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Test
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10.01.2012

Roland BK-7m Test

Arranger-Modul

Begleitservice

Beim Anblick von Soundmodulen habe ich mich schon immer gefragt, wie man so viel Technik in ein so kleines Gehäuse packen kann. Und wenn die eigentliche Elektronik lediglich den Raum eines halben Schuhkartons belegt, dann muss im Inneren der entsprechenden Keyboard-Version logischerweise gähnende Leere herrschen – und das ist tatsächlich sehr häufig der Fall. Auch das BK-7m von Roland ist so kompakt, dass man ihm auf den ersten Blick nicht unbedingt zutraut, eine solche Soundqualität und Vielfalt zu bieten, wie sie der Blick in die technischen Daten offenbart: Das Modul strotzt nur so vor Sounds und Styles. 

Die Qualität von Arranger-Workstations ist mittlerweile sehr hoch und viele Musiker nutzen die Technik, um sich beim Spiel und/oder Gesang begleiten zu lassen. Der Vorteil eines Arranger-Moduls liegt auf der Hand: Hat man beispielsweise sowieso schon Digitalpiano, Synthesizer oder MIDI-Akkordeon im Einsatz, kann man den neuen Begleiter einfach über MIDI ansteuern und spart so außer einem weiteren Keyboard auch Geld und nicht zuletzt Platz auf der Bühne. Während die Bedienoberfläche eines Arranger-Keyboards in der Regel mit Tastern und Reglern übersät ist, kommt das BK-7m sehr übersichtlich und aufgeräumt daher. Ob es trotzdem überzeugen kann? Das letzte vergleichbare Roland-Modul war das RA-800, im Prinzip ein G-800 ohne Tastatur, das bis zum Jahr 2000 vertrieben wurde. Was hat Roland in elf Jahren dazugelernt?

DETAILS

Aufbau

Das Roland BK-7m kommt in einem wertig anmutenden schwarzen Kunststoffgehäuse mit silberner Umrandung, von dem Roland angibt, es sei „nicht größer als ein Buch“. Diese Aussage mag vielleicht etwas vage sein, aber wenn man sich einen 10 cm dicken Schmöker mit 30 und 19 cm Kantenlänge vorstellt, liegt man richtig. Tatsache ist jedenfalls, dass es durch seine schräge Pultform eine gute Ergonomie aufweist und entweder direkt auf ein Keyboard bzw. Digitalpiano gestellt oder auf ein optionales Stativ geschraubt werden kann. Vier Schrauben im Gehäuseboden warten bereits auf diesen Einsatz. 

Mit 1,7 kg ist das Gerät erfreulich leicht und kann bequem in einer Tasche transportiert werden. Das Bedienfeld ist übersichtlich strukturiert und Regler und Taster sind gut bedienbar. Alle Taster sind mit einer LED ausgestattet, die Aktivität signalisiert – meist blau, aber einige auch rot und grün. 

Drei Potis auf der linken Seite steuern die Gesamtlautstärke, die Lautstärke des Audio-Eingangs und die Balance zwischen Begleitspuren und Live-Sounds. Rechts daneben liegt das kleine Display, das zwar gut ablesbar ist, mit seiner Auflösung von 128 x 64 Pixeln aber nicht gerade Freude aufkommen lässt. Stöbert man mithilfe dieses Bildschirms, der gerade einmal vier Einträge gleichzeitig untereinander darstellen kann, durch die enorme Anzahl an Sounds, ist Hardcore-Scrollen angesagt. Bewegt wird der Cursor mit dem großen Cursor/Value-Rad und die gefundenen Parameter werden durch Drücken ausgewählt. Deren Werte werden dann per Rad geändert. Pfeiltaster sucht man hier vergebens.

Mit der Menu-Taste gelangt man in diverse Untermenüs, per Exit-Taste verlässt man sie wieder. Unterhalb des Displays liegen die Taster zur Steuerung der Live-Sounds, also der Klänge, die direkt von einem angeschlossenen Keyboard gespielt werden. Eine Etage tiefer warten zehn große griffige Taster mit den wichtigsten Arranger-Funktionen, je einer für die verschiedenen Style-Gruppen von Ballroom bis Tradit/World. Daneben und darunter findet man die wichtigsten Bedienelemente für die Steuerung der Begleitautomatik oder des Songs: Start/Stop, Tempo, Sync Start, Tap Tempo, die vier Variationen des Styles, Intro, Ending usw.

Alle Anschlüsse sind auf der Rückseite des Gehäuses untergebracht. Die Verbindung zum Computer erfolgt über einen USB-MIDI-Anschluss, daneben liegt der Slot zur Aufnahme eines USB-Sticks. Letzterer wäre auf dem Frontpanel besser platziert gewesen, genau wie der Kopfhörer-Anschluss, der fummelig neben dem Main-Output an der Rückseite gesucht werden muss. Der ebenfalls vorhandene Eingang für ein externes Audiogerät (CD/MP3-Player, Synthesizer, Digitalpiano etc.) macht ein Mischpult überflüssig, um die beiden Klangquellen zusammenzuführen. 

Per Video-Output lassen sich z.B. Lyrics auf einen Monitor oder Fernseher ausgeben. Für einen Fußschalter/-Taster ist eine Klinkenbuchse vorhanden, für Rolands Pedaleinheit FC-7 ein separater Spezial-Anschluss. Damit hat der Musiker die Möglichkeit, viele Funktionen wie Start/Stop, Ending usw. fernzusteuern, ohne die Hände vom Instrument nehmen zu müssen. Schließlich gibt es auf der Rückseite das obligatorische MIDI-In/Out-Paar, die robuste Anschlussbuchse für das externe Netzteil und den Ein/Aus-Schalter.

Tones

Die einzelnen Parts im BK-7m werden Tones genannt. Neben den Parts für die Styles und MIDI-Songs sind vier Live-Parts spielbar: Upper 1 und 2, Lower und Manualbass. Diese Klänge werden auf unterschiedlichen MIDI-Kanälen vom externen Gerät angesteuert und mit den Tasten unterhalb des Displays aktiviert und bearbeitet. Durch langes Drücken der jeweiligen Taste, z.B. UP1, erscheint im Display der Name des aktuellen Tones in einer Liste. Jetzt lassen sich mit dem Value-Rad auch andere Tones auswählen. Ein Druck auf das Rad, und man landet eine Menüebene höher in einer anderen Klang-Kategorie. Insgesamt 1131 Tones und 59 Rhythm-Sets bilden als Klangmaterial die Basis für die 128-stimmige Klangerzeugung im BK-7m, die mit dem Roland Sonic Cell Soundmodul verwandt ist. Die Soundengine ist kompatibel zu einer Vielzahl von Musikdaten-Formaten wie z.B. GM2, GS und XG Lite.

Styles und Songs

Es gibt drei Möglichkeiten der Begleitung: Styles, Songs (MIDI) und Audio-Files vom USB-Gerät im MP3- oder WAV/AIFF-Format. 
Zunächst zu den Styles: Es sind 433 davon an Bord, die in 10 Kategorien unterteilt sind. Dem Testgerät war außerdem ein USB-Stick mit 581 „alten“ Styles der G-, E-, VA- und RA-Serie von Roland beigelegt, die direkt vom Stick abgespielt werden können. Wer Styles bearbeiten und importieren möchte, der kann das mit diversen Programmen von Drittanbietern bewerkstelligen, die auf der Roland-Website aufgeführt sind.
Über den NTA-MIDI-Kanal (Note-To-Arranger) empfängt der Arranger den Akkord, wobei jeder Style vier Variationen sowie Intro und Ending mit unterschiedlicher Intensität bietet. Wie die Bezeichnung erahnen lässt, ermöglichen Sync-Start und -Stop das Starten bzw. Stoppen des Arrangers mittels Akkordspiels der linken Hand. Ist die Funktion „Auto Fill In“ angewählt, wird beim Wechsel von einer Variation zu einer anderen ein Fill gespielt. Leuchtet die Taste „Bass Inv“, kann man mit der linken Hand den Basston steuern: Spielt man z.B. einen C-Dur-Akkord in der ersten Umkehrung (E-G-C), erklingt er mit E im Bass. Über die One-Touch-Funktion ist es möglich, den Live-Part-Sound automatisch passend zum Style zu wählen, wobei vier verschiedene passende Registrierungen zur Verfügung stehen. 

MIDI-Songs und Audiodateien können ebenfalls direkt vom USB-Stick abgespielt werden, dabei werden Files vom Typ „stl“ (Style), „mid“ (Standard-MIDI-File), „mp3“ und „wav“ (Audio) verarbeitet. Das Abspieltempo wird mit den Tempo-Pfeil-Tasten oder der „Tap Tempo“-Funktion in Echtzeit beeinflusst. Die Taste „Key“ transponiert den Song, egal, ob MIDI-File, Audio oder sogar das Signal einer externen Klangquelle, das am Audio-Input anliegt. Beim Audiomaterial funktioniert das Ganze natürlich nur in gewissen Grenzen, irgendwann tauchen störende Artefakte auf. Bis zu einer Transposition von +/- 2 Halbtönen lässt sich mit der Funktion aber im Allgemeinen gut arbeiten. Es gibt auch die Möglichkeit, die Live-Parts allein oder Songs und Live-Parts gleichzeitig zu transponieren. 
In den folgenden Klangbeispielen ist die Echtzeit-Transposition eines am Audio-Eingang anliegenden Signals zu hören:

Die Taste „Track Mute“ hat je nach Modus unterschiedliche Aufgaben. Im Style-Modus wird der Arranger bis auf Bass und Drums stummgeschaltet, was vor allem bei überladenen Begleitpattern eine willkommene Ausdünnung sein kann. Im Song-Modus ist es bei MIDI-Files die Melodiestimme, die unterdrückt wird. Wer diese aus einem Audiofile entfernen möchte, kommt ebenfalls ans Ziel. Allerdings sollte für ein brauchbares Resultat der Gesang in der Mitte des Stereobildes angeordnet sein, und das möglichst ohne Hallfahnen, die das Signal verbreitern. Nur dann funktioniert das näherungsweise Auslöschen des Gesangsparts zufriedenstellend. 

Die sogenannte Cover-Funktion ermöglicht es, die Orchestrierung von Styles und MIDI-Songs gezielt und schnell zu verändern und die neue Version auf einem USB-Stick zu sichern. Dabei werden 30 verschiedene voreingestellte Orchestrierungen von Celtic bis Oriental angeboten. Das Ergebnis kann durchaus interessant klingen, wie im nachfolgenden Beispiel zu hören ist. Dabei wurde ein Style, während er lief, in verschiedenen Genres „gecovert“. 

Mit der Funktion „Makeup Tools“ kann man tiefer in die Style- bzw. MIDI-File-Materie eindringen und individuelle Änderungen am Sound vornehmen, also Klänge und Effekte ändern. Auch hier muss das Ergebnis neu auf dem Stick gespeichert werden.

Performances

In einer Performance wird die komplette Registrierung abgelegt. Das beinhaltet die Parameter für die Live-Parts genauso wie die Art der Begleitung, also welcher Style bzw. welcher Song mitlaufen soll. In der Performance werden auch viele Parameter abgelegt, die z.B. die Effekte der Live-Parts oder auch die Lautstärke der einzelnen Backing-Parts des Arrangers betreffen.

Das BK-7m besitzt mit dem sogenannten „Music Assistant“ eine Liste von 954(!) Registrierungen für bekannte Coversongs, bei denen jeweils Live-Parts und Styles so eingestellt sind, dass sie diesem Song sehr nahe kommen. Man kann auch eigene Performances und Listen erstellen und so Sets für einen Gig vorbereiten. Diese Performances und Listen werden auf dem USB-Stick gespeichert, wobei es im Prinzip keine Mengenbeschränkung außer der Speichergröße des Mediums gibt.

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