daher mit verschiedensten Quellen gefüttert: Einem Roland SH-101-Synthesizer, manchmal gespielt, manchmal sequenzed, einer Roland TR-8 Drummachine und schließlich habe ich auch noch meinen alten E-Bass entstaubt und mit meinen mittlerweile recht untrainierten Fingern traktiert.

The Mini-Ark

Der Oktavschalter weist sechs Oktaven auf, drei unter dem Eingangssignal, zwei darüber und eine identische Lage, die aber – je nach Modus - das Eingangssignal sehr schön andickt. Der Intervall-Schalter fügt - wie der Name schon sagt – Intervalle hinzu: Bei Stellung 1 zwei Halbtöne unter dem Eingangssignal, bei Stellung 2 eine Dopplung, Stellung 3 zwei Halbtöne höher, Stellung 4 eine Quinte, Stellung 5 eine Septime, Stellung 6 die erste hohe Oktave, Stellung 7 die nächst höhere Quinte und Stellung 8 schließlich die zweithöhere Oktave. 

Mit dem SH-101 gespielte hohe Töne oder Arpeggios klingen erstaunlich stabil, es fällt auf, dass das Tracking der Originaltonhöhe bei klaren Synth-Klängen richtig flott ist. Beim Spielen ohne dazugemischtes Originalsignal nervt kein merklicher Versatz. So ein hoher Sägezahn kommt zwei Oktaven tiefer schon als solider Basston an. Die transponierten Signale sind leiser, bei vollaufgedrehten Oktav-und-Intervallvolumen ist das Dry-Signal bereits bei 50% Volumen gleich laut.

Beim Spiel mit Gitarre und Bass hat der Mini-Ark jedoch deutlich mehr Probleme, die Tonhöhe zu tracken, da ist klar ein Versatz spürbar. Her klingt der Effekt am Besten, wenn er dem Originalsignal beigemischt wird. Mit dem E-Bass gespielt klingt der Mini-Ark deutlich weniger schön, eher wie eine Fuzzbox. Als Effekt ganz brauchbar, aber der Aha-Effekt stellte sich nicht bei mir ein. Richtig Spaß hatte ich dagegen beim Einsatz der Drummachine. Eine simple brave Loop lässt sich mit wenigen Handgriffen in ein böses Klangmonster verwandeln. Ob wild improvisiert bei einer Live-Jamsession oder analytisch provoziert mit einem DAW-Signal: So schön schräg harmonisch schraubt es sich nur mit zwei gesunden Händen und potenter Hardware. 

No Talking Video zu Snazzy FX The Mini-Ark

Im Video zeigt das Snazzy FX The Mini-Ark, wie vielseitig ein Oktavpedal für Synthesizersoli und Sequenzen genutzt werden kann. (Video: Mijk van Dijk)

Audiobeispiele (Audio: Mijk van Dijk)

Wow And Flutter

Der „Wow-Effekt“ bei diesem Pedal stellt sich schon beim Einschalten ein. Selbst ohne beigemischtes Effektsignal wird der Ton schon stark eingefärbt und mittig zusammengepresst. Da geht eigentlich immer Bass verloren und für voluminöse tiefe Basslines taugt das Pedal nicht wirklich. Aber für abgedrehte, mittige, knackige Rhythmen und Sequenzen ist es Gold wert. Vor allem die Pitch-Effekte beim Herumspielen mit Delay und Feedback machen maximal Spaß. Warp klingt mal brav und mal völlig crazy, je nachdem, was das Delay gerade so treibt. 

Wie die Soundbeispiele zeigen, fühlt sich der Bass am Wow And Flutter-Pedal  pudelwohl. Angefangen mit einer „Pink Floyd“-mäßigen Echo-Bass-Sequenz á la „One Of These Days“ bis hin zu noch psychedelischeren Flageolett-Kapriziösen bietet das Wow And Flutter-Pedal für Saitenakrobaten einen hohen Gebrauchswert, ohne großes Geschraube und Gebücke.

Für Synths und Drummachines gilt das gleichermaßen, wie die Soundbeispiele zeigen.  Das Teil klingt nicht neutral, es drückt dem Eingangssignal seinen Stempel auf und wenn man nach etwas Herumspielen den passenden „sweet spot“ gefunden hat, entstehen Grooves, die niemand so programmieren würde. Eine richtige Fundgrube für Sounddesigner und Experimentalmusiker. 

Ein Ersatz für ein „richtiges“ Delay will das Wow And Flutter gar nicht sein, dafür sind die Delay-Zeiten zu kurz. Kurze Achtel-Delays sind aber problemlos möglich, die Slapback-Echos und Kammfiltereffekte klingen richtig super und Pitchmodulationen beim Verändern der Echo-Zeit lassen sich sehr zielgerichtet auslösen. Allerdings sollte man wie bei allen Analog-Delays auf zu laute Pegel achten, die recht plötzlich auftreten und schon mal die Speaker killen können.

No Talking Video zu Snazzy FX Wow And Flutter

Mit einer Drummachine und einen Wow And Flutter allein sind schon schön schräge Performances machbar. (Video: Mijk van Dijk)

Audiobeispiele (Audio: Mijk van Dijk)

Tracer City

Das Tracer City Pedal ist prinzipiell ein ausgefuchstes Wah-Pedal, dessen Multibandfilter per LFO, Envelope Follower, Zufallsgenerator, Expression-Pedal oder CV moduliert werden kann. Als reines Filter klingt es etwas harsch und unelegant. Erst mit den entsprechenden Modulationen erwacht es so richtig zum Leben. Jeder „Straßenzug“ der Tracer City ist dann für eine andere Modulationsquelle zuständig.

Dient eine Drummaschine oder ein Sequenzer als Signal, macht es Sinn, den LFO zur Modulation einzusetzen, per Hand zu synchronisieren und ab und an mal schneller oder langsamer zu werden.

Die Envelope Follower Sektion kommt zum Einsatz, wenn die Wah-Effekte durch die Anschlagsdynamik von Bass oder Gitarre kontrolliert werden sollen. Beim E-Bass gelingen dann Licks mit einem funky Bounce, die eher nach Synthesizer als Bassgitarre klingen. Der Random Modulator kann dann jeweils für zusätzliche Signalbewegung von subtil bis Chaos hinzugezogen werden.

Tracer City ist quasi ein „Schweizer Messer“, das für alle möglichen Signale genutzt werden kann und dafür jeweils spezifische Modulationsmöglichkeiten zur Verfügung stellt.

Merke:  Dieser Effekt kann nicht "Wet" dazu gemischt werden, das Signal läuft immer komplett durch die Filter. Der Bypass ist übrigens bei allen Snazzy FX als verlustfreier Hard-Bypass ausgelegt.

No Talking Video zu Snazzy FX Tracer City

Wenn statt dem LFO der Oszillator des Tracer City mitmischt, entstehen im Zusammenspiel mit der Drummachine schon fast Didgeridoo-mäßige Sequenzen. (Video: Mijk van Dijk)

Audiobeispiele (Audio: Mijk van Dijk)

Unser Interview mit Dan Snazelle von Snazzy FX

Deine Pedale wirken optisch, als wären sie direkt den Siebziger Jahren entflohen. Wann hast Du sie konzipiert? 

Die Prototypen habe ich 2009 in einem wilden Ausbruch an Kreativität erschaffen. Sie wurden dann dieses Jahr etwas verkleinert auf den Markt gebracht. 

Was hat deine Arbeit bei der Entwicklung der Pedale inspiriert? Wolltest du etwas bauen, was dir auf dem Markt noch fehlt hat? 

Ja, alle diese Pedale repräsentierten Dinge, die ich für mich selbst wollte, aber nicht besaß oder nicht finden konnte. Als ein Trio betrachtet, bieten diese drei Boxen einen großen Bereich an Möglichkeiten Was die Klangmanipulation anbetrifft, so wollte ich, dass jede der Boxen viele Stunden Inspiration bietet. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie sie aussehen und sich anfühlen sollten.

Spielst du selbst ein Instrument und welches?

Ich spiele viele Instrumente, wirklich alles, was ich in die Finger bekomme. Ich spiele seit etwa 1986 Gitarre, spiele aber auch Bass, viele Synthesizer, Drummachines und spiele live mit Modularsystemen und Drummachine. Du kannst meine eigene Musik bei Soundcloud finden.

Wow And Flutter gibt es auch als Eurorack-Modul. Wo liegt der Unterschied zwischen dem Modul und dem Pedal?

Nun, ich würde sagen, dass das Modul und das Pedal in der Art und Weise identisch sind, in der sie arbeiten, aber tatsächlich sehr, sehr unterschiedlich sind, da das Pedal für Gitarre und Line Level gedacht ist, während das Modul +/- 5v Sägezahnwellen verarbeitet.  Ich hatte ursprünglich gedacht, ich könnte das Pedal einfach ins Eurorack stecken, fand aber schnell heraus, dass es ein Re-Design brauchte, um mit einem weiten Frequenzbereich ohne Clock Noise, etc. zu funktionieren. Und es hat einen Envelope-Ausgang und Eingänge für CV und Envelope sowie einen anderen Rückkopplungsweg. Beide Versionen klingen gut, sind aber auf unterschiedliche musikalische Situationen ausgerichtet. Das Wow and Flutter Modul war kurz ausverkauft, wird diesen Monat aber wieder erhältlich sein.

Was hat es eigentlich mit dem "Divine Hammer"- Pedal auf sich?

Das „Divine Hammer“ ist eines meiner letzten Pedale. Zuerst baute ich zehn handbemalte Kisten und dann eine kleine Serie von 30 Siebdruckkästen. Ich möchte diese Box unbedingt wiederveröffentlichen. Es ist ein ziemlich einzigartiger psychedelischer Tremolo-Verzerrer, großartig für Shoegaze- und Drone Gitarristen.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Erica Synths, die deine Pedale jetzt bauen?

Nun, in der Eurorack-Welt sind viele der verschiedenen Firmen Freunde. Ich habe vor etwa anderthalb Jahren mit BASTL Instruments in Tschechien angefangen. Dann wurde ich Kodek von Erica Synths durch Ondrej von BASTL auf einer kleinen Musik-Tour vorgestellt, die wir letztes Jahr nach der Superbooth und diversen Shows in Prag, Wien und Brünn gemacht haben. Kodek und ich verstanden uns sofort und dann traf ich auf Erica Synths Boss Ģirts, und eines führte zum anderen. Ich fühle eine echte Verbindung mit den europäischen modularen Unternehmen.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare