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Test
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09.08.2012

Serato Video Test

Rane Serato Video Plugin

Bewegtbild für Itch und Scratchlive

Serato Video stellt sich folgender Herausforderung:
Wenn es für Turntablisten darum geht, den musikalischen Schritt ins Bit-Zeitalter zu vollziehen, können sie auf eine respektable Auswahl an digitalen Vinyl-Systemen oder DJ-Controllern zurückgreifen. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn Bewegtbild ins Spiel kommen soll, denn die meisten DVS-Systeme bieten von Haus aus keine Unterstützung für Video-Formate an. Als mit zunehmender Komplexität von Lichtpulten in den Achtzigern der Beruf des Light-Jockeys aufkam, der wiederum in der nächsten Dekade Unterstützung vom VJ bekam, hätte wohl kaum jemand gedacht, dass ein einzelner Performer irgendwann einmal in der Lage sein würde, Musik, Videoclips und Visual-FX über Timecode-Vinyls, DJ-Controller oder den Mixer zu steuern.

Serato Video nimmt sich eben dieser Aufgaben an und legt den Fokus dabei auf ein einfaches Handling durch den DJ selbst. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 213 Euro ist sein Hauptkonkurrent wohl Atomix Virtual DJ, welches als Download 291,81 Euro kostet und ebenfalls in der Lage ist, Bewegtbild über Timecode oder MIDI anzusteuern. Ansonsten ist der Markt, mit Ausnahme von klassischen VJ-Programmen eher dünn besiedelt.

DETAILS

Serato Video ist ein Plugin für Serato Scratch Live und Serato ITCH, das sich der Wiedergabe von Videoclips verschrieben hat und diese mit Effekten versehen kann, wobei sich Audio- und Video-Dateien frei kombinieren lassen. Das Ergebnis kann über einen zweiten Monitorausgang im Vollbildformat ausgespielt werden und der DJ wird zum VJ in doppelter Hinsicht: Zum Einen bezeichnet VJ ja das Profil des Video-Jockeys, aus der Taufe gehoben mit der Verbreitung von Clipshows und Musikfernsehsendern. Stellvertretend nenne ich an dieser Stelle mal Ray Cokes, Kristiane Backer, die „Housefrauen“ Galic und Christ - und vielleicht den Affen Ronny, der alten Hasen sicherlich aus seiner gleichnamigen Pop-Show noch ein Begriff sein dürfte. Beim Visual-Jockey hingegen geht es um die künstlerische Kreation von Live-Content in Form von Videoclips, Visual-FX und Animationen unter Zuhilfenahme einer Software wie Arkaos Grand-VJ, Resolume oder Cell DNA. Unser Testkandidat vereint beide Ansätze in einer DJ-typischen Arbeitsweise mit schlankem Workflow.

Das Produkt Video-SL erblickte vor knapp vier Jahren das Licht der Welt und wurde zunächst nur Nutzern eines Rane TTM57-Battlemixers zugänglich gemacht. Nach und nach erweiterten die Hersteller die Kompatibilität zur Rane-Produktpalette und mittlerweile „versteht sich“ der Nachfolger mit jeder zertifizierten ITCH- und Scratch Live-Hardware. Also zum Beispiel mit den DJ-Controllern Vestax VCI-300/380 sowie den Rane Mischpulten Rane Sixty Two und Sixty Eight, die mit entsprechenden MIDI-Funktionen ausgestattet sind. Ferner sind auch die USB-Audio-Interfaces Rane SL1-4 kompatibel. In letzten Fall sollten die Video-Funktionen mit einem MIDI-Controller ferngesteuert werden.

Erstkontakt

Die Bonedo-Test-Lizenz kam dank des deutschen Vertriebes Pro Audio Technik pünktlich zum Release-Date in Form einer E-Mail in mein Postfach geflattert. Aus diesem Grunde muss ich in diesem Test zwar auf eigene Packshots verzichten, doch auch hier hilft der kompetente Support im Nu mit den nachfolgenden Ablichtungen und genauen Angaben zum Umfang des handelsüblichen Lieferumfanges aus. Dieser enthält den Serato USB Stick mit der Serato Video Software für Mac OSX und Windows-PCs, speziellem Video Content und einer Bedienungsanleitung. Die minimalen Systemvoraussetzungen auf dem PC lauten: Windows 7 mit 2 GHz Core2Duo-CPU, 2 GB RAM und 5 GB freier Speicherplatz. Dazu verlangt es mindestens nach einer NVidia 8400 oder ATI 1650 Grafiklösung. Auf dem Mac wird OSX 10.6.8 vorausgesetzt.

Anders als bei Traktor, Mixvibes oder VDJ ist es nicht möglich, die Grundvoraussetzung zur Installation von Serato Video - sprich die DJ-Programm-Umgebung - separat zu erwerben. Sie gibt es nur im Bundle mit einem Rane-Interface, Rane-Mixer oder einem 3rd-Party-Controller. Grundsätzlich sind die Programme ITCH und Scratch Live zwar kostenlos von der Herstellerwebsite zu laden und können zum Abspielen und Vorbereiten von Musik und Playlisten genutzt werden, jedoch funktionieren sie nur mit einem entsprechenden Dongle in vollem Umfang. Sie sind zudem, was die Freischaltung von Software-Features angeht, speziell auf die verabreichte Hardware zugeschnitten. Heißt im Klartext: Der Mixer Rane 57, sowie das Interface SL2 schalten lediglich zwei von maximal vier Decks frei, die dem SL4 und dem 68 vorbehalten sind, wobei die Videoplayer standardmäßig immer den Decks A/B zugeordnet werden. Der Controller VCI-300 muss ohne Effekte auskommen, sein Nachfolger VCI-380 hingegen kann auf ein wahres Arsenal an kreativen Zusatzfunktionen zugreifen. Davon weitestgehend unberührt ist allerdings das Video-Plugin. Bevor ich zur Tat schreiten kann, wandern Updates von knapp je 37 MB für ITCH und SSL, sowie ein schlankes Megabyte Plugin-Programmcode (zum Vergleich: Video-SL 1.2 war 16 MB groß) von der Internetseite auf meinen Rechner und nach Abnicken der Lizenzbestimmungen und der Installation ist die Video-Extension unter dem Reiter Plugins durch Eingabe der Seriennummer zu aktivieren.

Audiovisuelles Futter

Falls der Käufer noch keine Library mit Videoclips oder Visual-FX, 3-D-Animationen oder Grafiken auf seiner Festplatte zur Verfügung hat, gibt es auf der Herstellerwebsite Promo-Content in SD- und HD-Qualität zum kostenlosen Download, der für die ersten Übungen ausreichen sollte. Bei diesen Clips handelt es sich um zehn royalty-free Loops, die vom amerikanischen Grafik-Designer Mike Winkelmann (Beeple) speziell für Serato Video Kunden erstellt wurden. Aktuell sind die Beeple-Clips der einzige SV-Promo-Content auf serato.com, was in Zukunft gern noch ausgebaut werden könnte. Nach dem Download und Import finde ich das Material in der Seitenleiste des Scratch Live/ITCH Verzeichnisbaums unter „all Videos“, wo sämtliche Clips zu finden sind, die in die Musikbibliothek importiert wurden. Sollte der Anwender die iTunes-Bibliothek unter Serato nutzen, gehören auch die dort enthaltenen Filmchen dazu. Serato Video unterstützt die Formate avi, dv, flv, m4a, mov, mp4, mpg, mpeg und qtz, die Video-Codecs H.264, DV, MPEG4 und Motion JPEG A/B, sowie die Audio-Codecs AAC, MPR und PCM. Weitere Codecs wie DIVX und XVID gelten nicht unbedingt als inkompatibel, werden jedoch offiziell nicht unterstützt.

Softwareoberfläche

Grundsätzlich können Erweiterungen für Scratch Live oder ITCH als Plugins bei Bedarf aktiviert und deaktiviert werden. Woraufhin sie sich a) im Einsatz nahtlos in die Bedienoberfläche Scratch Lives integrieren und b) bei Deaktivierung eben keine Ressourcen ver(sch)wenden. Ähnlich, wie bei einem Standard-DJ Setup ist Serato Video auf der rechten und linken Seite je ein Deck zugeteilt, der Mixer sitzt im Zentrum. Das beim ersten Start als Floating-Window aufkommende Popup-Fenster zeigt, genau wie das zentrale Fenster, das gemixte Bildsignal so an, wie es später per HDMI oder einen zweiten Monitorweg auf den Beamer oder die angeschlossenen Screens gelangt. Die externe Vollbildausgabe wird in den Preferences aktiviert. Die beiden Fader für die Videotransparenz positionieren sich an den Außenflanken der Abspieleinheiten und können wahlweise zu einem MIDI-Fader verlinkt werden. Jedes Deck kann zwei Effekte simultan abfeuern, die ihrerseits über gesonderte Parameterregler und Einschaltknöpfe verfügen. Einen übergeordneten Bypass oder einen Boss-Regler zum gemeinschaftlichen Dirigieren pro Deck oder für den Master gibt es nicht. Der Crossfader parkt, sofern man auf das kleine „F“ unter dem Mixfenster gedrückt hat, wo man es von ihm erwartet. An den Enden sitzen zwei Buttons für automatisches Überblenden. Zwei weitere Schaltflächen blenden die Paletten für Image-FX und Text-FX ein, womit das komplette Arbeitswerkzeug dann wie im nachfolgenden Screenshot festgehalten aussieht und etwa einen Pixelbedarf von 1000 in der Breite und 320 in der Höhe aufruft. Für mein MacBook Late2009 mit seinen 1280 x 800 Bildpunkten ist das schon ziemlich groß. Anders sieht dies am HD-Screen des Winbooks aus. Enthält ein Clip eine Tonspur, wird dies durch ein rotes Icon dargestellt. Verlinkte Clips sind weiß gekennzeichnet. Zum bildverwurstenden Repertoire gehören aktuell knapp zwei Dutzend Überblendungen und über fünfzig Clip-FX. Effekt-Presets und Clip-Zuweisungen zu Audiodateien können fest zugeordnet und abgespeichert werden.

Clip- und Blend-FX

Der Crossfader kann mit mehr als 20 (!) unterschiedlichen Übergangseffekten aufwarten, zu denen rechenintensivere Vertreter wie Melt, Tiles oder Luma Key und weniger ressourcenhungrige Wipes, Slides oder die Box-Blenden zählen. Die Qualität und Auswahl der Blend-FX weiß zu gefallen.

Clip-FX lassen sich prinzipiell in drei Leistungsgruppen mit leichtem, mittleren und starkem Ressourcenverbrauch einteilen. Einfachere Rotationen, Farb- oder Zoom-Manipulationen zählen zu den bescheideneren Vertretern. Isolate Color, Anaglyphic 3D, UV-Paint, Brightness, Saturation, Contrast und Gamma sind schon etwas weniger genügsam und dem Mittelgewicht zuzurechnen, wo sich auch Luma Key, Posterize, Negative und Sepia ansiedeln. Color Photocopy, Emboss, Sharpen, Blur, Edge Detect, LED Billboard und Rotoscope gehören der leistungshungrigen Sorte an.

Text und Image-FX

Für bewegte Schriften steht ein spezieller Editor zur Verfügung, über den zunächst die Texteingabe erfolgt. Attribute wie Font, Größe, Farbe, Ausrichtung, Scroll, Zoom, Geschwindigkeit und Opazität passen Schriftbild und Bewegung dem gewünschten Zweck an. Speichert der DJ seine Arbeit nun mit einem aussagekräftigen Namen ab, steht dieser Texteffekt danach in der FX-Palette zur direkten Anwahl bereit. Änderungen im Nachhinein gehen kinderleicht von der Hand, denn es gilt lediglich, den betreffenden Eintrag auszuwählen, die Korrekturen vorzunehmen und erneut abzuspeichern. Texte lassen sich auf den rechten, den linken oder den Master-Kanal schicken. Etwas schade finde ich an dieser Stelle, dass es nicht möglich ist, komplette Textinhalte (rtf, txt, doc) zu laden. Auch ist der Editor mit einer Zeile von maximal 25 Zeichen etwas klein geraten, allerdings kann man ihn per Copy-Paste befüllen. Die Image-FX arbeiten in puncto FX-Parameter ähnlich, wobei sich Bilddateien selbstverständlich auf herkömmliche Weise laden lassen und es einen separaten Regler für die Größe der Grafik gibt.

Alles reine Einstellungssache

Einstellmöglichkeiten für das Ausgabeformat, Speicherzuweisungen und Qualitätseinstellungen für ein optimales Zusammenspiel zwischen Computer und Software verbergen sich hinter dem „Setup“-Button. Sehen wir einmal vom Autorisierungs-Panel mit der Seriennummer und dem EFX-Panel ab, welches anzeigt, ob es Restriktionen für die Grafik-Hardware gibt, verbleiben drei Reiter: Output legt die Rahmenbedingungen für die Ausgabe fest, angefangen mit dem Bildseitenverhältnis (4:3, 16:9) und der Qualität in fünf Stufen von poor bis best. Sollte während der Wiedergabe das Bild ruckeln, lässt sich an dieser Stelle die Ausgabegüte reduzieren. Im Bild festgehalten, sieht das so aus:

Dann heißt es, dass Füllverfahren festzulegen. Preserve ändert erst einmal nix. Beim „Letterboxing“ bleiben die Proportionen erhalten und das Video wird an die Screen-Breite angepasst und gegebenenfalls oben und unten mit schwarzen Balken versehen, wohingegen Stretch den gesamten Bildschirm ausfüllt, was zwangsläufig zu optischen Verzerrungen führt. Als Arrangement stehen Output, Rechts-Links und Rechts-Output-Links zur Verfügung. Output stellt das gemischte Signal dar, Left-Right splittet das Ausgabefenster zweifach und füllt es zu gleichen Teilen mit dem Bild des linken und des rechten Decks. Die dritte Option besteht darin, das Mischsignal mit den beiden Originalen einzurahmen.

Zu guter Letzt lassen sich im Output-Window die vertikale Synchronisation, Frame Blending und Buffersize festlegen. Erstgenannte synchronisiert Seratos Framerate zum Monitor und verhindert somit eine Aktualisierung der Bilddaten während des Bildschirmaufbaus. Nummer Zwei sorgt dafür, dass Serato bei langsamen Abspielvorgängen zusätzliche Bilder einfügt, was die Wiedergabe weicher erscheinen lässt. Buffersize bestimmt, wieviel MB des Arbeitsspeichers für Seratos Video-Puffer reserviert werden soll. Aktuelle Informationen zu Framerates und Framebuffer finden sich im Infopanel. Im Control Tab lässt sich das Timing für den Auto-Crossfade und die Cursor-Blend-Funktion einrichten.

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