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Workshop
3
23.02.2021

Sequential Pro 3 Workshop: Erste Schritte beim Soundprogramming

Mit Paraphonie, Arpeggiator und Sequenzer arbeiten lernen

Mit dem Sequential Pro 3 schnell kreativ werden

Der Sequential Pro 3 ist ein monofon und 3-stimmig parafon einsetzbarer Hybrid-Synthesizer, der vieles anders macht als sein Vorgänger DSI Pro 2 oder sein historischer Vorläufer SCI Pro One. Im Bonedo-Test mit der vollen Punktzahl bewertet, verspricht der Synthesizer vielseitige klangliche Stärken, die aus den flexiblen Modulationsmöglichkeiten, dem Einsatz der internen Effekten und einem wirklich tollen Sequenzer resultieren. Auch wenn warme und breite Flächenklänge nicht so sein Ding sind, sein Potenzial liegt klar bei modulativen Klangphrasen mit hybridem Charakter. Der Pro 3 reiht sich mit seinem durchaus aktuellen Sound klanglich zwischen „Analog“ und „Digital“ ein. Sein interner luxuriöser Sequenzer ermöglicht ziemlich spielerisch das Erstellen individueller Phrasen. Die Effektsektion zeigt sich vielseitiger als die Delay-Einheit des DSI Pro 2 und seine Modulationsmatrix ist offen für unzählige Experimente. Ein Kosmos, der musikalische und klangliche Ideen vereint.

Komplexität? Nein Danke, wir wollen schnelle Aktionen beim Arbeiten mit einem Synthesizer, die der Pro 3 mit seiner fantastischen Bedienbarkeit auch bestens unterstützt. Die Integration in ein Modularsystem und das Erstellen neuer zusätzlicher Wavetables (ab OS 1.1 möglich) sind wiederum zeitintensiv, weshalb solche Themen einmal außen vor bleiben. Obwohl man keinen zusätzlichen Editor benötigt, für reichlich Spaß mit dem Pro 3 ist eine Software aber allein schon zum Benennen und Organisieren der Presets sinnvoll. Unser Tipp lautet PRO 3 Sound Editor und stammt vom Anbieter Soundtower. Auch die Klangdaten für diesen Workshop sind mit diesem Standalone-Programm organisiert und exportiert worden.

An kommerzieller Soundware findet sich ansonsten kaum etwas am Markt. Für den Pro 3 wird es auch niemals so eine Fülle an Presets geben wie für einige Software-Instrumente. Es ist also gut nun direkt mit dem hybriden Synthesizer in Kontakt zu treten. Dabei ist es egal, ob es sich um die normale Version des Pro 3 oder die SE-Ausführung mit klappbarem Panel handelt. Schritt für Schritt werden wir uns beim Pro 3 herantasten, einzelne Ergebnisse akustisch festhalten sowie auch einige Presets im SysEx-Format spendieren.

Sequential Pro 3 Workshop-Patches

Damit du für den Workshop gut gerüstet bist lädst du am besten unsere Workshop-Patches für den Sequential Pro 3 herunter und überträgst sie mit einer Freeware wie „SysEx Librarian“ (Mac) oder „MIDI-OX“ (Windows) zum Synthesizer.

Hier gibt es die Sequential Pro 3 Workshop-Patches zum Download

Quick Facts: Paraphonic Wave Sequencing

Was bedeutet „Paraphonic Wave Sequencing“?

Der Sequential Pro 3 bietet insgesamt drei Oszillatoren, wovon die ersten beiden klassische VCOs sind und OSC-3 digital für Wavetables vorgesehen ist. Im Paraphonic Modus werden alle drei Oszillatoren abwechselnd abgespielt, wenn man den Arpeggiator einsetzt. Die resultierenden Klangabläufe erinnern entfernt an ein Wave Sequencing, womit man diese Funktionsweise auch als ein Arpeggiator-initiiertes 'Oscillator-Rotating' bezeichnen könnte.

Arbeiten mit den Oszillatoren

Starten wir mit einem neutralen Ausgangspunkt beziehungsweise mit einem initialisierten Klangprogramm. Das „Basic Program“ des Sequential Pro 3 (SE) ruft man so ab: Global-Taste drücken, Commands und danach „1. Basic Program“ wählen und mit Druck auf die „Write“-Taste bestätigen. Ein Routine-Job. Dieser Sound basiert auf einem Oszillator mit Sägezahn-Wellenform (OSC1). Um das „Basic Program“ dreistimmig spielen zu können, drückt man auf die Paraphonic-Taste und dreht die Lautstärke bei Oszillator 2 und 3 (Regler „OSC1 Level“ und „OSC 2 Level“) komplett auf. Nun können Dreiklänge gespielt oder auch schon polyfone Klänge programmiert werden, was wir aber nicht vorhaben. 

In diesem frühen Stadium solltest du schon einmal die klanglichen Eigenschaften der drei Filtermodelle des Pro 3 kennenlernen. Zur Erinnerung: LOW-PASS 1 ist dem Sequential Prophet 6 entnommen, LOW-PASS 2 eine Moog-Kaskade und das vielseitige Modell STATE-VARIABLE von Oberheim bekannt. An den Reglern der Filtersektion drehen und beide Ohren spitzen. Für fette Unisono-Klänge wie Lead oder Bass würde man übrigens den Paraphonic Mode verlassen und die drei Oszillatoren leicht gegeneinander verstimmen.

Die beiden ersten Oszillatoren sind typische VCOs mit klassischen Synthesizer-Wellenformen. Nicht so der OSC 3. Er ist ein digitaler Wavetable-Oszillator. Insgesamt 32 Wellensätze sind bereits im Speicher, 32 weitere beliebige Wavetables könnte man importieren. Natürlich wollen wir gleich wissen zu welchen Klangspektren der dritte Oszillator fähig ist. Daher reduzieren wir die Lautstärke von OSC 1 und 2 auf Null und hören OSC 3 solo. Mit dem Shape-Regler von OSC 3 lassen sich die Wavetables einzeln anwählen. Allerdings bringt es nichts einen statischen Wellensatz abzuhören - er muss moduliert, bzw. müssen alle Positionen „durchfahren“ werden. Das lässt sich schnell manuell bewerkstelligen indem du einfach am SHAPE MOD-Regler von OSC 3 drehst, während ein Ton gehalten wird. Es sind verschiedene digitale Sounds zu hören. Amüsant ist Wavetable Nr. 01: Wird er durchfahren, ist das Wort „Sequential“ zu hören. Mit diesen Wellensätzen lassen sich bei geschickter Modulation und einer guten Kombination mit den beiden ersten Oszillatoren viele Sounds kreieren.

Innerhalb von zwei Minuten erstellen unseren allerersten Wavetable-Sound mit dem Pro 3: Für OSC 3 verwenden wir einfach Wavetable Nr. 9 „Mad Ringy", die beiden ersten Oszillatoren transponieren wir um eine Oktave abwärts und verstimmen sie leicht gegeneinander. Der Wellensatz muss automatisch moduliert werden. Klassischerweise ist es ein LFO. Wir tippen auf LFO 1 und weisen für „LFO1Dest“ den Parameter „Osc3 ShapeMod“ zu. Der LFO 1 soll tempo-synchron (SYNC aktivieren) mit einer Sample & Hold-Wellenform und einer Frequenz von 1/2 Step laufen. Die Filterfrequenz senken wir und lassen eine Filterhüllkurve (moderates Attack und Decay) wirken. Bei den Effekten kommt ein Chorus (Effect 1) sowie ein BBD-Delay (Effect 2) zum Einsatz. Fertig - der hybride Wavetable kann sich schon spielen und hören lassen. Preset „Bonedo WS 01“

Auf dieser Basis kannst du weitermachen und den Sound verfeinern. Wie wäre es mit einem leichten Stereo-Effekt? Dazu musst du nur den LFO 2 entsprechend programmieren: LFO2 Dest = Panning. Eine Klangprobe bietet das erste Audio-Demo. Das Wavetable-Program ist übrigens auch für Leads geeignet, wenn du den Paraphonic Mode verlässt. Preset „Bonedo WS 02“

Einsatz des Arpeggiators

Der Paraphonic Mode ist auch in Verbindung mit dem Arpeggiator sehr verlockend: Die einzelnen Oszillatoren werden nacheinander getriggert, was zu einfachen rhythmischen Klangsequenzen führt, die man ursprünglich vom „Wave Sequencing“ kennt. Ich bezeichne diese Methode selber als „PWS“ (= „Paraphonic Wave Sequencing“). Mit vier digitalen Oszillatoren ergeben sich beim DSI Pro 2 zwar noch weitere klangliche Möglichkeiten, aber auch beim Pro 3 sollte dieses „Sound-Arpeggio“ dennoch ausgiebig probiert werden. Dabei müssen wir nicht von vorne beginnen und das „Basic Program“ aufrufen, sondern können das erste Preset abändern: Die Filterhüllkurve wird gestrafft, der State-Variable-Typ kommt zum Einsatz, für OSC 2 wird per SHAPE-Regler eine andere puls-ähnliche Wellenform ausgewählt und schließlich wird der Arpeggiator aktiviert, der sich praktisch von selbst erklärt. Das Arpeggio lässt abwechselnd drei klanglich möglichst unterschiedliche Oszillatoren erklingen - so das einfache Prinzip, das sich in der Praxis in etlichen Varianten durchspielen lässt. 

Keine Sorge, wir müssen nicht alle Optionen probieren, sondern lassen uns von den Workshop-Presets, die zum Download gestellt werden, inspirieren. Die Presets können gern direkt am Sequential Pro 3 angespielt oder zunächst anhand der Audio-Demos einzeln gehört werden. Das Preset „Bonedo WS 03“ zeigt nicht nur das „Paraphonic Wave Sequencing“ mit drei Oszillatoren, sondern auch ein sinnvolles Standard-Setting der Effekte für typische Arpeggiator- und Sequenzer-Phrasen. Für EFFECT 01 ist ein Delay, das Tempo-synchron mit punktierten Achteln (Sync Free = 8D) verzögert, während EFFECT 02 mit dem Reverb „Super Plate“ mitmischt. Dieser Hall steht übrigens nur für den zweiten Effekt bereit.

Für Live-Gigs ist die zweiteilige Effeksektion sicherlich nützlich, im Studio würde ich sie deaktivieren, was schnell geht, und sie nach der Audio-Aufnahme durch hochwertige Effekt-Plugin ersetzen. Unser Preset „Bonedo WS 03“ beschäftigt vor allem die drei LFOs. Bitte bitte nachschauen: LFO 1 moduliert die Position des Wavetable bei OSC 3 (LFO 1 Dest = Osc 3 ShapeMod), LFO 2 sorgt für ein Panning des Arpeggio-Sounds und LFO 3 „zerhackt" mit der Wellenform „RevSaw“ rhythmisch die Hallfahne (LFO3 Dest = FX2 Mix).

Eine schöne Filterfahrt bietet das nächste Klangprogamm für diesen Workshop: Bei Preset „Bonedo WS 04“ steuert LFO 3 das STATE VARIABLE Filter. Mit dem Modulationsziel „SV LP-N-HP“ blendet der Klang zwischen Tiefpass, Bandsperre und Hochpass-Filter. Dieses Filtermorphing hörst du noch intensiver, wenn die beiden Effekte abgeschaltet werden. Für einen harschen digitalen Sound sorgt bei Preset „Bonedo WS 05“ der erste LFO, indem er intensiv und in schnellem Tempo die Wavetable-Position bei OSC 3 moduliert. Was bringt diesen schönen spacigen Sound von Preset „Bonedo WS 06“ zum Knurren? Tatsächlich ist es die Filterhüllkurve, die sich beim Sequential Pro 3 loopen lässt. Bitte einmal kurz am AMOUNT-Regler der Filterhüllkurve drehen und im Display ein „Loop: On“ sehen. Natürlich kannst du jetzt selber eingreifen und vor allem das Decay der Hüllkurve abändern.

Bei Preset „Bonedo WS 07“ erwartet uns eine Oszillator-Synchronisation zwischen OSC 1 und OSC 2. Dieser typische Osc-Sync-Effekt wird durch LFO 1 noch etwas verstärkt, der auf die Tonhöhe von OSC 2 einwirkt. Dieses Programm könnte auch etwas Lust wecken, einmal ein Leslie oder einen anderen Modulationseffekt nicht klassischerweise vor, sondern nach einem Delay-Effekt zu schalten. Der Gesamtklang verfärbt sich lebendig. Schließlich zeigt uns das Preset „Bonedo WS 08“ noch den Trick, wie man einfache tonale Phrasen allein durch unterschiedliche Stimmung der Oszillatoren kreiert. Das Fine Tuning ist beim Pro 3 in Cent-Schritten einstellbar. Für ein Motiv in Moll wird OSC 2 auf + 300 und OSC 2 auf den Wert + 700 gestimmt.

Nutzen des vielseitigen Sequenzers

Wir greifen das „Basic Program“ auf und widmen uns jetzt dem mächtigen Sequenzer des Sequential Pro 3. Wenn man auf der Seite „Sequencer Modes“ den Modus „Extended“ wählt, lassen sich lange Sequenzen mit bis zu 64 einzelnen Schritten erstellen. In der Praxis, vor allem für hypnotisch wirkende repetitive Figuren, ist der voreingestellte Single-Modus meist aber die bessere Wahl. Es lassen sich vier Sequenzen eingeben und über die Tasten A bis D spontan abrufen. Dank der Laufrichtungen „Fwd/Rev“ und „Random“ entstehen auch bei nur 16 Schritten durchaus variationsreiche Folgen. Außerdem kannst du spontan einzelne Steps (Tasten 1 bis 16) stumm schalten und sie wieder aktivieren. Die Sequenz besteht aus 16 einzelnen Spuren, die auch beliebige Klang- und Effektparameter einbeziehen. Bitte gleich nachschauen: Bei gehaltener „TRACK SEL“-Taste lassen sich die 16 Spuren anwählen. Die ersten vier Tracks sind bereits vorgesehen für 01 Note und Velocity, 02 Duration, 03 Ratchet und 04 Cutoff. Im Weiteren kann man beliebige Zuweisungen vornehmen.

In wenigen Zügen kommst du zur eigenen modulativen Sequenz: Basic Programm aufrufen, RECORD-Taste drücken und nun am besten in C insgesamt 16 verschiedene Noten (C, F, G und Bb für eine neutrale Sequenz verwenden, die in Dur wie Moll funktioniert) nacheinander über die Tastatur des Pro 3 schrittweise eingeben - fertig! Auf die PLAY-Taste drücken und die Notensequenz automatisch wiedergeben lassen. Bei laufender Sequenz halten wir nun einfach die RECORD-Taste gedrückt und drehen am Cutoff-Regler, am Attack-Regler oder am Noise-Regler - der Sequencer des Pro 3 registriert alle Aktionen und zeichnet sie auf den Sequenzer-Spuren auf. Die Informationen befinden sich auf den Sequenzer-Spuren und können bearbeitet werden.

Das folgende Audio-Beispiel zeigt eine monofone Sequenz, die in zwei Minuten am Pro 3 erstellt worden ist:

Wie auch bei der Noteneingabe kann man bei den anderen Parametern schrittweise vorgehen, indem man per TRACK SEL-Taste die jeweilige Spur aufruft. Manche Parameter wie Panning oder für zackenförmige Filterverläufe ist die Step-by-Step-Methode effektiver: Per TRACK SEL eine freie Spur anwählen, die TRACK SEL-Taste gedrückt halten und einen beliebigen Zielparameter (Destination) per Drehregler (rechts über dem Display) anwählen und die Werte mit dem Value-Regler eingeben. Ein absolutes Muss ist das Probieren des „Ratchet“-Paramters, der auf Spur 3 zu finden ist. Damit lässt sich jeder einzelne Sequencer-Schritt unterteilen bzw. bis zu achtfach triggern, wodurch „rollende“ und verschnörkelt rhythmische Muster entstehen. Wie das klingt zeigt das letzte Audiobeispiel.

Idealerweise soll die Sequenz per auf dem Keyboard live gespielter Note gestartet und somit auch transponiert werden können. Dazu brauchst du nur den Sequencer Mode auf „Gated“ zu schalten. Typische Situation im Studio: Per DAW möchtest du den Sequencer des Pro 3 triggern und ihn tempo-synchron halten: Wenn der Pro 3 per USB mit dem Computer verbunden ist, muss man natürlich aus der Global-Seite MIDI alles auf USB stellen und insbesondere noch zwei Einstellungen beachten: 02 MIDI Clock Mode = „In No S/S“ sowie 13 MIDI Arp/Seq Notes = Off. Jetzt sollte der Pro 3 dem aktuellen Songtempo der DAW (hier Übertragung der MIDI Clock aktivieren) und sich per externer Trigger-Noten starten lassen.

Insgesamt ist der Sequenzer des Pro 3 ein sehr inspirierendes Tool für die Live-Performance und auch zur Ideenfindung beim Produzieren neuer Musik. Du wirst dich schnell zurechtfinden.

Schlusswort                                

Geschafft! Wir haben nun einige Ansätze erfahren, wie sich musikalisch nützliche Arpeggiator- und Sequencer-Phrasen sehr zielstrebig am Sequential Pro 3 erstellen lassen. Trotz der enormen Funktionalität ist dieser paraphone Hybrid-Synthesizer einfach zu bändigen. Dies ist aber nur der Anfang einer langen Reise mit diesem Synthesizer. Es gibt noch viel zu erforschen vor allem beim Sounddesign von Drones und beim Import eigener Wavetables. Es lohnt sich übrigens, immer wieder auf der Homepage von Sequential nach OS-Updates zu schauen und gelegentlich auch die beiden VCOs samt Filter des Pro 3 zu kalibrieren. 

Viel Spaß beim Programmieren!

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