Test
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27.01.2019

Praxis

Die XSR Becken besitzen keinerlei aggressive Frequenzanteile

Nachdem ich die Becken an meinem Drumset verteilt und die ersten Takte gespielt habe, fällt mir auf, dass ich gar keinen Gehörschutz (meine In-Ears) in den Ohren habe. Dann merke ich, dass ich den auch gar nicht wirklich vermisse. Die XSR Monarchs besitzen nämlich ein äußerst angenehmes Frequenzspektrum, welches um praktisch alle harschen Tonanteile bereinigt ist, das die meisten Becken nun einmal in wechselnder Dosis besitzen. Dabei klingen sie nicht besonders dunkel, im Gegenteil. Ihr Grundcharakter ist eher mittig und tendenziell klar, wer „Trash“, also das schmutzige Modulieren nach dem Anschlag, sucht, wird hier nicht fündig. Während ich so vor mich hin spiele, muss ich unweigerlich an eine andere neue Sabian Beckenserie denken, die FXR Reihe, deren Entwicklungsziel darin bestand, besonders leise Becken herzustellen. Und ich könnte mir gut vorstellen, dass diese XSRs durchaus für Interessenten der teureren, gelochten FXR Modelle interessant sein könnten. Sie kommen mir nämlich fast noch leiser vor. 

Sabian XSR Cymbals

Als leise Allrounder präsentieren sich die Crashes

Müsste ich die beiden Crash-Becken mit einem Satz beschreiben, würde ich sagen, dass sie klingen wie dünne, konventionelle Crashes, auf die jemand ein dünnes Stück Stoff gelegt hat. Durch ihre relativ geringe Materialstärke sprechen sie schnell an, blenden dann kurz und sauber auf, um danach schnell zu verklingen. Schärfe und Brillanz besitzen sie nur in sehr geringen Dosen. Ein auffälliger Nebeneffekt dieser Charakteristik sind ihre Ride-Qualitäten. Selbst das kleine 17er besitzt einen holzigen, trockenen Stockanschlag, sogar die Kuppe ist gut verwendbar – davon abgesehen, dass sie aufgrund ihrer Größe präzise anvisiert werden muss. Das 19er wirkt im Vergleich erwachsener, ist etwas lauter und bietet alle guten Eigenschaften eines trockenen Crash-Rides. Zudem ist seine Kuppe natürlich auch komfortabler zu spielen. Tonal ist es deutlich dunkler als das 17er, und kräftig angecrasht kann es durchaus in mittellauten Umgebungen mithalten. Den bevorzugten Einsatzbereich beider Becken würde ich allerdings eher in leiseren akustischen Situationen sehen, beziehungsweise überall dort, wo ein unaufdringlicher, integrierter Becken-Sound nötig ist. 

Die Hats haben einen deutlichen Retro-Einschlag

Die XSR Monarch Hats passen klanglich perfekt zu den anderen Testkandidaten. Sie besitzen bei geschlossener Spielweise den gleichen holzigen Anschlagston, geöffnet wirken auch sie leicht belegt. Diese Eigenschaften verleihen ihnen einen feinen, tendenziell leisen Sound, der mich an alte Zildjian Becken aus den Sechzigern erinnert. Sehr gut gefällt mir, dass sie sich trotz ihrer Größe sehr artikuliert spielen lassen und  – im Rahmen ihrer dynamischen Möglichkeiten – technische Feinheiten schnell umsetzen. Für die laute Rock-Probe sind sie trotzdem nichts, ich sehe sie eher im Dunstkreis von Jazz, Funk, HipHop und überall dort, wo eben ein Schuss Retrosound gefragt ist.

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