Software
Test
10
06.03.2019

Praxis

Déjà-GUI

Nicht nur bei der GUI, auch bei den Funktionen sind die Parallelen zu Go2 offensichtlich. Die Preset-Sektion am oberen Rand der GUI ist identisch – auch mit dem Preset-Manager, mit dem man sich alle Sounds in einer List anzeigen lassen kann. Und im Wesentlichen sind in beiden Synths auch die gleichen Elemente verbaut, nur die Klangerzeugung ist bei Vecto komplexer.

Die 4 Oszillatoren können auf ganz unterschiedliche Weise schwingen, die Auswahl an Oszillator- und Sample-Wellenformen ist riesig. Bei allen vier Klangerzeugern kann das Signal weiter bearbeitet werden, zum Beispiel über Spread, Pan Volume oder indem man es verstimmt, und dazu kommen ja noch die Möglichkeiten der Überblendung der Sounds. Besonders interessant ist im Vektor-Bereich auch die Option, die Geschwindigkeit des Vektor-Punktes extern steuern zu können. Pitchbend ist voreingestellt, aber auch jede andere CC-Nummer und selbst LFOs oder andere Synth-Parameter können zur Steuerung der Bewegungsgeschwindigkeit genutzt werden. Bei den vielen gestalterischen Mitteln ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits über 1000 Presets mit dem Synth geliefert werden.

Bei Vecto gibt es zwei Filter mit 28 verschiedenen Filtertypen. Sehr interessant ist die Möglichkeit des Signal-Routings. Es lässt sich bestimmen, wohin das Signal nach dem Filter geführt wird. Zum Beispiel lässt es sich direkt in einen der beiden Effekte schicken. Bis zu fünf Effekttypen sind wählbar. 

Und wem das noch nicht reicht, der kann über zwei Envelopes, zwei LFOs, einen Arpeggiator und eine Modulationsmatrix weitere Veränderung am Sound vornehmen. Rob Papen, bekannt als der Synth-Papst, packt seine Instrumente immer voll bis unters Dach und Vecto ist da keine Ausnahme.

Insgesamt betrachtet sind Vecto und Go2 quasi identisch aufgebaut, aber klingen sie auch gleich?

Sound

Wie schon bei Go2 gibt es neben den üblichen Bänken wie Pads oder Basses auch wieder Sound-Kollektionen von JoMal und Oddicton. Insgesamt sind über 1000 Presets in 21 Bänken mit an Bord. Das Wichtigste ist und bleibt bei einem Synthesizer nun mal der Sound, also hören wir uns Vecto an.

Aufgrund des Vektorfeldes sind natürlich erst einmal die Sounds interessant, die sich bewegen, in denen eine Bewegung hörbar ist. Im ersten Beispiel hört man, wie der Vektorpunkt mehrere Felder passiert und damit den korrespondierenden Sound lauter werden lässt. Dadurch entsteht ein rhythmisches Element, das den Sound zum Leben erweckt. Im zweiten Beispiel hören wir zu der Bewegung des Vektorpunktes durch die Sounds der vier Oszillatoren noch zusätzlich die Verteilung dessen im Stereofeld, ein Effekt, der über die Modulationsmatrix erzielt wird. Und auch das dritte Beispiel beruht auf Bewegung. Dabei ist auffällig, dass der tiefe Saw-Bass die ganze Zeit zu hören ist. Das wurde dadurch erreicht, dass zwei der vier Oszillatoren mit dem gleichen Sound belegt wurden. 

Natürlich gibt es auch eine Arp-Sound-Bank. Das nächste Beispiel veranschaulicht gut, welch komplexe Sounds in Vecto kreiert werden können. Im ersten Beispiel hören wir zwei verschiedene Sounds, einen hohen und einen tiefen. Außerdem sind die Akzente des oberen Sounds leicht angezerrt und nicht nur durch ein Delay verzögert, der Delay-Effekt ist zudem im Panorama verteilt. Diese Art von Preset lässt sich perfekt in Filmmusik einsetzen, wenn es darum geht, Spannung und Energie zu erzeugen. Im zweiten Beispiel brilliert Vecto ganz ohne Vektorfeld, die Bewegung des Arp-Sounds wurde durch den Arpeggiator und ein Delay erzeugt. Auch hier sehe ich wieder eine Filmszene vor meinem geistigen Auge, zum Beispiel, wenn die Polizei anfängt, sich langsam und vorsichtig auf das Haus des Verdächtigen zuzubewegen. Ein paar Streicher-Flächen dazu, fertig ist der Cue.

Interessant ist auch die Bank Choirs & Strings, so etwas habe ich länger nicht bei Rob Papen gesehen. Natürlich ist das erste Beispiel aus dieser Bank nicht mit den Sample-Libraries von Spitfire Audio zu vergleichen, aber um einen Cue anzudicken oder als Fläche in einem finsteren Hip-Hop-Beat ist das Preset perfekt. Aber schließlich ist es immer noch Rob Papen und so geht die Bank weiter über herkömmliche Streicher-Sounds hinaus, wie das zweite Beispiel zeigt. Hier hören wir die moderne Interpretation eines klassischen Streicher-Sounds, bei dem klar wird, wie wertvoll eine Modulationsmatrix sein kann. Und das dritte Beispiel zeigt wieder eine andere Seite von Vecto. Das Chord-Strum-Preset präsentiert eine festgelegte Tonfolge aus gesummten Tönen, die gut in einem R&B-Song einzusetzen sind.

Zum Abschluss jetzt noch zwei Sounds aus der Kategorie Synth. Der erste ist ein Wobble-Bass-Sound, aber nicht irgendeiner. Die Geschwindigkeit des Wobble-Effektes ist an die Anschlagsstärke gekoppelt: Je härter man den Ton anschlägt, desto schneller bewegt sich der Bass. Das zweite Beispiel zeigt dann noch einmal, wie interessant die Überblendungseffekte eingesetzt werden können. In diesem tollen Preset bewegt sich der Vektorpunkt quadratisch über das Feld und triggert so immer unterschiedliche Sound. Das Vox-Pad, das am Anfang zu hören ist, verbleicht, dafür ist ein tiefes Pad zu hören, das dann wiederum für den metallischen Sound Platz macht.

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