Test
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29.05.2019

Praxis

App-Download

Bevor man mit dem Sennheiser Memory Mic loslegen kann, steht erst einmal ein Besuch im jeweiligen Software-Download-Shop an. Für Geräte von Apple also im App Store und für Android im Google Play Store. Dort holt man sich die kostenlose App Memory Mic von Sennheiser, ohne die das Mikro nicht funktioniert. Die Aufnahmen werden in der App gestartet. Die App zeichnet wahlweise Video oder nur Audio auf, lädt die Audiodateien vom Memory Mic und synchronisiert diese nach der Aufnahme automatisch zu den Videos.

Verbindung

App und Sennheiser Memory Mic benötigen eine Bluetooth-Verbindung zum synchronen Starten der Aufnahme. Zusätzlich wird eine WLAN Verbindung zur Datenübertragung nach der Aufnahme benötigt. Dies geschieht über ein AdHoc-Netzwerk, welches das Sennheiser bei Bedarf aufbaut.

Erstes Date

Wenn sich App und Memory Mic zum ersten Mal treffen, fordert die App zur Kalibration auf. In diesem Schritt werden das Memory Mic und das Mikrofon des Smartphones mit Hilfe von Testsignalen aus dem Lautsprecher des Telefons kalibriert.

Nach dieser Prozedur sind beide Mikrofone exakt aufeinander abgestimmt. Dies ist notwendig, da die App bei Videoaufnahmen nicht nur das im Memory Mic gespeicherte Signal mit dem Video synchronisiert sondern zusätzlich auch noch das Signal des Smartphonemikros bereit hält. Innerhalb der App liegen beide Signale automatisch synchron zum Video an und können stufenlos miteinander gemischt werden. Das ist für mich eines der herausragenden Merkmale des Memory Mic. Audioaufnahmen bestehen allerdings nur aus dem Signal des Memory Mic.

Klappe, die Erste

Angenommen, ich befinde mich in einer lauten Umgebung und möchte vor Ort einen Kommentar einsprechen. Ich klemme mir also das Memory Mic an die Brusttasche meines Hemdes, packe mein Handy auf ein Stativ und wähle eine der drei zur Verfügung stehenden Empfindlichkeitsstufen. Dann starte ich die Aufnahme in der Sennheiser-App.

Drei Empfindlichkeitsstufen sind unter professionellen Gesichtspunkten zu wenig. Für unerfahrene Anwender sind solche Vereinfachungen und die Hinweise in der App allerdings sehr hilfreich.

Nach der Aufnahme

Wenn alles im Kasten ist und die Aufnahme synchronisiert wurde, hat man mit dem Sennheiser Memory Mic auch nachträglich noch die Wahl die mit dem Handymikrofon aufgenommene Atmo mehr oder weniger deutlich in die endgültige Tonspur einfließen zu lassen. Die Audiospur wird für jeden Export (im jeweils eingestellten Verhältnis) neu gerendert. Dynamische Mischungen mit sich verändernden Verhältnissen der beiden Signale, sind leider nicht möglich. Das Video bleibt mit beiden Audiospuren in der App gespeichert, bis der Anwender es löscht. So kann man auch nachträglich noch Änderungen vornehmen und verschiedene Versionen des gleichen Videos exportieren.

Formate

Die Audioauflösung des Memory Mic ist fest auf 16 Bit und 48 kHz eingestellt. Es gibt leider keine Möglichkeit, dies zu ändern. Weder Brennweite noch Fokus oder Belichtung können angepasst werden.

Mögliche Video-Auflösungen

Bezeichnung Auflösung
SD 640 x 480
HD 1280 x 720
Full HD 1920 x 1080
4K 3840 x 2160

Export

Die fertigen Videos und Audios können als Nachricht, E-Mail oder Notiz in die Clouds verschiedener Anbieter exportiert oder im Handy gespeichert werden. Leider kann man nicht das Video und beide Audiodateien getrennt voneinander speichern. Wenn das gewünscht wird, ist man also gezwungen, zwei verschiedene Mischungen eines Videos zu exportieren und die Audiospuren dann zu extrahieren.

Exportierte Videos stehen auf dem iPhone im Apple-QuickTime-Format (.MOV) zur Verfügung. Audio Dateien werden als .WAV exportiert.

Obwohl man den einzelnen Aufnahmen im Album der Sennheiser-App Namen geben kann werden diese nicht exportiert. Alle exportierten Dateien heißen „merged_video“ oder „audio“. Immerhin wird nachgefragt, ob man eine vorhandene Datei überschreiben oder ob man beide Dateien behalten möchte.

Beim Öffnen der Videos und Audios aus dem Memory Mic auf dem Computer zeigt sich ein Problem, welches Sennheiser schnell mit einem Software-Update beheben sollte. Trotz der festen Auflösung von 48 kHz werden Audiodateien des Memory Mic als 44,1kHz-Aufnahmen interpretiert. Das führt dazu, dass diese Dateien in einem Projekt mit 48kHz-Samplingrate zu langsam wiedergegeben werden. Manche Programme öffnen die Audiodateien des Memory Mic gar nicht oder (wie zum Beispiel WaveLab Pro 9.5) nur über den Umweg sie als „unbekanntes Audiomaterial“ zu importieren.

Sennheiser Memory Mic: Klang

Den Grundklang des Sennheiser Memory Mic empfinde ich als ehrlich und natürlich. Obwohl die untere Grenze des Frequenzganges mit 100 Hz relativ hoch liegt, habe ich nicht den Eindruck, dass etwas fehlt. Für den Haupteinsatz dieses Mikrofons, die Sprachaufnahme, spielt dieser Bereich tatsächlich eine eher untergeordnete Rolle. Insgesamt tendiert der Klang des Memory Mic etwas Richtung Wärme, ohne einen Bereich besonders hervorzuheben oder zu vernachlässigen.

Da es sich beim Sennheiser Memory Mic um ein Mikrofon mit Kugelcharakteristik handelt, ist es nicht verwunderlich, dass es relativ unempfindlich gegenüber Windgeräuschen ist. Ich konnte während eines der grossen Märzstürme auch ohne Windschutz eine absolut brauchbare Sprachaufnahme produzieren. Aber auch andere Hintergrundgeräusche bleiben mit dem Memory Mic wirklich im Hintergrund, wodurch sich das, was wir eigentlich aufnehmen wollen, sehr deutlich absetzen kann. Selbst während eines Autorennens an einer Rennstrecke konnte ich noch gute Aufnahmen produzieren, die zwar auch die Motorengeräusche wiedergeben, aber gleichzeitig meine Stimme absolut in den Vordergrund stellen. In der Vergleichsaufnahme mit dem iPhone SE geht meine Stimme in der Geräuschkulisse unter.

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