Software
Test
10
20.04.2018

Praxis

Klassisch, aber leider nicht innovativ

Die Installation geht schnell vonstatten, die Plug-ins sind im Nu geöffnet und die GUI schnell verstanden. Besonders schön ist eine Zoom-Funktion (von 75 % bis 200 %), um auch auf großen Bildschirmen die ansonsten recht kleinen Plug-ins komfortabel bedienen zu können. Das fehlt älteren Roland-Plug-ins auf jeden Fall.

So richtig schlau ist der „klassische“ Look und die traditionelle Aufteilung der Parameter aber nicht: So gibt es einerseits einen unnötigen Classic-Mode („viel leere Fläche“) und einen Compact-Mode („wenig leere Fläche“) – einen All-Mode, der alle Parameter auf einer Seite zeigt, also ohne dass man umschalten muss, den sucht man aber vergebens. Zwischen den „klassischen“ Parametern Tune, Decay und Level sowie den „modernen“ Ergänzungen wie Gain und Pan muss man nämlich umständlich mit dem Panel-Button wechseln. Alles auf eine Seite packen hätte doch irgendwie mehr Sinn gemacht, oder?

Es geht aber auch andersherum, das heißt, man macht es anders als beim Original. Und hier kommt Roland: Nicht original, dafür aber umständlicher. Die Step-Button toggeln hier zwischen On/Off – On/Weak/Off wäre für ein schnelles Programmieren aber deutlich zielführender gewesen. So wie es nämlich jetzt gelöst ist, muss man erst an den Rand „Weak-Mode“ aktivieren, Step anklicken und gegebenenfalls wieder „Weak“ deaktivieren, bevor man den nächsten „normalen“ Step setzen möchte.

Ja und wo bitte ist denn das 808-Snare-Decay, an was wir uns mittlerweile seit der TR-8, gewöhnt haben und was im Handbuch sogar als MIDI-Befehl aufgeführt ist? Ich kann es euch leider nicht sagen, denn der Support scheint im Urlaub zu sein…

Extra Effekte: Fehlanzeige

Gain ist nicht nur simples laut/leise, sondern sättigt den Klang auch bis zur deutlichen Verzerrung. Freunde der verzerrten Kickdrum, das dürfte euch gefallen! Das war es dann aber auch schon mit zusätzlichen Effekten. Ganz schön dünn. Klar, man kann das auch alles mit den Bordmitteln der DAW machen, umständlicher wird es dann aber schon – und seien wir mal ehrlich: so zwei zusätzliche, interne Sends, einer für das Delay und einer für einen Reverb, hätten den Entwicklungsaufwand sicherlich nicht gesprengt. Innovativ war Roland gestern, ganz zu schweigen von der Möglichkeit, beide Drum Machines in einer zu kombinieren…

Same, same but totally different

Ja, es klingt grundsätzlich nach 909 und 808, keine Frage. Aber so richtig geil ist es nicht. Gerade die Snares und HiHats wollen mir in beiden Fällen nicht gefallen. Sie sind nicht dreckig und griffig genug – vor allem groovt es aber nicht so schön! Die Pattern bleiben zu statisch, der Gesamtklang wirkt komprimiert und das, obwohl es hier gar keinen Compressor gibt.

Am meisten fällt mir das bei der 909-Snare auf, die kein bisschen flanged und nicht fett genug peitscht. Die Plug-in-Varianten klingen einfach zu spitz, zu dünn, zu scharf. Sicherlich, echte 808s und 909s klingen auch immer unterschiedlich, aber so sauber und langweilig wie hier klingen sie sicherlich nicht. Grundsätzlich finde ich aber, dass das Modelling der 808 besser als bei der 909 gelungen ist. Und die Kicks von beiden überzeugen durchaus, sind aber eher eine moderne Alternative zu den Originalen. Der Rest? Naja, geht so.

Ein Matching zwischen den verschiedenen neuen Hardware-Inkarnationen mit der Software scheint mir ebenfalls ein recht aufwendiges Unterfangen, sodass ich mir das erstmal sparen werden. Das werden wir aber noch in einem ganz großen Vergleich nachholen, versprochen! Fürs Erste muss der simple Vergleich mit den Originalen und folgende Aussage reichen: Bei gleichen Einstellungen klingt es definitiv bei den Boutiques und auch mit TR-8(S) nicht gleich und selbst beim Versuch, die Maschinen zu vermitteln, kommt nur bedingt dasselbe heraus. Beispielsweise klang die Kick der TR-09 etwas tiefer und druckvoller als beim Plug-in, wobei die Unterschiede aber nur minimal sind.  

Die Salami-Taktik bzw. Roland, was machst du?!

Eine so große klangliche Differenz von den Boutiques und der TR-8(S) wie zu den Originalen ist nicht da – ich frage mich trotzdem ernsthaft, was Roland damit bezwecken wollte?! Zu einen Besser/Schlechter zwischen der neuen Hardware und den Plugins möchte ich mich an dieser Stelle also noch nicht hinreißen lassen. 

Der CPU-Load ist übrigens ebenfalls nicht ganz gering, scheint aber nur mit der ersten Instanz nach oben zu gehen und dann mit jeder weiteren Instanz nur minimal mehr CPU-Power zu fordern.

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