Gear_DJ-Controller
Test
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20.01.2021

Praxis

RANE ONE läuft mit Serato DJ, ob es noch weiteren Software-Support geben wird, steht in den Sternen. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen lautet die aktuelle Versionsnummer Serato DJ 2.4.4 und das Programm fordert Windows 10, 64 Bit nebst einer Intel i3 bis i9 CPU ein. MacOS 10.13-10.15 werden supportet, MacOS Big Sur und der Apple M1-Chipsatz werden noch nicht unterstützt. Das Programm installiert auf Wunsch den RANE ONE Treiber ebenfalls mit und außerdem wäre noch der Crossfader mit dem RANE Control Panel Tool von RANEs Website zu kalibrieren. Ist alles erledigt, kann es losgehen. Gemischt wird auf zwei Kanälen. Deck 3 und 4 werden nicht unterstützt.

 

Mixer + FX

Der Mixer verfügt über einen DJ-typischen 3-Band-EQ mit Full-Kill und 6 dB Boost, wobei ihr den Boost in den Einstellungen der Software anpassen könnt, aber leider nicht die Filterresonanz. Die Pegel der beiden Kanäle und des Master-Outputs lassen sich gut an den ampelfarbcodierten achtschrittigen Channelmetern und dem Summenmeter ablesen, welche die Master- und Booth-Lautstärkeregler säumen 

Als Crossfader wird Ranes Flaggschiff-Crossfader MAG FOUR verbaut, für die Kanal-Fader hingegen sind Standard-Fader eingesetzt. Auch diese lassen sich nach euren Vorlieben via Contour-Poti einstellen und ebenso umkehren, wenn es euch beliebt, wobei die Umkehrung der Line-Fader separat selektierbar ist und die Steilheit gemeinschaftlich festgelegt wird. Schraubt ihr die Fader-Abdeckung ab, könnt ihr zudem den Widerstand des MAG FOUR mittels Schraube anpassen 

Ein spannendes Feature des RANE ONE sind die Mixer-FX, gesteuert über große, griffige Hebel mit Trigger- und Hold-Stellung. Sechs Serato FX können via FX-Tasten 1-6 direkt, einzeln und per Multiselektion adressiert werden. Ferner lassen sich Beats einstellen oder eintappen und das Dry-Wet-Level bzw. die Effektmischung anpassen. Das macht Laune.

Decks

Nicht, dass es motorisierte Jogwheels oder Platter nicht in anderer Form an einem Controller (siehe NI Traktor S4 MK3) oder an einem Mediaplayer (siehe Denon SC5000M und SC6000M) geben würde oder zuvor gegeben hätte (siehe Numark NS7 3). Aber keine Frage: Die 7,2 Zoll großen Teller im waschechten Turntable-Look sind ein echtes Alleinstellungsmerkmal unseres Testkandidaten.  

Die motorisierten (abschaltbaren) 7 Zoll Plattenteller verfügen über High/Low-Torque-Einstellung (Schalter hinten) und angenehm große Start/Stopp-Tasten im Stil eines Plattenspielers.

Beim RANE ONE fühlt sich das Handling richtig klasse an und sieht eben auch Turntable-mäßig aus, denn die Teller sind mit  Technics typischen Strobo-Punkten besetzt und besitzen ein amtliches Look and Feel 

Eine Strobe-Beleuchtung gibt es allerdings nicht, dafür reflektieren die vielen LEDs rund um den Teller, der natürlich mit Slipmat und Vinyl belegt ist, das über eine Federvorrichtung bzw. einem Schnappverschluss sicher in der Spindel arretiert wird. Die „Control-Disc“ kann vom Benutzer ersetzt werden, indem der Schnellwechseladapter an eine eigene modifizierte Auflage anbringt. Diese muss drei passgenaue Bohrungen mit einem Durchmesser von 6 mm aufweisen. Mit normalen Singles ist dies jedoch nicht möglich, da der Adapter durch die mittlere Aussparung flutscht. Einfach bei Bedarf die mitgelieferte Scheibe als Schablone verwenden.

Die Player beherbergen auf jeder Seite einen Encoder zum Durchsuchen der Musikbibliothek und zum Laden des Titels. Besonders hier: Drückt ihr ihn 2x, wird ein Instant Double ins Deck befördert. Die Taste darunter dient dem Zurückspringen und lädt via Shift den jeweiligen Titel in die Prepare-Liste. Praktisch 

Ihr gegenüber ist ein Search-Strip positioniert. Am RANE Twelve MK2 (zum Test) dient dieser auch der Ansteuerung von Hotcues, hier gibt es hingegen Performance Pads dafür, also nutzt man den Streifen für einen groben Needle-Drop oder die Schnellsuche, außerdem zeigen die LEDs die ungefähre Position des Play-Heads an. Der Drehregler daneben sorgt für eine individuelle Stoppzeit-Regelung. Mit dem Motor-off-Schalter kann der Motor abgeschaltet werden, dann ist leider kein Scratching mehr möglich. Censor und Reverse komplettieren die obere Deck-Hälfte.

Performance Tools

Unten finden sich ein: die obligatorische Transportsektion, ein 100 mm langer, präzise arbeitender Pitch mit Range-Umschaltung und Keylock, Pitchbend-Tasten und die separate Loop-Abteilung mit Autoloops, manuellen Schleifen und Cutter/Doppler und möglicher Flankenanpassung von Loops via Teller.

Zentral unter dem Plattenteller leuchten einem die Performance Pads mit den zugehörigen Paarmetertasten entgegen. Im Gegensatz zu den anderen Tasten der Decksektion aus milchtrübem Hartplastik setzt die Performance-Sektion auf Gummi. 25 mm groß sind dabei die Pads und sie lassen sich gut spielen.  

Warum RANE/Serato nur die oberen fünf von zehn möglichen Performance-Modi für den ONE aufgedruckt hat, ist mir unklar. Vielleicht deutet dies darauf hin, dass womöglich demnächst ein paar neue Modi inklusive freier Konfiguration anrollen, aber das ist reine Spekulation. Persönlich hätte ich nichts gegen Pad-FX einzuwenden.

In der Summe kommen wir so auf:

  • Hotcue: 8 Sprungmarken pro Deck
  • Saved Loop: Wiederholschleifen in unterschiedlichen Größen
  • Roll: 8 unterschiedliche Loop Rolls
  • Sampler: 8 Sample-Slots + Bank Switch via Parameter
  • Slicer als fortlaufende Variante
  • Pitch Play (bis zu 7 Halbtöne hoch und runter)
  • Saved Flip für bis zu 8 Flips
  • Auto Loop
  • Scratch Bank Mode: Hier könnt ihr 8 Scratch-Samples parken + Bank Switch via Parameter
  • Slicer im Loop Mode

Außerdem lassen sich „Beat Jump Controls“ im GUI aktiveren, woraufhin bei den Pad-Modi Roll und Auto Loop die untere Zeile für einstellbare taktgenaue Sprünge vor und zurück fungieren kann.

Rane One, der mobile Twelve- und Seventy-Ersatz?

Auf den ersten Blick sieht der Dual Deck Controller wie eine geschrumpfte Symbiose aus dem Battle-Mixer RANE Seventy und dem Deck-Controller RANE Twelve aus, nur um einiges kompakter. Das erkauft man sich primär durch 7 Inch statt 12 Inch Teller und eingeschränkte Mixer-Funktionen – oder sollte man besser sagen ausgewählte Mixer-Funktionen? Was ich schade finde: Trotz der Möglichkeit, externe Zuspieler anzudocken, hat es nicht für ein paar Hardware-FX gereicht. Vielleicht wäre ein simpler Send/Return  eine Lösung gewesen, aber gut  - hier steht wohl das Plug & Play Konzept im Vordergrund.

Der „ONE“ also mitunter als „erster“ Kaufentscheid für RANE-Newbies und als interessanter mobiler Weggefährte für Turntablism Ein-/Umsteiger und Profi-Anwender? Womöglich! Wer von Plattenspielern kommt, wird sich hier aufgrund des authentischen Vinyl-Feelings direkt heimisch fühlen – ganz ohne Nadelsprünge und Timecode sowie Nadelverschleiß. Performance-Tools sind ebenfalls genug vorhanden, um der Mixsession den eigenen Stempel aufzudrücken. Und wenn man doch ein paar Vinyls auflegen will, die Turntables können ja bekanntlich ebenfalls hinten angedockt werden.

EDIT: Kurz nach unserem Test gab es auch schon ein Update. Nun ist der RANE ONE auch kompatibel mit VirtualDJ und Algoriddim DJAY.

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