Gitarre Hersteller_Radial_Engineering
Test
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20.09.2012

Praxis

Als erste Amtshandlung innerhalb des Praxis-Checks werde ich die Klangstabilität beider Ausgänge untersuchen und - quasi außer Konkurrenz - den Tuner-Out checken. Für manche Anwendungen wäre es nämlich noch eine weitere Option, auch diesen Output an einen Verstärker anzuschließen und somit ein einzelnes Gitarrensignal auf drei Amps zu verteilen. Als Referenz habe ich zuerst das direkte Signal aufgenommen, die Gitarre wurde also direkt mit dem Verstärker verbunden. Anschließend habe ich dann den Switchbone dazwischen geschaltet und den Amp über die beiden Ausgänge und den Tuner-Out nacheinander angesteuert und aufgenommen (bei gleicher Ampeinstellung).

Klanglich sind die beiden Haupt-Ausgänge (Out 1 und 2) identisch, im Gegensatz zu anderen Splittern fällt aber auch das Signal im Tuner-Out nicht sonderlich ab. Das ist grundsätzlich schon mal sehr gut. Hört man aber genau hin, büßen alle drei Signale im Vergleich zum Direktsignal ein wenig an Klangqualität ein. Da die unteren Mitten bei dazwischengeschaltetem Switchbone leicht abgesenkt werden, wirkt  der Sound unterm Strich einen Hauch brillanter und verliert etwas an Wärme. Das Ganze ist aber wirklich minimal, und etwas Klangverlust muss man beim Dazwischenschalten von Geräten ja leider immer in Kauf nehmen. Dennoch sollte es hier nicht unerwähnt bleiben.

Die Brummproblematik beim Betreiben von zwei Verstärkern ist relativ locker in den Griff zu bekommen, denn der Switchbone ist mit einem Ground-Lift ausgestattet, der die Erdung von Output 2 kappt und so effektiv dabei hilft, Erdungsbrummen zu eliminieren. Wichtig für eine erfolgreiche „Jagd“ ist aber, dass der Hauptverstärker an Output 1 angeschlossen und mit einem dreiadrigen Stromkabel versorgt wird (und somit immer geerdet ist). Denn über diesen Anschluss wird gleichzeitig auch das Gehäuse des Switchbones geerdet.

Eventuelle auftretenden Polaritäts-Problemen beim Parallelbetrieb von zwei Verstärkern kann man mit dem Polarity-Schalter entgegenwirken, denn er dreht die Polarität von Output 2 um 180°. Klingt der Sound der gleichzeitig angesteuerten Amps dünn und drucklos ist davon auszugehen, dass die verwendeten Amps phasenverdreht arbeiten und es in der Folge zu Frequenz-Auslöschungen kommt. In solchen Fällen ist das Drehen der Polarität eines der beiden Outputs (hier Output 2) das Mittel der Wahl. 

Übrigens: Beim optionalen Anschließen eines dritten Amps über den Tuner-Out kann es unter Umständen zu Brummschleifen kommen. Da der Hersteller den Tuner-Ausgang nicht für den Anschluss eines dritten Amp vorgesehen hat, fällt das natürlich nicht in die Bewertung. Von der klanglichen Seite her wäre diese Erweiterung aber durchaus erwägenswert. 

Kommen wir jetzt zum Booster. Um euch einen Eindruck von der Wirkungsweise des Gain-Boosts zu verschaffen, habe ich mal drei verschiedene Settings aufgenommen: einmal den Standard Gain-Boost (ohne Mid-Boost) , dann die beiden Versionen des ´Mid Only´, 10 dB und 5 dB.

Mit dieser Option kann man den Amp noch mal ganz ordentlich aus der Reserve locken und den Verzerrungsgrad weiter anfeuern. Beim Mid-Boost werden die oberen Mitten angehoben, und man kann zum Beispiel einen etwas durchsetzungsfähigeren Ton für’s Solieren realisieren. Die komplette Boost-Funktion ist ein sehr gut durchdachtes und einfach zu bedienendes Feature, das sich in der Praxis schnell bewähren kann.

 

Drag Control

Diese Funktion stammt aus dem Radial JD7, der Luxusklasse in Sachen Signalsplitter, der es möglich macht, bis zu sieben Amps gleichzeitig anzusteuern. Um die Arbeitsweise dieses Reglers zu erklären, muss ich ein wenig ausholen. Also: Die Interaktion zwischen Gitarrenpickups und Amp ist ein wichtiges soundbildendes Element und kann unter Umständen flöten gehen, wenn ein Gerät mit Vorverstärker und aktiver Elektronik (wie der Switchbone) zwischen beide Instanzen geschaltet wird. Schließt man eine Gitarre mit passiven Pickups direkt an einen Verstärker an, interagiert die Impedanz des Amp-Eingangs mit den Tonabnehmern der Gitarre und sorgt so für eine dynamische, lebendige  Performance.

Da der Switchbone allerdings den Klangverlust durch die Signalaufteilung auffangen (puffern) muss und deshalb mit einem hochwertigen Class-A Vorverstärker (Pufferamp) ausgestattet ist, wird die direkte Verbindung zwischen Gitarre und Amp unterbrochen und auch die eben angesprochene Interaktion kann nicht mehr in der gewünschten Form stattfinden. Und genau hier kommt das „Drag Control“-Feature ins Spiel, denn mit seiner Hilfe lässt sich diese Interaktion und das daraus resultierende Spielgefühl wieder herstellen.

Je nach verwendetem Tonabnehmertyp kann die Gitarre mit dem Drag-Control auf Switchbone und Amp abgestimmt werden - und hier ist ausprobieren angesagt. Der Drag-Faktor wird geringer, je weiter man den Regler aufdreht, klanglich macht sich das durch eine leichte Höhenanhebung bemerkbar. Der Hersteller empfiehlt die 12 Uhr Ausgangsbasis für eine Strat und einen Fender-Amp, ich erreichte mit der SG und einem Marshall bei ca. 15 Uhr das beste Ergebnis.

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