Hersteller_Roland
Test
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22.07.2014

Praxis

Das Handbuch der VT-3 ist zwar ein nur etwas größerer und ziemlich dicht bedruckter Beipackzettel, erklärt aber alles, was notwendig ist. Nun aber zu den einzelnen Effekten, deren Bedienelemente von links nach rechts so angeordnet sind, wie es auch der Signalfluss hergibt, was ich didaktisch übrigens äußerst sinnvoll finde. 

Links geht es mit einem ersten Fader und dem Pitch-Shifting los; hier kann man das Eingangssignal also um bis zu eine Oktave nach oben oder nach unten transponieren. Auftretende Artefakte fallen dabei mehr oder minder stark aus, wenn der darüber liegende „Robot“-Taster grün leuchtet und aktiv ist. Mit dem zweiten Fader daneben kann man die Formanten bearbeiten, welche das Stimmgeschlecht beeinflussen, womit es in den Extremen entweder besonders „maskulin“ oder aber „feminin“ erklingt. Hierzu ein erstes Beispiel:

Anschließend können weitere Effekte hinzugefügt werden, welche AIRA-konform mit einem grün gerahmten Drehregler ausgewählt werden können. Der Bypass dieser Sektion heißt hier übrigens „Direct“, alle anderen Effekten erklären sich durchaus von selbst, sie wurden also entsprechend sinnvoll beschriftet. Konkret: Auto-Pitch 1, Auto-Pitch 2, Vocoder, Synth, Lead, Bass, Megaphone, Radio und, natürlich nicht zu vergessen, Scatter!

Der Vocoder Sound ist hier besonders hervorzuheben, da er ohne weitere Bearbeitung verdammt dicht und „fertig“ klingt. Wenn ich da an meinen alten MAM-Vocoder und die Vorbereitungen denke, die nötig waren, bis der gut klang (Vorkomprimierung des Mic-Signals, Carrier-Sound optimieren etc.)… das alles ist hier wirklich nicht nötig. Top!

Die „Drehrad“-Effekte werden natürlich von den vorhergegangen Pitch/Formant Effekt mit beeinflusst, wie wir hören konnten. Weitergehende Parametrisierungen der Effekte finden sich allerdings nicht. Mit dem rechts folgenden Fader kann nun nur noch das Mischungsverhältnis aus Effektsignal und „trockenem“ Mic-Signal festgelegt werden, was vor allem bei drastischen Effekten wichtig ist, um die Sprachverständlichkeit durch das Original-Signals zu erhalten. Abschließend kann man dann auf diesen Mix noch einen Reverb anwenden, welches das Signal weich in eine fette Hallwolke bettet. Das Mischungsverhältnis wird dabei mit dem letzten Fader rechts außen festgelegt. Weitere Einstellmöglichkeiten, wie etwa Decay, gibt es aber auch hier nicht. Schlimm finde ich das aber nicht, denn auch hier stimmt der „Sound aus der Dose“. S-Laute bereiten dem VT-3 kaum Probleme; denn seien wir mal ehrlich, nichts ist schlimmer als unnatürlich zischelnde Sounds, die sich in den Äther der Hallwolke schrauben

Ergänzt wird das Ganze von einem Bypass-Taster sowie von drei frei belegbaren Preset-Tastern (langes Drücken speichert). Daraus folgt, das eventuell die Fader-Stellungen nicht immer zu dem aktuellen Sound passen, was wiederum den zusätzlichen „Manual“-Taster erklärt. Dieser ruft die aktuellen Einstellungen der Regler ab. Besonders viele Speicherplätze sind das zwar nicht, aber für die kleine Performance reicht es allemal. Und damit meine ich Performance wirklich wörtlich, denn die Presets kann man auch als Makro-Control für beispielsweise genau eingestellte Pitch-Werte benützen, um so einen Dialog mit bis zu drei verschiedenen Stimmen führen zu können. Selbstgespräche auf höchstem, technischen Niveau also. Kleines Beispiel?

Die Klangqualität des VT-3 ist wirklich sehr gut! Selbst wenn man während einer Performance heftig an den Reglern herumspielt, treten keinerlei Knackser oder Aussetzer auf, was ja leider bei wenigen Digitaleffekten der Fall ist. Sogar als Standalone-Mic-Preamp inklusive Wandler und Kopfhörerverstärker macht das VT-3 ein verdammt gute Figur, sodass es auch für Podcaster und Web-Streamer interessant sein dürfte. Der Mic-In bietet genügend Dampf und bleibt dabei sogar ziemlich rauschfrei. Lediglich der Kopfhörerverstärker könnte für laute Live-Umgebungen etwas zu schwach sein. Außerdem ist es etwas schade, dass sich dieser nur gemeinsam mit dem Main-Out regeln lässt, also keinen eigenen Lautstärkeregler besitzt. Andererseits wird man sich bei etwas umfangreicheren Live-Setups sowieso eine vernünftige Monitormix-Möglichkeit überlegen müssen, die den Einsatz weitere Geräte fordern wird. Und hier noch ein paar „pure“ Audiobeispiele, aufgenommen mit meinem Shure SM57. Das letzte Beispiel habe ich aus dem trockenem Mono-Signal sowie dem Mono-Effekt-Signal gewonnen, wobei ich dessen rechten Kanal für mehr Stereobreite einfach mal phasengedreht habe.

Bei der Verwendung mit dem Computer ist die Loop-Back-Funktion besonders nützlich zu nennen: Mit dieser kann man bereits aufgenommene Takes mit dem Live-Eingang mischen, um so Overdubs mit unterschiedlichen Effekten erzeugen zu können. Sollte man allerdings bereits ein anderes Audiointerface benutzten, ist eine gemeinsame, gleichzeitige Verwendung mit dem eingebauten Audiointerface des VT-3s nur bedingt möglich. Und so arbeitet das VT-3 auf dem PC nur mit Zusatzsoftware wie ASIO4All mit einer bestehenden Soundkarte zusammen. Auf dem Mac geht es wiedermal komfortabler zu, und zwar mit dem sogenannten „Aggregated Device" bzw. "Hauptgerät".

Wie alle Aira-Geräte arbeitet auch das VT-3 intern mit 96 kHz und lässt deshalb auch bei der Verwendung als Audiointerface keine geringeren Samplerates zu. Das ist zwar nicht wirklich super, ein großes Problem ist es meiner Meinung nach aber auch nicht. Weitere Infos dazu findet ihr auch in meinem Testbericht zum Roland Aira TR-8.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich am VT-3 wenig zu meckern habe! Das Ding ist wirklich auf den Punkt. Es wäre natürlich noch schön gewesen, auch einen analogen Stereoeingang für Line-Signale zur Verfügung zu haben. Weiterhin hätte ich mir gewünscht den Ausgangspegel auf +4dBu hochschalten zu können, wie es auch bei der TR-8 möglich ist. Der vorhandene Ausgangspegel von -10 dBV ist allerdings ein guter Kompromiss, da er die meisten Bodentreter-Effekte, die eventuell noch nachgeschalten werden, nicht überfordert.

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