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Test
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13.06.2014

Rupert Neve Designs 551 Inductor EQ Test

API 500 Equalizer

Verspult

Zum Review bei bonedo eingetroffen: Rupert Neve Designs 551 Inductor EQ. Mittlerweile gibt es bestimmt ein gutes Dutzend 500-EQs, die mehr oder weniger direkt von Rupert Neves Schaltungsentwürfen beeinflusst wurden. Doch keiner davon wurde direkt von der britischen Legende entworfen – bis jetzt!

Vintage-Kopien von Firmen wie BAE oder Heritage Audio, mit moderner Technologie gefertigte Adaptionen von AMS-Neve oder aber zahlreiche weitere Geräte, teils aus dem DIY-Umfeld oder nur grob an Neve-Ideen orientiert – wer sich für den Sound interessiert, der den klasssichen Input-Channels Rupert Neves zugeschrieben wird, der hat auch im 500-Formfaktor zahlreiche Auswahlmöglichkeiten.

Jedoch haben alle genannten Geräte eines gemein: Sie müssen auf das Signet des Original-Designers verzichten. Nun gibt es aber einen 500-EQ, der direkt von Rupert Neve entwickelt wurde. Es ist wohl kein Zufall, dass er im Fahrwasser der Shelford-Module in die Lunchboxen gespült wird. Denn mit den Shelford-Kassetten schließt sich insofern ein Kreis, als dass Rupert Neve hier Qualitäten seiner Vintage-Designs aus der 10XX-Reihe mit modernen Schaltungsmöglichkeiten neu umgesetzt hat, und das ist nun ebenso beim 551 Inductor EQ der Fall. Dabei kontrastiert das Modul bewusst mit den Entzerren der „herkömmlichen“ aktuellen RND-Kanal-EQs und setzt an zentraler Stelle, wie der Name schon andeutet, auf das Soundpotenzial von Spulenfiltern – ganz so, wie es der legendäre 1073 und seine mehr oder weniger bekannten Geschwister bereits um 1970 vorgemacht haben.

Details

Edles Grau als dezenter Hinweis auf die Historie

Wenig überraschend kleidet sich die Kassette in das gleiche „Navy Grey“, das schon bei den Shelford-Channels Vintage-Vibes evozierte. Keine Frage, solch eine Farbe bringt uns direkt in die Welt der Neve-Flaggschiffe aus den frühen 70ern. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der 551 in seinem grundsätzlichen Layout den Kanal-Entzerrern der Mischpulte dieser Ära sehr ähnlich ist. Der vollparametrische EQ steckte damals noch in den Kinderschuhen, insofern folgt auch der 551 einer Parametrisierung, wie sie für Channel-EQs aus der Transistor-Frühzeit mehr als typisch ist. Als 3-Band-EQ ausgelegt, bietet der 551 dabei dennoch mehr Funktionen als der 1073 – die Welt hat sich eben weitergedreht, und das erlaubt einen neuen Blick auf das klassische Layout.

Mit dabei: „Magic 35“

Zunächst einmal kann das Tiefenband gleichermaßen mit Peaking- und Shelving-Charakteristik aufwarten, und zwar an den Eckfrequenzen 35, 60, 100 sowie 220 Hz. Diese Auswahl unterscheidet sich nur in haarkleinen Details vom Original, und das ist eine gute Sache. Denn zumindest von den Specs her sollte der donnernde Subbass bei 35 Hz ebenso im Spektrum des 551 liegen wie tiefmittiges Andicken von Gitarren, Keyboards oder gar Vocals. Eine Amplitude von ±15 dB (wie übrigens in allen Bändern des 551) sollte ausreichend Hubraum zur Verfügung stellen.

Daneben steht ein Lowcut zur Verfügung, der bei 80 Hz mit einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave greift. Dieser kann nicht nur als Trittschallfilter etwa auf Vocalspuren eingesetzt werden, sondern beispielsweise auch im Zusammspiel mit (heftigen) Boosts im Bass-Band des EQs, um oberhalb von 100 Hz Druck zu machen und im Subbass-Bereich trotzdem die Fassung nicht zu verlieren.

Induktivität in der Mitte

Während die Bass- und Höhenbänder als RC-Filter arbeiten, kommt in den Mitten ein Spulenfilter zum Einsatz, ganz so wie beid en Vinatge-Vorbildern. Mit sechs Ansatzfrequenzen zwischen 200 Hz und 6 Hz wird dabei ein sehr breiter Bereich von vergleichsweise wenigen EQ-Punkten abgedeckt, welche aber musikalisch sinnvoll positioniert wurden. Im High-Q-Modus wird die Filtergüte reduziert, was beispielsweise auch schon die Vintage-Luxusversion des 1073, der 1084 konnte. Als Proportional-Q-Filter ausgelegt, verändert sich die Filtergüte aber ohnehin stets in Abhängigkeit von der Gain-Einstellung, was dem Mittenband hilft, bei extremeren Settings zielgenauer zu arbeiten.

Zusätzliche Frequenzen in den Höhen

Schließlich bietet der 551 noch ein Höhenband, wie gesagt abermals in RC-Schaltungsweise ausgeführt, und etwas moderner konzipiert als die beiden anderen Abteilungen des RND-EQs. Mit wahlweise 8 und 16 kHz umspielt es die 12 kHz-Voreinstellung des 1073. Es bietet somit also zwei sehr nützliche Optionen, einerseits die brettig-präsenten Hochmitten, andererseits ein luftiges Airband. Dazu kann der EQ hier abermals zwischen Peaking- und Shelving-Charakteristik umgeschaltet werden, was gegenüber den Vintage-Kassetten eine deutlich erweiterte Flexibilität bedeutet.

Natürlich mit Übertragern!

Schaltungstechnisch bietet der 551 erwartungsgemäß keine größeren Überraschungen. Nach Eingangsübertrager und Transistor-Eingangsstufe folgt erst der Lowcut, dann die eigentliche EQ-Sektion und schließlich die Transistorausgangsstufe und der Ausgangsübertrager. Fast müßig ist es zu erwähnen, dass auch der 551 in diskreter Class-A-Technik mit wenig Gegenkopplung konzipiert wurde, also nach den Schaltungskriterien, die für immer untrennbar mit dem Namen Rupert Neve verknüpft sind. Wie die anderen RND-Geräte auch, bedient sich der amerikansiche Hersteller aber modernster Fettigungstechnologien, was beispielsweise die Verwendung von SMD-Bauteilen mit einschließt. Laut Rupert Neve bestand die Herausforderung bei der Entwicklung des Moduls darin, die Leistungsfähigkeit seines EQ-Designs auch im Rahmen des limitierten Platz-, Spannungs- und Strom-Angebotes des 500-Standards zu gewährleisten. Was das reine Hardware-Layout betrifft, ist dies auf jeden Fall schon einmal gelungen: Die Kassette wurde in geschlossener Bauweise gefertigt und präsentiert sich ebenso robust und akkurat gefertigt, wie man das von einem Hersteller dieses Kalibers zu Recht erwarten können muss.

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