Test
5
24.07.2018

Roland DJ-505 Test

DJ-Controller

Kleines Schlachtschiff für DJs

Wenn man die Roland DJ-505 zum ersten Mal sieht, ist man direkt beeindruckt von den vielen Buttons, Fadern und Drehreglern, die unter Strom mit farbigem Lichtspiel beeindrucken. Und dabei haben wir es „nur“ mit der kleinen Schwester der DJ-808 zu tun, ein noch üppigeres Modell, das hier bereits mit einem Test bedacht wurde.  

Beide Modelle bieten ein auf Serato abgestimmtes Controller-Design, eine Mixing-Sektion, an der auch Vinylspieler angeschlossen werden können, einen Mikrofoneingang, eine Effektsektion und als Sahnehäubchen eine Drum-Machine mit Sequencer und integrierten Classic-Sounds. Sogar Serato-Sampling ist mit an Bord dieser „Schlachtschiffe“! Schauen wir uns an, was für Qualitäten in der Kiste stecken.

Details

Vier Decks und zwei Kanäle bietet die DJ-505 ihrem neuen Besitzer, damit sind wir schon bei einem Unterscheidungsmerkmal zwischen DJ-505 und DJ-808, die auf vier Kanäle ausgelegt ist. Auch in den Dimensionen gibt sich der Testkandidat mit 53 cm Breite, knapp 40 cm Tiefe und etwas mehr als 7 cm Höhe deutlich kleiner aus. Mit 3,5 kg ohne Netzteil ist er dazu auch noch leichter. Klar, hier ist Kunststoff das Material der Wahl, trotzdem empfinde ich die Verarbeitung insgesamt recht solide, speziell wenn man die Features und den dafür verlangten Straßenpreis von um die 600 Euro in die Rechnung mit aufnimmt. Da ist schon für weniger mehr verlangt worden.

Im Lieferumfang des größtenteils zweifarbig bedruckten Kartons befindet sich neben der DJ-505 Hardware das passende Netzteil, ein USB-Kabel und die gedruckte mehrsprachige Kurzanleitung. Serato DJ muss von der Website heruntergeladen werden. Über einen beigelegten Voucher aktiviert man via „My Serato“ das DJ Tool Kit, mit dem Serato Pitch ‘n Time DJ, Serato Flip und alle Serato DJ FX Packs freigeschaltet werden. Betrachten wir nun den Testkandidaten im Detail. Als erstes die Bedienoberfläche, die in fünf Sektionen aufgeteilt ist, die wir nun im Einzelnen durchgehen.

Browser

Wie der Name assoziiert, navigiert man hier mit insgesamt vier Tasten und einem Push-Encoder durch die Crates der Serato DJ-Software, arbeitet sich durch die Tracks, sortiert diese nach verschiedenen Kriterien wie Tonart, Tempo, Titel oder Künstler, wählt diese aus und lädt sie auf die Decks.

Deck-Sektion

Dieser Bereich ist am umfangreichsten ausgestattet und – ihr werdet jetzt nicht überrascht sein – natürlich zweimal vorhanden. Auf der linken Seite haben wir Deck 1 und 3, rechts erwarten uns Deck 2 und 4. Umgeschaltet wird mit einem dafür vorgesehenen Button. Mit den ungefähr 12 cm im Durchmesser großen Tellern vollführt man Scratches, steuert den Pitchbend und mit gedrückter Shift-Taste wird die Abspielposition verändert.

Gemixt wird entweder im Sync oder halt ohne – ein Druck auf den entsprechenden Button entscheidet, vorausgesetzt, dass in Serato DJ unter den Voreinstellungen der Sync nicht auf „aus“ steht. Das Tempo reguliert ein etwas über 60 mm langer Fader, wieder ein Unterschied zur DJ-808, die mit 100 mm Fadern bestückt ist. Key-Lock ist auf Knopfdruck im Programm, in Kombination mit Shift erweitert man den Regelbereich des Pitch.

Acht hintergrundbeleuchtete Gummi-Pads stehen für verschiedene Performances bereit, mit vier Buttons darüber wird bestimmt, in welchem Modus diese arbeiten. Neben Hot Cue mit acht verschiedenen Sprungmarken und Roll (superkurze rhythmische Loops) ist auch das Triggern der unterschiedlichen Drum-Sounds aus der TR-Sektion möglich oder das Abfeuern der Serato Samples. Bei gedrückter Shift-Taste gibt es weitere Optionen, mit Cue Loop wird direkt ein Loop aus einer Markierung gestartet, Slicer zerlegt die gerade spielende Musik und legt sie automatisch auf die Performance Pads. Pattern steuert die verschiedenen programmierten Drum-Patterns an, werden mehrere gleichzeitig gedrückt, spielen diese nacheinander im Loop ab. Die Pads reagieren auf Wunsch auf Velocity, sprich Anschlagstärke. Bei den Serato Samples wird das mit gedrückter Shift-Taste aktiviert, für die TR-Drums muss man einen „Doppelklick“ machen. Die wechselnden Hintergrundfarben der Pads sind nicht nur als optisches „Schmankerl“ gedacht, sondern erfüllen auch ihren Zweck, denn sie signalisieren, in welchem Betriebsmodus gerade gearbeitet wird.

Parameterwerte der Performance-Pads können abhängig vom gerade gewählten Modus über zwei Tasten am unteren rechten Rand eingestellt werden, zum Beispiel die Notenlänge von Rolls. Direkt neben den Pads ist der Loop-Bereich positioniert, auch hier wird alles mit gummierten Buttons aktiviert, fünf sind es an der Zahl. Zwei davon verdoppeln oder halbieren die Länge des Loops in rhythmischen Einheiten, mit Shift wird der Loop der Länge nach links oder rechts verschoben.

Mixer

Die Mixer-Sektion ist zwischen den Decks und unterhalb des Browsers positioniert, so wie das sein sollte. Zwei Fader stehen hier für die beiden Kanäle zur Verfügung und haben bei Bewegung einen genau richtigen Widerstand, sind also weder zu leichtgängig noch zu schwer. Das Gleiche gilt für die Potis, wo wir pro Kanal fünf Stück vorfinden. Mit Trim regulieren wir die Lautstärke, dann folgt ein Dreiband-EQ mit Boosts, die in Serato DJ mit 6 dB oder 12 dB eingestellt werden. In die andere Drehrichtung schraubt man die Frequenzen bis zum Kill heraus. Am Ende sitzt ein Tief-/Hochpassfilter, mit einem Dreh nach links werden hohe Frequenzen weggefiltert, nach rechts funktioniert es genau anders herum. Mit den Cue-Tasten wird vorgehört.

Mittig zwischen den beiden Kanalzügen gibt’s noch mal vier weitere Potis, um Lautstärken von Master und Booth einzustellen, mit dem Mixing-Poti regulieren wir den Anteil zwischen Cue- und Master-Signal (Kopfhörerlautstärke wird an der Vorderseite justiert). Zum Abschluss gibt es noch einen Drehknopf für die Lautstärke der Drum-Machine beziehungsweise des Serato Samplers einschließlich einer Vorhörtaste dafür. Mit schwarzer Farbe abgesetzt zeigen die Level-Anzeigen in üblichen Ampelfarben die Ausgangspegel der Kanäle links und rechts mit jeweils einer LED-Leiste und das Master-Volume in der Mitte davon mit einem Stereometer an. Am unteren Teil der Mixer-Sektion sitzt der sehr leichtgängige Crossfader und schließt die Mischer-Sektion ab.

Effekt-Sektion

Übersichtlich ist die FX-Abteilung, jeder Kanal und zusätzlich die TR-Sektion bekommen davon eine spendiert. Mit insgesamt vier Buttons und der gleichen Anzahl von Potis bearbeitet man die Effekte. Hier sind zwei Betriebsmodi vorgesehen: Entweder laufen drei Effekte in Kette (Multi FX) oder einer alleine (Single Mode). Abhängig von dem Modus, der mit Drücken von Shift und der rechten FX-Taste gewechselt wird, arbeiten die restlichen Drehknöpfe und Taster. Der rechte Push-Encoder wiederum sorgt für unterschiedliche rhythmische Zeiteinheiten bei FX mit einer Modulation, hier kann aber auch das Tempo „getappt“ werden. Bei entsprechend eingestellten Layout für Serato sieht man auf dem Computer-Screen, wie genau die Effekte gerade eingestellt und parametrisiert sind. Diese stammen übrigens vom renommierten Plug-in-Entwickler iZotope.

TR-S-Sektion

Den oberen Bereich der DJ-505 nehmen die mit der von Roland erfundenen „Advanced Circuit Behavior“-Technologie versehene TR-Drum-Machine und der Serato Sampler einschließlich des zugehörigen Sequencers in Anspruch.   Hingucker sind dabei die 16 TR-S Pads, in bunten Farben leuchtende Taster aus transparentem Kunststoff, die als Lauflicht des Sequencers fungieren, aber auch zur Programmierung und Auswahl der Sounds und Patterns dienen. Mit Start/Stopp werden diese zum Rollen gebracht und wieder angehalten, entweder mit eingestellten Tempo oder auf Tastendruck im Sync zur laufenden Musik der Decks.

Auf einem einfachen LED-Display in 80er-Jahre-Optik leuchten das Tempo oder andere Parameter, die man mit dem Poti daneben bearbeitet. Zur Auswahl stehen diverse Eigenschaften, die mit den Buttons rechts neben dem Display ausgewählt werden. Mit Scale ändert man die Pattern-Skala zwischen Sechzehntel, Sechzehntel Triole, Achtel Triole oder Zweiunddreißigstel und Shuffle manipuliert das Feeling des Grooves. Weiterhin finden wir hier sieben Buttons und vier weitere Drehregler, um die Sounds und Patterns des Samplers und der Drum-Machine zu manipulieren, damit beschäftige ich mich im Praxisteil genauer.

Frontseite und Backpanel

An der Rückseite ist einiges im Angebot, besonders erfreulich ist die Möglichkeit, zwei Plattenspieler anzuschließen (inklusive Erdung), alternativ gehen auch andere Klangquellen wie CD-Player. Mit einem kostenpflichtigen DVS-Upgrade ist auch der Einsatz von Timecode-Vinyl realisierbar. Schade nur, dass Line- und Vinyl-Eingang nicht wie bei der DJ-808 separat ausgeführt sind und sich stattdessen einen Anschluss teilen müssen.

Der Master-Ausgang ist in XLR und in Stereo-Cinch, Booth ist mit großer Klinke ausgeführt. Mikrofone werden ebenfalls nur mit Klinke angeschlossen, beim größeren Modell steht dafür eine XLR/Klinke-Kombi-Buchse zur Verfügung. Schade. Mit einem kleinen Drehknopf mit der Beschriftung „Mic Sens“ regelt man den Gain des verbundenen Mikros – zusätzlich zu einem Poti an der Vorderseite.

Anschluss für Netzteil und Power-Schalter und USB für die Verbindung mit dem Computer sind obligatorisch, gar nicht so selbstverständlich ist ein MIDI-Ausgang. Darüber verbindet man externe Klangerzeuger, die dann mit einer ausgehenden MIDI-Clock versorgt im Sync laufen. Cool! Hier liegt es nahe, den Ausgang eines externen Gerätes über einen der Line-Eingänge wieder in die DJ-505 zurückzuführen und dort weiter zu bearbeiten, beispielsweise mit den Effekten.

Die Frontseite gibt sich im Vergleich zum Rest minimalistisch. Neben den Logos von Roland und Serato gibt es hier nicht so viel zu sehen. Zwei Kopfhörerbuchsen, einmal mit der großen 6,35 mm Klinke und dann zusätzlich mit 3,5 mm. Beide können gleichzeitig genutzt werden, ein kleiner Volume-Regler ist für die Lautstärke zuständig.

Ein dreistufiger Schalter verändert die Kurve des Crossfaders und mit einem weiteren Schiebeschalter wird dieser in den Reverse-Modus versetzt. Die DJ-808 hat keinen Hamster-Switch, hier wurde nachgebessert. Was für ein Audiosignal in die beiden Kanäle geschickt wird, definieren zwei weitere Schiebeschalter. Zur Auswahl stehen hier „PC“, was quasi die zur Verfügung stehenden Serato Decks meint, für den externen Eingang des Kanals muss entschieden werden, ob dies ein Vinyl- oder Line-Signal ist. Nicht vergessen dürfen wir den Lautstärkeregler für das hinten verbundene Mikrofon.

1 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare