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Test
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29.08.2014

Reloop Terminal Mix 8 Test

4-Kanal-DJ-Controller mit USB-Audiointerface für Serato DJ

Alles, was der Software-DJ braucht!?

Reloop Terminal Mix 8 im Bonedo.de-Test: Ein Controller, wie gemacht für den digitalen DJ? Nun, nicht umsonst erfreut sich die Terminal Mix-Serie seit über zwei Jahren großer Beliebtheit und das Terminal Mix 8 ist bereits der dritte Spross der Familie und gleichzeitig auch das neue Flaggschiff. Ausgestattet mit vier Kanalzügen, einem integrierten Soundinterface und zahlreichen Performance Tools ist das Modell, genau wie zuvor seine Geschwister Terminal Mix 2 und 4, kompatibel zur neuseeländischen Software Serato-DJ. Unterschiede gibt es jedoch in der Versions-Ausstattung, denn der „T2“ ist für 349 Euro „nur“ mit Serato Intro zu haben, für 499 Euro hingegen mit Serato DJ und Serato Video ausgestattet.  

Den „Vierer“ gibt es aktuell nur in dieser Kombination – und zum selben Listenpreis. Nichtsdestotrotz darf der Proband selbstverständlich auch mit jeder anderen Softwarte eingesetzt werden, die MIDI-lernfähig ist. Obgleich die Reloopsche Controller-Sippschaft einige Gemeinsamkeiten aufweist, beispielsweise bei den analogen Schnittstellen und den Low-Profile-Jogwheels, sind die physikalischen Unterschiede zum Terminal Mix 8 wie die allgemeine Größe, das spezifische Layout und die verbauten Bedienelemente, allen voran die kunterbunt leuchtende Pad-Sektion und die insgesamt professioneller wirkende Aufmachung und Funktionsbeschriftung, nicht zu übersehen. Es spricht also alles dafür, den mit 599 Euro bepreisten „Achter“ ins Bonedo-Teststudio zu holen und herauszufinden, wie er sich im Rennen um die vorderen Plätze im Controller-Ranking schlägt.

Details

Bevor es ins Eingemachte geht, werfen wir einen Blick in den Karton respektive auf den Lieferumfang, bestehend aus einer Einheit „TM8“, einem USB-Kabel und einem Stecker-Netzteil mit Adaptern, das zum Betrieb zwingend erforderlich ist. Dazu gibt's eine Serial-Card für die Registrierung und Aktivierung der Download-Software und einen viersprachigen (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch), farbig illustrierten Quickstart Guide. Die Kommandozentrale misst 525 x 63 x 362 mm bei einem Gewicht von 5,3 kg und ist somit allemal zu groß für eine Standard-Bag und auch zu schwer, um sich das Teil als urbaner Wander-DJ über den Rücken zu werfen. Form follows function.  

Verarbeitung und Layout

Die Elektronik sitzt wohl behütet in einem Metallgehäuse, dessen Ecken, Seiten und vordere Überhänge durch ein abgerundetes Plastikformteil besetzt sind, womit der DJ beim Transport seiner Utensilien einigermaßen vor Stoßschäden am Gerät selbst oder am restlichen Equipment gefeit sein sollte. Ein- und Ausgangsbuchsen sitzen recht wackelfrei im Front- und Backpanel. Die Aussparung für das Kensington Schloss hat ganz unkonventionell an der hinteren rechten Geräteseite Platz gefunden, warum auch nicht! Potis, Fader und Encoder weisen zweckdienliche Größen und praxisgerechte Regelverhalten auf. Erwähnung finden sollte in diesem Zusammenhang, dass die Potikappen ausnahmslos auf Metallachsen sitzen und nicht auf bruchgefährdeten Plastikstiften. Sowohl die „Filter-Fattys“ als auch der übergroße Browse-Encoder mit seiner gedrehten Aluminiumkappe wissen auf Anhieb zu gefallen, denn Erstgenannte überzeugen, abgesehen vom natürlichen Regelwiderstand, mit einer griffigen Gummierung, die den anderen Tasten außer dem Master nicht zuteilwurde. Der Encoder hingegen liegt nicht nur gut in der Hand, sondern verfügt zudem über eine Push-Funktion, um zwischen Seitenleiste und Playlist innerhalb von Serato umzuschalten. Ihm stehen einige Buttons für die Navigation und die Umschaltung von Screen-Sets zur Seite.  

Die Pads und Tasten auf der Bedienoberfläche sind allesamt beleuchtet und zudem über den Regler am Backpanel in der Intensität regulierbar, womit sich in dunklen Umgebungen eine gewisse Grundillumination erzeugen lässt. Das gefällt. Die Ablesbarkeit der Tasten selbst und der hellen Aufdrucke in der EQ-Sektion ist ausgezeichnet. Bei den Shift-Funktionen wird es im finsteren Techno-Club ohne Stage-Light eher schwierig, aber die Doppelbelegungen sind nicht so zahlreich, als dass man sie sich nicht merken könnte. Hierzu möchte ich auch gleich mal loswerden, dass in der zum Testzeitpunkt (Juni 2014) aktuellen Serato DJ Version 1.6.3 der Sampler-Output über den Push-Encoder (trotz Beschriftung) nicht gesetzt werden kann und der Slip-Modus nicht funktioniert. Ein Fall für das nächste Serato Software-Update?!

Standards, Bells und Whistles

Was das Layout angeht, orientiert sich Reloop am gängigen Marktstandard, also einem zentralen Mixer und zwei flankierenden Decks mit Pitch-Fadern an den Außenseiten, Effekten oben und einer Transportsektion unter dem hier superflachen und hinreichend großen, im Laufwiderstand gut eingestellten Jogwheel mit seiner zuschaltbaren Scratch-Funktion. Allerdings muss ich dem Terminal schon ein wenig „ankreiden“, dass es aufgrund der (immer noch als kompakt zu wertenden) Größe im Zentrum schon etwas eng wird. Das Layout ist weitestgehend logisch, was – so man sich damit anfreunden möchte und den „Raumverlust“ durch die mittig platzierte Master-Sektion in Kauf nimmt – auch für eben diese Abteilung mit ihren Lautstärkereglern für den Master, Booth, Phones und Sampler sowie dem Cue-Mix gilt.  

Stringent wirkt auch das Frontpanel mit dem zweifachen Kopfhörerausgang, nebst Tone-EQ (!) und der Mikrofon- und Aux-Sektionen, die nicht nur einpegeln und klangregulierend wirken möchten, sondern sich auf Wunsch auch durch die Software statt direkt auf den Master schleusen lassen. Allerdings kann das Signal in Serato (noch) nicht weiterbearbeitet werden. Jene Inputs jedenfalls lassen sich freilich auch im Notfall nutzen, also beispielsweise mit einem iPhone-Signal oder einer Gesangseinlage speisen, während der Rechner neu bootet.  

Die alles andere als fummeligen Regler an der Vorderseite, mit Ausnahme des vergleichsweise mickrig geratenen, etwas schwergängigen Curve-Controllers, lassen sich versenken. Jener ermöglicht es mir, die Charakteristik der Crossfader-Blendkurve auf Mix- oder Cut abzuändern, was im letzten Fall einen Regelweg von knapp einem Millimeter bedeutet, bis der Sound voll da ist. Prima. Ja, und dass man ihn schon beherzt drehen muss, schützt natürlich auch vor versehentlichem Verstellen. Ich hätte hier dennoch lieber die größere und versenkbare Variante gesehen. Die vorderen Schalter für das Routing der Kanalsignale auf den Crossfader sind ebenfalls praxisdienlich ausgeführt und wo wir gerade beim Thema „Scratch-Tools“ sind: Die flachen leicht geriffelten „Vinyl-Grip-Jogwheels“ mit ihren 150 Millimetern Durchmesser liegen gut unter den Fingern und übertragen Bewegungen ausgesprochen akkurat an die Software, so viel vorweg. Dass die Slip-Funktion nicht funktioniert, sondern bei Shift-Betätigung eine visuelle Status-Umkehrung der Scratchmode-LED zur Folge hat, ist dem Bundle bis auf Weiteres „anzukreiden“.

Bleibt noch der Blick auf das übersichtlich aufgebaute hintere Anschlussfeld, das neben der Netzteilbuchse zur Spannungsversorgung (nur USB geht nicht), dem Power-Button und der USB-Schnittstelle folgende Komponenten präsentiert: Je einen symmetrischen und nicht symmetrischen Master-Ausgang, einen Cinch-Booth-Output und einen Aux-Input mit Rändelschraube, wo das Massekabel eines Plattenspielers befestigt werden kann, sollte der Protagonist den Phono-Betrieb anstelle eines Line-Inputs per Dip-Schalter aktivieren. Vor dem Hintergrund, dass das Terminal für knapp 600 € über den Tisch wandert, kann man natürlich nicht alles erwarten, doch ist es schon etwas schade, dass es keine echte standalone Mischpult-Funktion anbieten kann, wie beispielsweise ein American Audio VMS4 (UVP: 499 €), ein Numark N4 (UVP: 499 €) oder ein Denon MC6000MK2 (UVP: 719 €) Nun gut, aber die braucht auch nicht jeder und für den Laptop-DJ ist bei Reloops Baby ausreichend gesorgt.  

Der zweite hintere Dip-Switch legt fest, ob die Stereo-Pegelanzeige das Master- oder PFL-Signal darstellen soll. Vier Decks teilen sich zwei LED-Meter, das bedeutet folglich, dass das PFL-Meter (mono) immer mit dem aktuell gewählten Deck korrespondieren muss und beim Umschalten umspringt. Auch ist es für den Workflow suboptimal, ständig nach hinten greifen zu müssen – so man es denn überhaupt zu tun gedenkt und sich nicht gleich auf Autogain und sein Gehör verlässt. Was soll ich sagen: Kann man sicher so machen, aber separaten Channel-Metern würde ich dennoch jederzeit den Vorzug geben.

Software

Die Software-Installation der Download-Datei und die Freischaltung über die Serial-Card verliefen erwartungsgemäß reibungslos. Bei dieser Gelegenheit bügele ich auch gleich das neue Firmware-Update auf die Hardware. Zur Software hier ein kleiner Überblick über die Kernbestandteile, gefolgt von drei Layout-Screenshots:

  • Bis zu vier Decks mit flexiblen Wellenformansichten und Beatgridding-Tools
  • File-Browser und (intelligente) Crates nebst Prepare-Liste und History
  • Session Recorder mit Input Routing für externe Zuspieler
  • SP6 Sample Player
  • Zwei synchronisierbare Effektsektionen mit kommerziell nachrüstbaren FX-Packs von iZotope
  • Loops, Rolls, Cues, Slicer
  • Umschaltbare Layouts
  • Software-seitig einstellbarer EQ-Boost
  • Optionale kostenpflichtige Expansion-Packs, z.B. Video und Pitching
  • Remote Control-fähig (iOS)
  • Online Playlist Export
  • MIDI-Mapping
  • Automatische Takt-Synchronisation

Die Software-Funktionen sind teilweise abhängig von der verwendeten Hardware, daher also genug des Vorgeplänkels und nichts wie rein in den Praxisteil.

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