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Test
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21.12.2020

Roland TR-06 Test

VA Drum Machine

Die digitale 606 für Vintage-Hippster – oder doch lieber ne Behringer RD-6 ?

Mit den zeitgleich erschienenen Drum Machines TR-06 und TR-6S manifestiert Roland die Zweigleisigkeit ihrer Produktlinien: Auf der einen Seite modern-futuristische AIRA/Performer-Geräte mit großen Reglern, vernünftiger Haptik, vielen Extras und der Tendenz zur Überforderung – auf der anderen Seite die „maximal-originalen“ Mini-Klassiker-Klone der Boutique-Serie mit klar fokussiertem Einsatzgebiet. 

Preislich sind beide 606-Neuinterpretationen gleich auf. Für 370 Euro gibt es so bei der verhältnismäßig kompakten TR-6S Rhythm Performer neben 606-Sounds entsprechend seriöse Anschlüsse, einen modernen Ansatz sowie tiefergehende Features und insbesondere klangliche Erweiterungen in Form von 808, 909, 707 Emulationen, einem Synth sowie Sample-Support. Unser Testobjekt TR-06 hingegen kann „nur“ 606, bietet lediglich popelige Miniklinken sowie als einziges echtes Alleinstellungsmerkmal einen eingebauten Schrott-Lautsprecher. Echt jetzt?!

So einfach es aber dann doch nicht und bereits jetzt möchte ich vorausschicken, dass ein konzentrierteres Feature-Set durchaus mehr „Hands-On“ bei weniger Sub-Menü-Getauche bieten könnte. Klanglich dürften keine Unterschiede zu erwarten sein, da alle neuen Roland-Produkte die gleiche digitale ACB-Technik zur Klangemulation historischer Eigenvorlagen nutzen, zumindest haben unsere Vergleiche von TR-8, TR-8S und TR-08 bzw. TR-09 ähnliches ergeben. Kurzfassung: Mikroskopische Unterschiede ja, besser oder schlechter, nein. 

Unterscheidungsmerkmale sucht man demnach besser in den unterschiedlichen Gehäusen, ihren Zugängen, der Haptik sowie bei den spezifischen Extras. Ausgerechnet bei der traditionell „Feature-mageren“ 606 hat Roland in der Boutique-Variante aber dennoch einige Extras mehr unter die Haube geklemmt, als bei Boutique sonst üblich. Verwirrend. Zeit, genauer hinzuschauen und etwas Entscheidungshilfe zu bieten – auch wenn zum Testzeitpunkt keine TR-6S zum Vergleich zur Seite stand. 

Details

The Way of Roland

Die TR-06 ist ein weiterer Synth der Boutique-Serie aus dem Hause Roland. Die kompakte Drum Machine widmet sich explizit der digitalen Reproduktion der „Computer Controlled Drumatix“ TR-606 aus dem Jahr 1981, die als die kleine Schwester der legendären Roland 808 bezeichnet wird und deren Instrumenten-Sounds sich stark ähneln.

Eine weitere 606-Kopie hat auch Behringer mit der RD-6 kürzlich auf den Markt gebracht. Die RD-6 ist wie das Original analog in der Klangerzeugung, sie verwendet also kein digitales Modeling wie Roland. Roland 606-Sounds gab es außerdem schon einmal vor ein paar Jahren aufpreispflichtig als Erweiterung für die Aira TR-8. Mittlerweile ist das Upgrade jedoch verschwunden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt …

Alle Roland Boutique Synths zeigen sich in demselben Formfaktor und orientieren sich optisch an den Originalen. Wie bei allen Drum Machines der Serie gehört auch bei der TR-06 das DK01 genannte Gehäuse dazu, wodurch sich das sehr solide Metallgehäuse gut anschrägen lässt. Weil die echte 606 nicht größer als die TR-06 war, fühlt es sich hier besonders originalgetreu und weniger fummelig an als beim Rest der Boutique-Familie. Und dazu gehören aktuell: Roland TR-08Roland TR-09Roland JU-06Roland JX-03Roland JP-08Roland SH-01a und Roland SE-02.

Simple Drum Machine

Die 606 ist beschränkt, was ihre sieben Sounds anbelangt: Kick, Snare, zwei Toms, ein Cymbal und die kombinierte HiHat lassen sich traditionell nur durch den Accent beeinflussen. Der Sequenzer bietet acht Spuren, welche mit 16-Steps programmiert werden können. Hinsichtlich der Sequenzer-Spuren macht die TR-06 leider keine Ausnahme, obwohl sie mehr Sounds als das Original besitzt.

Pattern-Chains und der Pattern-Group (2*16 Steps) machen Rhythmen komplexer, genau wie das tolle SubStep-Feature, mit den bis zu vier 1/128 Noten pro Step gespielt werden können. 128 Patterns und acht Tracks, in denen die Patterns arrangiert werden können, sind speicherbar. Kits lassen sich indes nicht speichern – was man zuletzt eingestellt hat bleibt! 

Analoge Einzelausgänge gibt es bei der TR-06 nur zwei an der Zahl – diese lassen sich Stereo oder Dual-Mono nutzte, die Instrumente dann entsprechend der 1 oder 2 zuweisen. Fünf Trigger-Outs sowie vollständige Einzelausgänge via Micro-USB kommen hinzu. Einen Trigger-In sowie einen analogen Stereo-Mix-In gibt es ebenfalls, letzterer wird sogar A/D gewandelt und über USB-Out 9/10 übertragen. MIDI I/O auf DIN-Buchsen sowie via USB gibt es auch. 

Rückseitig sind ferner ein kleiner Schiebeschalter für Power zu benennen sowie Kopfhörer- und Main-Out, regelbar via Stift-Poti. Das gemeinsame Poti regelt auch den kleinen Lautsprecher, welcher inaktiv wird sobald ein Kabel in die Outs gesteckt wird.  

Extra Sounds und Effekte

Unter der Haube lassen sich Parameter einzelner Sounds – entgegen Original und Behringer – filigran, als auch drastischer anpassen, jedoch ist das Ganze recht selektiv. Für jedes Instrument gibt es einen individuellen Mute, Gain, Tune, Decay und Stereo-Pan. Kompression für Snare und Kick kommt hinzu, ein BD-Attack und ein SD-Snappy Parameter sowie regelbarer Geräuschanteil für LT und HT runden die Sache ab. Das kennt man ähnlich aus anderen Boutique- und AIRA- Kisten, ist hier aber dennoch recht umfangreich ausgefallen.

Überrascht hat mich außerdem die üppige Inkludierung unterschiedlicher Instrument-Variationen, die wie folgend aufgelöst sind: 

  • Bassdrum: TR-606 BD, RICH, FAT 
  • Snaredrum: TR-606 SD, RICH, FAT 
  • Low Tom: TR-606 LT, Synth Percussion, NOISE TOM, CP, RS
  • Hi Tom: TR-606 HT, Synth Percussion, NOISE TOM, CP, RS
  • Cymbal: TR-606 CY, GATE, CYMBAL, CP, RS

So viele Variationen gibt es bei keiner anderen Boutique Drum Machine. Aber warum man Zusatzsounds wie Clap und RS in ein Untermenü gepackt und nicht gleich auf den Instrument-Wahlschalter und zwei separate Sequenzer-Spuren geparkt hat – es leuchtet mir nicht ein. Immerhin kann man HiHats unlinken sowie den Open HiHat Tempo Sync deaktivieren, wobei er auf "On" den Decay-Wert der OH synchron zum Tempo ausdehnt. 

Overdrive und Delay Effekt gab es bei Original schon mal gar nicht, bei Behringer zumindest einen globalen eher mäßigen Overdrive. Die TR-6 kennt beides und lässt beide Effekte für jedes Instrument individuell anwählen – quasi als eine Art Send bzw. Insert. Der Overdrive kann in der Intensität geregelt werden und kennt die Unterkategorien Saturator, Bitcrusher, Distortion und Low Pass/High Pass Filter.  

Das Delay wiederum kann pro Instrument nicht nur aktiviert sondern auch in seinem Send-Anteil geregelt werden! Es kennt die Flavours Digital Delay, Panning Delay, Tape Echo Reverb, Flanger, oder Side Band Filter. Da guckste Behringer, was?!

Überrascht war ich außerdm vom Umfang der Sequenzer-Möglichkeiten: Step Loop (Repeat/Stutter), Sub-Steps, Flam, Fill-In, Probabilitiy, Velocity, Pattern-Shift, und, und, und. Besonders die Sub-Steps helfen, komplexere Beats zu bauen, da pro Step so auch mehr Noten mit x2, x3, x4 oder auch ein Flam programmiert werden kann.

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