Eurorack-Module
Test
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12.02.2019

Radikal Technologies RT 311 Swarm Oscillator Test

Hochwertiger DSP Multi-Oszillator mit bis zu 16 Stimmen

Angriff des Oszillator-Schwarms

Nach dem dualen Multimode Filter RT 451 präsentiert uns Jörg Schaaf von Radikal Technologies einen DSP-basierten Multi-Oszillator mit bis zu 16 Stimmen. Hierbei handelt es sich aber nicht um 16 individuelle Stimmen, sondern um zwei Oszillator-Gruppen wobei jede Gruppe eine Detune-Wolke von bis zu acht Oszillatoren ausgeben kann.

Der Swarm Oszillator verspricht höchste digitale Audioqualität mit einer analogen Arbeitsweise. Dabei bietet dieses Modul eine große Anzahl an Oszillatoren und Funktionen ohne Screen oder Menüs. Wir haben uns den Swarm Oscillator genauer angeschaut und angehört und die verschiedenen Funktionen unter die Lupe genommen.

Details

Verpackung und Verarbeitung

Der Swarm Oscillator wird, genau wie der Dual Multimode Filter, sicher verpackt ausgeliefert und zeigt sich in entsprechender, überdurchschnittlich hoher Verarbeitungsqualität. Durch die massive Frontplatte hat auch dieses Radikal Technologies Modul ein eher hohes Eigengewicht und hinterlässt durch die sehr wertigen Potis und Tasten einen sehr stabilen Eindruck. Der RT 311 wird in zwei Teilen ausgeliefert.

Eine kleinere DSP-Platine wird hierbei einfach auf die Hauptplatine gesteckt, die mit der Frontplatte verschraubt ist. Das geht schnell und einfach von der Hand. Die Verbindung durch mehrere kleine Buchsen rastet beim Zusammensetzen ein und hält stabil. Hier kommt schon ein bisschen DIY-Feeling auf ohne dabei löten zu müssen. Die Grafik der Frontplatte wurde im Vergleich zum RT 451 Dual Multimode Filter überarbeitet und macht einen soliden und hochwertigen Eindruck, passend zum Rest dieses Moduls.

Aufbau

Der RT 311 ist 32TE breit und 30 mm tief, womit er auch in Skiffs einzusetzen ist. Ausgestattet ist das Modul mit 16 normalgroßen und einem großen Poti, die alle einheitlich über die große Frontplatte verteilt sind, womit sich der Swarm Oscillator sehr gut und direkt bedienen lässt. Neben den Potis sind auch vier Drucktaster und acht Buchsen für Ein- und Ausgänge vorhanden, um die verschiedenen Funktionen auszuwählen und anzusteuern. Informationen über alle Einstellungen geben zehn mehrfarbige LEDs, wovon acht davon kreisförmig um das große Poti in der Mitte angeordnet sind. Alles in allem macht der Swarm Oscillator einen sehr aufgeräumten und direkten Eindruck. Hier wurde kein Platz verschenkt und alle Potis und Buchsen zeigen sich in einem angenehmen Abstand zueinander.

Bedienelemente in drei Reihen angeordnet

Obere Reihe

Die Bedienelemente sind in drei Reihen angeordnet. In der oberen Reihe finden wir Potis, die zur Einstellung der Tonhöhen der einzelnen Oszillatoren dienen. Mit den ‚Tune‘ und ‚Octaves‘ Potis lässt dich die Frequenz aller Oszillatoren gleichzeitig einstellen. Sehr schön ist hier zu sehen, dass, wenn man den Mode Taster gedrückt hält, die Stimmung nicht mehr fließend, sondern in Halbtonschritten bzw. Oktaven stattfindet. Hier wurde die digitale Natur des Moduls sehr gut ausgenutzt. Diese Funktion ist sehr praktisch und funktioniert auch ähnlich bei anderen Parametern.

Auch die Anzeige mit dem mehrfarbigen LED-Kranz ist gut durchdacht und praktisch. Die Anzeige wurde für die Einstellung von Frequenzen an ein klassisches Keyboard angelehnt. Weiße Tasten werden mit einer weißen LED angezeigt und schwarze mit zwei blauen LEDs. Bei Mittelstellung leuchtet die LED in der Mitte weiß auf.

Zusätzlich zu dem Punkt, dass man die Mittelstellung von Parametern prima erkennen kann, wurde auch der Wertebereich um die Mittelstellung der Potis etwas weiter gewählt, sodass man diese auch im Eifer des Gefechts schnell erreichen kann. Das Fehlen eines größeren Wertebereichs um die Mittelstellung habe ich schon bei manch anderen Modulen bemängelt, da es sich oft als schwierig und zeitaufwendig darstellt die Mittelstellung zu finden, und so freut es mich besonders, dass Radikal Technologies hier an so einfache, aber sehr praktische Details gedacht haben.

Auf der anderen Seite der oberen Reihe finden wir ein ‚Detune‘ und zweites ‚Octaves‘ Poti. Das Detune-Poti verstimmt die einzelnen Oszillatoren gegeneinander. Dreht man das Poti nach links, werden die beiden Oszillatoren bzw. Oszillator-Schwärme gegenläufig verstimmt. Dabei wird der erste Oszillator herunter und der zweite hochgestimmt. Dreht man das Detune-Poti nach rechts, so verändert sich nur die Stimmung des zweiten Oszillators. Der rechte Wertebereich ist für größere Intervalle ausgelegt, was dem Anwender sinnvolle Möglichkeiten mit wenigen Bedienelementen und ohne Untermenüs bietet.

Auch hier kann man bei gedrückter Mode-Taste in Halbtonschritten, anstatt fließend einstellen. Das zweite Octaves-Poti dient zur Verstimmung des zweiten Oszillators und zum Schluss hat es in der oberen Reihe noch die ‚Density‘ und ‚Spread‘ Potis. Density steuert die Anzahl der am Schwarm beteiligten Oszillatoren. Dreht man dieses Poti im Uhrzeigersinn, so werden bis zu sieben weitere Kopien des Oszillators hinzugefügt. Hält man hierbei wieder die Mode-Taste gedrückt, werden Akkorde ausgewählt, auf die die Oszillator-Kopien des Schwarms gestimmt werden.

In der Mittelstellung ertönt der normale Schwarm ohne Akkorde, rechts findet man Dur-Akkorde und links Moll-Akkorde. Auch hier wurde die Digitaltechnik sehr sinnvoll ausgenutzt. So lässt sich sehr schnell und einfach eine Vielzahl an unterschiedlichen Akkorden auswählen. Erst wählt man mit dem Density-Poti aus wie vielen Tönen ein Akkord bestehen soll, um dann mit gedrückter Mode-Taste die eigentlichen Akkorde auszuwählen.

Auch bei diesen Vorgängen liefert der LED-Kranz immer einen echten Überblick, sodass man ohne Menüs oder Bildschirm sehr schnell und praxisorientiert arbeiten kann, was besonders beim Live-Einsatz sehr nützlich ist. Der Spread-Regler steuert wie stark die einzelnen Oszillatoren des Schwarms gegeneinander verstimmt werden. Der Swarm Oscillator bietet auch Snapshots, die man auch untereinander interpolieren kann. Per Spread-Poti lässt sich hierbei einstellen, wie viele Snapshots und in welche Richtung diese ausgewählt werden, aber zu diesem Modus kommen wir später nochmal etwas ausführlicher zurück.

Mittlere Reihe

Die zweite Reihe bietet, außer dem multifunktionalen großen Drehregler mit dem LED-Kranz, vier weitere Potis zur Einstellung der Wellenformen der beiden Oszillatorgruppen. Mit den beiden ‚Wave‘ Potis lässt sich zwischen den vier Grundwellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Rechteck stufenlos überblenden. Dafür bietet der RT 311 ein dediziertes Wave-Poti für jede der beiden Oszillatorgruppen. Wie auch schon bei der Stimmung, kann man auch hier mit zusätzlich gedrückter Mode-Taste direkt zur jeweiligen ‚sauberen‘ Wellenform springen.

Die letzten beiden Potis in dieser Reihe sind mit ‚TLM‘ beschriftet. Dabei handelt es sich um eine Art Pulsweitenmodulation, die aus dem Spectralis Synthesizer übernommen wurde. ‚TLM‘ steht für ‚Time Linearity Modulation‘ und ermöglicht eine Variation an Pulsweitenmodulation, die nicht nur auf Rechteckwellenformen begrenzt ist, sondern auf jede beliebige Wellenform angewendet werden kann. Hierbei werden Wellenformen halbiert und die beiden Halbwellen anschließend gegenläufig gedehnt und gestaucht. Die Ergebnisse klingen gut und gestatten interessante Klangkreationen bei der Verwendung verschiedener Wellenformen.

Untere Reihe

Die letzte Reihe des Swarm Oscillators ist für Modulationen sowie Ein- und Ausgänge zuständig. Über dem 1V/Okt Eingang liegt ein ‚Scales‘ Poti, das der Steuerung der Quantisierung eingehender Steuerspannungen dient. Hier ist also ein Quantizer verbaut und wieder einmal zeigt Radikal Technologies, wie man digitale Technik musikalisch sinnvoll und praxisgerecht in das Eurorack implementieren kann.

In der Mittelstellung ist die Quantisierung ausgeschaltet, im Uhrzeigersinn werden Skalen mit einem Dur-Charakter ausgewählt und gegen den Uhrzeigersinn finden sich die Moll-Skalen. Hierbei stehen insgesamt 14 verschiedene Skalen zur Auswahl. 

Weitere Bedienelemente, Ein- und Ausgänge

Neben dem 1V/Okt Eingang gibt es eine ‚SYNC‘ Taste. Hiermit lassen sich die beiden Oszillatorgruppen im Sync-Modus betreiben. Eine dedizierte LED informiert darüber, ob der Sync-Modus gerade eingeschaltet ist oder nicht.

Weiterhin hat es zwei Eingänge für FM und die dazugehörigen FM-Potis. Diese regeln die Tiefe der FM-Modulation. Liegen keine externen Steuerspannungen an den Buchsen an, so werden die beiden Oszillatoren automatisch intern verbunden. Dreht man diese Potis ganz nach links, so werden die FM-Eingänge ebenfalls auf genau 1V/Okt kalibriert. Das bietet Möglichkeiten die beiden Oszillatorgruppen auch getrennt zu spielen und macht aus dem Swarm Oscillator ein duophones Modul.

Die nächsten Funktionen sind für den Snapshot-Modus vorgesehen. Abgespeicherte Snapshots können automatisch mit einem internen LFO durchlaufen werden, wobei man hier mit der ‚Speed‘ Eingangsbuchse und dem Speed-Regler die Geschwindigkeit des internen LFOs einstellen kann. Auch hier wurde digitale Technik wieder sehr sinnvoll eingesetzt, denn der Speed-Eingang merkt automatisch, ob eine Steuerspannung oder Trigger anliegen.

Mithilfe des ‚POS‘ Eingangs lassen sich einzelne Snapshots direkt per Steuerspannung auswählen. Ganz einfach und zudem sehr nützlich ist die ‚Data‘ Funktion des Swarm Oszillators. Hierfür gibt es einen ‚DATA‘ Ausgang und das dazugehörige Poti. Dieser Ausgang gibt einfach eine feste Steuerspannung aus, welche mit dem DATA-Poti eingestellt wird. Eigentlich sehr simpel, macht diese Funktion mit den Snapshots sehr viel Sinn.

Die eingestellten Steuerspannungen werden nämlich mit abgespeichert und können, genau wie alle anderen Einstellungen, interpoliert ausgegeben werden, wenn man zwischen den verschiedenen Presets wechselt. So kann man weitere Module steuern und interessante Kurvenverläufe für die ausgehende Steuerspannung auf einfachste Weise programmieren.

Zum Schluss finden wir noch zwei Ausgänge für die beiden Oszillatorgruppen mit zugehörigem Mix-Poti. Steht dieses Poti in der Mittelstellung, so werden die beiden Gruppen getrennt auf den jeweiligen Ausgängen ausgegeben. Dreht man das Poti gegen den Uhrzeiger Sinn, so wird die zweite Gruppe auf den ersten Ausgang gemischt und umgekehrt, wobei die entsprechende Oszillatorgruppe aber weiterhin auf ihrem eigenen Ausgang zu hören bleibt.

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